Fototechnik

Blende und Blendenöffnung

Petflaschen in einer Gasse, Nikon D750, Sigma f/2.8 70-200 mm, 200 mm KB, 1/350s, f/2.8, ISO 280

Petflaschen in einer Gasse

Die Blende – ein wichtiges Gestaltungselement

Mit Blende – Englisch Aperture = Blende, Blendenöffnung – bezeichnet man die variable Öffnung im Objektiv, welche das Licht auf den Bildsensor durchlässt und reguliert.

Drei Grössen bestimmen eine korrekte Belichtung eines Bildes:

  • die Empfindlichkeit des Filmmaterials oder die Einstellung an der Digitalkamera in ISO
  • die Verschlusszeit – also die Zeitdauer, in welcher das Filmmaterial oder der Sensor belichtet wird und
  • die Grösse der Blendenöffnung am Objektiv

Man bezeichnet das als Belichtungsdreieck. Jeder Wert ist von den beiden anderen direkt abhängig.

Wald im Hudelmoos in Unschärfe
Wald im Gegenlicht, Nikon D750, Tamron f/1.8 35 mm, 1/125s, f/1.8, ISO 400

Wenn Sie den Auslöser drücken, ermittelt die Belichtungsmessung eine optimale Belichtung, schliesst sich die Blende auf den erforderlichen (oder manuell eingestellten) Wert, der Verschluss öffnet den Lichtdurchlass auf den Sensor und schliesst wieder. Die Blende kehrt in den Offenblenden-Modus über. Aus diesem Grund spricht man von Arbeitsblende.

Bei Ihrem Auge übernimmt die Pupillenöffnung die Funktion der Blende. Wenn wenig Licht vorhanden ist, haben Sie eine weit geöffnete Pupille. Leuchten Sie mit einer Lampe auf Ihr Auge, zieht sich die Pupille zusammen und lässt weniger Licht auf die Netzhaut einfallen.

Blende – reguliert die einfallende Lichtmenge

Mit dem Einstellen der Blendenöffnung (automatisch durch die Blendenautomatik S und Programmautomatik P oder manuell) wird die Menge des Lichtes, welche auf den Bildsensor oder den Film trifft, gesteuert. Dies geschieht durch im Kreis angeordnete Lamellen, welche die Blende schliessen oder öffnen.

Belichtung Beispiel mit Wasser 1440
1: Blende (Hahn) wenig geöffnet, Belichtung braucht länger 2; Blende offen, kürzere Belichtung 3: ISO-Wert höher, kurze Belichtung bei kleiner Blendenöffnung.

Unterschiedliche Blendenöffnungen

Die Grösse der Blendenöffnung wird mit einem Zahlenwert (zum Beispiel: f/11) angegeben. Je grösser die Blendenöffnung ist, desto kleiner wird der Wert und desto mehr Licht fällt auf den Bildträger. f/2.8 lässt doppelt so viel Licht auf den Sensor fallen wie Blende f/4.0.

Grafik Blendenöffnungen
Grafik Blendenöffnungen

Ganze Blendenwerte sind: f/1.0, f/1.4, f/2.0, f/2.8, f/4, f/5.6, f/8, f/11, f/16, f/22, f/32 etc. Bei Digitalkameras können Sie die Schritte in halben oder Drittel-Stufen im Kameramenü anpassen.

Die etwas komisch anmutenden Werte entstehen durch die Multiplikation der Kantenlänge mit der Wurzel aus zwei. Die Lichtfläche verdoppelt sich bei jedem Wert: f/2.0 multipliziert mit Wurzel 2 = ca. 2.8, f/8 multipliziert mit Wurzel 2  = ca. f/11.

Der Blendenwert errechnet sich aus der Brennweite des Objektivs geteilt durch den Durchmesser des Lichtdurchlasses: Brennweite / Durchmesser der Öffnung = Blendenwert.

Beispiel: Objektiv 50 mm Brennweite, Durchmesser der Öffnung von 36 mm = 1.8. Das bedeutet gerundet Blende f/1.4.

Nun verstehen Sie auch, warum ein lichtstarkes, schweres 200 mm-Objektiv mit der Blende f/2.8 einen grösseren Durchmesser aufweist: 200 mm / 2.8 = 71.5 mm Blendenöffnung.

Doch die Blende hat nicht nur grossen Einfluss auf die einfallende Lichtmenge:

Schärfentiefe und Blendenöffnung

Nebelstimmung in Mörschwil
Nebelstimmung in Mörschwil, Nikon D5300, Tokina f/2.8 11-16 mm, 16 mm KB, 1/750s, f/11, ISO 100

Die Grösse der Blendenöffnung bestimmt, wie gross die Schärfeausdehnung im Bild ist. Eine kleine Blendenöffnung wie f/11 bringt eine grosse Schärfentiefe, eine grosse Blendenöffnung wie f/1.8 erzeugt eine geringe Schärfentiefe.







Mit dem Verändern des Blendenwertes können Sie gestaltend eingreifen. Bei Landschaftsaufnahmen möchten Sie möglichst Vorder- und Hintergrund scharf abgebildet haben. Sie wählen eine kleine Blendenöffnung (grosse Blendenzahl wie f/8, f/11 oder f/16).

Möchten Sie ein Portrait vor einem verschwommenen Hintergrund fotografieren, wählen Sie eine grosse Blendenöffnung (kleine Blendenzahl wie f/1.8). So beschränkt sich die Schärfeebene auf das Gesicht, vielleicht nur auf das eine Auge – und nicht auf den Hintergrund.

Die Schärfentiefe ist aber nicht nur vom Blendenwert, sondern auch von der gewählten Brennweite, von der Grösse des Sensors und von den Distanzen Motiv-Vordergrund-Hintergrund abhängig.

Die maximale Schärfentiefe – ideal für Landschaftsaufnahmen – können Sie mit Hilfe der hyperfokalen Distanz ermitteln. Smartphone Apps – wie PhotoPills (ca. 10 Euro / CHF) können eine gute Hilfe sein. Es gibt auch zahlreiche kostenlose Apps.

Die folgenden Bilder – alle vom gleichen Standpunkt aufgenommen – zeigen, wie die Blende die Schärfentiefe (im Hintergrund gut erkennbar) verändern.

Winterwald - Crop Faktor 1.5 bei Nikon APS-Sensoren
Winterwald mit Offenblende, Blende f/1.8, 1/80s
Winterwald mit geschlossener Blende
Winterwald mit geschlossener Blende, Blende f/16, 1/2s

Die Blende um jeweils einen Wert schliessen bringt mehr Schärfentiefe. Wenn Sie aber denken, dass Ihre Bilder mit maximal geschlossener Blende schärfer werden, dann muss ich Sie enttäuschen:

Beugungsunschärfe

Je mehr eine Blende geschlossen und der Lichtdurchlass damit kleiner wird, desto mehr werden die einfallenden Lichtstrahlen an den Lamellen der Blendenöffnung gebeugt oder abgelenkt. Ab einem bestimmten Wert macht sich die Beugungsunschärfe negativ bemerkbar. Das ist je nach Objektiv unterschiedlich stark. Ausprobieren können Sie das, indem Sie von Ihren Objektiven mit unterschiedlichen Blendenwerten eine Testreihe erstellen.

Sweet Spot – die beste Objektivleistung

Auch der Sweet Spot hat mit der Blende zu tun: Ihre Objektive bringen nicht bei allen Blendenwerten die gleiche Schärfeleistung. Die Daumenregel sagt, dass mit zweifachem Abblenden (Schliessen der Blende um zwei Stufen, z.B. von f/2.8 auf f/4 und f/5.6) die beste Objektivleistung erbracht werden kann. Doch das testen Sie am besten mit einem Testbild und einer Testreihe aus. Wenn Sie das einfacher haben wollen, wählen Sie einen mittleren Blendenbereich von f/8 bis f/11. Da wird ihr Objektiv eine optimale Schärfeleistung bringen.

Regelmässig Fototipps in Ihrer Mailbox?
Bestellen Sie den kostenlosen Newsletter und setzen Sie Tipps in der Praxis um.

Haben Sie Fragen zum Thema Fotografieren oder zu Ihrer Ausrüstung? Lassen Sie sich über ein Fotocoaching per Mail beraten.

Lichtstärke

Mit der Lichtstärke wird bezeichnet, wie gross die maximale Blendenöffnung – auch Offenblende genannt – ist. Ein lichtstarkes 70-200 mm – Zoom weist durchgehend die Blendenöffnung f/2.8 auf, ein 50 mm-Objektiv gilt mit f/1.4 oder f/1.8 als lichtstark. Das bedeutet, dass Sie auch noch bei schwachen Lichtverhältnissen aus der Hand fotografieren können. Ein kleiner Offenblenden-Wert ermöglicht im Zusammenspiel von grossen Sensoren (Halbformat, Kleinbildformat oder grösser) sehr geringe Schärfentiefebereiche.

Bokeh-Effekt

Der Bokeh-Effekt entsteht, wenn sich Punkte zu Unschärfekreisen verwandeln. Objektive mit hoher Lichtstärke (also sehr kleinen Offenblenden-Werten) weisen meistens ein sehr schönes Bokeh auf. Der Bokeh-Effekt ist von Objektiv zu Objektiv verschieden und wird von unterschiedlichen Fotografinnen und Fotografen auch unterschiedlich interpretiert. Spitzlichter – wie die Wassertropfen der Grashalme im Gegenlicht – bieten die beste Grundlage für Bokeh-Effekte.

Bokeh-Effekt Gras mit Spitzlichtern
Gras mit Spitzlichtern, Nikon D5300, Sigma f/2.8 70-200 mm, 300 mm KB, 1/500s, f/4, ISO 100

Steuerung der Blendenöffnung

Wenn Sie mit der Automatik arbeiten, wird gemäss dem Belichtungsdreieck ein passender Blendenwert ermittelt. Beispiel: Programmautomatik P, Blendenautomatik S

Wenn Sie die Kontrolle über den Blendenwert haben wollen, fotografieren Sie mit der Zeitautomatik A. Sie wählen dann die gewünschte Blende manuell aus und die Automatik ermittelt die dazu passende Verschlusszeit.

Im Modus M können Sie die Verschlusszeit UND den Blendewert selber wählen.

Ich persönlich arbeite fast immer mit der Zeitautomatik A. So habe ich die Kontrolle über den zum Motiv passenden Blendenwert, wenn ich Architektur- und Landschafts- oder Naturaufnahmen mache. Zudem schalte ich meistens die ISO-Automatik ein. Dort definiere ich die maximal zulässige Verschlusszeit für ein bestimmtes Objektiv. Muss die Verschlusszeit wegen schlechten Lichtverhältnissen verlängert werden, wird der ISO-Wert automatisch um die nötige Stufe erhöht.

Beim folgenden Motiv habe ich damit gearbeitet. Ich habe als Minimal-Verschlusszeit 1/350s gewählt, den ISO-Wert sonst auf 100 lassen. Durch die spärlichen Lichtverhältnisse in der Gasse mit spärlicher Beleuchtung reichte das Licht nicht aus. Die ISO-Automatik erhöhte moderat den ISO-Wert auf ISO 280, damit die von mir für das 70-200 mm-Zoom definierte Verschlusszeit von 1/350s nicht unterschritten wird.

Petflaschen in einer Gasse
Petflaschen in einer Gasse, Nikon D750, Sigma f/2.8 70-200 mm, 200 mm KB, 1/350s, f/2.8, ISO 280

Wenn Sie schnelle Objekte fotografieren, fahren Sie mit der Blendenautomatik S besser.

Auswirkung der Blendenöffnung direkt sehen

Bei einem elektronischen Sucher sehen Sie immer direkt das Bild, welches auch auf dem Bildsensor gespeichert wird. Wenn Sie mit einer Spiegelreflexkamera mit einem optischen Sucher fotografieren, müssen Sie die Abblend-Taste drücken. Die Blende des Objektivs schliesst auf den gewählten Wert und Sie können die Schärfeausdehnung kontrollieren. Die Abblend-Taste befindet sich seitlich am Objektivanschluss, an meinen Nikon-Bodys rechts unten. Beim Antippen der Taste wird das Sucherbild – je nach gewählter Blende – dunkler. Es braucht etwas Übung, um die Schärfeausdehnung zu erkennen. Auf der Live-View-Ansicht sehen Sie ebenfalls das Bild, das auf dem Sensor landen wird.

» Lichtstärke eines Objektivs

» Verschlusszeitentabelle

» Das Zusammenspiel von Blendenöffnung, Verschlusszeit und ISO-Wert









Seitencode: DT554, alt DT024