Nach einem Fotoausgang ist meine Arbeit noch lange nicht abgeschlossen. Für das Importieren, Sichten, Aussortieren, Beschriften, Verschlagworten, Entwickeln und Sichern der Aufnahmen brauche ich oft nochmals so viel Zeit wie fürs Fotografieren.

Ein sinnvoller digitaler Workflow hilft Ihnen, auch bei einer grossen Fotosammlung den Überblick zu behalten. Sie finden Ihre Bilder später schneller wieder, vermeiden unnötige Duplikate und sorgen dafür, dass Ihre wertvollen Aufnahmen zuverlässig gesichert sind.

Ich zeige Ihnen meinen persönlichen digitalen Workflow anhand von Adobe Lightroom Classic. Die einzelnen Schritte lassen sich aber auch auf andere Programme zur Bildverwaltung und RAW-Entwicklung übertragen.

Was gehört zu einem digitalen Foto-Workflow?

Unter einem digitalen Workflow verstehe ich alle Arbeitsschritte, die nach dem Fotografieren mit meinen Bildern stattfinden. Dazu gehören nicht nur die eigentliche Bildbearbeitung, sondern auch das Importieren, Sichten, Organisieren und Sichern der Dateien.

Nicht jeder Fotograf muss diese Schritte genau in derselben Reihenfolge durchführen. Wichtig ist vielmehr, dass Sie sich einen Ablauf angewöhnen, der zu Ihrer Arbeitsweise passt und auch bei Tausenden von Bildern funktioniert.

Fotos von der Speicherkarte importieren

Nach dem Fotografieren übertrage ich meine Bilder zuerst von der Speicherkarte in die Bildverwaltung.

Stecken Sie die Speicherkarte in einen Kartenleser oder verbinden Sie die Kamera mit dem Computer. In Lightroom wählen Sie anschliessend den Importdialog und geben die Speicherkarte beziehungsweise den Ordner mit Ihren neuen Fotos als Quelle an.

Fotos und Videos in Lightroom importieren
In Lightroom Classic öffnen Sie den Import über Datei (1) → Fotos und Videos importieren (2).

Lightroom zeigt Ihnen die gefundenen Fotos als Miniaturansichten an. Ich lasse normalerweise nur neue Aufnahmen anzeigen, damit bereits importierte Dateien nicht nochmals übernommen werden.

Fotos von Kamera oder Speicherkarte in Lightroom importieren
Fotos von der Kamera oder Speicherkarte in Lightroom importieren: Quelle auswählen, neue Fotos anzeigen, Zielordner festlegen und Import starten.

RAW oder JPG kopieren?

Wenn Sie im RAW-Format fotografieren, können Sie die Originaldateien beim Import übernehmen oder in das offene DNG-Format konvertieren.

Ich behalte meine kameraspezifischen RAW-Dateien als Originale. Möchte ich später mit DNG-Dateien arbeiten, kann ich diese immer noch konvertieren.

Bei JPG-Dateien werden die vorhandenen Dateien einfach auf den gewünschten Speicherort kopiert.

Fotos bereits beim Import sichern

Ein besonders wichtiger Teil meines digitalen Workflows ist die Datensicherung. Ich möchte nicht erst nach der Bearbeitung daran denken, sondern möglichst früh eine zusätzliche Kopie meiner Aufnahmen besitzen.

Ich sichere meine Bilddateien auf mehreren Datenträgern. Eine Sicherung befindet sich auf einer externen Festplatte, eine weitere Kopie bewahre ich räumlich getrennt auf. Zusätzlich nutze ich eine gleich aufgebaute Ordnerstruktur in einem Onlinespeicher.

Der entscheidende Punkt ist die räumliche Trennung: Eine Sicherungsfestplatte direkt neben dem Computer hilft wenig, wenn beispielsweise Feuer, Wasser oder ein Einbruch gleichzeitig Computer und Backup betreffen.

Mehr dazu finden Sie im ausführlichen Artikel über die Datensicherung von Fotos.

Dateien sinnvoll benennen

Kameras vergeben ihren Bildern fortlaufende Dateinamen. Da die Nummerierung irgendwann wieder von vorne beginnt, können im Laufe der Jahre identische Dateinamen entstehen.

Deshalb benenne ich meine Bilder beim Import um.

Mein Dateiname enthält Informationen zum verwendeten Kameramodell, das Aufnahmedatum und die ursprüngliche Bildnummer.

Beispielsweise kann ein Dateiname nach folgendem Prinzip aufgebaut sein:

Kamera – Datum – Bildnummer

Damit kann ich bereits im Explorer erkennen, mit welcher Kamera und wann eine Aufnahme entstanden ist. Gleichzeitig sinkt das Risiko, dass zwei verschiedene Fotos denselben Dateinamen erhalten.

Fotos beim Import in Lightroom automatisch umbenennen
Lightroom kann Fotos bereits beim Import automatisch umbenennen. In meinem Workflow kombiniere ich Aufnahmedatum und ursprünglichen Dateinamen.

Fotos sichten und schlechte Aufnahmen aussortieren

Nach dem Import beginnt für mich einer der wichtigsten Arbeitsschritte: die Auswahl.

Vor allem bei Motiven, von denen ich mehrere Varianten fotografiert habe, brauche ich längst nicht jede Aufnahme aufzubewahren.

Ich überprüfe unter anderem:

  • Ist das Bild scharf?
  • Stimmt die Belichtung?
  • Ist der Bildausschnitt gelungen?
  • Welche Aufnahme einer Serie gefällt mir am besten?
  • Gibt es praktisch identische Bilder?

Bei ähnlichen Aufnahmen ist die Vergleichsansicht von Lightroom hilfreich. Damit lassen sich mehrere Fotos direkt nebeneinander beurteilen.

Ähnliche Fotos in Lightroom vergleichen
Ähnliche Fotos in Lightroom vergleichen

Misslungene Bilder markiere ich als abgelehnt. So kann ich zunächst weiterarbeiten und später nochmals kontrollieren, bevor ich die Aufnahmen endgültig von der Festplatte lösche.

Abgelehnte Fotos erst kontrollieren, dann löschen

Bevor Sie aussortierte Fotos endgültig löschen, sollten Sie diese noch einmal gemeinsam anzeigen und kontrollieren. So verhindern Sie, dass versehentlich eine gute Aufnahme gelöscht wird.

In Lightroom können Sie abgelehnte Bilder über den Bibliotheksfilter anzeigen lassen.

Fotos in Lightroom vom Datenträger löschen
Soll das Foto tatsächlich gelöscht werden, wählen Sie „Vom Datenträger löschen“ (3). „Aus Lightroom entfernen“ entfernt es dagegen nur aus dem Lightroom-Katalog.

Achten Sie beim Löschen auf den Unterschied zwischen dem Entfernen aus dem Lightroom-Katalog und dem tatsächlichen Löschen der Bilddatei vom Datenträger.

Fotos beschriften und Metadaten ergänzen

Ein Foto zu beschriften bedeutet nicht zwingend, sichtbaren Text direkt in das Bild einzufügen. In einer Bildverwaltung können Sie zu einem Foto zusätzliche Informationen hinterlegen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Bildtitel
  • Bildbeschreibung
  • Aufnahmeort
  • Copyright- und Urheberinformationen
  • Stichwörter
  • Bewertungen

Solche Angaben helfen Ihnen nicht nur bei der Organisation Ihrer Bildersammlung. Sie können auch nützlich sein, wenn Sie Fotos später für Ihre Webseite, einen Fotowettbewerb oder andere Publikationen verwenden.

Eine Bildbeschreibung sollte dabei nicht mit einem Stichwort verwechselt werden. Die Beschreibung kann den Inhalt oder die Entstehung eines einzelnen Fotos genauer erläutern. Stichwörter dienen dagegen vor allem dazu, viele Bilder nach gemeinsamen Eigenschaften wiederzufinden.

Fotos mit Stichwörtern oder Tags versehen

Stichwörter oder Tags sind für mich ein wichtiger Bestandteil der Bildverwaltung. Damit kann ich später beispielsweise alle Herbstbilder, Gegenlichtaufnahmen oder Architekturfotos gezielt anzeigen lassen.

Überlegen Sie sich bei der Vergabe vor allem, wonach Sie später tatsächlich suchen würden.

Verwenden Sie Ihre Begriffe möglichst konsequent. Entscheiden Sie sich beispielsweise dafür, ob Sie Stichwörter grundsätzlich in der Einzahl oder Mehrzahl verwenden.

Lightroom erlaubt zudem hierarchische Stichwörter. Ein konkreter Begriff kann dabei einem übergeordneten Stichwort zugeordnet werden.

Wie Sie eine sinnvolle Stichwortstruktur aufbauen und Stichwörter effizient in Lightroom vergeben, erkläre ich ausführlich im Artikel:

» Fotos mit Stichwörtern versehen und verschlagworten

Fotos bewerten

Nach dem Aussortieren und Organisieren bewerte ich die verbleibenden Aufnahmen.

Dabei verwende ich vor allem drei Bewertungen:

  • 5 Sterne: Ein Bild, mit dem ich besonders zufrieden bin.
  • 4 Sterne: Eine sehr gelungene Aufnahme.
  • 3 Sterne: Das Bild ist nicht herausragend, aber zu schade zum Löschen.

Mit dieser einfachen Bewertung kann ich später beispielsweise nur meine besten Aufnahmen einer Reise oder eines Fotothemas anzeigen lassen.

Fotos in Lightroom mit drei bis fünf Sternen bewerten
Mit drei, vier oder fünf Sternen bewerte ich meine Fotos in Lightroom und kann später gezielt nach meinen besten Aufnahmen filtern.

RAW-Dateien entwickeln – die digitale Dunkelkammer

Mit der Bildorganisation ist der digitale Workflow noch nicht abgeschlossen. Wenn Sie im RAW-Format fotografieren, kommt nun die eigentliche Entwicklung der Aufnahme.

Die RAW-Datei enthält wesentlich mehr ursprüngliche Bildinformationen als ein fertig verarbeitetes JPG. Mit einem RAW-Konverter können Sie unter anderem Belichtung, Lichter, Tiefen, Kontrast, Farben und Weissabgleich anpassen.

Lightroom verbindet Bildverwaltung und RAW-Entwicklung in einem Programm. Alternativ gibt es zahlreiche andere RAW-Konverter.

Hier sehen Sie eine meiner Aufnahmen direkt nach dem Import, noch ohne eigentliche Bildentwicklung:

Unbearbeitete RAW-Datei vor der Entwicklung
Aufnahme vor der RAW-Entwicklung

Bei dieser Aufnahme habe ich damals unter anderem Belichtung, Lichter, Tiefen, Klarheit und Farben angepasst.

Das Ergebnis:

RAW-Datei nach der Entwicklung in Lightroom
Dieselbe Aufnahme nach der RAW-Entwicklung

Der Vergleich zeigt schön, weshalb ich die RAW-Entwicklung als digitale Entsprechung zur früheren Dunkelkammer betrachte.

Mehr über die Vorteile erfahren Sie unter Warum im RAW-Format fotografieren?.

Fertige Fotos exportieren

Nach der Entwicklung exportiere ich nur die Bilder, die ich tatsächlich für einen bestimmten Zweck benötige.

Welche Einstellungen sinnvoll sind, hängt von der späteren Verwendung ab:

  • Für Webseiten reichen kleinere Bildabmessungen und entsprechend komprimierte JPG-Dateien.
  • Für Ausdrucke oder Fotobücher exportiere ich die Bilder in höherer Auflösung.
  • Die ursprüngliche RAW-Datei bleibt unabhängig davon erhalten.

Damit vermeide ich, zahlreiche unterschiedliche JPG-Versionen eines Fotos dauerhaft in meiner eigentlichen Bildbibliothek aufzubewahren.

Fotos archivieren und den Workflow abschliessen

Am Ende meines digitalen Workflows befinden sich die wichtigen Originaldateien in einer nachvollziehbaren Ordnerstruktur und sind mehrfach gesichert. Schlechte Aufnahmen sind gelöscht, die verbleibenden Bilder bewertet und mit den Informationen versehen, die ich später für die Suche benötige.

Gerade bei einer Fotosammlung, die über viele Jahre wächst, lohnt sich diese Arbeit. Ein perfekt entwickeltes Foto nützt wenig, wenn Sie es einige Jahre später nicht mehr finden.

Häufige Fragen zum digitalen Foto-Workflow

Was versteht man unter einem digitalen Workflow in der Fotografie?

Ein digitaler Foto-Workflow umfasst alle Arbeitsschritte nach der Aufnahme: das Übertragen und Sichern der Dateien, Aussortieren, Organisieren, Beschriften, Verschlagworten, Entwickeln, Bearbeiten, Exportieren und Archivieren.

Wann sollte ich meine Fotos sichern?

Am besten so früh wie möglich. Ich erstelle bereits beim beziehungsweise unmittelbar nach dem Import zusätzliche Kopien meiner Originaldateien.

Sollte ich schlechte Fotos sofort löschen?

Ich markiere misslungene Bilder zuerst als abgelehnt und kontrolliere diese Auswahl nochmals, bevor ich die Dateien endgültig vom Datenträger lösche.

Was ist der Unterschied zwischen Bildbeschreibung und Stichwort?

Eine Bildbeschreibung enthält individuelle Informationen zu einem einzelnen Foto. Stichwörter oder Tags sind kurze Begriffe, mit denen sich mehrere Bilder nach Motiven, Eigenschaften oder Themen gruppieren und später wiederfinden lassen.

Warum sollte ich Fotos bewerten?

Mit einer Sternebewertung können Sie Ihre besten Bilder später schnell herausfiltern. Das ist besonders praktisch bei Reisen, Veranstaltungen oder umfangreichen Fotoprojekten.

Muss ich für einen digitalen Foto-Workflow Lightroom verwenden?

Nein. Lightroom vereint Bildverwaltung und RAW-Entwicklung, aber die grundsätzlichen Schritte eines digitalen Workflows lassen sich auch mit anderen Programmen umsetzen.


Dieser Artikel ist Teil des über 740 Seiten starken Digitipps eBook.
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Digitipps eBook Artikel 2

» Fotos mit Stichwörtern versehen und verschlagworten

» Fotos richtig sichern

» Warum im RAW-Format fotografieren?

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