Mit Schärfentiefe bezeichnet man den Bereich vom nächsten bis zum entferntesten noch scharf abgebildeten Objekt. In der Regel verteilt sich der scharfe Bereich im Bild 1/3 vor und 2/3 hinter der eingestellten Schärfeebene. Bei Makroaufnahmen die Hälfte vor und die andere Hälfte hinter der Ebene. Wir zeigen Ihnen, welchen Einfluss und welche Wirkung die Schärfentiefe in der Fotografie hat.
Schärfentiefe – grosse Wirkung beim Fotografieren
Die gewählte Blende, also die Grösse der Öffnung, durch die das Licht fällt, hat einen grossen Einfluss darauf. Um einen möglichst grossen Schärfebereich zu erhalten, müssen Sie folglich eine kleine Blende wählen. Das erfordert meist eine längere Belichtung des Bildes, eine längere Belichtungszeit.

Grosse Schärfentiefe bei Landschaftsaufnahmen
Bei der Landschaftsfotografie ist es wichtig, dass Sie einen grossen Schärfebereich haben, damit der Vorder- und Hintergrund ebenfalls scharf abgebildet ist. Wenn Sie auf einen weit entfernten Punkt scharf stellen, ist der Bereich von der halben Distanz Fotoapparat zur Schärfeebene scharf abgebildet. Die grösste Schärfeausdehnung erreichen Sie, wenn Sie auf die hyperfokale Distanz scharf stellen. Tipps und Tabellen: » Die hyperfokale Distanz
In der Portraitfotografie ist es jedoch genau umgekehrt: Mit einer grossen Blendenöffnung können Sie den Bereich der Schärfe reduzieren und das scharf abgebildete Portrait hebt sich danach vom unscharfen und weiter entfernten Hintergrund ab.
Damit haben Sie bereits etwas über kreatives Gestalten mit der Blende erfahren.

» Fotokurs für Kinder – Teil 1
Wahl des Objektivs und der Brennweite
Ein weiterer Faktor bestimmt mit der Blende zusammen die Schärfentiefe: Die Brennweite des verwendeten Objektivs. Je kürzer die Brennweite, desto grösser ist die Schärfentiefe und umgekehrt. Für Landschaften wählen Fotografen kurze Brennweiten (17 mm, 25 mm, 35 mm) und erhalten kombiniert mit kleiner Blende (z.B. f/11) eine optimale Schärfe – im Idealfall über das ganze Bild. Für Portraits wählen Sie eine Brennweite von 80 bis 100 mm und eine grosse Blende. Damit wird die Schärfentiefe reduziert und folglich die Person vom Hintergrund isoliert, was erwünscht ist.
Vergleich mit Bildern
Zur Veranschaulichung zwei Bilder, welche mit unterschiedlichen Blenden vorgenommen wurden und die Auswirkung auf die Schärfentiefe deutlich zeigen: Das erste Bild ist mit Blende f/16 aufgenommen. Die farbigen Steine stören das Bild. Bei Blende f/3.8 verschwimmen jedoch die Steine zu farbigen Flecken und lassen das Bild ruhiger wirken.
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Ausdehnung der Schärfentiefe
Die folgenden Bilder habe ich mit einem Sigma f/2.8 70–200 mm – Zoom und der Nikon D5300 fotografiert. Die Brennweite entspricht 300 mm KB. Fokussiert habe ich auf das Gesicht der zweiten Figur von links. Beachten Sie den Bereich der Schärfe und vor allem das Fahrzeug im Hintergrund.
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Abstand zwischen Motiv und Hintergrund – Schärfentiefe
Mit den nächsten vier Bilder zeige ich Ihnen, wie sich die Erteilung der Schärfentiefe verhält, wenn sich die Figur nahe an der Kamera und weit entfernt vom Hintergrund, oder sehr nahe am Hintergrund befindet. Die Kameraeinstellungen sind dabei genau gleichgeblieben, nur die Schärfeeben habe ich an die Figur angepasst. Nikon D5300, Sigma f/1.8 35 mm, 52 mm KB, f/1.8, 1/500 s, ISO 100.
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Beugungsunschärfe
Je weiter Sie die Blende schliessen, desto grösser wird der Schärfentiefenbereich. Die meisten Objektive bringen ihre Topleistung im mittleren Blendenbereich, im sogenannten Sweet-Spot. Schliessen Sie die Blende ganz, entsteht die Beugungsunschärfe, welche je nach Objektiv relevante Qualitätseinbussen mit sich bringen kann. Sie können mit einem einfachen Test-Chart, welches Sie hier downloaden und danach können, die optimalen Blendenwerte für Ihr Objektiv austesten: » Beste Objektivleistung ermitteln
Kleine Schärfentiefe – Hintergrund isolieren
Viele Motivsituationen gewinnen, wenn Sie die Schärfentiefe sehr gering halten können. Wenn Sie Portraits fotografieren und auf die Augen fokussieren, wird der Hintergrund in einem gewissen Abstand unscharf. Damit lenkt er nicht vom Motiv ab.
Bei der Makrofotografie kann die Ausdehnung der Schärfentiefe einen Millimeter oder weniger betragen.

Fazit:
Die Schärfentiefe ist abhängig…
- von der Grösse der Blende (f/16 besser als f/4)
- vom Abstand zum Motiv (je weiter entfernt, desto besser)
- von der Grösse des Bildsensors (je kleiner der Sensor, desto grössere die Schärfeausdehnung)
- von der Brennweite (kleine Brennweite = grosse Schärfentiefe, grosse Brennweite = geringe Schärfenausdehnung)
- vom Fokussierpunkt (hyperfokale Distanz bei Landschaftsaufnahmen)

Schärfentiefe berechnen – Smartphone-App
Mit Smartphone-Apps wie dem Photgrapher’s companion Pro (ca. 2 Euro / CHF) oder PhotoPills (ca. 10 Euro / CHF) können Sie Ihre verwendete Kamera und das Objektiv wählen. Das App zeigt Ihnen den Schärfentiefenbereich bei gewünschter Entfernung und gewählter Blende an:

» Die hyperfokale Distanz berechnen
» geringe Schärfentiefe verwenden
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Seitencode: dt108, Tiefenschärfe
