Mond fotografieren ist für viele der Einstieg in die Astrofotografie. Die Mondfotografie ist einfacher, als viele denken: Mit der richtigen Kameraeinstellung, einem Teleobjektiv und etwas Planung gelingen Ihnen bereits beeindruckende Mondfotos.

In diesem Artikel zeige ich Ihnen:

  • welche Ausrüstung sich für die Mondfotografie eignet,
  • wie Sie den Vollmond oder Halbmond scharf fotografieren,
  • welche Kameraeinstellungen sinnvoll sind,
  • wie Sie Verwacklungen vermeiden,
  • und wie Sie Ihre Mondbilder später optimieren können.

Inhaltsverzeichnis – Mond fotografieren

Warum Mondfotos oft unscharf oder überbelichtet werden

Haben Sie schon einmal versucht, den Mond zu fotografieren – und am Ende war nur eine weisse Kugel ohne Struktur sichtbar? Oder der Mond wurde verwackelt und unscharf?

Das passiert häufig, weil der Mond viel heller ist, als unser Auge wahrnimmt. Die Belichtungsautomatik der Kamera wird dadurch schnell irritiert. Zudem bewegt sich der Mond überraschend schnell über den Himmel. Bereits kleinste Erschütterungen reichen aus, um die feinen Details der Mondoberfläche unscharf erscheinen zu lassen.

Mit den richtigen Einstellungen können Sie diese Probleme jedoch einfach vermeiden.

Die beste Zeit zum Mond fotografieren

Viele fotografieren ausschliesslich den Vollmond. Tatsächlich entstehen die spannendsten Mondfotos aber oft einige Tage davor oder danach.

Vollmond fotografieren

Der Vollmond ist besonders hell und einfach zu fotografieren. Allerdings wirkt seine Oberfläche häufig etwas flach, weil das Sonnenlicht frontal auftrifft und kaum Schatten entstehen.

Wenn Sie den Vollmond in der blauen Stunde fotografieren, kann er wunderschöne orange, rote oder sogar pinke Farbtöne annehmen.

Vollmondaufgang zur blauen Stunde - Mond fotografieren - Mondfotografie
Vollmondaufgang zur blauen Stunde, Nikon D5300, Nikkor f/4.5–5.6 55–300 mm, 280 mm KB, 0.7 s, f/11, ISO 800, Stativ, Spiegelvorauslösung, Ausschnitt aus Originalbild

Halbmond und Dreiviertelmond fotografieren

Die schönsten Strukturen erkennen Sie meist bei Halbmond oder Dreiviertelmond. Durch das seitliche Licht entstehen Schatten, welche die Krater und Berge plastischer wirken lassen.

Ich fotografiere den Mond besonders gerne einige Tage nach Vollmond. Die Oberfläche wirkt dann deutlich spannender und detailreicher.

Supermond fotografieren

Von einem Supermond spricht man, wenn der Mond der Erde besonders nahe kommt. Er erscheint dann etwas grösser und heller als gewöhnlich.

Der Unterschied ist zwar kleiner, als viele erwarten, fotografisch lohnt sich der Supermond aber trotzdem.

Vollmond vom 13. Oktober 2019, 19:45:

tipps um den Vollmond zu fotografieren
Vollmond fotografieren, Nikon D750, Sigma f/5–6.3 150–600 mm, 1.4fach-Konverter, 850 mm KB, Bildausschnitt, 1/180 s, f/16, ISO 400, Stativ, Spiegelvorauslösung

Welche Ausrüstung eignet sich für die Mondfotografie?

Für schöne Mondbilder benötigen Sie keine teure Spezialausrüstung. Eine Kamera mit Teleobjektiv reicht meist völlig aus. Mit einem Teleobjektiv können Sie den Mond deutlich grösser und detaillierter fotografieren.

Die richtige Brennweite für Mondfotos

Je länger die Brennweite, desto grösser erscheint der Mond auf Ihrem Bild.

Ideal sind:

  • 400 bis 600 mm Kleinbild
  • oder mehr für Detailaufnahmen

Wenn Sie mit einer APS-C- oder Halbformatkamera fotografieren, profitieren Sie zusätzlich vom Crop-Faktor. Ein 400-mm-Objektiv entspricht dann ungefähr 600 mm Kleinbild.

Ich arbeite häufig mit einem 150–600-mm-Zoomobjektiv. Damit lassen sich unterschiedliche Bildausschnitte flexibel gestalten.

Stativ verwenden

Ein stabiles Stativ ist bei der Mondfotografie enorm wichtig. Bereits kleinste Bewegungen können das Bild verwackeln. Mehr dazu lesen Sie im Artikel Stativ richtig aufstellen.

Meine Tipps:

  • Mittelsäule eingefahren lassen
  • nur die dicksten Stativbeine ausziehen
  • schwere Fototasche zur Stabilisierung anhängen

Fernauslöser oder Selbstauslöser nutzen

Ein Draht- oder Fernauslöser verhindert Verwacklungen beim Auslösen. Alternativ eignet sich auch der 2-Sekunden-Selbstauslöser hervorragend.

Spiegelvorauslösung aktivieren

Wenn Sie mit einer Spiegelreflexkamera fotografieren, empfehle ich die Spiegelvorauslösung. Dadurch reduzieren sich feine Vibrationen deutlich.

Bildstabilisator auf dem Stativ deaktivieren

Vergessen Sie nicht, den Bildstabilisator auf dem Stativ auszuschalten. Sonst können Korrekturbewegungen das Bild sogar unscharf machen.

überstrahlter Vollmond bei Schleierwolken - Mondfotografie
überstrahlter Mond bei Schleierwolken, D7000, Nikkor f/1.8 35 mm, 1/20 s, f/2.4, ISO 1600, Stativ

Die besten Kameraeinstellungen zum Mond fotografieren

Die richtigen Kameraeinstellungen sind entscheidend, wenn Sie den Mond scharf fotografieren möchten.

RAW statt JPEG fotografieren

Fotografieren Sie möglichst im RAW-Format. Dadurch können Sie später deutlich mehr Details und Strukturen aus Ihren Mondbildern herausholen.

Manuelle Belichtung verwenden

Die automatische Belichtung liegt bei Mondfotos fast immer daneben. Fotografieren Sie deshalb möglichst im manuellen Modus oder nutzen Sie die Spotmessung direkt auf den Mond.

Empfehlenswerte Grundeinstellungen

Mit diesen Einstellungen erzielen Sie häufig sehr gute Resultate:
  • ISO 100 bis 400
  • Zeitautomatik A/Av mit Blendenvorwahl
  • Blende f/8 bis f/11
  • Verschlusszeit etwa 1/125 bis 1/250 s
  • manueller Fokus
  • RAW-Format
  • optional: ISO-Automatik

Die optimale Verschlusszeit berechnen

Der Mond bewegt sich schneller, als viele vermuten. Deshalb dürfen die Belichtungszeiten nicht zu lang werden.
Eine hilfreiche Faustregel lautet: 500 geteilt durch Brennweite.

→ 600 mm Brennweite an einer APS-C-Kamera entsprechen ungefähr 900 mm Kleinbild.

Berechnung:

500 geteilt durch 900 ≈ 1/2 s Belichtungszeit

Längere Belichtungszeiten führen schnell zu Bewegungsunschärfe.

Halbmond fotografieren und Struktur der Mondoberfläche hervorheben
Halbmond fotografieren, Nikon D750, Sigma f/5–6.3 150–600 mm, 600 mm KB, 1/180 s, f/8, ISO 400, Stativ, Spiegelvorauslösung

Mond richtig fokussieren

Der Autofokus hat nachts oft Mühe. Deshalb fokussiere ich den Mond fast immer manuell.

So gelingt die Scharfstellung

  • Live-View einschalten
  • Bild maximal vergrössern
  • Fokus manuell auf Krater oder Mondkante setzen
  • anschliessend Fokus nicht mehr verändern

Gerade bei langen Brennweiten macht diese Methode einen enormen Unterschied.

Mond mit Landschaft fotografieren

Besonders eindrucksvoll wirken Mondfotos mit Bergen, Bäumen, Kirchtürmen oder Häusern im Vordergrund.

Solche Bilder benötigen allerdings etwas Planung. Hilfreich sind Apps wie PhotoPills oder Mondkalender-Apps, mit denen Sie Mondaufgang und Mondposition exakt vorausplanen können.

Wichtig:
Der Mond wirkt am Horizont oft riesig. Das ist jedoch hauptsächlich eine optische Täuschung.

aufgehender Blutmond fotografieren
aufgehender Blutmond fotografieren, Nikon D750, Sigma f/5–6.3 150–600 mm, 600 mm KB, f/6.3, 1/2 s, ISO 2500, Stativ, Spiegelvorauslösung

Wetter und Planung für die Mondfotografie

Klare Luft ist für scharfe Mondbilder enorm wichtig.

Die besten Bedingungen:

  • klare Winterluft
  • wenig Luftflimmern
  • windstille Nächte
  • möglichst wenig Lichtverschmutzung

Je höher der Mond am Himmel steht, desto weniger beeinträchtigen Luftschichten die Bildqualität.

Schon leichter Wind kann bei langen Brennweiten zu Verwacklungen führen.

Mondfotos bearbeiten und optimieren

Wenn Sie im RAW-Format fotografieren, können Sie Ihre Bilder später deutlich verbessern.

Ich erhöhe bei meinen Mondfotos häufig:

  • Klarheit
  • lokale Schärfe
  • Struktur
  • Kontrast

Dadurch werden Krater und feine Details besser sichtbar.

Wichtig:
Übertreiben Sie das Schärfen nicht. Sonst entstehen schnell unnatürliche Artefakte.

Meine Mondkorrekturen in Adobe Lightroom:

Grundeinstellungen:

  • Kontrast +7
  • Klarheit +38

Schärfen:

  • Betrag +100
  • Radius 1.4 Pixel
  • Details +21
  • Maskieren +65
Ausschnitt Vollmond RAW-Foto unbearbeitet
Ausschnitt Vollmond RAW-Foto unbearbeitet
Ausschnitt Vollmond RAW-Foto in Lightroom bearbeitet
Ausschnitt Vollmond RAW-Foto in Lightroom bearbeitet

Mondfinsternis oder Blutmond fotografieren

Eine Mondfinsternis oder ein Blutmond ist fotografisch anspruchsvoller als ein normaler Vollmond.

Während der totalen Mondfinsternis steht deutlich weniger Licht zur Verfügung. Deshalb benötigen Sie:

  • höhere ISO-Werte,
  • längere Verschlusszeiten,
  • und ein besonders stabiles Stativ.

Fokussieren Sie möglichst bereits vor Beginn der totalen Phase. Später wird das Scharfstellen deutlich schwieriger.

Das erste Bild ist der originale Ausschnitt mit der 900 mm (KB) Brennweite an der Halbformatkamera Nikon D7000, das zweite ein vergrösserter Ausschnitt davon.

Mondfinsternis 27 Juli 2018 Originalausschnitt - Blutmond - Mondfotografie
Mondfinsternis 27 Juli 2018, Nikon D7000, Sigma f/5–6.3 150–600 mm, 900 mm KB, 1/2 s, f/8, ISO 6400, Stativ, Spiegelvorauslösung
Mondfinsternis 27 Juli 2018 Ausschnittvergrösserung Mondfotografie
Mondfinsternis 27 Juli 2018, Nikon D7000, Sigma f/5–6.3 150–600 mm, 900 mm KB, 1/2 s, f/8, ISO 6400, Stativ, Spiegelvorauslösung

Häufige Fehler beim Mond fotografieren vermeiden

Überbelichteter Mond

Nutzen Sie manuelle Belichtung oder Spotmessung direkt auf den Mond.

Unscharfe Mondbilder

Verwenden Sie kurze Verschlusszeiten, ein stabiles Stativ und einen Fernauslöser.

Mond zu klein im Bild

Nutzen Sie längere Brennweiten oder fotografieren Sie mit einer APS-C-Kamera.

Verwacklungen trotz Stativ

Schalten Sie den Bildstabilisator aus und verwenden Sie die Spiegelvorauslösung. Beschweren Sie das Stativ mit einer schweren Tasche.

Mond fotografieren - Tipps Kameraeinstellungen
einen Tag vor Vollmond, Nikon D5300, Sigma f/2.8 70–200 mm, 2.0x-Konverter, 600 mm KB, 1/250 s, f/5.6, ISO 100, Stativ, Spiegelvorauslösung

Fazit zur Mondfotografie

Der Mond ist ein perfektes Motiv für den Einstieg in die Astrofotografie. Bereits mit einer normalen Kamera und einem Teleobjektiv gelingen beeindruckende Aufnahmen.

Besonders wichtig sind:

  • eine stabile Kamera,
  • korrekte Belichtung,
  • manuelle Scharfstellung,
  • und etwas Geduld bei der Planung.

Experimentieren Sie mit unterschiedlichen Mondphasen und Lichtstimmungen. Gerade Halbmond und Dreiviertelmond liefern oft die spannendsten Resultate.

FAQ – Häufige Fragen zum Mond fotografieren

Welche Brennweite eignet sich zum Mond fotografieren?

Ideal sind 400 bis 600 mm Kleinbild. Mit APS-C-Kameras wirkt die Brennweite aufgrund des engeren Bildausschnittes zusätzlich länger.

Welche Kameraeinstellungen sind für den Mond sinnvoll?

Ein guter Startpunkt:

  • ISO 100–400
  • Zeitautomatik A/Av mit Blendenvorwahl
  • Blende f/8 bis f/11
  • 1/125 bis 1/250 s
  • RAW-Format
  • optional: ISO-Automatik

Warum wird mein Mondfoto unscharf?

Häufige Ursachen sind Verwacklungen, falscher Fokus oder zu lange Verschlusszeiten.

Wann fotografiert man den Mond am besten?

Für detailreiche Mondbilder eignen sich Halbmond- oder Dreiviertelmondphasen oft besser als Vollmond.

Kann man den Mond ohne Stativ fotografieren?

Ja, mit kurzen Verschlusszeiten ist das möglich. Für richtig scharfe Bilder empfehle ich jedoch ein stabiles Stativ.

Warum erscheint der Mond am Horizont grösser?

Das ist hauptsächlich eine optische Täuschung. Die tatsächliche Grösse verändert sich kaum.

Welche Apps helfen bei der Planung der Mondfotografie?

Sehr hilfreich sind PhotoPills oder spezielle Mondkalender-Apps für Mondaufgang und Mondphasen.

DigiSpick – das praktische Handout

Das Handout DigiSpick mit den wichtigsten Tipps und Tricks zum Thema können Sie hier kostenlos downloaden und ausdrucken: » DigiSpick downloaden

Weitere Tipps zum Mond fotografieren und der Mondfotografie

Sie können auch eine automatische Belichtungsreihe aufnehmen und daraus ein detaillierteres HDR-Bild erzeugen oder das RAW-Bild mit PhotomatixPro tonemappen.

» Mondkalender (externer Link)

» Stativ richtig aufstellen

Seitencode: dt634, Mondaufnahmen