Ein Polarisationsfilter – kurz Polfilter – gehört zu den wenigen Fotofiltern, deren Wirkung sich bei der Bildbearbeitung nicht vollständig nachträglich erzeugen lässt. Er reduziert störende Reflexionen auf nicht metallischen Oberflächen, lässt Farben kräftiger erscheinen und kann den Kontrast zwischen blauem Himmel und Wolken deutlich verstärken.

Besonders nützlich ist ein Polfilter in der Landschaftsfotografie: Spiegelungen auf Wasser und feuchten Blättern lassen sich reduzieren, Grün wirkt satter und bei geeigneter Position zur Sonne wird der Himmel kräftiger. Auch in der Architekturfotografie kann ein Polarisationsfilter störende Reflexionen vermindern.

Polarisationsfilter kurz erklärt: Ein Polfilter filtert Licht einer bestimmten Schwingungsrichtung. Durch Drehen des vorderen Filterrings bestimmen Sie die Stärke des Effekts. Besonders deutlich ist die Wirkung ungefähr im 90-Grad-Winkel zur Sonne. Sie können damit Reflexionen auf Wasser und Glas reduzieren, Farben kräftiger darstellen und einen blauen Himmel abdunkeln.

Was bewirkt ein Polarisationsfilter?

Mit einem Polarisationsfilter lassen sich in der Fotografie unerwünschte Reflexionen von glatten, nicht metallischen Flächen reduzieren oder teilweise ganz beseitigen. Gleichzeitig kann der Filter Farben und Kontraste verstärken.

Am Polfilter sind zwei Teile gegeneinander verdrehbar. Indem Sie den vorderen Ring drehen, verändern Sie die Wirkung des Filters. Kontrollieren Sie den Effekt direkt durch den Sucher oder auf dem Kameradisplay. Den Polarisationsfilter können Sie sowohl für Farb- als auch für Schwarzweiss-Fotografie verwenden.

  • Im 90-Grad-Winkel zur Sonne ist die Wirkung auf einen blauen Himmel besonders stark. Der Himmel wird dunkler und Wolken können sich deutlich kontrastreicher abheben.
  • Das Grün von Wäldern und Wiesen erscheint satter, weil der Polfilter störende Reflexionen des Himmels auf Blättern und Pflanzen reduziert.
  • Beim Fotografieren von Gewässern können Sie Reflexionen auf der Wasseroberfläche vermindern. Dadurch werden Steine, Pflanzen oder andere Dinge unter der Wasseroberfläche besser sichtbar.
  • Bei Regenwetter lassen sich Reflexionen auf nassen Blüten und Blättern reduzieren. Dadurch wirken die Farben häufig kräftiger.
  • Auch beim Fotografieren durch Glas kann ein Polfilter störende Spiegelungen deutlich vermindern.

Mit und ohne Polfilter – der Vergleich

Wie stark ein Polarisationsfilter wirkt, hängt vom Motiv, vom Winkel zum Licht und von der Stellung des Filters ab. Besonders gut lässt sich die Wirkung im direkten Vergleich erkennen.

Landschaft mit und ohne Polarisationsfilter im Vergleich
Vergleichsaufnahme mit und ohne Polarisationsfilter. Links reduziert der Polfilter Reflexionen und lässt den Himmel dunkler erscheinen, die Maispflanzen frischer, rechts die Aufnahme ohne Filter.

Achten Sie beim Vergleich besonders auf Spiegelungen, Farben und Kontraste. Je nach Motiv kann die Wirkung sehr deutlich ausfallen. Bei Wasser oder feuchten Pflanzen reduziert der Filter störende Reflexionen. Bei Landschaftsaufnahmen können dadurch Farben kräftiger und Strukturen klarer erscheinen.

Polarisationsfilter richtig verwenden

Schrauben Sie den Polfilter vorne auf das Filtergewinde des Objektivs. Der vordere Teil des Filters lässt sich anschliessend drehen. Beobachten Sie dabei das Motiv durch den Sucher oder auf dem Kameradisplay und drehen Sie den Filter so lange, bis die gewünschte Wirkung erreicht ist.

  • Die stärkste Wirkung auf den blauen Himmel erzielen Sie ungefähr im 90-Grad-Winkel zur Sonne.
  • Da der Polarisationsfilter Licht zurückhält, verlängert sich bei gleichbleibender Blende die Verschlusszeit. Der Lichtverlust beträgt je nach Filter und Stellung ungefähr 1 bis 2 Lichtwerte (-1 bis -2 EV).
  • Die Belichtungsmessung moderner Kameras berücksichtigt diesen Lichtverlust in der Regel automatisch.
  • Bei Schaufenstern und anderen Glasflächen können Sie durch Drehen des Filters ausprobieren, bei welchem Aufnahmewinkel die Spiegelungen am stärksten reduziert werden.
  • Je nach Dicke der Filterfassung können insbesondere bei Weitwinkelobjektiven Vignettierungen in den Bildecken entstehen.

Zirkularer Polarisationsfilter – CPL

Für moderne Digitalkameras werden in der Regel zirkulare Polarisationsfilter verwendet. Sie werden häufig mit der Abkürzung CPL bezeichnet. Achten Sie beim Kauf darauf, dass der Durchmesser des Filters zum Filtergewinde Ihres Objektivs passt.

Weitere Vergleiche mit und ohne Polarisationsfilter

Vergleich mit und ohne Polarisationsfilter
Vergleich mit und ohne Polarisationsfilter. Links mit, rechts ohne Polfilter. Beachten Sie das Wasser, den Himmel und die Farben der Landschaft.
Vergleich mit und ohne Polarisationsfilter
Vergleich: ohne Polfilter unten und mit Polfilter oben. Beachten Sie den blauen Himmel und die goldgelben Herbstblätter.

» Fotografieren im Herbst

Vergleich der Wirkung eines Polarisationsfilters
Polarisationsfilter im Vergleich: links ohne, rechts mit Polfilter

» Landschaftsfotografie – Landschaften fotografieren

Polfilter bei Weitwinkelobjektiven

Bei starken Weitwinkelobjektiven ist etwas Vorsicht nötig. Durch den grossen Bildwinkel kann die Wirkung des Polarisationsfilters innerhalb des Bildes unterschiedlich stark ausfallen. Bei einem blauen Himmel entstehen dadurch teilweise ungleichmässig dunkle Bereiche.

Kontrollieren Sie deshalb die Wirkung des Filters sorgfältig. Im Zweifelsfall lohnt es sich, zusätzlich eine Aufnahme ohne Polfilter zu machen. Ist die ungleichmässige Wirkung zu störend, können Sie später auf die Aufnahme ohne Filter zurückgreifen und den Himmel bei der Bildbearbeitung gezielt abdunkeln.

Beachten Sie: Ein Polfilter ist nicht bei jedem Motiv automatisch von Vorteil. Neben einem möglichen ungleichmässigen Himmel bei Weitwinkelaufnahmen müssen Sie mit einem Lichtverlust von ungefähr 1 bis 2 EV rechnen. Dicke Filterfassungen können zudem Vignettierungen verursachen.

Polarisationsfilter bei schlechtem Wetter verwenden?

Ein Polarisationsfilter ist nicht nur bei Sonnenschein nützlich. Seine Fähigkeit, Spiegelungen auf nicht metallischen Oberflächen zu reduzieren, kann gerade bei schlechtem Wetter interessant sein. Nasse Blätter, Steine und andere Oberflächen reflektieren Licht besonders stark.

Auch bei Aufnahmen von Gewässern kann der Polfilter bei bedecktem Himmel sinnvoll sein. Die beiden folgenden Bilder habe ich mit der Nikon D5300, Stativ und Spiegelvorauslösung aufgenommen.

Ein ND4-Graufilter verlängerte die Verschlusszeit bei Tageslicht. Der Polfilter reduzierte zusätzlich die Spiegelungen auf dem Wasser und sorgte für kräftigere Farben. Beide Bilder habe ich unbearbeitet aus dem RAW-Format ins JPG-Format entwickelt.

Kameradaten: Nikon D5300 mit Nikkor f/1.8 35 mm, 52 mm KB, f/11, ISO 100

Verwischtes Flusswasser mit Graufilter und Polfilter
8 s Belichtung, mit Polarisationsfilter
Verwischtes Flusswasser mit Graufilter - ohne Polfilter
6 s Belichtung, ohne Polfilter

Polfilter und ND-Filter kombinieren

Einen Polarisationsfilter können Sie mit einem ND-Filter kombinieren. Die beiden Filter erfüllen unterschiedliche Aufgaben: Der Polfilter reduziert Reflexionen, während der ND-Filter die einfallende Lichtmenge verringert und dadurch längere Verschlusszeiten ermöglicht.

Die Kombination eignet sich beispielsweise für fliessendes Wasser. Mit dem ND-Filter verlängern Sie die Belichtungszeit, während der Polfilter gleichzeitig störende Reflexionen auf der Wasseroberfläche oder auf nassen Steinen reduziert.

Beachten Sie beim gleichzeitigen Einsatz mehrerer Schraubfilter, dass sich insbesondere bei Weitwinkelobjektiven das Risiko von Vignettierungen erhöht.

Der Polfilter gehört wie der ND-Graufilter für mich zur Grundausrüstung eines ambitionierten Hobbyfotografen oder einer ambitionierten Hobbyfotografin.

Festsitzenden Filter lösen

Manchmal setzt sich ein Filter am Filtergewinde fest. Mit einem kleinen Streifen eines Therabandes oder einer Antirutschmatte aus dem Baumarkt lässt er sich meistens wieder gut lösen. Einen solchen Streifen habe ich deshalb immer in einem kleinen Mäppchen in meiner Filtertasche dabei.

Festsitzendes Filtergewinde mit Antirutschmaterial lösen

FAQ zum Polarisationsfilter

Was bringt ein Polarisationsfilter?

Ein Polarisationsfilter reduziert Reflexionen auf nicht metallischen Oberflächen wie Wasser oder Glas. Ausserdem können Farben kräftiger erscheinen und der Kontrast zwischen blauem Himmel und Wolken kann verstärkt werden.

Wann sollte man einen Polfilter verwenden?

Ein Polfilter ist besonders bei Landschaftsaufnahmen, Gewässern, nassen Pflanzen und beim Fotografieren durch Glas sinnvoll. Ob der Filter einen Vorteil bringt, kontrollieren Sie am besten direkt im Sucher oder auf dem Kameradisplay.

Wie stellt man einen Polarisationsfilter richtig ein?

Drehen Sie den vorderen Ring des Filters und beobachten Sie gleichzeitig die Wirkung im Sucher oder auf dem Display. Wählen Sie die Stellung, bei der Reflexionen und Kontraste für Ihr Motiv am besten wirken.

Warum wirkt ein Polfilter im 90-Grad-Winkel zur Sonne besonders stark?

Das von der Atmosphäre gestreute Himmelslicht ist ungefähr im 90-Grad-Winkel zur Sonne besonders stark polarisiert. Der Polfilter kann dort einen größeren Teil des Lichts herausfiltern. Dadurch erscheint der blaue Himmel dunkler und der Kontrast zu den Wolken stärker.

Kann man einen Polfilter bei schlechtem Wetter verwenden?

Ja. Auch bei bedecktem Himmel kann ein Polfilter sinnvoll sein. Er reduziert beispielsweise Reflexionen auf Wasser, nassen Steinen und feuchten Pflanzen. Für einen kräftigeren blauen Himmel ist dagegen Sonnenschein notwendig.

Was bedeutet CPL bei einem Polarisationsfilter?

CPL steht für „Circular Polarizer“ und bezeichnet einen zirkularen Polarisationsfilter. Diese Filter werden bei modernen Digitalkameras verwendet.

» Physikalischer Hintergrund (externe Seite)


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