Fotolexikon Fototechnik

Histogramm interpretieren

Histogramm interpretieren, Sony DSC-RX100iii, Zeiss f/1.8-2.8 24-70mm, 32mm KB, 1/320s, f/4. ISO125

Histogramm bei schwierigen Lichtverhältnissen interpretieren

Wenn Sie ein Histogramm interpretieren können, schätzen Sie schon bei der Aufnahme ab, ob Ihr Bild korrekt belichtet wird. Ich zeige Ihnen, auf was Sie achten müssen.

Bronzeengel an Wochenmarkt in Locarno

Bronzeengel am Wochenmarkt, Nikon D5300, Sigma f/2.8 70-200mm, 200mm KB, 1/500s, f/2.8, ISO400

Histogramm interpretieren

Viele Digitalkameras weisen für die Einschätzung der Helligkeits- und Farbverteilung die Funktion Histogramm auf.

Die Darstellung der unterschiedlichen Berge oder Ausschläge im Histogramm kann Ihnen Aufschluss über die korrekte Belichtung Ihres Sujets geben. Mit etwas Übung gelingt es Ihnen so, die Qualität des Bildes bereits an der Kamera richtig einzuschätzen und allfällige Korrekturen vor Ort vorzunehmen.

Eigentlich ist die Berglandschaft eines Histogrammes nichts weiter als eine Aneinanderreihung von Zahlenwerten. Jede Diode hat einen Wert. Ganz links liegt der Wert 0, welcher für schwarz steht (keine Ladung erzeugt). Ganz rechts liegt der Wert 255, welcher für weiss steht (maximale Ladung erzeugt). Dazwischen liegen Graustufen von 1 bis 254. Anhand dieser Ladungsstufen kann ein Histogramm erstellt werden. Je mehr Bildteile die Farbe schwarz aufweisen, desto höher wird der Ausschlag ganz links.

An den meisten Digitalkameras können Histogramme auch die Farbwerte rot, grün und blau angezeigen.

Histogramm mit verschiedenen Farbwerten

Histogramm mit verschiedenen Farbwerten

Einschätzung des Histogrammes in der Praxis

Betrachten wir nun die folgenden drei Aufnahmen einer Bronze-Figur mit dem entsprechenden Histogramm als Vergleich: Da im Bild im Hintergrund viele Grautöne vorkommen, müsste das Histogramm in der Mitte einen Hügel aufweisen.

Spezialfall High-Key-Bilder – viele helle Bildbereiche

Treppe einmal anders - High-Key-Aufnahme

Treppe, Sony DSC-RX100iii, Zeiss f/1.8-2.8 24-70mm, 24mm, 1/40s, f/2.8, ISO125

Sobald in Ihrem Bild viele helle Partien vorkommen, sieht das Histogramm beim korrekt belichteten Bild speziell aus: Die hellen Tonwerte gruppieren sich nahe beim rechten Rand. Solche Bilder werden High-Key-Fotos genannt.

Schalten Sie an Ihrer Kamera die Überbelichtungswarnung ein. Dann blinken im Bild die Bereiche, die keine Zeichnung mehr aufweisen (und überbelichtet sind).

In Lightroom erkennen Sie an den kleinen Pfeilen oben, ob ein Clipping vorhanden ist. Histogramm links: Korrekt belichtet, Histogramm rechts: Clipping von weiss.

Spezialfall Low-Key-Bilder – viele Schwarzanteile

Regenschirm - Low-Key-Aufnahme

Regenschirm, Sony DSC-RX100iii. Zeiss f/1.8-2.8 24-70mm, 68mm KB, 1/80s, f/2.8, ISO500

Low-Key-Bilder haben viele Tonwerte, die gegen Schwarz tendieren. Das Histogramm zeigt deshalb Werte vor allem im linken Bereich an. Trotzdem ist das Bild nicht unterbelichtet. Die auf mittleres Grau geeichten Belichtungsmesser tendieren dazu, solche Bilder zu überbelichten. Hier erfolgte eine Korrektur um -2.0 EV. Da auf dem Bild Partien sind, die wirklich schwarz sind, darf der Tonwertumfang links ganz leicht beschnitten sein.

typisches Histogramm bei Low-Key-Aufnahmen

typisches Histogramm bei Low-Key-Aufnahmen

Spezialfall hoher Dynamikumfang

Lago Maggiore am Abend

Lago Maggiore in Tenero, Sony DSC-RX100iii, Zeiss f/1.8-2.8 24-70mm, 24mm KB, 1/800s, f/4, ISO125

Histogramm bei hohem Dynamikumfang

Histogramm bei hohem Dynamikumfang

Hohe Dynamikumfänge bringen Probleme beim Belichten: Wenn Sie die Bleichtung erhöhen, um ein Clipping bei den dunklen Tonwerten zu vermeiden, wird es bei den hellen Werten nochmals stärker. Hier müssen Sie einen Kompromiss finden. Obwohl das Bild ein Clipping rechts und links aufweist, wirkt das Bild ausgewogen belichtet. Es ist nicht tragisch, dass das Weiss der Abendsonne keine Zeichnung mehr aufweist.

Als Alternative käme nur noch den HDR-Bild (Aufnahme aus unterschiedlich belichteten Bildern) in Frage.

Clipping vermeiden

Überbelichtungswarnung - Clipping vermeiden - Histogramm interpretieren

Überbelichtungswarnung – Clipping vermeiden

Wenn Sie im Histogramm Berge haben, die ganz links oder ganz rechts wie eine Klippe abfallen, gehen in diesem Bereich Bildinformationen verloren. Wenn das auf der linken Seite passiert, so sprechen wir von abgesoffenen Schatten, auf der rechten Seite von ausgefressenen Lichtern. Bei beiden Varianten fehlen in diesen Teilen Bildinformationen. Bei digitalen Fotoapparaten kann die Belichtungswarnung eingeschaltet werden. Im Bild blinken dann jeweils die Bereich auf, die ausgefressene Lichter oder abgesoffene Schattenbereiche aufweisen und Sie können, wenn möglich, eine Belichtungskorrektur vornehmen. Bei ausgefressenen Lichtern und abgesoffenen Schatten können Sie auch mit einer RAW-Dateinicht mehr immer alles herausholen. Allerdings wird die Überbelichtungswarnung vom JPG-Bild gezogen, welches deutlich weniger Details enthält wie ein RAW-Format-Bild.

Leichte Belichtungskorrekturen mit Bildbearbeitungsprogrammen

Selbstverständlich können Sie Aufnahmen, welche nur eine leichte Über- oder Unterbelichtung aufweisen, mit dem Bildbearbeitungsprogramm korrigieren. Wenn Sie aber nur JPG-Dateien haben, wird es bei überbelichteten Aufnahmen aussichtslos, die gleiche Qualität wie bei einem RAW-Bild zu erreichen. Sie können damit maximal eine Helligkeitsstufe korrigieren. Alles andere mindert die Qualität des Bildes massiv. Mit Rohdatei-Formaten wie RAW etc. ist das jedoch über 1 bis 2 Belichtungsstufen gut zu korrigieren – aber auch nur, wenn Lichter oder Schatten noch leichte Zeichnung aufweisen.

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