Fotografieren im Frühling macht einfach Freude: Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen – und mit ihnen kehren Licht, Farben und Leben zurück. Die tief stehende Sonne zaubert stimmungsvolle Lichtverhältnisse, lässt Blüten leuchten und verleiht Landschaften eine besondere Tiefe. Kurz gesagt: Der Frühling ist ein wahres Paradies für Fotografinnen und Fotografen.
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Fotografieren im Frühling
In unseren Breitengraden markiert der Frühling den Neubeginn. Der Schnee schmilzt, Knospen spriessen, Wiesen werden grün, und erste Farbtupfer durchbrechen die noch karge Landschaft. Nach den oft nebligen Wintermonaten wirken das klare Licht und die intensiven Farben besonders kraftvoll.
Ideal ist, wenn Sie in den frühen Morgenstunden fotografieren. Dann steht die Sonne noch tief und leuchtet die Blüten perfekt an. In der Winterzeit im März ist das halb acht bis neun Uhr morgens.
Zum Planen hilft der Blüh-Kalender weiter unten im Artikel.

» Fotografieren in der goldenen Stunde
Die besten Motive im Frühling:
- Frühblüher, die sich durch letzte Schneereste kämpfen
- Wiesen voller Wildblumen
- Knospen und zarte, hellgrüne Blätter
- Bäche und Flüsse führen wieder mehr Wasser
- Tautropfen im Gegenlicht
Gerade in den frühen Morgenstunden – zwischen 7:30 und 9:00 Uhr im März – steht die Sonne noch tief und taucht Blüten in weiches, warmes Streiflicht. Zusätzlich ist es meist windstiller, was bei Nahaufnahmen von Vorteil ist.

Ausrüstung für das Fotografieren im Frühling
- Kamera oder Smartphone mit guter Naheinstellgrenze
- Makro-Objektiv (kurzer Naheinstellbereich, ideal mit Abbildungsmassstab bis 1:1)
- Weitwinkelobjektiv für Aufnahmen aus der Froschperspektive
- Möglichkeit zur manuellen den Fokussierung
- Bohnensack oder Kleinstativ für bodennahe Perspektiven
- Kamera mit Klapp- oder Schwenkdisplay (erleichtert bodennahe Aufnahmen)
- normales Stativ für präzise Makroaufnahmen (Schärfeeinstellung genauer, Bildgestaltung einfacher, Verwacklungen vorbeugen)
- Optional: Hintergrundkarton für Einzelblütenaufnahmen
Naturfotografie eignet sich übrigens hervorragend für Einsteiger: Pflanzen laufen nicht davon. Sie haben Zeit, Bildausschnitt, Perspektive und Schärfe sorgfältig zu wählen.

Kameraeinstellungen Fotografieren im Frühling
- Sie können Automatikmodus fotografieren – mehr Kontrolle erhalten Sie jedoch mit der Blendenvorwahl (Zeitautomatik A oder Av). Die Blende steuert die Schärfentiefe und ist bei Blumenaufnahmen entscheidend.
- Wenn Sie auf eine bestimmte Blüte scharf stellen wollen, ist der manuelle Fokus die beste Wahl. Auch bei Makroaufnahmen ist die korrekte Schärfeebene entscheidend. Das geht folglich im manuellen Modus deutlich besser.
- ISO-Wert möglichst tief halten (höhere Detailtreue, kräftigere Farben). Erhöhen Sie den Wert nur, wenn es die Lichtverhältnisse erfordern oder legen Sie mit der ISO-Automatik eine Bandbreite fest.
- Im RAW-Format fotografieren (mehr Spielraum in der Bildbearbeitung)
- Bei bewegten Motiv (Blumen im Wind) auf die Belichtungszeit achten. Sind die Blüten ungewollt verwischt, verkürzen Sie die Verschlusszeit.

- Bildstabilisator aktivieren – ausser bei Stativaufnahmen
- Bei Spiegelreflexkamera auf dem Stativ und längeren Verschlusszeiten als 1/60s die Spiegelvorauslösung aktivieren.
- Wenn Ihnen das alles zu kompliziert ist, wählen Sie an Ihrer Kamera das Motivprogramm Blumen oder Nahaufnahmen.
- Die Schärfeebene ist bei Nahaufnahmen extrem schmal. Schon kleinste Bewegungen können das Motiv aus Fokusbereich verschieben. Arbeiten Sie deshalb mit manuellem Fokus und der Live-View-Ansicht mit der Lupenfunktion.

» Blüten und Blumen zuhause fotografieren | » Regenwetter | » der richtige Bildausschnitt
Gegen das Licht fotografieren – Fotografieren im Frühling
Frühlingsmotive wirken besonders eindrucksvoll im Gegenlicht. Bei sämtlichen Aufnahmen auf dieser Seite habe ich gegen das Licht fotografiert – es sind Gegenlichtaufnahmen. Blätter und Blüten beginnen zu leuchten, feine Strukturen werden sichtbar, und Lichtreflexe verwandeln sich in wunderschöne Unschärfekreise (Bokeh).
Öffnen Sie die Blende weit (z.B. f/2.8), um den Hintergrund weich verschwimmen zu lassen. Besonders reizvoll sind Tautropfen oder kleine Wasserperlen auf Blüten – sie reflektieren das Licht und sorgen für magische Effekte.

Gestaltungstipps Fotografieren im Frühling
- Nehmen Sie sich Zeit. Wenn Sie ein Motiv gefunden haben. Überlegen Sie sich, aus welcher Perspektive das Motiv ins rechte Licht gerückt werden könnte. Mehr dazu finden Sie in unserem Workshop Bildgestaltung.
- Sehr schön zeigen sich Blumen, Blüten und Blätter im Gegenlicht oder bei seitlichem Lichteinfall. Die feinen Strukturen der Blätter kommen so sehr schön zur Geltung. Schatten auf den Blättern bringt Tiefe ins Bild. Die Farben sind sehr satt.

- Durch eine besonders tiefe Position mit Ihrer Kamera mit einem Weitwinkelobjektiv verblüffen Sie die Betrachter immer wieder, da Pflanzen in der Regel nicht aus dieser Perspektive gesehen werden. Beziehen Sie bei Fotos aus der Froschperspektive den Himmel und die Wolken mit ein.
Klapp-Displays – ein Segen für bodennahe Aufnahmen
- Sehr praktisch dabei sind Klapp-Displays mit der Live-View-Ansicht: So können Sie die Kamera in Bodennähe halten und kippen, bis der perfekte Ausschnitt gefunden ist und brauchen nicht auf den Boden zu liegen.

- Stellen Sie nicht auf die vorderste Blüte scharf. Das wirkt oft besser. Wählen Sie zudem eine, welche sich nicht in der Bildmitte befindet. Das gibt Ihren Frühlingsbildern einen besonderen Touch.
- Wenn Sie ein Objektiv für Nahaufnahmen besitzen, experimentieren Sie mit Ausschnitten aus Blüten. Sie schneiden dabei einen Teil der Blüte weg, was spannende Bildkompositionen erzeugen kann.
- Mit Makro-Objektiven können Sie das filigrane Innenleben von Blüten bombastisch in Szene setzen.
- Bei der Verwendung von Makro-Objektiven sollten Sie beachten, dass durch den vergrösserten Bildausschnitt die Gefahr der Verwacklung steigt.
- Verwenden Sie kürzere Belichtungszeiten, den Bildstabilisator, manuelle Schärfe mit Hilfe der Live-View-Ansicht und möglichst ein Stativ (dann ohne Bildstabilisator). Durch die geringe Schärfentiefe von wenigen Millimetern kann sich der optimale Schärfepunkt schon durch kleinste Blumen- oder Bewegung der Kamera verschieben.

Frühlingsbilder und ihre Farben
- In den frühen Morgen- und Abendstunden sind meist weniger Luftbewegungen vorhanden. So gelingen die Frühlingsbilder besser.
- Bei bewölktem Himmel haben Sie eine riesige Softbox über sich und Sie können Ihre Motive praktisch ohne Schatten ablichten.
- Die satten Frühlingsfarben bringen Landschaften zum Leuchten. Das Streiflicht des Morgens oder des Abends bringt faszinierende Schatten und Tiefe ins Bild und die Farben haben einen deutlich wärmeren Farbton. Besonders in der goldenen Stunde finden Sie wunderbare Lichtverhältnisse vor.
- Arbeiten Sie mit den formalen Gestaltungselementen Linien, Unschärfe/Schärfe, Bilder einrahmen und probieren Sie auch einmal mit längeren Verschlusszeiten und expressionistischen Aufnahmen (Bäume kippen, Kamera schwenken oder drehen, ganzes Bild unscharf usw.) aus.

» Landschaftsfotografie | » Blumen zuhause fotografieren | » der richtige Bildausschnitt
Weitere Gestaltungstipps
- Blüten, Blumen und Blätter können Sie mit einer grossen Blendenöffnung (kleiner Blendenwert) sehr gut vom Hintergrund isolieren. Das geht besonders gut, wenn Sie längere Brennweiten benutzen. Der Hintergrund verschwindet dann in einer schönen Unschärfe. Machen Sie Experimente, indem Sie das gleiche Motiv mit unterschiedlicher Blende (f/1.8, f/4, f/8, f/16) fotografieren und dann zuhause am Computer die Wirkung begutachten.
- Achten Sie immer auf den Hintergrund. Alles, was den Blick vom Hauptmotiv ablenken könnte, sollten Sie folglich weglassen. Das gibt tolle Frühlingsbilder.
- In den frühen Stunden des Tages, wenn noch Tropfen auf den Gräsern oder Blättern liegen, können Sie tolle Gegenlichtaufnahmen kreieren. Wenn Sie mit einem lichtstarken Objektiv fotografieren, die Blende möglichst öffnen, entstehen durch die Spitzlichter tolle Unschärfekreise, auch Bokeh genannt.

- Wasser- oder Tautropfen geben dem Motiv den gewissen Touch. Wenn es trocken ist, können Sie mit einer Pipette oder einem Zerstäuber nachhelfen. Das gibt besonders tolle Frühlingsbilder.
- Da die Schärfentiefe bei Makro Aufnahmen sehr klein ist, schaffen Sie es kaum, dass alle Staubbeutel scharf abgebildet sind. Möchten Sie das? Erstellen Sie von unbewegten Motiven mehrere Bilder mit unterschiedlichen Fokusebenen und fügen Sie die Bilder in HeliconFocus zu einem zusammen.
- Möchten Sie Insekten an den Blüten fotografieren? Stellen Sie auf die gewählte Blüte scharf. Ideal, wenn Sie Ihre Kamera auf ein Stativ montieren. Nun warten Sie, bis ein Insekt im Anflug ist. Lösen Sie die Serienfunktion aus und wählen Sie zuhause das beste Bild aus der Serie aus.
- Frühlingsbilder und Frühlingsfotos als Inspiration
Motivideen – Fotografieren im Frühling
Hier einige Ideen zum Thema Fotografieren im Frühling:
- Blumen aus der Froschperspektive
- Grashalme mit Spitzlichtern
- Teil einer Blüte in Grossaufnahme
- Blütenfeld leicht verwischt im Wind
- einzelne Tulpe auf weissem Papier
- Bei Regenwetter (oder auch schönem Wetter) in den botanischen Garten
- Zoomeffekt
- monochrome Bilder
- Landschaften unerwartet unscharf
- Schwarz-Weiss-Effekte mit Margeriten

Wann blühen welche Blumen?
Schneeglöckchen – Januar bis März
Sobald sich die Schneeglöckchen durch die letzten Schneereste kämpfen, wissen wird, dass der Frühling nicht mehr weit ist. Ein dankbares Blumenmotiv, welches sich vor allem am Rand von Wegen und Waldrändern präsentiert.

Krokus – Januar bis April
Wenn die Krokusse ihre farbigen Köpfe zwischen Schneeresten aus dem noch kargen Boden strecken, ist der Winter meist überstanden. Den Blüten sieht man den Kampf beinahe an, den sie jeden Frühling gegen Schnee und die nasse Erde zu bestehen haben.
Osterglocken / Narzissen – Februar bis Mai – Fotografieren im Frühling
Die Zeitspanne, in welcher Osterglocken – auch Narzissen genannt – blühen, ist relativ gross. Es kommt darauf an, ob die Art früh- oder spätblühend ist. Diese Blüten mag ich sehr, vor allem, wenn Sie in einer Armada auftreten. Ein farbiger Teppich im Frühlingslicht. » Frühlingsfotos Motivideen
Bärlauch – April bis Mai
Den Bärlauch können Sie nicht verpassen, wenn Sie eine feine Nase haben. Bärlauchgeruch wittern wir noch 10 Meter gegen den Wind. Die weissen Blüten zwischen den sattgrünen Blättern machen sich besonders gut. Bärlauch ist – nebenbei noch erwähnt – sehr gesund.
Raps – April bis Mai
Die goldgelben Rapsfelder blenden manchmal unsere Augen. Ein wunderbarer, leuchtender Teppich in der Landschaft. Besonders bei Wetterwechseln oder kurz nach einem Regenschauer kommen die Farbkontraste wunderbar zur Geltung.
Tulpen – April bis Juni
Auch bei den Tulpen gibt es unterschiedliche Sorten, weshalb sich die Blütezeit auch über etwa drei Monate erstreckt. Tulpen gedeihen in sehr vielfältigen Farbkombinationen. Am liebsten Fotografiere ich die Tulpen nach einem Regenschauer oder ganz nah im Gegenlicht.

Rhododendren – Mai bis Juni
Diese Blüten haben ein sehr kurzes Leben. Die Blütezeit habe ich schon so oft verpasst. Wenn Sie zu spät dran sind, werden die Rhododendren-Blüten schnell welk. Treffen Sie aber die Hochblüte, tauchen Sie in ein wunderbares Farbenmehr. In einem Rhododendron-Freigarten habe ich vor etwa 36 Jahren meine ersten Blumenfotos geknipst.
Margeriten – Mai bis Oktober
An den Margeriten mag ich die schneeweissen Blütenblätter und die sattgelbe, feine Blüte. Wenn dann noch feiner Morgentau auf den Blütenblättern funkelt, bin ich für einen Moment in einer anderen Welt.

Mohn – Mai bis September
Der rote Mohn leuchtet aus dem Grün der Stängel und Blätter. Besonders fotogen zeigt er sich, wenn die Sonne tief steht und die filigranen Blütenblättern durchleuchtet. Mohnblüten verwelken relativ schnell wieder.
Lavendel – Juni bis August
Der blauviolette Lavendel blüht üppig und bringt mit dem Blatt- und Stengelgrün einen wunderbaren Farbkontrast. Die Lavendelfelder duften nicht nur herrlich, sie bringen wie die Rapsfelder ein tolles Farbspiel in die Landschaft. Ich mag Lavendel, wenn ich mit der Schärfe und Unschärfe spielen kann, besonders gut.

Sonnenblumen – Juni bis Oktober
Was wäre ein Spätsommer ohne Sonnenblumen? Bei uns gleich um die Ecke pflanzt der Bauer Sonnenblumen als Nische für die verschiedene Tierarten an – oder im Herbst, um den Boden eines abgeernteten Felds zu schützen. Die Vögel – und viele Hobby-Fotografen und Spaziergänger – haben eine heile Freude an den Feldern. Auch wenn ich zum fünfzigsten Mal am Feld vorbeigehe: Ich muss immer mal wieder gucken, ob ich nicht eine neue Sonnenblumen-Idee umzusetzen habe.

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