Fotopraxis

Im Makrobereich fotografieren

Im Makrobereich fotografieren, Nikon D750, Sigma Makro f/2.8 105 mm, 1/350s, f/5.6, ISO 100

Im Makrobereich fotografieren

Im Makrobereich fotografieren

Wenn Sie im Makrobereich fotografieren, schrumpft die Schärfentiefe auf wenige Millimeter zusammen. Das erfordert eine sehr genaue Fokussierung – am besten von Hand.

im Makrobereich fotografieren - kleine Schnecke
kleine Schnecke, Nikon D7000, Nikkor Micro f/3.5 85 mm, 127 mm KB, 1/640s, f/7.1, ISO 6400

Schärfentiefe – Im Makrobereich fotografieren

Der Schärfentiefenbereich, also der Bildteil vor und hinter dem Motiv, der immer noch scharf abgebildet wird, ist im Makrobereich sehr klein. Bei einem Abbildungsmassstab von 1:1 und einer Blende von f/5.6 beträgt er 0.74 mm, bei f/22 ganze 2.9 mm. Mit geschlossener Blende würde er 4.2 mm betragen. Wähle ich einen etwas grösseren Massstab von 1:2, so vergrössert sich der Schärfentiefenbereich bei Blende f/5.6 schon auf 2.2 mm, bei f/22 auf 8.7 mm. Mit einer geringen Schärfentiefe können Sie sehr kreative Aufnahmen schiessen – zum Beispiel einen einzelnen Tropfen isolieren. Das Scharfstellen wird aber deutlich anspruchsvoller. Dazu kommt, dass Sie die Naheinstellgrenze Ihres Objektivs beachten müssen.

Ganz abblenden sollten Sie aber auch nicht: Die Schärfe des Bildes nimmt mit stark geschlossener Blende ab, weil sich die Beugungsunschärfe bemerkbar macht. Testen Sie Ihr Objektiv nach den optimalsten Blendenwerten (Sweet Spot) aus. Mein Makroobjektiv Nikkor Micro f/3.5 85 mm arbeitet bei Blende f/8 bis f/22 mit der besten Bildleistung. Bei komplett geschlossener Blende f/32 nimmt die Schärfe bei leichter Beugungsunschärfe ab.

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Makrofotografie Schneckenauge, Nikon 750, Sigma f/2.8 105mm Macro, 1/250s, f/6.7, ISO400
Makrofotografie Schneckenauge, Nikon D750, Sigma f/2.8 105 mm Macro, 1/250s, f/6.7, ISO 400

Möchten Sie ein planes Motiv scharf abbilden, muss die Bildsensorebene genau parallel zur Motivfläche liegen. Ist das Motiv dreidimensional, stellen Sie auf den bildwichtigsten Teil scharf und wählen eine kleine Blendenöffnung. So erhalten Sie einen grösseren Schärfentiefenbereich.

Im Makrobereich fotografieren - Löwenzahnblüte ganz gross
Löwenzahn ganz gross, Nikon D5300, Nikkor Micro f/3.5 85 mm, 127 mm KB, 1/3s, f/16, ISO 100, Stativ, Spiegelvorauslösung

Autofokus oder manuelle Schärfeeinstellung

Durch den grösseren Verstellbereich des Schärferings muss der Autofokus auch deutlich längere Wege in Kauf nehmen, was je nach Motiv zu einem langsameren Scharfstellen führt. Sie sind mit der manuellen Einstellung gleich schnell und vor allem präziser. Nur schon ein an der falschen Stelle liegender Staubbeutel einer Blüte kann den Autofokus ans falsche Ziel führen. Behalten Sie die Kontrolle über den kleinen Schärfentiefenbereich!

Wenn das Überprüfen der Schärfe durch das Okular mühsam wird, stellen Sie die Live-View-Ansicht ein und vergrössern mit der Bildschirmlupe das bildwichtigste Motiv. So können Sie die Schärfe perfekt am kleinen Bildschirm überprüfen. Kleiner Nachteil: Der Live-View-Modus benötigt viel Strom. Wenn Sie aber einen Ersatz-Akku dabeihaben – kein Problem!

Herbstblattadern ganz nah
Herbstblatt, Nikon D7000, Nikkor Micro f/3.5 85 mm, 127 mm KB, 1/20s, f/19, ISO 100, Stativ, Spiegelvorauslösung

Kameraeinstellungen – im Makrobereich fotografieren

  • Wenn Sie Verschlusszeiten unter 1/60 s wählen müssen, so schalten Sie an Ihrer Spiegelreflex-Kamera die Spiegelvorauslösung ein. So verhindern Sie, dass die Erschütterung der Spiegelbewegung das Bild verwackelt. Das Foto wird erst kurz nach dem Aufklappen des Spiegels ausgelöst.
  • Ich schalte beim Fotografieren im Nah- oder Makrobereich die automatische Schärfeneinstellung aus. Wenn ich das Stativ benutze, auf jeden Fall. So kann ich die perfekte Schärfeebene als gestaltendes Element perfekt einsetzen.
  • Fotografieren Sie im RAW-Format (digitales Negativ). So können Sie Belichtungs- und Farbkorrekturen am PC verlustfrei ausführen und haben deutlich mehr Bearbeitungsspielraum.
Makrofotografie mit Orangenscheiben
Makrofotografie – Orangenscheiben, Nikon D750, Sigma Makro f/2.8 105 mm, 1/2s, f/11, ISO 100, Stativ, Spiegelvorauslösung
  • Stellen Sie das Funktionswählrad auf Zeitautomatik A mit Blendenvorwahl, wenn Sie ein unbewegtes Motiv mit dem Stativ fotografieren.
  • Achten Sie bei bewegten Motiven und Fotografieren aus der Hand, dass die Verschlusszeit genügend kurz ist. Erhöhen Sie den ISO-Wert.
  • Mit dem tiefsten ISO-Wert erreichen Sie die beste Abbildungsleistung Ihres Bildsensors.
Olivenöl-Flaschenhals ganz nah
Olivenölflaschenhals, Nikon D5300, Sigma Micro f/2.8 105 mm, 157 mm KB, 1/250s, f/6.7, ISO 800

Im Makrobereich fotografieren – Praxistipps

4-Weg-Makro-Einstellschlitten
4-Weg-Makro-Einstellschlitten
  • Wenn Sie im Makrobereich fotografieren und in der freien Natur unterwegs sind, kommen Sie kaum um ein Stativ herum. Es erleichtert eine perfekte Scharfeinstellung, weil nur schon die kleinste Kamerabewegung dazu führen kann, dass das Motiv aus dem Schärfentiefenbereich von wenigen Millimetern rutscht. Ein Kameraeinstellschlitten erleichtert die Feinjustierung Ihrer Kamera.
  • Damit die Schärfeeinstellung perfekt gelingt, ist ein 4-Weg-Makro-Schlitten, den Sie zwischen Stativ und Kamera einbauen, ein perfektes Instrument. Sie können millimeterweise die Kamera nach vorne / hinten, nach rechts / links bewegen. Eine solche Genauigkeit schaffen Sie mit dem Scharfstellring am Objektiv kaum.
  • Machen Sie von Ihrem Motiv gleich mehrere Fotos nacheinander. So können Sie beim Aussortieren zuhause die Schärfe der Bilder vergleichen und die schärfste Aufnahme behalten.
  • Mit einem weissen Regenschirm erreichen Sie eine diffuse und regelmässige Ausleuchtung im Freien. Manchmal reicht auch ein heller Karton, den man neben das Motiv hält oder stellt.
  • Einen Reflektor können Sie für Ihr Makroobjektiv mit einer Styropor-Platte selber bauen: Aus dem Styropor mit einem Heissdraht ein Loch in der Grösse der Streulichtblende ausschneiden. Reflektor auf Streulichtblende klemmen – fertig.
Rosenblätter
Rosenblätter, Nikon D750, Sigma Makro f/2.8 105 mm, 1/1500s, f/5.6, ISO 400
  • Wenn Sie ein Makroobjektiv gekauft haben, so üben Sie zuhause damit. Lichten Sie kleine Alltagsgegenstände wie Streichhölzer, Füllfederspitzen, Gabeln usw. ab. So wissen Sie, wenn Sie in die Natur gehen, auf was Sie achten müssen und wo die Fallstricke warten.
  • Nehmen Sie eine Wasser-Sprühflasche mit. So lassen sich Blüten und Gräser mit frischen Tautropfen verschönern.
  • Pinzette und Pinsel helfen, feinen Blütenstaub, welche Blütenblätter und andere störende Partikel aus einer Blüte zu entfernen.
  • In den Morgenstunden herrscht in der Regel weniger Wind. So haben Sie mehr Chancen, Blüten scharf abbilden zu können.
  • Bei reflektierenden, nassen Blättern den Polarisationsfilter verwenden.
  • Richten Sie flache Motive wie Blätter parallel zur Sensorebene aus. Dann wird das ganze Blatt auch bei der geringen Schärfentiefe scharf.
  • Sie können sogar ohne Makroobjektiv mit einem Scanner in die Makrofotografie steigen und ganz spezielle Aufnahmen schiessen: » Fotografieren mit dem Scanner
  • Nehmen Sie einen Taschenspiegel mit. Damit lassen sich Blüten bei Sonnenlicht aufhellen.
  • Eine günstige Variante zu Makroobjektiven sind Zwischenringe. Sie kommen aber nicht an die Abbildungsqualität der Makro-Objektive heran und die Zwischenringe schlucken wegen ihrer Baulänge viel Licht.

» Makrofotografie Teil 1

» Orangen im Durchlicht fotografieren

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Seitencode: dt316, Makroschlitten