Fotolexikon Fototechnik

Nahlinsen Dioptrien

Münze ganz nah, Nikon D7000, Sigma f/2.8 105mm Makro, 157mm KB, 1s, f/8, ISO100, Stativ, Spiegelvorauslösung

Nahlinsen verwenden

Nahlinsen können eine Alternativ zu Makro-Objektiven oder Zwischenringen sein, wenn Sie nicht viel Geld ausgeben möchten. Wenn Sie einmal von der Makrofotografie angefressen sind, müssen Sie sich ein Makro-Objektiv zulegen.

Nahlinsen – Einstieg in die Makro-Fotografie

Nahlinsen Hama 2 Dioptrien

Nahlinse Hama 2 Dioptrien

Als Alternative zu den Makro-Objektiven gibt es Nahlinsen, welche Sie vor das Objektiv schrauben können. Damit verringert sich die Naheinstellgrenze Ihres Objektives deutlich. Wenn Sie näher herankommen, können Sie das Motiv auch grösser auf dem Bildsensor darstellen. Nahlinsen kosten weniger als ein Makro-Objektiv.

Nahlinsen gibt es in einer einfachen Ausführung oder als Achromat mit zweilinsigem Aufbau. Dieser verringert die chromatische Aberration – Farbsäume, die an kontrastreichen Stellen entstehen können.

Die Stärke der Nahlinsen wird wie bei einer Lesebrille in Dioptrien angegeben. Je höher der Wert, desto grösser die Brechkraft der Nahlinsen. Eine Nahlinsen mit Dioptrien +2 verkürzt den Naheinstellbereich eines 300mm-Objektivs und ermöglicht statt Abbildungsmassstab 1:3.6 einen solchen von 1:1.

300mm Brennweite rechts ohne und links mit Nahlinse +2

300mm Brennweite rechts ohne und links mit Nahlinse +2

Naheinstellgrenze

Jedes Objektiv hat eine bestimmte Naheinstellgrenze. Das bedeutet, dass Sie unterschiedlich nahe fokussieren können. Makro-Objektive weisen eine besonders kurze Naheinstellgrenze auf. Deshalb können Sie ein Motiv 1:1 – gleich gross wie in Wirklichkeit – auf dem Bildsensor oder Negativ ablichten. Ein Tele-Zoom 70-200 mm hat eine Naheinstellgrenze von etwa 1.4 Metern. Damit können Sie ein Kleeblatt nicht formatfüllend abfotografieren. Der Abbildungsmaßstab beträgt mit 200mm-Einstellung maximal 1:1.36. » Naheinstellgrenze einiger Objektive

Bildqualität Nahlinsen gegen Makro-Objektiv

Jedes zusätzliche Glas ist ein Eingriff in die optischen Eigenschaften eines Objektivs und verringert die Bildqualität. Die Bildschärfe wird gegen den Rand hin etwas abfallen und das Bild wird etwas weich gezeichnet. Je nach Motiv wirken diese Qualitätseinbussen mal mehr oder mal weniger stark. Da der Schärfentiefenbereich bei Nahaufnahmen besonders klein ist, fällt der Schärfeabfall gegen den Rand hin bei einem mittig platzierten Motiven gar nicht auf. Bei Makro-Objektiven – welche als Festbrennweiten gebaut sind – kann die Abbildungsleistung perfekt auf die verschiedenen Schärfebereiche abgestimmt werden.

Je nach Objektiv wirkt sich eine Nahlinse mehr oder weniger stark auf die Bildqualität aus. Zwei Beispiele:

Mit dem Sigma f/2.8 105mm Makro erreichen Sie einen Abbildungsmassstab von 1:1. Mit der Nahlinse sogar 1.3:1. Das Motiv wird auf dem Bildsensor grösser abgebildet als es in Wirklichkeit ist. Der Schärfeabfall ist sichtbar, aber relativ gering. Sie sehen jeweils einen 1:1-Ausschnitt (ein Bildpixel = ein Bildschirmpixel). Die Aufnahme ist mit einer Vollformatkamera Nikon D750 gemacht worden.

links mit Nahlinse, rechts ohne - Sigma f/2.8 Makro 105mm

links mit Nahlinse, rechts ohne – Sigma f/2.8 Makro 105mm

Mit dem Nikkor f/4.5-5.6 55-300mm – Objektiv an einer APS-C-Kamera sieht das Ergebnis bereits anders aus. Zwar erreichen Sie bei 300mm-Einstellung (450mm KB durch Crop-Faktor) mit einer +2-Nahlinse einen deutlich höheren Abbildungsmassstab von 1:1 (gegenüber 1:3.6 ohne Nahlinse), die Bildqualität ist aber bei diesem sonst guten Objektiv mit der zusätzlichen Nahlinse unbrauchbar:

300 mm links ohne rechts mit Nahlinse

300 mm links ohne rechts mit Nahlinse

Wenn wir nun den Vergleich zwischen der Billiglösung (bestehendes Objektiv mit +2 Nahlinse) und der teureren Lösung mit einem Makroobjektiv machen, wird der Qualitätsunterschied sehr deutlich. Beide Aufnahmen sind mit einer Nikon D7000 APS-C-Kamera gemacht:

300mm mit Nahlinse - 105mm Makro-Objektiv

300mm mit Nahlinse – 105mm Makro-Objektiv

Durch Abblenden auf f/8 oder f/11 erreichen Sie die bestmögliche Bildqualität.

Sobald Sie Feuer an dieser Motivgruppe gefangen haben, werden Sie höhere Qualitätsansprüche haben und zu einem Makro-Objektiv greifen wollen. Die eignen sich im Brennweitenbereich von 80 bis 105 mm übrigens auch sehr gut als Portrait-Brennweiten.

Je länger die Brennweite des verwendeten Objektivs, desto grösser können Sie ein Motiv mit einer Nahlinse abfotografieren.

Vorteile von Nahlinsen

  • Kostengünstige Möglichkeit, im Nahbereich zu fotografieren
  • ideal, wenn Sie nur ab und zu im Makrobereich fotografieren wollen
  • leicht und braucht wenig Platz zum Mitnehmen – ein Makro-Objektiv ist relativ schwer

Nachteile von Nahlinsen

  • Wenn Sie eine Nahlinse vor Ihr Objektiv geschraubt haben, können Sie nur noch in einem beschränkten Bereich scharf stellen.
  • Nahlinse muss immer wieder an- oder abgeschraubt werden
  • Da die Nahlinse das Objektiv verlängert, können Vignettierungen (Abschattungen an den Ecken) entstehen
  • Bildqualität verringert sich – bei qualitativ besseren Linsen weniger

» Makrofotografie



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