Fotopraxis

Fotografieren im Tierpark – Teil 2

Seehund, Nikon D750, Sigma f/5-6.3 150-600mm, 600mm KB, 1/1000s, f/6.7, ISO1100, Einbeinstativ

Fotografieren im Tiergarten Seehund

Fotografieren im Tierpark ist der zweite Teil der Serie Fotografieren im Zoo. Ich gebe Ihnen Gestaltungstipps für Tieraufnahmen und wie Sie am besten durch Scheiben und Gitter fotografieren.

Im ersten Teil Fotografieren im Zoo zeige ich Ihnen, wie Sie Ihren Zoo-Besuch planen, welche Ausrüstung ideal ist und mit welchen Kameraeinstellungen Sie das Beste aus dem Motiv herausholen. Unter Tiere fotografieren erkläre ich, wie ein paar ausgesuchte Bilder entstanden sind.

Motiv isolieren – Fotografieren im Tierpark

Ihr Ziel soll sein, dass Sie die Tiere im Tiergarten oder Zoo so fotografieren, dass Abschrankungen, Zäune, Besucher und Gebäude(-teile) nicht im Bild sichtbar sind. Das Tier soll so auf dem Bild zu sehen sein, als hätten Sie es in der Wildnis aufgenommen.

  • Behalten Sie den Vorder- und Hintergrund im Auge. Beide können von Ihrem Hauptmotiv ablenken. Kontrollieren Sie, ob Gebäude, Zäune, Gitter, Besucher oder andere störende Elemente im Bild sind. Manchmal hilft schon ein Schritt auf die Seite, um den Hintergrund zu beruhigen. Mit langen Brennweiten und grossen Blendenöffnungen können Sie Vorder- und Hintergrund in Unschärfe verschwinden lassen und so Ihr Motiv isolieren.
  • Je weiter der Hintergrund von Ihrem Motiv entfernt ist, desto besser können Sie den Hintergrund in Unschärfe verschwinden lassen. Verändern Sie Ihre Position, falls der Hintergrund immer noch stört. Gehen Sie in die Hocke oder nach rechts oder links. Manchmal hilf eine kleine Standortveränderung Wunder.
  • Telezoom-Objektive haben einen Naheinstellbereich von einem Meter oder mehr. Sie müssen also ein Motiv haben, welches sich weiter entfernt befindet, sonst können Sie nicht auf dieses scharf stellen. Für Terrarien benötigen Sie deshalb die viel kürzere Naheinstellgrenze eines Makroobjektives.
Fotografieren im Tiergarten - Wolf

Wolf, Nikon D750, Sigma f/5-6.3 150-600mm, 480mm KB, 1/1000s, f/8, ISO1600, Einbeinstativ









Das Auge muss scharf sein!

  • Stellen Sie auf die Augen des Tieres scharf. Wenn sich das Tier bewegt, wählen Sie das kleine Fokusmessfeld, legen es auf das Auge des Tieres und lassen die Automatik mit dem Nachführ-Autofokus für Sie arbeiten.
  • Reflexionen in den Augen hauchen dem Tier auf dem Foto Leben ein. Achten Sie darauf, sonst wirkt das Tierporträit leblos.
  • Augen dürfen nicht im Schlagschatten verschwinden. Das passiert bei hartem Licht und hohem Sonnenstand.
  • Fotografieren Sie – wenn möglich – auf Augenhöhe der Tiere.
  • Nehmen Sie sich Zeit und warten Sie, bis das Tier zu Ihnen schaut. Oft lenken die unruhigen Besucher um Sie herum oder ein Geräusch den Blick des Tieres in Ihre Richtung. Solche Bilder wirken immer lebendiger. Ideal ist dabei ein Einbeinstativ.
Auge in Auge - Fotografieren im Tierpark

Auge in Auge, Nikon D750, Sigma f/5-6.3 150-600mm, 220mm KB, 1/1000s, f/8, ISO1600, Einbeinstativ

Perspektive wählen – Fotografieren im Tierpark

  • Damit auf Ihrem Tierbild keine störenden Gebäudeteile, Zäune, oder Besucher sind, lohnt es sich, dass Sie den besten Aufnahmeort suchen. Sehen Sie sich um. Können Sie das Tier durch den Wechsel des Standortes besser isolieren? Je weiter weg ein Tier vor dem geplanten Hintergrund steht, desto eher lässt sich der Hintergrund durch Unschärfe abschwächen. Wenn es Ihnen nicht gelingt, die Zooatmosphäre auszublenden, lassen Sie das Bild. Sie werden daran nicht lange Freude haben.
  • Können Sie das Bild aus einem anderen Blickwinkel aufnehmen? Möglichst tiefe Kameraposition? Damit versinkt der Vordergrund in Unschärfe und suggeriert eine Aufnahme aus einer Tarnstellung.
  • Fotografieren Sie mit der Serienbildfunktion Bewegungsphasen eines Tieres. So können Sie entweder das beste Bild auswählen oder verschiedene Einzelbilder in einem Tableau miteinander kombinieren.
  • Manchmal lohnt es sich, ein Tier durch die Gebüsche zu fotografieren. Das gibt dem Bild einen Touch von Wildnis. Auf dem nachfolgenden Bild mit dem Grünflügelara wählte ich den Gebüsch-Sichtschutz einige Meter neben der Besucher-Terrasse. Nachteil: Der Autofokus hat unter Umständen Mühe, das Hauptmotiv von den Ästen zu unterscheiden. Wichtig: Das kleine Autofokus-Messfeld anwählen.
Fotografieren durch den Sichtschutz

Fotografieren durch den Sichtschutz hindurch

Grünflügelara durch Sichtschutz fotografiert

Grünflügelara durch Sichtschutz fotografiert, Nikon D750, Sigma f/5.0-6.3 150-600mm, 600mm KB, 1/800s, f/6.3, ISO320, Einbeinstativ

Auf den Hintergrund achten – Fotografieren im Tierpark

Wenn Sie ein tolles Tiermotiv gefunden haben, aber der Hintergrund von allem ablenkt, können Sie Ihr Bild in die Tonne werfen. Der Hintergrund ist sehr wichtig, damit Ihr Motiv darin eingebettet und von ihm getragen wird. Oft reicht eine kleine Änderung der Aufnahme-Position. Oder Sie besuchen das Gehege später, wenn die Tiere andere Plätze bevorzugen. Wenn Sie noch nicht so lange Fotografieren, wird es Ihnen schwer fallen, auf alles zu achten. Mit der Zeit und viel Übung fallen Ihnen solche Dinge automatisch auf.

  • Achten Sie darauf, dass sich im Hintergrund keine störenden Objekte wie Gitter, Zäune, Drähte, Mauern, Stangen, Besucher usw. befinden. Wenn nötig, ändern Sie Ihre Position.
  • Beachten Sie, dass im Hintergrund keine sehr hellen Flächen vorkommen (oder nur helle). Unsere Augen blicken zuerst auf helle Bildteile. Sie wollen, dass Ihr Tiermotiv das Auge des Betrachters fesselt.
  • Die technischen Möglichkeiten, um den Hintergrund weich zu gestalten, habe ich schon erwähnt: grössere Abstand zwischen Motiv zum Hintergrund, näher am Motiv, längere Brennweite, grössere Blendenöffnung oder kleinerer Blendenwert, grösser Bildsensor. » Geringe Schärfentiefe
Flamingos - Fotografieren im Tierpark

Flamingos, Nikon D750, Sigma f/5-6.3 150-600mm, 500mm KB, 1/4000s, f/6.7, ISO400, Einbeinstativ

Flamingos mit Spiegelbild

Flamingos mit Spiegelbild, Nikon D750, Sigma f/5.0-6.3 150-600mm, 150mm KB, 1/500s, f/8, ISO400, Einbeinstativ

Gelduld beim Fotografieren im Tierpark

  • Es ist einfacher, wenn Sie sich auf ein – allenfalls ein paar – Tiergehege konzentrieren, als wenn Sie das ganze Zoogelände abklappern wollen. Gute Aufnahmen brauchen Geduld und Auslösebereitschaft, um im richtigen Moment abdrücken zu können.
  • Laufen Sie an den ausgewählten Gehegen mehrmals vorbei. Manchmal ist kein Tier sichtbar, eine Stunde später sind alle am perfekten Platz. Es braucht ein bisschen Glück.
  • Bleiben Sie eine Weile an einem Tiergehege und beobachten Sie, welche Bewegungen die Tiere ausführen. So lässt sich bei der nächsten Runde der richtige Moment erwischen. Sie werden feststellen, dass Sie mit der Zeit voraussehen können, was im nächsten Moment passieren könnte. Im Elefantengehege sah ich kein einziges Tier auch nur in der Nähe. Erst nach einigen Minuten entdeckte ich zwei Tiere, welche immer dieselbe grosse Runde drehten. Nun brauchte ich nur noch Geduld, den nächsten Durchgang abzuwarten.
  • Versuchen Sie Emotionen einzufangen. Das macht ein Bild attraktiver.
  • Verfolgen Sie mit Ihrem Objektiv – am besten auf einem Einbeinstativ – ein Tier und warten Sie, bis sich der Druck auf den Auslöser lohnt. So sind Sie bei spontanen Bewegungen oder Mimiken gleich am richtigen Ort.
  • Wenige, ausdrucksstarke Bilder machen mehr Freude als 500 Schnappschüsse – und sparen viel Zeit beim digitalen Workflow!
  • Wenn Sie Wölfe oder Elefanten fotografieren wollen, lohnt es sich, eine Weile der Bewegungen der Tiere zuzuschauen. So können Sie die Wege abschätzen und sich mit der Kamera bereit machen. Es lohnt sich, eine Weile zu warten, auch wenn gerade kein Tier in Sicht ist.
  • Bleiben Sie ruhig an einem guten Ort stehen. Beobachten Sie durch den Sucher das ausgewählte Tier. Warten Sie, bis es sich bewegt, aufrichtet, zu Ihnen blickt – und drücken Sie im entscheidenden Moment ab. Wenn Sie mit der Liebe-View arbeiten, ist es bequemer, das Motiv zu verfolgen, die Auslösverzögerung ist aber bei einer Spiegelreflexkamera so gross, dass Sie die guten Momente garantiert verpassen.
Löwin - Fotografieren durch Scheiben

Löwin – Fotografieren durch Scheiben, Nikon D750, Sigma f/5-6.3 150-600mm, 175mm KB, 1/350s, f/8, ISO6400

Durch Scheiben fotografieren

  • Reinigen Sie die Stelle der Scheibe, durch die Sie fotografieren wollen. Fingerabdrücke beeinträchtigen die Bildschärfe und den Kontrast.
  • Achten Sie auf Reflexionen von Glasscheiben. Sie können mit Ihrem Objektiv möglichst nahe an die Scheibe gehen. Am besten die Gegenlichtblende auf der Scheibe absetzen.
  • Wenn das nicht möglich ist, verwenden Sie einen Polarisationsfilter. Der schluckt zwar einiges an Licht, aber Sie können die Sensorempfindlichkeit erhöhen. Bildrauschen ist immer noch besser als Scheiben-Reflexionen. Gehen Sie mit dem Objektiv möglichst nahe an die Scheibe. Drehen Sie den Polarisationsfilter so lange, bis die Reflexion auf der Scheibe verschwindet.
  • ABER auch hier eine löbliche Ausnahme: Fotografieren Sie auch einmal bewusst durch eine mit Wasser bespritzte oder verschmutzte Scheibe. Das legt einen speziellen Soft-Effekt über Ihr Motiv.
  • Für die Aufnahmen des Gorillas stand ich rund fünf Meter von der Scheibe entfernt, leicht erhöht. Die Spiegelungen waren minim, ausser wenn ein Besucher mit heller Kleidung in der Nähe stand .
Gorilla - Fotografieren im Zoo

Gorilla, Nikon D750, Sigma f/5-6.3 150-600mm, 350mm, 1/750s, f/6.7, ISO6400, Einbeinstativ

» Weitere Tipps durch Scheiben fotografieren

Phillipinen-Krokodil durch Scheibe fotografiert

Phillipinen-Krokodil durch Scheibe fotografiert, Nikon D750, Sigma Makro f/2.8 105mm, 1/180s, f/8, ISO1000

Durch Gitter fotografieren

  • Obwohl ein unscharfes Gitter ein tolles Gestaltungselement sein kann, möchten Sie in den meisten Fällen, dass das Gitter auf dem Bild unsichtbar wird und Ihr Motiv wie in der Wildnis zeigt.
  • Verwenden Sie eine Brennweite von 100 mm oder länger. Je länger die Brennweite, desto eher bringen Sie den Draht zum Verschwinden.
  • Stellen Sie den Autofokus ab und manuell scharf. Der Autofokus könnte durch die nahem Drähte irritiert werden.
  • Gehen Sie möglichst nahe an das Gitter. Beachten Sie aber, ob dies beim der entsprechenden Tierart überhaupt erlaubt und ungefährlich ist.
  • Setzen Sie Ihr Objektiv senkrecht auf eine Lücke im Maschendrahtzaunes.
  • Wählen Sie eine grosse Blendenöffnung, dann erscheinen allfällige durchs Bild laufende Drähte nur noch als kaum erkennbare Schatten.
  • Beim folgenden Bild mit dem mongolischen Wolf ist im unscharfen Bereich das Gitter noch ganz leicht zu erkennen und gibt dem Bild nebst dem schönen Bokeh den gewissen Touch.
mongolischer Wolf durch Gitter fotografiert

mongolischer Wolf durch Gitter fotografiert, Nikon D750, Sigma f/5.0-6.3 150-600mm, 270mm KB, f/5.6, ISO1000, Einbeinstativ

Störche im Nest - Fotografieren im Tierpark

Störche im Nest, Nikon D750, Sigma f/5-6.3 150-600mm, 480mm KB, 1/4000s, f/8, ISO560

Weitere Tipps und Tricks zum Fotografieren im Tierpark

  • Wenn Sie warten müssen, bis ein Tier wieder in Ihre Nähe kommt, stellen Sie die Verschlusszeit und die Blende im manuellen Modus schon ein. Machen Sie ein Testbild und überprüfen Sie mit dem Histogramm, ob keine Tiefen oder Lichter abgeschnitten sind.
  • Infotafel fotografieren, dann wissen Sie zuhause noch, welches Tier Sie vor der Linse hatten. Zoo’s und Tierparke bieten auch Apps an. Damit können Sie zuhause in Ruhe den Namen des Tieres anhand des Standortes herausfinden.
  • Erzählen Sie mit Ihren Bildern Geschichten über ein Tier. Fotografieren Sie es beim Schlafen, Herumtollen, Essen, Spielen, bei der Körperpflege usw.
  • Sammeln Sie Fotos mit unterschiedlichen Tierfellen oder –häuten, Ohren oder Nasen usw. Erstellen Sie damit ein Tableau.
  • Wenn Sie ein Tropenhaus besuchen, beschlagen sich Kamerateile wie Sucher, Sensor und Frontlinse Aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit. Warten Sie deshalb, bis sich Ihre Kamera an die Raumtemperatur gewöhnt hat. Oft finden Sie am Eingang in der Luftschleuse einen Warmlüfter, mit deren Hilfe Sie Brillen oder Objektivgläser temperieren können.

» Fotografieren im Zoo – Teil 1

» Richtig fotografieren

» Richtig belichten

DigiSpick – das pratkische Handout – Fotografieren im Zoo

Das Handout DigiSpick mit den wichtigsten Tipps und Tricks zum Thema können Sie hier kostenlos downloaden und ausdrucken: » DigiSpick downloaden






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