DigiSpick Fotopraxis

Fotografieren im Zoo

junger Gorilla, Nikon D750, Sigma f/5-6.3 150-600mm, 220mm KB, 1/750s, f/5.6, ISO6400, Einbeinstativ

Fotografieren im Zoo, Gorilla

In ersten Teil Fotografieren im Zoo gebe ich Ihnen Tipps zur Planung Ihres Zoo-Besuches, zur Ausrüstung und zu den optimalen Kameraeinstellungen.

Im zweiten Teil Fotografieren im Tiergarten gehe ich auf die Gestaltung der Fotos ein. Zudem zeige ich Ihnen die Tricks, wie Sie durch Scheiben und Gitter fotografieren können. Unter Tiere fotografieren erkläre ich, wie einige ausgewählte Bilder entstanden sind.

Wenn wir von Tierfotografie sprechen, dann meinen wir in der Regel Tiere in freier Wildbahn. Aber auch das Fotografieren im Tiergarten gehört dazu. Mit ein paar Tipps gelingt es Ihnen, Bilder von Tieren zu machen, ohne dass auf dem Bild die Zooatmosphäre erkennbar ist.

Den Zoobesuch planen

  • Informieren Sie sich, ob Fotografieren im Zoo oder Tiergarten erlaubt ist. Dürfen Sie mit Stativ arbeiten? Braucht es für kommerzielle Fotos eine spezielle Bewilligung?
  • Besuchen Sie, wenn das möglich ist, einen Zoo oder Tiergarten unter der Woche. Montags bis Donnerstags sind in der Regel weniger Besucher unterwegs als an Wochenenden.
  • Achten Sie darauf, das Sie vor der Türöffnung bereit sind. Das Licht ist in den frühen oder späteren Stunden des Tages viel besser, die Tiere sind aktiver und noch weniger Besucher unterwegs. Im Sommer ist es zudem morgens noch recht angenehm. Bestes Licht bis 10-11 Uhr und ab ca. 16 Uhr, im Winter dank der tiefstehenden Sonne den ganzen Tag.
  • Das Licht in den Mittagsstunden eines Sommertages ist ungeeignet, da es starke Schlagschatten produziert und zum Beispiel die Augen der Tiere in Schatten hüllt. In Randstunden oder allgemein bei tiefer stehender Sonne ist das Licht weicher und die Schatten plastischer.
  • Während der Mittagszeit können Sie eine Pause machen oder in einem Zoo-Gebäude wie Reptilien- oder Amphibienhaus fotografieren.
  • Bei bewölktem Himmel haben Sie eine riesige Softbox über sich, welche bewirkt, dass Ihre Tiermotive gleichmässig ausgeleuchtet sind. So verhindern Sie Schlagschatten. Der Nachteil: Um noch aus der Hand erschütterungsfrei auslösen zu können, müssen Sie den ISO-Wert erhöhen. Bei Halbformatsensor-Kameras geht das gut, bei grösseren Sensoren noch besser. Lieber etwas Bildrauschen als verwackelte Motive.
  • Planen Sie vor dem Fotografieren im Zoo Ihre Tour: Informieren Sie sich im Internet über den Plan des Zoos und wo Sie welche Tiere finden. Wählen Sie wenige Stationen aus, die Sie gerne besuchen möchten. Das bringt mehr, als wenn Sie von Gehege zu Gehege hetzen und besondere Momente verpassen. Aber lassen Sie sich auch spontan auf den Moment ein. Vielleicht spazieren Sie an einem Gehege vorbei und erspähen das perfekte Motiv.
  • Informieren Sie sich über die Fütterungszeiten Ihrer Tiergruppe. Das ist immer ein besonderer Moment für Ihre Tierfotos.
Fütterungszeit im Zoo

Fütterungszeit im Zoo, Nikon D750, Sigma f/5.0-6.3 150-600mm, 600mm KB, 1/500s, f/8, ISO200, Einbeinstativ

  • Wenn Sie das erste Mal im Zoo fotografieren, wählen Sie ein eher langsames, ruhiges Tier aus. Sie haben dann schneller erste Erfolgsergebnisse.
  • Gehen Sie alleine in den Zoo – oder auf die Fototour. So sind Sie flexibel und können auch mal eine Stunde an einem Gehege bleiben und in Ruhe beobachten.
  • Besuchen Sie den Zoo immer mal wieder, auch im Winter.
  • Trainieren Sie vorher Ihren fotografischen Blick und die Elemente der Bildgestaltung.
  • Machen Sie sich zu Hause mit Ihrer Kamera und den wichtigsten Funktionen gut vertraut. Welche Einstellungen nehmen Sie wo vor? Was bewirken diese Einstellungen? Wenn Sie die Möglichkeit haben, Presets (Usereinstellungen) zu speichern, so bereiten Sie diese zuhause vor. Empfehlungen finden Sie weiter unten unter Kameraeinstellungen.
Echse im Terrarium - Fotografieren im Zoo

Echse im Terrarium, Nikon D750, Sigma Makro f/2.8 105mm, 1/125s, f/5.6, ISO6400









Ausrüstung – Fotografieren im Zoo

  • Natürlich können Sie mit einer Kompaktkamera mit grossem Zoom im Zoo fotografieren. Richtig gut geht das Isolieren von Tieren aber nur mit grösseren Sensoren. Je kleiner der Sensor, desto grösser die Schärfentiefe. Was für Landschaftsaufnahmen top ist, nützt Ihnen im Zoo weniger, ausser die Einrichtungen und die Tiergehege sind Ihnen wichtig. Mit Kompaktkameras ist das wichtige Isolieren des Hintergrundes fast unmöglich.
  • Kamera und Objektiv mit langer Brennweite, 70 – 200mm oder noch besser 70 – 300mm, damit Sie Tiere formatfüllend abbilden können. Lange Brennweiten helfen, das Motiv vom Hintergrund zu isolieren. Wenn Sie ein Reisezoom (oder Reiseobjektiv) haben, decken Sie sämtliche Brennweitenbereiche damit ab. Beispiel : Tamron f/3.5-6.3 Di II VC PZD 18-300mm. An einer APS-C-Kamera haben Sie damit aufgrund des Crop-Faktors einen riesigen Brennweitenbereich von 27-450mm (Nikon) oder 20-480mm (Canon). Das hat den grossen Vorteil, dass Sie nur ein Objektiv mitschleppen müssen.
  • Möchten Sie gerne nahe an die Tiere ran, kommen Sie um ein Zoom mit dem Brennweitenbereich von 150-600mm kaum vorbei. Dieses Objektiv an einer Halbformatkamera ist aber durch den Crop-Faktor zu viel des Guten (225-900mm), für Vögel aber perfekt.
  • Verzichten Sie auf ein digitales Zoom und verwenden Sie nur das optische Zoom. Beim digitalen Zoom wir nur ein Ausschnitt aus dem Bild vergrössert und hochgerechnet. Die Bildqualität wird deutlich schlechter. Bei einem optischen Zoom wird das Bild auf den Sensor vergrössert. Die Bildgröße LINK und Qualität bleibt gleich.
  • Je lichtstärker das Objektiv, desto länger können Sie auch bei schlechtem Licht noch fotografieren. Während das Kit-Zoom der Nikon D5300 bei 200mm Brennweite schon Blende f/5.6 aufweist, schafft es das Sigma f/2.8 noch bei viermal weniger Licht. Eine grosse Offenblende hilft zudem, ein Motiv vor einem unruhigen Hintergrund zu isolieren. Im Zoo eine wichtige Gestaltungskomponente.
  • Telekonverter 1.4- und 2.0-fach, wenn Sie hochwertige, lichtstarke Objektive verwenden.
  • Makro-Objektiv – kurze Naheinstellgrenze für Nahaufnahmen im Reptilienhaus, eignet sich wegen der meist hohen Lichtstärke und der Brennweite von 100mm (Beispiel: Das Sigma f/2.8 105mm Makro) sehr )gut für Fotos bei schlechtem Licht.
  • Gegenlichtblende für alle Objektive, verhindern einfallendes Streulicht und beim Aufsetzen auf eine Scheibe störende Spiegelungen.
  • Bei schlechten Lichtverhältnissen und langen Brennweiten ist ein Stativ eine grosse Hilfe. Wenn Sie mit einer Vollformatkamera und lichtstarken Objektiven fotografieren, werden Sie froh sein, das Gewicht an das Stativ abgeben zu können. Ich arbeite gern mit dem Einbeinstativ. Damit bin ich mobiler und schneller.
  • Für längere Warte- und Beobachtungszeiten ist ein leichter Klappstuhl sehr praktisch.
  • Tuch, um Scheiben zu reinigen.
  • Polarisationsfilter – Reflexionen auf Scheiben oder Tierfellen vermindern
  • Ersatzakkus
  • Elefant - Fotografieren im Zoo

    Elefant einmal anders, Nikon D750, Sigma f/2.8 70-200mm, 200mm KB, 1/1000s, f/5.6, ISO1100, Einbeinstativ

Meine Ausrüstung – Fotografieren im Zoo:

Gorilla - Fotografieren im Zoo

Gorilla, Nikon D750, Sigma f/5-6.3 150-600mm, 350mm, 1/750s, f/6.7, ISO6400, Einbeinstativ

Kameraeinstellungen – Fotografieren im Zoo

  • Ich empfehle Ihnen, im RAW-Format zu fotografieren. Sie können als Alternative auch RAW + JPG fine einstellen. Dann haben Sie einerseits ein fertiges JPG-Bild, können aber notfalls auf die RAW-Datei mit deutlich mehr Qualitätsreserven und Optimierungsmöglichkeiten zurückgreifen.
  • Wenn Sie im RAW-Format fotografieren, stellen Sie den Weissabgleich auf Automatik. Falls Sie NICHT im RAW-Format fotografieren, ebenfalls. Überprüfen Sie aber regelmässig die Farbgebung Ihrer Bilder und ändern Sie allenfalls in Innenräumen die Einstellung. Bei RAW-Dateien können Sie den Weißabgleich hinterher bis ins feinste Detail am PC vornehmen.
  • Schalten Sie den Bildstabilisator ein, ausser, wenn Sie mit dem Stativ arbeiten. Der Bildstabilisator würde dann Fehlkorrekturen verursachen.
Löwin im Zoo

Löwin im Zoo, Nikon D750, Sigma f/5-6.3 150-600mm, 250mm KB, 1/1000s, f/8, ISO1600, Einbeinstativ

  • Belichtungsmessung: Wenn sich das Motiv schön in der Mitte befindet, ist die mittenbetonte Integralmessung eine gute Wahl. Sobald sehr kontrastreiche Situationen vorhanden sind – zum Beispiel Gegenlicht – fahren Sie mit der Spot- oder Selektivmessung am besten. Wenn Sie ein sehr dunkles Motiv haben, korrigieren Sie die Belichtung auf -1.0 bis -1.5, ein sehr helles auf +1.0 bis +1.5. Aktivieren Sie in der Bildansicht die Unter- und Überbelichtungswarnung.
  • Da Sie beim Fotografieren im Zoo vor allem mit langen Brennweiten arbeiten werden, empfehle ich Ihnen, die Belichtung auf Zeitautomatik A mit Blendenvorwahl zu stellen. Parallel dazu stellen Sie die ISO-Automatik auf ISO100-3200 oder bei einem Kleinbildsensor auf ISO100-12800 und wählen als längste Verschlusszeit 1/400s oder 1/800s. Für Tiere in Bewegung nehmen Sie 1/1000s. Damit Sie Tiere vor dem Hintergrund isolieren können, benötigen Sie eine grosse Blendenöffnung. Damit schmilzt der Schärfentiefenbereich. Stellen Sie also eine grosse Blendenöffnung von f/2.8-f/5.6 ein. Die Kameraelektronik versucht nun, mit möglichst tiefer ISO-Zahl zu fotografieren, unterschreitet aber die gewählte längste Verschlusszeit nicht. Ist zu wenig Licht da, erhöht die Kamera den ISO-Wert. Sie haben verwacklungsfreie Bilder mit möglichst tiefer ISO-Einstellung und damit bestmöglicher Qualität.
  • Autofokuseinstellung: Stellen Sie den kontinuierlichen Autofokus mit Nachführung ein. Setzen Sie beim Fotografieren das Autofokusmessfeld auf das Auge des Tieres. Wenn Sie mit manuellem Fokus geübt sind, können Sie auch diesen verwenden.
  • Stellen Sie den Weissabgleich auf Automatik oder passen Sie ihn je nach Lichtverhältnissen manuell an.
  • Stellen Sie die Kamera auf Serienbildfunktion und wählen Sie aus einer Serie das beste und schärfste Bild aus.
  • Wenn es sehr schwierig ist, scharf zu stellen, wähle ich die Serienaufnahme. Dann stelle ich auf die Augen scharf, drehe den Fokusring so, dass die Schärfeebene leicht hinter den Augen liegt. Während ich die Serienaufnahme auslöse, drehe ich ganz leicht am Fokusring und durchfahre mehrere Schärfeebenen. An der Kamera kann ich dann mit der Lupenansicht das Bild auswählen, bei welchem die Schärfe perfekt an der richtigen Stelle liegt. Das ist vor allem beim Fotografieren mit einem Makro-Objektiv ohne Stativ nötig. Schon die kleinste Bewegung – und die Augen eines Pfeilgiftfrosches sind nicht mehr in der winzigen Schärfeebene.
  • Verwenden Sie kein Blitzlicht. Es zerstört die Atmosphäre.
schwimmender Seehund

schwimmender Seehund, Nikon D750, Sigma f/5-6.3 150-600mm, 600mm KB, 1/1500s, f/6.7, ISO560, Einbeinstativ

Presets vorbereiten – Fotografieren im Zoo

  • U1: Funktionswählrad auf Zeitautomatik A, Blende auf kleinsten Wert (zum Beispiel f/2.8) stellen, Verschlusszeit auf 1/1000s (bei bewegten Motiven, langer Brennweite). ISO-Automatik auf ISO3200 oder höher begrenzen. Nachführ-Autofokus und Fokusfeld selber anwählen, Belichtungsmesser auf Spot- oder selektive Messung stellen, Back-Button-Fokus-Taste zuweisen, Bildformat auf RAW oder allenfalls auf RAW + JPG fine, Weissabgleich auf Automatik (kann mit RAW-Format später noch beliebig angepasst werden), Überbelichtungswarnung einschalten.

» Fotografieren im Tiergarten – Teil 2

» An Blumenschauen fotografieren

DigiSpick – das pratkische Handout – Fotografieren im Zoo

Das Handout DigiSpick mit den wichtigsten Tipps und Tricks zum Thema können Sie hier kostenlos downloaden und ausdrucken: » DigiSpick downloaden






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