Bildaufbau

Die richtige Perspektive

Die richtige Perspektive finden, Nikon D5300, Tokina f/2.8 11-16mm, 16mm KB, 1/1000s, f/8, ISO100

die richtige Perspektive finden - Bundesgericht St.Gallen

Die richtige Perspektive zu finden, ist gar nicht immer einfach. Meist fotografieren wir aus Augenhöhe. Eine andere Position zu finden, macht Ihre Bilder besser. Wetten?

Die richtige Perspektive finden

Bei diesem Bild bin ich mit der Kamera ganz nahe an das Gebäude und an die Strassenlampen mit den farbigen Werkschildern gegangen. Die Kamera habe ich mit einem Weitwinkelobjektiv bestückt. Dass die Sonne ebenfalls noch mit aufs Bild passte, war das Tüpfchen auf dem i. Durch die gewählte kleine Blende entstanden die Strahlen um die Sonne – ein Blendenstern.

Die Perspektive ist ein wichtiges Gestaltungselement in der Fotografie. Sie ist an den Aufnahmeort gebunden und kann nur durch Änderung des Aufnahmestandortes beeinflusst werden. Wenn Sie eine andere Brennweite nehmen, verändern Sie NUR den Bildausschnitt – nicht die Perspektive!

Die richtige Perspektive – Aufnahmestandort ändern

Was für Bilder wir machen könnten, gelänge es uns nur, die Perspektive zu beherrschen. (Fotograf, 1822-1889)

Die Kunst des Fotografen ist es, ein dreidimensionales – räumliches- Objekt auf einem zweidimensionalen Bild so abzubilden, dass für den Betrachter ein räumlicher Eindruck entsteht.

Zentralperspektive:

So sehen wir das mit unseren Augen. Der Aufnahmestandpunkt ist auf Augenhöhe, das Motiv auch. Die meisten Bilder werden mit der Zentralperspektive geknipst. Meist aus Bequemlichkeit oder aber auch Unwissenheit, dass ein Abweichen von der Normalität die Bilder zu etwas Speziellem machen, das den Betrachter in den Bann ziehen kann.

Anwendungsbeispiel: Fassaden von Gebäuden – Architekturfotografie – verzerrungsfrei abbilden. Das erreichen Sie, indem Sie je nach Höhe des Motivs den Aufnahmestandort so anpassen, dass die Fassade parallel zum Bildsensor liegt. Für das folgende Foto wählte ich eine tiefe Zentralperspektive und positionierte die Kamera in der Wiese fast auf gleicher Höhe der kleinen Pilze.

Pilze im taufrischen Gras - besondere Perspektiv

Pilze im taufrischen Gras, Nikon D7000, Nikkor Micro f/3.5 85mm, 127mm KB, 1/350s, f/9.5, ISO800





Froschperspektive:

Der Aufnahmepunkt befindet sich unterhalb des Motivs. Eben so, wie ein Frosch seine Umgebung sieht… Meistens ist dies auch die unbequemste Stellung, um Fotos zu schiessen: Man legt sich ins Gras, auf den Waldboden usw. Gerade aus diesem Grund habe ich mir eine Zweitkamera mit schwenkbarem Display angeschafft. So kann ich diese tollen Perspektiven viel bequeme umsetzen – und mache es auch deutlich lieber. Als Zweitkamera-Body habe ich mir die Nikon D5300 gekauft. Sonst fotografiere ich mit der D7000, die vom Bedienen und den Spezialfunktionen her der D5300 überlegen ist.

Anwendungsbeispiele: Architekturaufnahmen mit Weitwinkelobjektiv und massiv stürzenden Linien, aus den Blumen heraus fotografieren. Die Motive wirken durch die tiefe Aufnahmeposition mächtiger.

Vogelperspektive:

Der Aufnahmepunkt liegt oberhalb des Motivs. Die Perspektive eines fliegenden Vogels eben. Leider werden die meisten Kinderfotos aus der menschlichen Vogelperspektive von oben herab gemacht. Wenn Sie sich auf die Augenhöhe begeben, werden Sie aussagekräftigere Bilder bekommen.

Anwendungsbeispiele: Makroaufnahmen von Blumen, Übersichtsfotos. Durch den höheren Aufnahmestandpunkt wirken Motive von oben herab kleiner, weniger mächtig, bzw. unterwürfig. Das Bild mit dem verwischten Wellenwasser ist aus einer leichten Vogelperspektive von oben herab aufgenommen worden.

Vogelperspektive - Wellenschlag am Ufer

Vogelperspektive – Wellenschlag am Ufer, Nikon D7000, Nikkor f/1.8 50mm, 75mm KB, 1/60s, f/11, ISO100, -0.5 EV, Stativ





Kameraposition und Aufnahmestandort verändern

Der grösste Teil der Fotos wird aus Augenhöhe geschossen: Kamera vors Auge, bzw. mit ausgestreckten Armen vor dem Gesicht – und abgedrückt.

Betrachten Sie den Unterschied: Im ersten Bild ist die Kamera auf meiner Augenhöhe, beim zweiten Bild habe ich mich etwas vom Motiv entfernt und etwa einen halben Meter über Boden ausgelöst. Die Bildwirkung ist deutlich besser. Das rechte Foto habe ich in Lightroom zu einem selektiven Schwarz-Weissbild entwickelt.

  • Wenn Sie Zeit zum Fotografieren mitbringen, dann probieren Sie unterschiedliche Aufnahmestandorte aus.
  • Begutachten Sie Ihr Motiv von allen Seiten. Gehen Sie einmal in die Knie oder halten Sie die Kamera mit Schwenkdisplay über den Boden und kippen Sie sie nach oben. Sie werden überrascht sein, wie eine veränderte Perspektive Spannung ins Bild bringen kann.
  • Wenn Sie nicht sicher sind, wie die unterschiedlichen Perspektiven wirken, knipsen Sie unterschiedliche Fotos und überprüfen Sie die Wirkung am grossen Bildschirm ihres PCs.
  • Haben Sie Mut zu ungewöhnlichen Kamerastandorten. An den meisten Stativen kann der Stativkopf auch am unteren Ende der Mittelsäule fixiert werden. So können Sie den Aufnahmestandpunkt tief halten.
  • Gehen Sie bei Kindern und Kleintieren auf Augenhöhe. Keine Regel ohne Ausnahme: Wagen Sie aber auch einmal eine höheren oder tieferen Aufnahmeort.
  • Wenn Sie stürzende Linien bei Architekturfotos nicht vermeiden können, setzen Sie diese extrem ein. Das wirkt dann wieder spannend!
  • Denken Sie daran, dass Sie mit einem Zoom zwar den Bildausschnitt, nicht aber die Perspektive verändern können. Wenn Sie mit einer Festbrennweite unterwegs sind, machen Sie sich in der Regel mehr Gedanken zum besten Aufnahmestandort als mit einem Zoom. Experiment Festbreite: Mit einer Festbrennweite unterwegs.

Wirkung von verschiedenen Perspektiven:

Die folgende Bilder der Holzbrücke im Wald sind mit unterschiedlichen Kamerastandpunkten entstanden.

Aufnahmedaten: Nikon D5300, Tokina f/2.8 11-16mm, 16mm KB, 1/20s, f/8, ISO100, Stativ

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