Fotopraxis

Tiere fotografieren

Mongolischer Wolf, Nikon D750, Sigma f/5.0-6.3 150-600mm, 600mm KB, 1/500s, f/6.7, ISO2000, Einbeinstativ

Tiere fotografieren - mongolischer Wolf

Um Tiere fotografieren zu können, brauchen Sie eine besondere Ausrüstung. So kommen Sie sehr nahe an ein Tier heran, ohne es zu stören. In diesem Artikel zeige ich Ihnen, wie ein paar ausgewählte Bilder entstanden sind.

Im ersten Teil Fotografieren im Zoo zeige ich Ihnen, wie Sie einen Zoobesuch planen und welche Ausrüstung Sie einpacken sollen. Zudem geht es um optimale Kameraeinstellungen. Im Teil 2 Fotografieren im Tierpark erkläre ich Ihnen, wie Sie die Tiere gut vor dem Hintergrund isolieren können und mit etwas Geduld aussagekräfte Tierbilder erhalten.

Tiere fotografieren

Selbstverständlich können Sie mit Ihrem Smartphone oder einer Kompaktkamera Tiere fotografieren. Je nach Tierart kommen Sie damit auch genug nahe an diese heran. Sobald Sie aber scheue Tiere oder wilde Tiere fotografieren möchten, benötigen Sie eine lange Brennweite. Damit erhalten Sie einerseits einen Sicherheitsabstand, andererseits können Sie sich damit eher unbemerkt dem Tier nähern.

Wenn ich in einem Zoo oder Tierpark fotografiere, nehme ich deshalb das Sigma f/5.0-6.3 150-600mm mit. Damit sind die meisten meiner Tierfotos entstanden. Nur für Bilder in Terrarien wähle ich eine kürzere Brennweite mit einer kleinen Naheinstellgrenze – also ein Makroobjektiv mit 85 oder 105mm. Mein Favorit: Das Sigma Makro f/2.8 105mm.

Das grosse Zoom bringt mehr als ein Kilogramm auf die Waage. Mit einer Stativschelle versehen befestige ich dieses auf einem Einbeinstativ. So bin ich mobil, kann aber auch in Ruhe ein Tier beobachten und im richtigen Moment abdrücken.

Tiere fotografieren - mongolischer Wolf

Mongolischer Wolf im Gegenlicht, Nikon D750, Sigma f/5.0-6.3 150-600mm, 400mm KB, 1/400s, f/6, ISO450, Einbeinstativ

  • Wenn Sie Tiere fotografieren wollen, gehen Sie am besten auf Augenhöhe. Das Bild wirkt fesselnder.
  • Achten Sie darauf, dass Sie kein zu starkes Licht (Sommer, Mittagszeit) haben. Die Augen werden dann oft durch Schlagschatten abgedunkelt. Ideal ist es, wenn die Augen Lichtreflexionen aufweisen. Dann wirken sie besonders lebendig.
  • Beobachten Sie das Tier eine Weile. Sie können dann besser abschätzen, was im nächsten Augenblick passieren könnte.

Tiere fotografieren – wie entstehen meine Bilder?

Der Flachlandgorilla

Es war sehr viel los im Affenhaus. Sowohl vor als auch hinter der Scheibe. Da ich mein Telezoom Sigma f/5.0-6.3 150-600mm dabei hatte, konnte ich einige Meter Abstand zur Scheibe halten und zudem von erhöhter Position das Treiben im Gorilla-Gehege beobachten.

Plötzlich entdeckte ich einen Student, der in der Nähe eines am Boden liegenden Gorillas Experimente machte: Er griff in eine Tasche und wartete ab, wie der Gorilla reagieren würde. Dann nahm er verschiedene Gegenstände langsam aus der Tasche. Der Gorilla beobachtete immer wieder, was da kommen würde, blickte aber auch zu mir hoch.

Ich wählte meine Position so, dass die Spiegelung der Besucher auf der Scheibe möglichst gering war und wartete einen günstigen Blick des Gorillas ab. Nach einer ganzen Weile blickte er in meine Richtung – und ich drückte ab.

Gorilla - Fotografieren im Zoo

Gorilla, Nikon D750, Sigma f/5-6.3 150-600mm, 350mm, 1/750s, f/6.7, ISO6400, Einbeinstativ

Die Lichtverhältnisse sind im Affenhaus sehr schlecht. Dank der Vollformatkamera Nikon D750 konnte ich den ISO-Wert auf ISO6400 schrauben.









Mongolischer Wolf – Tiere fotografieren

Das Gehege des mongolischen Wolfes ist sehr gross. Es gibt viele Versteckmöglichkeiten, einen Besucher-Balkon und eine Wasserstelle. Auch wenn das Bild vermitteln könnte, dass der Wolf minutenlang in so einer Position verharren würde: Es sind kurze Augenblicke, in denen der Blick einfach stimmt. Ich habe gerne, wenn die Tiere in die Kamera schauen – oder zumindest die Augen sehr gut sichtbar sind. Und auf die Augen müssen Sie den Fokus setzen.

Das Bild ist nicht bei meinem ersten Zoo-Besuch entstanden. Ich habe immer wieder beobachtet, welche Touren die Tiere im Gehege machten. Sie bewegen sich viel – und es gibt immer wieder Stellen, da bleiben sie kurz stehen, blicken umher – um dann gleich wieder weiterzugehen. Nach längerer Beobachtung machte ich mich mit dem Einbeinstativ bereit. Es nimmt mir die Last des schweren Objektivs ab und hilft mir, die Kamera auf die gewünschte Position zu halten.

Zuerst suchte ich mir einen guten Platz, von dem ich den Wolf auf Augenhöhe erwischen könnte. Wenn Sie Tiere fotografieren möchten, wählen Sie die Augenhöhe. Die Bild-Aussagekraft wird damit viel besser.

Ich verfolgte einen Wolf mit der Kamera, wartete ab, bis er stehen blieb und hoffte, dass er den Blick in meine Richtung werfen würde. Das machte er natürlich nicht dauernd. Aber das Warten lohnt sich. Das ist wie Yoga. Und dann kommt er, das Licht stimmt, der Fokus stimmt und KLICK!

mongolischer Wolf durch Gitter fotografiert

mongolischer Wolf durch Gitter fotografiert, Nikon D750, Sigma f/5.0-6.3 150-600mm, 270mm KB, f/5.6, ISO1000, Einbeinstativ

Ich wähle wenn möglich eine grosse Blendenöffnung. So verschwindet der Hintergrund in einem schönen Bokeh, wenn der Abstand zwischen Tier und Hintergrund genug gross ist. Zudem liebe ich Gegenlicht-Situationen. So kommen die Spitzlichter als Bokeh-Kreise schön zur Geltung.

Phillipinisches Krokodil – Tiere fotografieren

So nahe getraue ich mich nur dank der Scheibe an das Krokodil heran. Mit einer langen Brennweite ist hier nichts zu machen. Die Spitze der Schnauze befand sich vielleicht 30cm weit von der Scheibe entfernt. Das Tele weist einen Naheinstellbereich von mehr als 1.5 Meter auf. Hier kommt ein Makroobjektiv zum Einsatz. Damit die Scheibe auf keinen Fall störende Spiegelungen produziert, setzte ich die Gegenlichtblende an die Scheibe oder hielt das Objektiv schräg zum Scheibenverlauf. Den Kamerabildschirm klappte ich leicht hoch, damit ich das Objektiv auf Augenhöhe des Krokodils halten konnte. Ich stellte die Live-View ein und wählte in der Lupenansicht das Auge. So konnte ich perfekt manuell darauf scharf stellen und Abdrücken.

Phillipinisches Krokodil auf Augenhöhe

Phillipinisches Krokodil auf Augenhöhe, Nikon D750, Sigma Makro f/2.8 105mm, 1/180s, f/4, ISO200

» Fotografieren durch Glasscheiben

Orang Utan – Tiere fotografieren

Auch für diese Aufnahme beobachtete ich das Tier eine ganze Weile. Die Lichtverhältnisse waren im Affenhaus schlecht. Beim ersten Mal Vorbeilaufen erkannte ich gar nicht, dass der Orang Utan weit oben in seiner Hängematte sass. Im Hintergrund hing ein grosser Fetzen weisses Papier, welches völlig störend war. Es war gar nicht einfach, eine Position zu finden, die passte. Ich wollte schon weitergehen, da fand ich eine Position hinter dem Tier und wartete, bis er das Gesicht in Richtung Besucher wandte. Bis es soweit war, verging eine ganze Weile. Mit dem Telezoom auf dem Einbeinstativ und angelehnt an einem Geländer war das Warten erträglich.

Orang Utan in der Hängematte - Tiere fotografieren

Orang Utan in der Hängematte, Nikon D750, Sigma f/5.0-6.3 150-600mm, 600mm KB, 1/400s, f/8, ISO2800, Einbeinstativ

Die Lichtverhältnisse im Affenhaus sind extrem unterschiedlich und der automatische Weissabgleich ist schnell überfordert. Wichtig deshalb, dass Sie im RAW-Format fotografieren und so den korrekten Weissabgleich am PC einstellen können, damit die Farben korrekt wiedergegeben werden können.

Indischer Löwe – Tiere fotografieren hinter Glasscheiben

Ich war im Sommer am Morgen früh unterwegs. Im Freigehege war gar nichts los, aber etwas weiter vorne entdeckte ich die indischen Löwen hinter einer Glasscheibe im Innengehege. Die Sonne schien und die Lichtverhältnisse waren durch den hohen Kontrast sehr schwierig.

Von der Decke warf die Sonne Lichtstreifen ins Gehege. Ich fokussierte auf eine Löwin und wartete, bis die Augen sich in einem solchen Lichtstreifen befanden. Die Belichtung stellte ich auf den hellen Bildteil ein. Die Streulichtblende setzte ich auf die Glasscheibe auf, um Reflexionen zu vermeiden. Da die Farben ablenkten, wandelte ich das Bild im RAW-Konverter in ein Schwarz-Weiss-Bild um.

indische Löwin im Morgenlicht

indische Löwin im Morgenlicht, Nikon D750, Sigma f/5.0-6.3 150-600mm, 250mm KB, 1/1000s, f/8, ISO1600, Einbeinstativ

Schweineschnauzen – nostalgische Bildeffekte

Es muss ja nicht immer im Zoo oder Tiergarten sein. Auf einem Bauernhof ist auch viel los. Auf meinen Spaziergängen komme ich oft an einer Schweinemästerei vorbei. Schweine sind extrem neugierig. Einmal hatte ich die Nikon D7000 mit dabei, hielt sie mit dem 35mm-Objektiv von unten Richtung Gitter und drückte einfach mehrere Male ab. Was herauskommt, ist Zufall – oder wenigstens beinahe.

Die beiden Schweineschnauzen veränderte ich mit Silver Efex Pro 2 und dem Filter 030 film noir 1.

neugierige Schweine auf dem Bauenrhof

neugierige Schweine auf dem Bauenrhof, Nikon D7000, Nikkor f/1.8 35mm, 52mm KB, 1/1500s, f/2.4, ISO100, Silver Efex Pro 2, 030 Film noir 1

Tiere fotografieren – auch bei schlechtem Wetter

Ich bin auch bei Regen immer unterwegs. Manchmal packe ich eine kleine Kompaktkamera mit ein oder mein Smartphone. Das folgende Bild ist beinnahe ein Schnappschuss. Ich sah die Kühe im Regen stehen, zückte den Apparat und wartete, bis die neugierige Kuh den Blick zu mir wendete. Auch dieses Bild habe ich nachträglich in Schwarz-Weiss umgewandelt, weil die Formen dominieren.

Kühe im Regen

Kühe im Regen, Sony DSC RX100iii, Zeiss f/1.8-2.8 24-70mm, 66mm KB, 1/80s, f/2.8, ISO160

Das nächste Bild machte ich im Schutze des Regenschirms an einem Tag mit Dauerregen. Ich klappte den Bildschirm meiner D5300 hoch, fokussierte manuell auf die Augen der Schnecke. Die Kamera hielt ich knapp über dem nassen Boden. Unglaublich: Der winzig kleine Schärfentiefenbereich bei Nahaufnahmen führt dazu, dass die langsame Schnecke innerhalb einer Sekunde aus dem Schärfenbereich für die Augen verschwunden war. Ich drückte in Serienaufnahme immer wieder ab und drehte leicht am Fokusring. Schliesslich erwischte ich die Schnecke mit beiden Augen in der Schärfeebene. Das Licht war derart schlecht, dass ich den ISO-Bereich der D5300 fast voll ausreizen musste. Die Körnung ist im Bild sichtbar, passt aber perfekt zur Regenwetterstimmung.

Schneckenaugen im Fokus

Schneckenaugen im Fokus, Nikon D5300, Nikkor Micro f/3.5 85mm, 127mm KB, 1/250s, f/4.8, ISO6400

» Fotografieren im Zoo

» Tipps zum Kauf von Objektiven






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