Scanografie ist eine faszinierende Kunstform, die Gewöhnliches in Aussergewöhnliches verwandelt. Anstatt mit einer Kamera, fotografieren Sie mit einem Flachbettscanner. Mit dieser Technik könnten Sie Details und Texturen auf ungewöhnliche Weise einfangen, was zum Teil mit der herkömmlichen Fotografie nicht möglich ist. Wenn Sie gerne experimentieren und kreative Wege suchen, ist die Scanografie genau das Richtige für Sie. Tauchen wir in diese spezielle Fototechnik ein.
Den DigiSpick zur Scanografie – ein PDF zum Ausdrucken – finden Sie am Ende des Artikels.
Scanographie – Fotografieren mit dem Scanner
Was Sie mit der besten Kamera nicht schaffen, gelingt Ihnen vielleicht mit einem Flachbettscanner: Scanographie – Fotografieren mit Ihrem Scanner. Einen Scanner benutzen Sie in der Regel, um Dokumente oder Fotos zu digitalisieren. Das ist aber lange noch nicht alles: Legen Sie einmal Blumen oder kleine Alltagsgegenstände auf die Glasscheibe und scannen Sie diese. Sie werden überrascht sein, was bei solchen Experimenten alles herauskommt!

Der Scanner muss eine Abdeckung vorweisen, die Sie entweder entfernen oder zumindest um 90 Grad nach oben hochklappen können, damit grössere (höhere) Gegenstände – zum Beispiel ein Buch – Platz haben.

Scanner gegen Spiegelreflexkamera
- Ein Scanner tastet das Bild linienweise ab. Das hat den Vorteil, dass eine sehr hohe Auflösung möglich ist. Während eine teure Digitalkamera 50 Mega-Pixel (50‘000‘000 Bildpunkte) schafft, erreicht der Scanner im A4-Format mit 1200dpi Auflösung fast 140 Millionen, mit 4800dpi sogar über 2 Giga- Pixel.
- Scanner mit CCD-Technologie erreichen eine grosse Schärfentiefe, die bei Makroaufnahmen nur mit der Schärfeebenen –Technik möglich sind. Die in günstigeren und kompakten Scannern verbaute stromsparende CIS-Technologie weist hingegen eine sehr kleine Schärfentiefe auf.
- Im Gegensatz zur Fotografie ermöglicht die Scanografie die volle Schärfeleistung von der Bildmitte bis hin zu den Rändern. Die überraschende Schärfentiefe und die atemberaubende allgemeine Schärfeleistung machen aus den Bildern der Scanographie besondere Kunstwerke.

- Je nach Motivwahl entstehen durch die Beleuchtungstechnik tolle 3D-Effekte.
- Da Sie beim Scannen auch kleinste Bildausschnitte auswählen können, erstellen Sie damit Makroaufnahmen mit überraschender Qualität.

Vorlagenglas vorsichtig reinigen – Scanografie
- Blasen Sie mit einem Blasebalg zuerst Verunreinigungen vom Vorlagenglas weg. Erst danach reinigen Sie das Glas vorsichtig mit einem speziellen Reinigungstuch oder einem Objektivtuch.
- Wenn sich auch nur kleinste Sandkörnchen auf dem Glas befinden und Sie mit dem Tuch darüber reiben, verkratzen Sie die Vorlagenscheibe!
- Blasen Sie mit einem Blasebalg den restlichen Staub weg. Wiederholen Sie das regelmässig. Es setzt sich schnell neuer auf das Glas. Der Staub macht sich dann als kleine, weisse Punkte oder Fusel stark bemerkbar, wenn Sie Vergrösserungen scannen.
- Reinigen Sie die Gegenstände, die Sie scannen wollen. Sandkörnchen verkratzen das Glas!
- Positionieren Sie den gewünschten Gegenstand auf dem Glas.

- Achten Sie bei spitzen, harten Gegenständen darauf, dass Sie das Vorlagenglas nicht zerkratzen!
- Mit Sand und Steinen würde ich nur auf einem ausrangierten Scanner arbeiten. Fragen Sie doch in einem Computershop nach, ob Sie einen für solche Experimente bekommen könnten. Fragen Sie aber auch nach, ob für Ihr Betriebssystem noch Treiber für das Gerät zu bekommen sind. Daran scheitert es oft mit den ausrangierten Modellen.
- Vermeiden Sie Fingerabdrücke. Die werden auf dem Scan schnell sichtbar.
- Erstellen Sie eine Scan-Vorschau und überprüfen Sie die Wirkung Ihres Motivs oder Ihrer Motive.
- Erst wenn Sie mit der Position zufrieden sind, fahren Sie mit dem nächsten Punkt weiter.
- Lassen Sie den Scanner offen und dunkeln Sie den Raum ab. Da reicht es schon einen Vorhang zu ziehen oder die Fensterläden zu schliessen. Der bei meinen Experimenten war nur halbdunkel.

- Sie können auch einen Kuchenring oder etwas Ähnliches auf den Scanner legen und mit einem schwarzen Papier oder Tuch abdecken:

- Alternative: Ich habe eine kleine Box aus schwarzem Papier gebastelt. Sie können auch eine Kartonschachtel mit schwarzer Farbe ausmalen. Stülpen Sie die Box über das Scannerglas. So vermeiden Sie Lichtreflexionen und erreichen einen beinahe schwarzen Bildhintergrund. Allerdings arbeite ich nun ohne Schachtel und in einem halb abgedunkelten Raum. Das ist einfacher und der Hintergrund wird dann wirklich schwarz.
- Sie können den Scanner auch mit anderen Farben abdecken. Legen Sie über Ihre Motive ein farbiges Papier.

Scanografie – Scaneinstellungen
Bei meinem Scangerät, einem Epson Perfection V600, wechsle ich vom normalen BÜROMODUS in den PROFESSIONELLEN MODUS.
Stellen oder legen Sie Ihren Gegenstand auf den Scanner und starten Sie die VORSCHAU.
Der Scanner scannt nun die ganze Fläche ab. Legen Sie den Bereich fest, den Sie scannen wollen (1).
Wenn Sie den diesen Ausschnitt vor dem Scannen noch in der Vorschau sehen wollen, klicken Sie auf ZOOM. Der Scanner erstellt dann die Vorschau Ihres gewählten Ausschnittes, welche Sie noch korrigieren könnten.
Nun wählen Sie im Scan-Programm für Ihren Ausschnitt die geeignete Scan-Auflösung. In meinem Scan-Programm sehe ich nach der Auflösungsauswahl rechts unter dem Vorschaubild die geschätzte Grösse der Scanografie.
- Auswahl der Scanauflösung in dpi. Im Beispiel 2400 (weil es ein kleiner Ausschnitt, eine Vergrösserung ist)
- Die Datei wird in einer Auflösung von 4457 x 3811 Pixel gescannt und mutmasslich ca. 48 MB gross.
Scan starten
Vor dem Scan müssen Sie noch die Einstellungen vornehmen, in welchem Format, mit welchem Namen, an welchem Ort der Scan gespeichert werden soll:
- Klicken Sie auf OPTIONEN oder EINSTELLUNGEN.
- Geben Sie an, in welchem Ordner Sie die Dateien speichern wollen. Ich nehme dann einen Fotoordner aus meinen LIGHTROOM-Dateien.
- Sie können einen PRÄFIX – eine Namensvorgabe – angeben. Ich wähle SCANOGRAPHIE.
- Hinter den PRÄFIX hängt das Programm fortlaufend eine Zahl. Stellen Sie die gewünschte Startzahl ein.
- Unter BILDFORMAT wählen SIE TIFF. Das ist ein Rohformat und ermöglicht Ihnen in einem Bildbearbeitungsprogramm wie Lightroom vielfältige Korrektur- und Bearbeitungsmöglichkeiten. Die Datei wird sehr gross – Sie können diese nach dem Import ins DNG-Format umwandeln. Grün markiert die konvertierte DNG-Datei (5.8 MB), orange die Originale TIFF-DATEI (49.8 MB).
Möchten Sie die Bilder nicht im Roh-Format haben, so wählen Sie JPG-Format.
Übertreiben Sie es nicht mit der Auflösung. 4000px in der Länge reichen für perfekte A4-Ausdrucke vollständig aus. » Rechner für maximale Ausdruckgrösse.
Die nächste Aufnahme mit den Blaubeeren ist eine Makrofotografie. Eine Beere misst 18 mm im Durchmesser. Sie ist auf einem Bild mit 16 cm Breite im Verhältnis 3:1 abgelichtet, also dreifach vergrössert. Ich wählte mit dem Flachbettscanner einen kleinen Bildausschnitt von ca. 5 cm Breite und eine hohe Auflösung.

Scanographie – Experimente
Wenn Sie einen Scanner mit einer Durchlichteinheit (für Dias, Fotonegative) haben, können Sie das auch für nicht zu dicke, leicht transparente Gegenstände benutzen. Experimentieren Sie mit den Einstellungen POSITIVFILM, FARBNEGATIVFILM und SCHWARZWEISSNEGATIVFILM.
Das folgende Bild ist mit der Einstellung SCHWARZNEGATIVFILM entstanden. Es handelt sich um orangene Halslutschbonbons:

Scanographie: Bilder bearbeiten
In den meisten Fällen werden Sie die Rohbilddaten Ihrer Scanografie noch verbessern wollen. Wenn Sie beim Scannen das TIFF-Format ausgewählt haben, können Sie mit einem RAW-Konverter wie Photoshop Lightroom auf einfache Art und Weise Ihre Ergebnisse mit der Scanografie aufpeppen und verlustfrei korrigieren.


Das Originalbild habe ich in Photoshop Lightroom geöffnet. Zuerst habe ich die Staubpartikel mit dem Korrekturpinsel entfernt. Die Belichtung habe ich um eine halbe Einheit erhöht, Klarheit auf +28, Dynamik +14, Schwarz -30, Tiefe -1, Lichter +18, Sättigung gelb auf +16.
Scannen mit der Durchlichteinheit für Negative oder Diapositive
Das muss natürlich auch ausprobiert werden: Ein Blatt eines Baumes mit den Blattadern auf die Durchlichteinheit gelegt oder einige Schirmchen einer Löwenzahnblüte. Platz hat es in der Schablone für Gegenstände bis 6×6 cm.
Motivideen – Scanografie
Büro- oder Heftklammern, Blütenköpfe, Blumen, Blätter (Herbst), Muscheln, Steine, Früchte, Nüsse, Kerne, Stoffe drapiert, Schnüre und Fäden, Werkzeuge, Schrauben, Nägel (evtl. rostige), Streichhölzer Frischhaltefolie, Federn, Collage, Wolle, Farbstifte, Schlüssel, Sohlen, Teigwaren, Kaffeebohnen, Reis, Süssigkeiten, Hände, CDs und DVDs, Buchrücke, Wattestäbchen, Papiere usw…
Zum Vergrössern das Bild in der Galerie anklicken.










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