Fotopraxis

Manuell oder mit Automatik fotografieren

Mit Automatik fotografieren, Nikon D750, Sigma Makro f/2.8 105 mm, 1/350s, f/5.6, ISO 100

Mit Automatik fotografieren

Manuell oder mit Automatik fotografieren? Diese Frage stellt sich immer wieder. Es gibt Situationen, da ist die Automatik besser. In anderen fahren Sie mit manuellen Einstellungen besser. Ich vergleiche in diesem Artikel Automatik und manuelle Einstellungen in verschiedenen Motivsituationen.

Makrofotografie einer Schnecke, Tipps für schärfere Fotos
Makrofotografie Schnecke, Nikon D750, Sigma Makro f/2.8 105 mm, 1/250s, f/6.7, ISO 400

Manuell oder mit Automatik fotografieren

Ich arbeite am meisten mit der Zeitautomatik A und einer vorgewählter Blende. Die Blende ist für meine Bilder meistens wichtiger als die Verschlusszeit. Den ISO-Wert stelle ich manuell oder über die ISO-Automatik ein, damit ich die höchstmögliche Bildqualität erreiche. Wird die Verschlusszeit in Kombination von der vorgewählten Blende und dem ISO-Wert zu lang, korrigiere ich meist den ISO-Wert etwas nach oben oder – wenn ich das Stativ dabei habe – fixiere ich die Kamera und fotografiere bei tiefem ISO-Wert.

Ob Sie im Automatik-Modus fotografieren oder die Einstellungen manuell vornehmen, ist nicht ein Frage des Glaubens, sondern eine Entscheidung, die Bildgestaltung bewusst in die eigenen Hände zu nehmen. Grundlage dafür ist, dass Sie sich mit den Effekten, welche durch ein Ändern der Verschlusszeit, der Blende oder des ISO-Wertes erfolgen, gut auskennen.

Natürlich gibt es immer wieder auch Situationen, in denen es schnell gehen muss und Sie sich auf die Automatik verlassen wollen. Ich zeige Ihnen, in welchen Bereichen sich ein manuelles Einmischen lohnt und welche Einstellungen die besten Resultate liefern.







Eine grosse Hilfe sind die Motivprogramme, welche Ihnen die wichtigen Einstellungen abnehmen. So können Sie sich auf das Motiv konzentrieren.

Makro- oder Nahaufnahmen

Bei Makro- oder Nahaufnahmen schmilzt der Bereich der Schärfentiefe zusammen. Bei 1:1-Aufnahmen und grosser Blendenöffnung kann die Schärfentiefe auf wenige Millimeter oder weniger schrumpfen.

Es lohnt sich, in solchen Situationen eine kleinere Blende (höhere Blendenzahl zu wählen) und – wenn Sie ohne Stativ arbeiten – den ISO-Wert zu erhöhen. Die kleinen Bildausschnitte erhöhen die Gefahr einer Verwacklung enorm.

Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen:

Schnelle Bewegungen – Manuell oder mit Automatik fotografieren?

Sobald es schnell gehen muss, sind die Automatik-Funktionen der Kamera überlegen. Trotzdem können Sie zum Beispiel mit der Zeitautomatik A (Blendenvorwahl) oder der Blendenautomatik S (Verschlusszeitvorwahl) die Automatik zu Ihren Gunsten einschränken.

Die automatische Schärfenachführung ist wahrscheinlich deutlich genauer, als wenn Sie manuell fokussieren würden.

Mofafahrerin - mit Leerraum gestalten
Mofafahrerin, Nikon D7000, Sigma f/2.8-4 17-70 mm, 1/60s, f/9.5, ISO 100, Mitzieheffekt

Landschaften fotografieren

Wenn Sie Landschaften fotografieren, wählen Sie eine Blende von f/8 oder f/11, um damit einen grossen Schärfentiefenbereich zu erreichen. Zudem ist die Abbildungsleistung der meisten Objektive in diesem Bereich am besten. Hier wählen Sie die Zeitautomatik A mit Blendenvorwahl.

Wenn das Licht zu knapp ist, erhöhen Sie den ISO-Wert etwas, um das Bild nicht zu verwackeln. Oder noch besser: Montieren Sie die Kamera auf ein Stativ oder legen Sie diese auf eine Mauer. Je tiefer der ISO-Wert, desto knackiger sind Detailschärfe und die Farben.

Um einen möglichst grossen Schärfentiefenbereich auszunutzen, fokussieren Sie manuell auf die hyperfokale Distanz. Das tönt sehr technisch, ist aber relativ einfach. Ergebnis: Ihr Bild ist vom Vordergrund bis zum Hintergrund akzeptabel scharf. Ein Muss für viele Landschaftsmotive.

Belichtungsmessung

Ein wunderbares elektronisches Bauteil. Diese Automatik erreicht mit der Mehrfeldmessung bei einem grossem Teil der Motivsituationen sehr gute Resultate. Sobald aber grosse Kontraste herrschen und ganz helle / ganz dunkle Partien vorkommen, läuft der Belichtungsmesser aus dem Ruder.

Bei Langzeit-, Gegenlicht-, High-Key-, Low-Key-Aufnahmen oder grauen Motiven greife ich korrigierend ein.

Langzeitbelichtung Wenigerweier
Wenigerweier St. Gallen, Nikon D5300, Nikkor f/1.8 50 mm G, 75 mm KB, 30s, f/13, ISO 100, Stativ, Spiegelvorauslösung, ND-Filter

Auto-ISO

Ich möchte die Entscheidung, ob ich ein Bild mit tiefer oder höherer ISO-Einstellung mache, nicht aus der Hand geben. An meinen Spiegelreflexkameras ist die ISO-Automatik fast immer abgestellt oder ich begrenze den ISO-Bereich. Je nach Motivgruppe und Objektiv wähle ich einen ISO-Wert von 100, 200 oder 400 vor. Die beste Qualität liefert ein Bildsensor meist bei ISO 100 oder ISO 200. Je nach Grösse des Sensors beginnt das Bildrauschen und der Verlust an Details und Farbbrillanz schon bei ISO 400 oder ISO 800.

Sind die Lichtverhältnisse aber sehr unterschiedlich, fotografiere ich in der Zeitautomatik A mit Blendenvorwahl und stelle die Auto-ISO-Einstellung ein. Bei dieser können Sie den tiefsten und höchsten Wert vorgeben. In dieser Spanne regelt die Elektronik die Belichtung: Zum Beispiel von ISO 100 – ISO 800 mit der von Ihnen definierten längsten Verschlusszeit.

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Ich habe an der Edelkompakten Sony DSC-RX100iii die eine Usereinstellung auf ISO 125-400 gestellt, eine zweite für schwierigere Verhältnisse auf ISO 125-800. Danach, bei ISO 1600 wird das Bildrauschen schon stark und ich erhöhe nur, wenn es die Lichtverhältnisse nicht anders zulassen.

Wenn Sie mit winzigen Bildsensoren – Smartphones – fotografieren, achten Sie auf möglichst tiefe ISO-Einstellung. Das Bildrauschen nimmt dort extrem stark zu.

Unscharfe Rosenblätter- Manuell oder mit Automatik fotografieren
Unscharfe Rosenblätter, Nikon D750, Sigma f/2.8 105 mm Makro EX DG OS HSM, 1/1000s, f/5.6, ISO 400, manuell fokussiert

Scharfstellung

Können Sie sich vorstellen, wie es vor den ersten Autofokus-Objektiven war? Die automatische Scharfstellung ist ein Segen. Und es gibt tolle Objektive mit sehr treffsicheren Autofokus-Systemen. Ich fotografiere die meisten Objekte mit der automatischen Scharfstellung. Sehr oft verwende ich die Back-Button-Fokus-Methode, bei der ich den Schärfepunkt hole, speichere, zurück schwenke und das Foto auslöse. Aber es gibt auch Motive, da möchte ich die perfekte Schärfeebene selbst wählen.

Mit Automatik fotografieren
Mit Automatik fotografieren, Nikon D750, Sigma Makro f/2.8 105 mm, 1/350s, f/5.6, ISO 100

Bei Landschaftsaufnahmen fokussiere ich auf die hyperfokale Distanz. So erreiche ich den grösstmöglichen Schärfentiefenbereich.

Wenn die Kontraste oder Lichtverhältnisse schwach sind, bekommt der Autofokus seine Mühe. Dann stelle ich auf manuelle Scharfeinstellung. Bei Nah- und Makro- oder Langzeitaufnahmen fokussiere ich immer manuell. Mit der Live-View-Ansicht habe ich eine gute Hilfe für die perfekte Schärfeebene.

Schnell ändernde Lichtverhältnisse

Bei schnell ändernden Lichtverhältnissen – zum Beispiel in Sport- oder Tierfotografie – können Sie an Ihrer Kamera die ISO-Automatik auf Ihre Wünsche anpassen. Tipps dazu finden Sie in meinem Artikel über ISO Automatik konfigurieren.

» Der fotografische Blick – Bildgestaltung trainieren

» Warum im RAW-Format fotografieren?

» Lightroom – die digitale Dunkelkammer









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