Bildaufbau

Wie entsteht ein gutes Foto

Flasche am Strassenrand, selektives Schwarzweiss-Bild, Nikon D5300, Sigma f/2.8 70-200mm, 105mm KB, 1/2000s, f/2.8, ISO400

Littering - Flasche am Strassenrand

Wie entsteht ein gutes Foto? Was kann ich dazu beitragen, damit ein ausgesuchtes Motiv gut wirkt? Sie benötigen ein paar grundlegende Gestaltungsmöglichkeiten.

Fassadenanschnitt - geometrische Formen - Wie entsteht ein gutes Foto?

Fassadenausschnitt, Nikon D5300, Nikkor f/1.8 50mm, 75mm KB, 1/180s, f/11, ISO100 – mit Adobe Lithroom in Schwarzweiss entwickelt

Der fotografische Blick – Unsere Sehgewohnheiten

In unserer Kultur folgt das Auge in Bildern der Leserichtung: Von links oben nach rechts unten. Daraus folgt Ihre Aufgabe, das Auge des Betrachters im Bild zu führen und vom schnellen Verlassen des Bildes zu hindern.

Unser Auge wird von Licht, starken Kontrasten, Linien geführt. Gesichter, Farbtupfer und helle Stellen ziehen das Auge magisch an. Nutzen Sie diese Erkenntnisse zum Gestalten Ihrer Bilder.

Fragen Sie sich: Wohin wandert mein Auge beim Betrachten einses Bild? Was erregt meine Aufmerksamkeit? Üben Sie diese Aufgabe an möglichst vielen Bildern, die Sie zum Beispiel im Internet (Beispiel: Flickr.de – externe Seite) finden. So trainieren Sie Ihren fotografischen Blick und können Elemente der Bildgestaltung immer erfolgreicher umsetzen.

Tipp für das Fotografieren: Schaffen Sie sich am Ort des ausgesuchten Motivs einen Überblick. Nehmen Sie sich genügend Zeit und betrachten Sie Ihr Motiv von allen Seiten. Erst danach beurteilen Sie Ihr Motiv durch den Sucher. Das regt die Phantasie an und führt oft zu ausdrucksstarken Kompositionen.

Beim folgenden Bild mit der Flasche musste ich bei Regenwetter in eine ungemütlich tiefe Position knapp über dem nassen Gehsteig. Die klappbare Live-View-Ansicht meiner Nikon D5300 ist in solchen Situationen Gold wert!

Littering - Flasche am Strassenrand

Flasche am Strassenrand, selektives Schwarzweiss-Bild, Nikon D5300, Sigma f/2.8 70-200mm, 105mm KB, 1/2000s, f/2.8, ISO400

Weniger ist mehr – Mut zur Lücke

Vollkommenheit entsteht offensichtlich nicht dann, wenn man nichts mehr hinzuzufügen hat, sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann. (Antoine de Saint-Exupéry)

Ein Bild wird gut, wenn Sie alles Unwesentliche weglassen können. Dazu gehört auch ein ruhiger Hintergrund. Unser Auge kann nicht gleichzeitig auf einen Nah- und Fernpunkt fokussieren.

Wenn Sie zu viel auf Ihr Bild packen, hüpft das Auge von Punkt zu Punkt und kommt nicht zum Verweilen. Der Betrachter weiss gar nicht, was der Fotograf überhaupt ablichten wollte. Das Bild wirkt unruhig. Reduzieren Sie das Bild auf das Wesentliche. Alles andere – störende – müssen Sie aus dem Bildausschnitt entfernen. Weniger ist mehr!

Zeigen Sie nicht alles. Schneiden Sie Motive an. Unser Gehirn versucht dann, das Bild zu ergänzen und das Auge verweilt. Aber werden Sie nicht zu rigoros: Ein Bild, welches nicht eingeordnet werden kann, schreckt unter Umständen ab.

Motive, die so angeschnitten sind, dass unser Auge den Rest wieder ergänzen kann, werden als interessant wahrgenommen.

Angeschnittene Sonnenblume im Gegenlicht

Stark angeschnittene Sonnenblume im Gegenlicht, Nikon D7000, Nikkor Micro f/3.5 85mm, 127mm KB, 1/350s, f/19, ISO800

Mit Unschärfe gestalten – Wie entsteht ein gutes Foto?

Das funktioniert auch, wenn Sie Ihr Bild durch Unschärfe verfremden. Das Sigma f/2.8 70-200mm-Objektiv weist eine sehr schöne Unschärfe aus-  Bokeh-Effekt – und macht aus einem Motiv, welches scharf fotografiert sicher auch gewirkt hätte, eine magische Aufnahme. Fesselnde Aufnahmen müssen nicht gestochen scharf sein. Regeln können gebrochen werden!

Gleisfeld am Bahnhof St. Gallen - mit Unschärfe spielen

Gleisfeld Bahnhof St. Gallen, Nikon D5300, Sigma f/2.8 70-200mm, 290mm KB, 1/250s, f/5.6, ISO100

Muster und Strukturen

Gleich- oder regelmässig angeordnete Motive haben einen besonderen Reiz. Muster können Sie mit Unregelmässigkeiten unterbrechen und bringen damit einen Kontrast ins Bild.

Unendliche Mengen

Wie entsteht ein gutes Foto? Mit einer anderen Technik können Sie unendliche Mengen vortäuschen: Schneiden Sie den Bildausschnitt so zu, dass rechts und links, eventuell sogar vorne und hinten das Muster, welches sich wiederholt, angeschnitten wird. Unsere Augen sehen damit eine unendliche Menge, weil sie das Fehlende ergänzen – auch wenn das in Wirklichkeit gar nicht so ist.

Das folgende Bild zeigt Perlen auf einer exklusiven Handtasche in einem Schaufenster. Es täuscht uns eine Fläche vor, die noch viel grösser als abgebildet scheint. Und das nur, weil die Perlen in allen vier Richtungen aus dem Bild laufen. » Schaufensterfotografien

Perlen an Handtasche - Schaufensterfotos

Perlen ein Handtasche, Nikon D5300, Sigma Micro f/2.8 105mm, 157mm KB, 1/180s, f/3.8, ISO400

Verdichten mit langen Brennweiten

Beim folgenden Bild hätte ich die beiden Hochhäuser als Ganzes fotografieren können. Durch den begrenzten Ausschnitt stellen wir uns die Fassade riesig vor. Die Spiegelung in der Fensterfassade ist verzerrt – aber Sie erkennen sofort das Nachbargebäude. Da ich eine lange Brennweite verwendete, wird das Bild noch verdichtet.

Fachhochschule spiegelt sich in Rathausfassade St. Gallen

Fachhochschule spiegelt sich in der Rathausfassade in St. Gallen, Nikon D5300, Sigma f/2.8 70-200mm und Sigma 1.4x Konverter, 420mm KB, 1/500s, f/4, ISO100

Unschärfe – Schärfe

Unsere Augen haben grosse Mühe mit einem scharfen Hintergrund. Das irritiert uns und lenkt vom ebenfalls scharfen Motiv ab. Während unsere Augen in Wirklichkeit das ausblenden, was wir nicht sehen möchten, kommt im fotografierten Bild diese Möglichkeit nicht in Frage. Es muss technisch durch das Verringern der Schärfentiefe oder durch andere Freistellungsmethoden gelöst werden.

Ein unscharfer Hintergrund muss nicht einfach Beilage sein: Sie können damit auch ansatzweise zeigen, was sich dahinter verbirgt und zum scharf abgebildeten Motiv passt. Die Schärfe des Hintergrundes können Sie mit der Blende (grosse Blendenöffnung, kleiner Blendenwert wie f/2.8), mit der Brennweite (je grösser, desto einfacher) oder mit der Distanz Kamera-Motiv-Hintergrund steuern.

Ist der Hintergrund völlig unwichtig, machen Sie ihn auch möglichst unscharf und unbedeutend.

Herbstblatt im Regenschauer - wie entsteht ein gutes Foto

Herbstblatt im Regenschauer, Nikon D5300, Sigma f/2.8 70-200mm, 300mm KB, 1/1000s, f/4, ISO200

Regeln brechen

Wie eintsteht ein gutes Fotos? Regeln helfen Ihnen, Ihre Bildgestaltung zu optimieren. Aber es gibt nichts Langweiligeres, als sich immer an die Regeln zu halten.

Brechen Sie immer mal wieder Regeln. Das kann überraschen!

Kippen Sie einmal einen Horizont. Lassen Sie eine Treppe waagrecht stehen. Der Betrachter guckt das Bild an und überlegt, was ihn hier irritiert – und schon verweilt sein Auge im Bild. Was wollen Sie mehr?

Treppe einmal anders - High-Key-Aufnahme

Treppe, Sony DSC-RX100iii, Zeiss f/1.8-2.8 24-70mm, 24mm, 1/40s, f/2.8, ISO125

Unsere Themen zur Bildgestaltung:

Bildgestaltung und Bildwirkung / Sehtraining - den fotografischen Blick schulen / Tiefenwirkung erzeugen / Diagonalen und Linien / Wie sieht die Kamera ein Motiv? / Wie entsteht ein gutes Foto? / Workshop Bildgestaltung / Der Fotografische Blick / die richtige Perspektive / Übungen besser fotografieren lernen / Checkliste optimale Bildgestaltung



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