Fotopraxis

Mond fotografieren

Halbmond fotografieren, Nikon D750, Sigma f/5-6.3 150-600mm, 600mm KB, 1/180s, f/8, ISO400, Stativ, Spiegelvorauslösung

Halbmond fotografieren

Mit Mond fotografieren machen Sie den ersten Schritt in die Astrofotografie. Den Mond zu fotografieren, ist relativ einfach. Ich zeige Ihnen, wie Sie den Vollmond oder Mond optimal fotografieren können. Klick!

Mond fotografieren

Haben Sie schon einmal versucht, den Mond zu fotografieren? Oft kommt dann entweder eine überbelichtete Kugel ohne Zeichnung vor – oder der Mond ist unscharf, verwackelt oder bei längerer Belichtungszeit zu einem Ei verformt. In diesem Artikel zeige ich Ihnen, welche Ausrüstung Sie brauchen, welche Kameraeinstellungen sinnvoll sind und wie Sie den Mond optimal ablichten können.

Der Mond erscheint jeweils grösser, wenn er gerade über dem Horizon auf- oder untergeht und Vergleichsobjekte wie Häuser, Kirchtürme, Bäume in der Nähe sind. In Wirklichkeit ist die Mondscheibe aber immer gleich gross – wenn wir die minime Änderung durch die unterschiedliche Distanz Erde-Mond vernachlässigen. Im Mittel beträgt die Distanz Mond-Erde 384’400 km. Der Äquatordurchmesser beträgt nur 3476 km. In 27 Tagen und 7 h ist der Mond einmal um die Erde gekreist. Die Mondoberfläche weist ein sehr schönes Relief mit vielen Kratern auf. Die meisten entstanden durch Meteoriteneinschläge, die ganz dunklen, grossen Flecken durch Magmaergüsse. Wird der Mond seitlich von der Sonne beleuchtet (Streiflicht), entstehen Schatten, die das Relief viel plastischer werden lassen. Doch dazu später mehr. Auf dem Mond gibt es weder eine Atmosphäre, noch Wasser, Wind und Wolken.









Den Mond können Sie wegen der Helligkeit noch ohne Nachführung der Kamera bei relativ tiefen ISO-Werten fotografieren.

Wenn Sie tolle Fotos aus dem Internet kennen, auf denen die Struktur des Mondes perfekt abgebildet, die Umgebung aber auch optimal belichtet ist, dann handelt es sich um eine zusammengeflickte Aufnahme mehrerer Bilder. Der Mond ist so hell, dass entweder seine Strukturo ODER die Umgebung optimal belichtet wird. Hier ist Photoshop und Co eine grosse Hilfe…

Wenn Sie den Vollmond in der blauen Stunde aufnehmen, kann er seine Farbe verändern und von orange zu rot oder pink leuchten.

Vollmondaufgang zur blauen Stunde

Vollmondaufgang zur blauen Stunde, Nikon D5300, Nikkor f/4.5-5.6 55-300mm, 280mm KB, 0.7s, f/11, ISO800, Stativ, Spiegelvorauslösung, Ausschnitt aus Originalbild

Ausrüstung Mond fotografieren

  • Wenn Sie mit einer Halbformatkamera arbeiten, haben Sie schon einmal einen Trumpf in der Hand: Den Crop-Faktor. Durch den engeren Bildausschnitt wird ein 200mm-Objektiv zu einem 300er. Und das ist für die Abbildungsgrösse des Mondes entscheidend.
  • Ideal ist eine Brennweite von 400 bis 600mm KB. Bei kleineren Brennweiten müssen Sie vom fertigen Bild einen Ausschnitt nehmen, damit der Mond eine bestimmte Grösse erhält.
  • Ein Stativ ist ebenfalls nötig, damit Sie den Bildausschnitt perfekt bestimmen und allenfalls mit einer etwas kleineren Blende verwacklungsfrei fotografieren können.
  • Da die Verwacklungsgefahr bei schwachen Lichtverhältnissen steigt, empfehle ich Ihnen einen Draht- oder Fernauslöser. Alternativ können Sie auch den Selbstauslöser auf 2s Verzögerung einstellen.
  • Objektiv mit einer Brennweite von mindestens 300 mm. Allenfalls einen Telekonverter, wenn Sie mit einem qualitativ hochstehenden Objektiv arbeiten. Der Telekonverter verringert die Abbildungsleistung etwas. Da dies aber meist die Bildränder betrifft und Sie den Mond im Zentrum fotografieren, fällt das nicht so stark ins Gewicht.
  • Wenn Sie schwere Objektive haben, können Sie diese mit der mitgelieferten Objektivschelle direkt auf dem Stativ fixieren. Das macht die Kamera stabiler.
  • Streulichtblende
  • Stirnlape mitnehmen, damit Sie die Bedienungselemente in der Nacht finden…
überstrahlter Vollmond bei Schleierwolken

überstrahlter Mond bei Schleierwolken, D7000, Nikkor f/1.8 35mm, 1/20s, f/2.4, ISO1600, Stativ

Kameraeinstellungen Mond fotografieren

  • Stellen Sie an Ihrer Kamera wenn möglich das RAW-Format ein. Sie benötigen zwar zum Entwickeln und Korrigieren etwas mehr Zeit, der Dynamikumfang des RAW-Formates ist höher und Sie können Bildrauschen und Details besser herausarbeiten.
  • Wenn Sie mit einer Spiegelreflexkamera arbeiten, schalten Sie die Spiegelvorauslösung ein. Der Spiegel klappt dann hoch und die Kamera löst leicht verzögert aus. So können Sie verhindern, dass die leichten Erschütterungen des Spiegels das Bild verwackeln.
  • Stellen Sie den Bildstabilisator auf dem Stativ unbedingt ab. Sonst können Korrekturbewegungen das Bild unscharf werden lassen.
  • Schalten Sie die ISO-Automatik ab. Erhöhen Sie die Sensorempfindlichkeit nur, wenn Sie keine scharfen Aufnahmen mehr machen können. Je tiefer der Wert, desto leistungsfähiger der Bildsensor.
  • Blenden Sie – wenn möglich – zwei Stufen ab. Wenn Ihr Objektiv die Offenblende f/2.8 aufweist, schliessen Sie die Blende um zwei Werte auf f/4 und f/5.6. Meist erreichen die Objektive ab dieser Einstellung die besten Abbildungsqualitäten – den Sweet-Spot. So können Sie die feinen Zeichnungen der Mondoberfläche sichtbar machen.
  • Da der helle Mond nur den kleinsten Teil Ihres Bildes ausmacht, liegt die automatische Belichtungsmessung total daneben. Stellen Sie auf Manuell oder verwenden Sie die Spot-Messung und richten Sie diese direkt auf den Mond. Wenn die Einstellung korrekt ist, schwenken Sie die Kamera wieder auf den gewünschten Bildausschnitt.
  • Kontrollieren Sie die korrekte Belichtung mit Hilfe des Histogramms und vermeiden Sie Clipping. Sie verlieren sonst wichtige feine Zeichnungen der Mondoberfläche.
  • Stellen Sie bei Brennweite 200mm, je nach Lichtverhältnissen, eine Verschlusszeit von etwa 1/30 bis 1/60s ein. Wichtig ist, eine Balance zwischen einem möglichst tiefen ISO-Wert und einer möglichst kurzen Verschlusszeit zu erzielen. Achten Sie darauf, ob der Mond nicht durch Bewegungsunschärfe (er wandert relativ schnell) unscharf wird. Wenn ja, Verschlusszeit verkürzen und ISO-Wert erhöhen.
  • Bei längeren Brennweiten von 600mm KB (400mm mit APS-C-Sensor) müssen Sie die Verschlusszeit weiter verkürzen, da nur schon kleinste Erschütterungen das Bild verwackeln können.
Halbmond fotografieren

Halbmond fotografieren, Nikon D750, Sigma f/5-6.3 150-600mm, 600mm KB, 1/180s, f/8, ISO400, Stativ, Spiegelvorauslösung

Vorbereitungen und Planung Mond fotografieren

  • Machen Sie sich mit den verschiedenen Mondphasen vertraut. In Tageszeitungen oder mit einem App können Sie diese verfolgen und mit Einbezug des Wetters Ihre Bilder planen. Die Webseite Mondverlauf.de gibt Ihnen detaillierte Auskunft über Mondaufgang, -Untergang und -Höchststand. Sie können zudem simulieren, in welcher Richtung und welchem Höhenwinkel Sie den Mond vorfinden werden. Das erleichtert ihre Planung.
  • Klare Luft und gutes Wetter ist für die Mondfotografie wichtig. Die Lichtwellen müssen immerhin rund 384’400 km reisen, bis Sie auf Ihrem Bildsensor auftreffen. Smog und Dunst verringern die Bildqualität beträchtlich.
  • An einem windstillen, klaren Wintertag sind die Verhältnisse am besten. Es ist dann aber auch am Kältesten…
  • Schon leichter Wind kann auch bei der Verwendung eines guten Stativs zu Objektivbewegungen führen. Der Bildausschnitt bei langen Brennweiten ist sehr klein und damit viel anfälliger für Erschütterungen.
  • Je höher der Mond am Himmel steht, desto weniger beeinträchtigen die Luftschichten über der Erde die Bildqualität.
  • Achten Sie darauf, dass Sie sich möglichst weit weg von störenden Lichtquellen wie Strassenlampen oder allgemein Siedlungen befinden. Der Mond erscheint dann klarer, weil weniger Streulicht vorhanden ist.
  • Fotografieren Sie den Mond bei möglichst dunklem Himmel. Die Zeichnungen der Mondoberfläche werden dann besser sichtbar. Aber auch ein Mond in der Dämmerung hat natürlich seinen Reiz.
  • Arbeiten Sie mit einem stabilen Stativ und fahren Sie die Beine möglichst wenig weit aus. Je länger die Beine, desto instabiler wird das Stativ. Die Mittelsäule lassen Sie unbedingt eingefahren. Allenfalls können Sie das Stativ mit Ihrer schweren Fototasche beschweren, indem sie diese unter das Stativ hängen. Einge Stative haben unter der Mittelsäule einen Haken dafür.
  • Achten Sie auf einen guten Stand des Stativs und fahren Sie, falls vorhanden, bei rutschigem Untergrund die Dornen aus.
  • Wenn Sie mit der langen Brennweite arbeiten, werden Sie feststellen, dass der Mond sehr schnell durch den Bildausschnitt wandert. Passen Sie vor dem Auslösen den Ausschnitt immer wieder an.
  • Stellen Sie die Schärfe mit der Live-View-Ansicht ein. Drücken Sie das Lupen-+-Symbol und zoomen Sie nahe an den Mond. So können Sie die korrekte Schärfeebene einstellen.
  • Wenn Sie den Mond mit anderen Motiven (Wald, Bäume, Häuser, Kräne, Bergspitzen etec.) fotografieren, stellen Sie auf die hyperfokale Distanz ein, damit Motive im Vordergrund und die Mondscheibe scharf abgebildet werden. Als Alternative können Sie ein Bild mit scharfer Silhouette und ein Bild mit scharfem Mond aufnehmen und mit Focus-Stärkung zu einem Bild kombinieren. » Unendliche Schärfentiefe
einen Tag vor Vollmond - Mond fotografieren

einen Tag vor Vollmond, Nikon D5300, Sigma f/2.8 70-200mm, 2.0x-Konverter, 600mm KB, 1/250s, f/5.6, ISO, Stativ, Spiegelvorauslösung

Bildgestaltung Mond fotografieren

  • Der Vollmond ist immer ein spezielles Ereignis. Aber die schönsten Mondbilder erhalten Sie, wenn der Mond 5-6 Tag alt ist. Also 5 bis 6 Tage nach dem Vollmond. Eine grosse Fläche des Mondes wird erleuchtet. Weil das Licht eher von der Seite kommt, wirken die Strukturen des Mondes viel interessanter und durch den Schattenwurf plastischer. Probieren Sie unterschiedliche Mondphasen aus!
  • Um den Mond in einer Landschaft perfekt zu positionieren, braucht es viel Planung und viel Geduld. Warum nicht eine Landschaft fotografieren und später den Mond mit einem Bildbearbeitungsprogramm an die richtige Stelle pinnen? Ich bin zwar nicht so Fan von solchen aufwändigen Bildbearbeitungen und möchte den Mond dort fotografieren, wo er zum betreffenden Zeitpunkt auch scheint. Etwas planen lässt es sich ja schon – wenn das Wetter mitmacht…

Mondbilder optimieren

Wenn Sie Ihre Mondfotos im RAW-Format aufgenommen haben, können Sie in einem RAW-Entwickler wie Lightroom das Optimale aus Ihren Bildern holen.

Ich war den Vollmond fotografieren. Dazu verwendete ich die Nikon D5300 mit dem Nikkor f/4.5-5.6 55-300mm in der 300mm-Einstellung. Das entspricht mit dem Crop-Faktor einer Brennweite von 450 KB. Der Vollmond war auf dem 24 MP-Bild immer noch etwas klein. Ich habe deshalb einen Ausschnitt aus dem RAW-Bild genommen und dann optimiert:

Grundeinstellungen:

  • Kontrast +7
  • Klarheit +38

Schärfen:

  • Betrag +100
  • Radius 1.4 Pixel
  • Details +21
  • Maskieren +65
Ausschnitt Vollmond RAW-Foto unbearbeitet

Ausschnitt Vollmond RAW-Foto unbearbeitet

Ausschnitt Vollmond RAW-Foto bearbeitet

Ausschnitt Vollmond RAW-Foto bearbeitet

Weitere Tipps zum Mond fotografieren

Sie können auch eine automatische Belichtungsreihe aufnehmen und daraus ein detaillierteres HDR-Bild erzeugen oder das RAW-Bild mit PhotomatixPro tonemappen.

» Mondkalender (externer Link)

» Langzeitbelichtungen

» Stativ richtig aufstellen






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