Fotografieren im Nebel: Gehören Sie zu den Leuten, die sich bei Nebel im warmen Wohnzimmer verkriechen? Packen Sie doch einmal Ihre Digitalkamera ein und machen Sie einen Spaziergang. Im Nebel gibt es tolle Fotomotive. Weshalb der Nebel ideal ist und welche Technik Sie am besten verwenden, zeige ich Ihnen hier auf.

Herbststimmung im Nebel
Herbststimmung im Nebel, Nikon D7000, Nikkor f/3.5-5.6 18-105 mm, 42 mm KB, 1/250s, f/8, ISO 320

Fotografieren im Nebel – der Nebel isoliert

Einverstanden: Es ist nicht jedermanns Sache, bei Nebelwetter an die frische Luft zu gehen. Sie schlagen aber damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie sind an der frischen Luft und sie finden garantiert ein ansprechendes Fotomotiv im Nebel.

Ich liebe den Nebel, weil er die Welt so klein macht, dass ich sie verstehen kann. Der Nebel isoliert. Je nach Dichte schrumpft die Sichtweite von mehreren hundert Metern auf wenige Meter. Genau richtig, um einen Baum, einen Zaun vor einem unruhigen Hintergrund zu isolieren.

Fotografieren im Nebel - Baumsilhouette
Fotografieren im Nebel – Baumsilhouette, Nikon D7000, Sigma f/2.8 70-200 mm, 240 mm KB, 1/750s, f/11, ISO 140

Sie werden erstaunt sein, wie viele Motive ansprechend werden, wenn der dichte Nebel sie erst isoliert. Dazu kommt, dass der Anfang der Nebelzeit im Herbst viele farbenfrohe Blätter hervorbringt. Ein weiterer Grund, die Kamera zu zücken. » Fotografieren im Herbst

Winterbaum - Fotografieren im Nebel
Fotografieren im Nebel, Hintergrund durch Nebel isoliert, Nikon D750, Tamron f/2.8 24-70 mm, 30 mm KB, 1/60s, f/8, ISO 100

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» SpyderCube – optimale Farbkorrektur und Belichtung

Perfekte Lichtverhältnisse bei Nebel

Die Lichtverhältnisse während dichten Nebels sind im Normalfall ausreichend, um mit einem Weitwinkel- oder einem Normalobjektiv aus der Hand fotografieren zu können. Da helfen die Bildstabilisatoren der heutigen Digitalkameras ein gutes Stück mit. Der Nebel bringt uns ein Bild ohne grosse Kontraste, weil sich das Licht wie in einem Lichtzelt regelmässig verteilt.

Wenn Sie mit längeren Brennweiten arbeiten oder für das Fokussieren von schwierigen Motiven Unterstützung benötigen, packen Sie das Stativ mit ein.

Fotografieren Sie mit einer System- oder Spiegelreflexkamera, können Sie die Empfindlichkeit gut bis ISO 1600 erhöhen – falls es nötig sein sollte. Die Bilder in der Nebel-Galerie habe ich alle unter einem Wert von ISO 400 aufgenommen, in den meisten Fällen bei ISO 100. Falls Sie mit einer Kompaktkamera fotografieren, testen Sie aus, bei welcher Empfindlichkeitseinstellung Sie noch ansprechende Bilder mit zufriedenstellender Qualität erreichen. Nebelbilder vertragen da wegen des sonst schon herrschenden diffusen Lichtes mehr Bildrauschen. Zudem lässt sich das Bildrauschen vor allem bei RAW-Formaten gut korrigieren.

Aber auch mit Ihrem Smartphone können Sie bei diesen Lichtverhältnissen ansprechende Ergebnisse erzielen, wie das Bild Abendnebel zeigt:

Nebelstimmung in der Dämmerung
Nebelstimmung in der Dämmerung, Samsung Galaxy S4, 31 mm KB, 1/80s, f/2.2, ISO 50

Arbeiten mit Roh-Formaten – RAW

Gut ausgestattete Kameras ermöglichen Ihnen, die Bilddateien im RAW-Format (digitales Negativ) zu speichern. Der Vorteil besteht darin, dass die Bildinformationen ohne irgendwelche Verarbeitung vom Bildsensor an die Speicherkarte übermittelt werden. So erhalten Sie eine grössere Farbtiefe. Beim JPG-Format werden Bildinformationen von einer internen Software verarbeitet (z.B. Weissabgleich), komprimiert und danach gespeichert.

Besonders die kleinen Farbnuancen im Graubereich von Nebelfotos können Sie mit dem RAW-Format besser herausarbeiten. Die Farbtiefe von RAW-Aufnahmen beträgt 12-14 bit pro Kanal, beim JPG-Format nur 8 bit. Wenn Sie ein Bild in einem RAW-Format speichern, können Sie die Original-Bildinformationen mit einem speziellen Programm nach der Aufnahme entwickeln. Sie arbeiten sozusagen in einer digitalen Dunkelkammer.

» optimaler Weissabgleich an RAW-Aufnahmen

Sonnenstrahlen im Wald - Im Nebel fotografieren
Sonnenstrahlen im Wald, Nikon D7000, Nikkor f/3.5-5.6 18-105 mm, 27 mm KB, 1/180s, f/6.7, ISO 100

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Fotografieren im Nebel - Strasse beim Schloss Watt in Moerschwil
Strasse beim Schloss Watt in Mörschwil, Sony DSC RX100iii, Zeiss f/1.8-2.8 24-70 mm, 24 mm KB, 1/125s, f/1.8, ISO 125

An der Nebelgrenze fotografieren

Falls Sie, wie ich, in einem Gebiet wohnen, in welchem der Nebel oft tagelang dicht über dem Dorf liegt, kennen Sie auch die Faszination, wenn der Nebel sich lichtet und die Sonnenstrahlen sanft durch ihn streichen. Deshalb ist das Fotografieren im Nebel immer wieder für Überraschungen gut. Und wenn nicht, haben Sie einen gemütlichen Spaziergang hinter sich.

Raureif an Baum und blauer Himmel
Raureif an Baum, Nikon D5300, Nikkor f/3.5-5.6 18-105 mm, 45 mm KB, 1/60s, f/8, ISO 100, Polarisationsfilter

Wechselspiel zwischen Nebel und Sonnenstrahlen

Um das Spiel zwischen Nebel und Sonne einfangen zu können, müssen Sie sich zunächst an die Nebelgrenze begeben. Informieren Sie sich vorab im Internet über Web-Cams, auf welcher Höhe sich die Nebelobergrenze aktuell befindet. So erleichtern Sie sich die Planung – oder Sie können schon vorab feststellen, dass Sie – bei Hochnebel – viel zu weit fahren müssten.

Ideal ist eine tiefe Nebelgrenze, da diese die Landschaft mit Bäumen oft in eine märchenhafte Szene verwandelt. Wenn der Nebel langsam sinkt, legt er zuerst den Raureif an Bäume und Gräser und lässt etwas später die Sonne auf die Märchenlandschaft scheinen.

Das Wechselspiel zwischen dem Nebel und der Sonne ist faszinierend, aber kaum planbar. Sie müssen sich einfach vom Moment überraschen lassen und schnell reagieren. Die Lichtsituation ändert sich oft innerhalb weniger Sekunden. Der Nebel kriecht ins Bild und verdeckt Motive – oder er zieht sich zurück und gibt den Blick darauf frei.

Raureif an Zaunpfahl und Absperrband
Raureif an Zaunpfahl, Nikon D5300, Nikkor f/3.5-5.6 18-105 mm, 60 mm KB, 1/250s, f/8, ISO 100

Ausrüstungstipps Fotografieren im Nebel

  • Sie können diese Motive mit irgendeiner Kamera fotografieren. Die Lichtverhältnisse sind sehr gut, sodass Sie auch mit einem Smartphone tolle Bilder aufnehmen können.
  • Damit Sie viel von der Landschaft auf Ihr Bild bekommen, benötigen Sie ein Objektiv mit einer grossem Bildwinkel oder kleiner Brennweite – ein Weitwinkelobjektiv mit 27 bis 35 mm Brennweite für Kleinbild-Sensoren, für Halbformat wie APS-C etwa 18 bis 27 mm, da der Crop-Faktor das Bild beschneidet.
  • Da Sie oft gegen das Licht fotografieren werden, benötigen Sie unbedingt eine Gegenlichtblende / Streulichtblende und saubere Objektiv-Linsen.
  • Nehmen Sie einen Ersatz-Akku mit. Die Kälte lässt den Energievorrat schnell schrumpfen.
  • Eine Kamera mit Klappdisplay erleichtert Aufnahmen aus Bodennähe oder anderen speziellen Perspektiven.
  • Mit einem Stativ könnten Sie genauer arbeiten, aber die schnell wechselnden Lichtverhältnisse lassen Ihnen oft zu wenig Zeit, um sich optimal einzurichten.
  • Um Bäume mit dem Raureif vor einem tiefblauen Himmel abheben zu können, hilft ein Polarisationsfilter.
  • Meine Ausrüstung: Smartphone, Nikon D5300 mit Tamron f/2.8 11-16 mm, Nikkor f/3.5-5.6 18-105 mm oder die Nikon D750 mit dem Tamron f/1.8 35 mm und dem Tamron f/2.8 15-30 mm oder das Tamron f/2.8 24-70 mm.
  • Wenn Sie die Spitzen des Raureifes in Szene setzen möchten, ist ein Makroobjektiv die beste Wahl.
Nebel erobert zurück - Landschaft mit Eiche und Nebelschwaden
Nebel erobert zurück, Nikon D5300, Nikkor f/3.5-5.6 18-105 mm, 33 mm KB, 1/750s, f/8, ISO 100

Kameraeinstellungen beim Fotografieren im Nebel

  • Stellen Sie Ihre Kamera auf Zeitautomatik A/Av oder auf Programmautomatik P. Für Landschaftsfotos und Baumbilder wählen Sie eine Blende im Sweet-Spot von f/8 bis f/11, um eine grösstmögliche Schärfentiefe zu erreichen.
  • Die Sensor-Empfindlichkeit stellen Sie auf ISO 100 oder ISO 200. In diesem Bereich ist die Sensorleistung am besten. Alternativ können Sie bei der Wahl von Programm- oder Zeitautomatik die ISO-Automatik auf ISO 100 bis ISO 800 einstellen.
  • Mit dem Smartphone können Sie – falls vorhanden – den Modus HDR auswählen. Der Kontrastumfang des Bildes wird dadurch durch die Software erhöht, was bei Gegenlichtaufnahmen von Vorteil ist.
  • Fotografieren Sie im RAW-Format, wenn Ihre Kamera dies ermöglicht. Sie haben viel mehr Optimierungsmöglichkeiten bei Rohformat-Bildern als mit dem JPG-Format. Der Dynamikumfang – Unterschied zwischen der hellsten und dunkelsten Stelle – ist im RAW-Format deutlich höher.
  • Möchten Sie bei Gegenlichtaufnahmen die Sonne mit Strahlen einfangen (Blendenstern), schliessen Sie die Blende auf die zweithöchste oder höchste Stufe (zum Beispiel f/16 oder f/22). Beachten Sie aber, dass je nach Objektiv eine ganz geschlossene Blende zu einer mehr oder weniger starken Schärfeeinbusse führen kann. » Beugungsunschärfe
  • Stellen Sie die Histogramm-Ansicht und die Überbelichtungswarnung an Ihrer Kamera ein. Beide helfen, die korrekte Belichtung einzustellen.
  • Der Belichtungsmesser ist bei Nebel möglicherweise irritiert und belichtet zu knapp. Achten Sie darauf, nach rechts zu belichten, um den Dynamikumfang des Sensors auszunutzen.
Nebelfotos Schloss Watt in Moerschwil
Nebelfoto Schloss Watt, Nikon D5300, Tokina f/2.8 11-16 mm, 19 mm KB, 1/1500s, f/8, ISO 100

Tipps für tolle Fotos an der Nebelgrenze

  • Starten Sie leicht unterhalb der Nebelgrenze. Der Mischbereich von Sonne und Nebel bringt die faszinierenden Licht-Wechselspiele zum Vorschein. Die Sonnenstrahlen werden durch den Nebel sichtbar gemacht. Dieser Effekt tritt vor allem im Wald oder bei Baumgruppen auf, da die Äste einen Teil des Sonnenlichtes abhalten und so den Strahleneffekt auslösen.
  • In den frühen Morgen- und späten Abendstunden bewegt sich die Nebelgrenze stärker. Dadurch entsteht auch mehr Raureif an den Bäumen.
  • Die Nebelgrenze steigt im Verlauf des Vormittags eher an und sinkt gegen Abend meist wieder.
  • Stellen Sie die Grundwerte Ihrer Kamera vorher ein. Die Stimmungen wechseln schnell. Wenn Sie eine optimale Lichtsituation entdecken, sind Sie genügend schnell, um diese einzufangen. Sekunden später kann diese sich schon wieder aus dem Staub gemacht haben.
  • Wenn Sie mit dem Polarisationsfilter arbeiten, stellen Sie sorgfältig den stärksten Effekt ein, indem Sie beim langsamen Drehen des Filters auf das Blau des Himmels achten. Der Effekt ist im 90-Grad-Winkel zur Sonne am stärksten.
Nebelstimmung Weiern St. Gallen
Nebelstimmung Weiern St. Gallen, Nikon D5300, Sigma f/2.8-4 17-70 mm, 25 mm KB, 1/250s, f/8, ISO 100, Schwarzweiss in Photomatix Pro

Belichtung kontrollieren

  • Der Nebel kann dazu führen, dass Ihre Aufnahmen zu wenig belichtet werden. Je nachdem, wie gross die Nebel-Fläche auf dem Bild ist, müssen Sie korrigieren eingreifen.
  • Kontrollieren Sie die Aufnahmen mit dem Histogramm und der Überbelichtungswarnung. Da Sie so hohe Kontraste im Bild haben werden, müssen Sie gut darauf achten, dass kein Clipping entsteht und Lichter ausfransen.
  • Raureif an den Pflanzen oder an Zäunen sind ebenfalls beliebte Fotomotive. » Fotografieren im Nahbereich
  • Experimentieren Sie beim Fotografieren mit dem Bildformat (Hoch- oder Querformat?) und der Aufnahmeposition.
  • Komponieren Sie von einem Motiv mehrere Bilder mit verschiedenartigem Bildaufbau (Goldener Schnitt, Drittelregel, Symmetrie).
  • Wechseln Sie die Aufnahmeposition. Gehen Sie in die Knie, zwei Schritte nach links oder rechts.
  • Wechseln Sie das Objektiv und probieren Sie die Wirkung anderer Brennweiten aus.
  • Zuhause am Computer (oder direkt am Bildschirm an der Kamera) vergleichen Sie die Bildwirkung. Ihr Auge wird damit geschult, das Motiv in die richtige Ecke zu rücken.
  • Tolle Motive finden Sie, wenn Sie direkt an der Nebelgrenze oder leicht darunter fotografieren.

Wechselnde Lichtverhältnisse: Alle drei Bilder sind innerhalb von 30 Sekunden entstanden.

Tipps für danach

  • Ihre Ausrüstung wird beim Shooting ausgekühlt. Wenn Sie in einen warmen Raum kommen, wird sich die Ausrüstung durch den Feuchtigkeitsgehalt sehr schnell beschlagen. Das kann der Elektronik schaden. Packen Sie die Ausrüstung erst eine halbe Stunde oder später aus. Sie hat dann in der Fototasche Zeit, sich langsam an die warme Temperatur zu gewöhnen.
  • Alternativ können Sie die Kamera in einen Plastiksack packen und luftdicht abschliessen. Legen Sie allenfalls ein Granulat-Säckchen, welches Feuchtigkeit aufnimmt, mit in den Plastiksack. Packen Sie die Kamera erst aus, wenn sie sich an die Raumtemperatur akklimatisiert hat.
  • Laden Sie Ihre Fotos auf den Computer und misten Sie die Ergebnisse aus. » Tipps zum digitalen Workflow
Chinaschilf im herbstlichen Nebel - Fotografieren im Nebel
Chinaschilf im Nebel, Nikon D5300, Tokina f/2.8 11-16 mm, 16 mm KB, 1/20s, f/11, ISO 100

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