DigiSpick Fototechnik

Neutraldichtefilter oder Graufilter

Bach im Maggiatal, Sony DSC-RX1003, Zeiss f/1.8-2.8 24-70mm, 24mm KB, 1/6s, f/5, ISO125, Graufilter

Bach im Maggiatal - Fotografieren mit Filtern

Neutraldichtefilter oder Graufilter schlucken Licht und ermöglichen auch bei guten Lichtverhältnissen Langzeitaufnahmen mit tollen Effekten. Ich zeige Ihnen, wie Sie diese Filter einsetzen können.

In den meisten Fällen hat der Fotograf mit zu wenig Licht zu kämpfen. Es gibt aber einige reizvolle Effekte, die nur bei guter Beleuchtung möglich sind – aber trotzdem eine lange Verschlusszeit erfordern. Perfekt für den Einsatz eines Graufilters.

Wie funktioniert ein Graufilter oder Neutraldichtefilter?

  • Ein Graufilter verringert die Lichtmenge, die durch das Objektiv auf den Bildsensor fällt. Diese Filter werden auch Neutraldichtefilter (ND-Filter) genannt, weil Licht geschluckt wird aber keine Farbveränderungen erfolgen.
  • Wie viel Licht ein Graufilter absorbiert, ist mit der Bezeichnung NDx definiert. Die Zahl bei x bezeichnet den Verlängerungsfaktor der Verschlusszeit.
  • Ein Filter ND4 verlängert die Verschlusszeit um den Faktor 4. Beispiel: 1/60 s + ND4-Graufilter = 1/60 s * 4 = 1/15 s. Das ist gleichbedeutend mit einer Reduktion um zwei Blendenstufen.
  • Hinweis: Graufilter eigenen sich nicht für eine direkte Sonnenbetrachtung, da er UV- und Infrarotlicht, welche für unsere Augen schädlich sind, nicht sperrt!
Unterschiedliche Bezeichnungen der Graufilter

Unterschiedliche Bezeichnungen der Graufilter

Graufilter 3ND - 1000fach

Graufilter 3ND – 1000fach

Anwendungen für Neutraldichtefilter oder Graufilter

In folgenden Situationen benötigen Sie einen Neutraldichtefilter:

  • Sie möchten die Bewegung eines Fliessgewässers im Bild sichtbar machen. Durch die langen Verschlusszeiten zeichnet das Wasser geheimnisvolle Spuren.
  • Sie möchten einen belebten Platz menschenleer aussehen lassen. Durch die lange Verschlusszeit verwischen alle beweglichen Dinge (Fahrzeuge, Menschen…) und werden (beinahe) unsichtbar.
  • Sie möchten ein Motiv mit einer kleinen Schärfentiefe vom Hintergrund isolieren. Die guten Lichtbedingungen lassen keine genügend grosse Blendenöffnung zu.
  • Sie möchten tagsüber bei guten Lichtverhältnissen, dass die Wolken am Himmel weiche Spuren hinterlassen. Nehmen Sie dazu einen Polarisationsfilter (auf Vignettierung achten!) und belichten Sie mehr als 30s.
  • Sie möchten das Uferwasser eines Gewässers wie Watte aussehen lassen.
  • Sie möchten schon in der Dämmerung lange Lichtspuren zeichnen.

Beispiele mit dem Einsatz von Neutraldichtefiltern

  • Sie möchten bei perfekten Lichtverhältnissen die Schärfentiefe möglichst begrenzen, damit das Motiv sich besser vom Hintergrund abhebt. Dazu müssen Sie die Blende maximal öffnen. Das geht ohne Graufilter nur bei schlechten Lichtverhältnissen.
Graufilter bei viel Licht Offenblende verwenden

Graufilter bei viel Licht Offenblende verwenden

  • Das Wasser des Baches wird noch teilweise eingefroren. Der Einsatz zweier ND4-Filter ermöglicht eine Verschlusszeit von 1/4 s und bringt die Spuren des Wassers auf das Bild.
Wurzel im Bachbett der Albula

Wurzel an Bachufer in Bergün, Nikon D7000, Nikkor Micro f/3.5 85mm, 127mm KB, 0.7s, f/13, ISO100, Stativ, Spiegelvorauslösung

  • Sie möchten einen Platz, auf dem sich Menschen aufhalten, menschenleer oder beinahe menschenleer abbilden. Fotografieren Sie mit Stativ und langer Belichtungszeit und alle sich bewegenden Motive verschwinden. Manchmal bleibt ein diffuser Nebel, der Reiz des Bildes ist aber wundervoll.

Arbeit mit dem Neutraldichtefilter

Wenn Sie mit dem Graufilter arbeiten, werden Sie in den meisten Fällen ein Stativ benötigen, damit die langen Verschlusszeiten ein scharfes, unverwackeltes Bild garantieren. Wenn Sie mit einem Filter ND4 arbeiten, verlängert sich die Verschlusszeit um den Faktor 4 von 1/60s auf 1/15s (1/60s * 4). Die Lichtmenge, welche durch das Objektiv fällt, ist damit um zwei Blendenstufen reduziert.

Denken Sie daran, dass jedes zusätzliche Glas einen gewissen negativen Effekt auf die Gesamt-Optik ausübt und es auf die Qualität des Filters ankommt.

Vorgehensweise mit starken Graufiltern

Vor dem Aufschrauben des Graufilters:

  • Kamera auf Stativ montieren
  • Bildstabilisator ausschalten (könnte zu Unschärfe führen)
  • Tiefster ISO-Wert einstellen (oft ISO50 oder ISO100)
  • optimalen Bildausschnitt wählen
  • Auf Motiv scharf stellen, Autofokus ausschalten / Alternative: Manuell Fokussieren
  • Programmrad an der Kamera auf M (Manuell) stellen
  • Abblenden, bzw. kleine Blendenöffnung wählen, z.B. f/22 (Achtung: Kleinster Wert geht auf Kosten der Qualität – Beugungsunschärfe)
  • Verschlusszeit ermitteln und Wert mit Graufilter aus der Tabelle lesen und an der Kamera einstellen
  • Filter vor das Objektiv schrauben
  • Mit Fernauslöser (oder Selbstauslöser bis 30s) belichten
  • Dauert die Belichtung mehr als 30s, stellen Sie die Verschlusszeit auf Bulb und lösen manuell mit der Stoppuhr aus oder Sie verwenden einen Timer-Drahtauslöser.

Graufilter-Verschlusszeitentabelle

Mit der Graufilter-Verschlusszeitentabelle ersparen Sie sich die Rechnungsarbeit:

Graufilter Verschlusszeitentabelle

Graufilter Verschlusszeitentabelle

Graufilter können hintereinander verwendet werden. Allerdings ist es möglich, dass durch die grössere Baulänge störende Vignettierungen an den Bildecken entstehen. Zudem verschlechtert jeder zusätzliche Filter die Bildqualität in einem gewissen Masse.

» Graufilter Verschlusszeitentabelle downloaden (Version 03.02.17)

» Langzeitbelichtungen

DigiSpick – das pratkische Handout

Das Handout DigiSpick mit den wichtigsten Tipps und Tricks zum Thema können Sie hier kostenlos downloaden und ausdrucken: » Graufilter und Neutraldichtefilter


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