Architekturfotografie umfasst vor allem das Fotografieren von Gebäuden, Innenräumen und Details von beiden. Aber auch Brücken und andere Bauwerke gehören in diese Kategorie.
Möchten Sie mit abstrakter Architekturfotografie experimentieren? Das ist ein gutes Übungsfeld für den Einstieg.
Den DigiSpick – ein PDF zum Ausdrucken – finden Sie am Ende des Artikels.
Architekturfotografie – Architekturfotos

In der Architekturfotografie können Sie mit den Formen und Linien, mit Spiegelungen und dem Kontrast zum Himmel spielen. Wenn Sie näher herangehen, spezielle Perspektiven wählen, spannende Details finden, knipsen Sie Bilder, die zum Hingucker werden. Eine besondere Ausstrahlung erhalten Architekturbilder in der Nacht oder während der Blauen Stunde. Der Kontrast der unterschiedlichen Lichtquellen – Kunstlichts und die warmen Farben der Dämmerung – funktioniert fast immer.
Motive der Architekturfotografie finden Sie überall an Ihrem Wohnort. Sie benötigen nur eine Kamera, alles andere steht für Sie bereit. Deshalb ist dieser Motivbereich auch für Anfänger sehr gut geeignet: Aus dem Haus, Augen auf und ausprobieren.
Ich zeige Ihnen, mit welchen Kameraeinstellungen und welchem Zubehör Sie Architekturfotografie meisten können und schlagen Ihnen Tipps für besondere Bilder vor.


Kameraausrüstung Architekturfotografie
- Wenn Sie möglichst viel von einem Motiv auf Ihr Bild bringen wollen, benötigen Sie entweder ein Weitwinkelobjektiv (bis etwa 35 mm Brennweite Kleinbild, bei Crop-Faktor 1.5 sind das 24 mm) oder genügend Distanz zum Objekt. Mit einem Weitwinkelobjektiv bringen Sie einen grösseren Bildausschnitt auf Ihr Foto, dafür werden allfällige Verzeichnungen stärker. Letztere können Sie mit einem Bildbearbeitungsprogramm nachträglich bis zu einem gewissen Grade korrigieren.
- Mit Normalbrennweiten (um die 50 mm) haben Sie weniger Verzeichnungen. Durch den kleineren Bildausschnitt müssen Sie entweder weiter vom Objekt entfernt sein oder es passt nur ein kleiner Ausschnitt des Motivs auf Ihr Foto.

- Trick: Benutzen Sie die Panoramafunktion und knipsen Sie mehrere Bilder mit 30-40% Überlappung. Im Fotobearbeitungsprogramm können Sie die einzelnen Aufnahmen zu einem Panorama zusammenfügen. Das funktioniert auch in mehreren Reihen (zum Beispiel: 2×3). Die besten Ergebnisse erreichen Sie, wenn Sie mit dem Stativ arbeiten, die Belichtung manuell einstellen und für alle Teilbilder verwenden. Allerdings funktioniert das auch nur, wenn die Verzeichnung der Objektive nicht zu extrem ist.
- Gegen die beim Kippen der Kamera entstehenden stürzenden Linien gibt es eine kostspielige, aber perfekte Lösung: Die Tilt-Shift-Objektive. Durch das Verschieben der Filmebene können stürzende Linien bereits beim Fotografieren korrigiert oder verstärkt werden. Allerdings haben diese Spezialobjektive ihren Preis.
- Um den Bildausschnitt perfekt bestimmen und mit kleinen Blendenöffnungen fotografieren zu können, empfehle ich Ihnen, mit dem Stativ zu arbeiten.
- Um die Kamera auf einer Fläche auszurichten (ohne Stativ), erweist ein Bohnensack gute Dienste.
- Polarisationsfilter verhindern Reflexionen auf nicht-metallischen Flächen und tauchen den Himmel in ein tiefes Blau.
- Ein klappbares Kamera-Display mit der Live-View hilft bei besonderen Perspektiven beim Wählen des Bildausschnittes und des richtigen Schärfepunktest.


Kameraeinstellungen für das Fotografieren von Architektur
- Wenn Sie sich möglichst wenig mit Kameratechnik herumschlagen wollen, wählen Sie das Motivprogramm Landschaft. Die Einstellungen – möglichst kleine Blende und grosse Schärfentiefe plus sattere Farben – kommen Architekturbildern am nächsten.
- Verwenden Sie die Zeitautomatik (A, Av oder Tv). Wählen Sie einen Blendenwert zwischen f/8 und f/11. So erreichen Sie eine möglichst grosse Schärfentiefe und die optimale Abbildungsqualität Ihres Objektivs.
- Schliessen Sie de Blende aber nicht auf den kleinsten Wert: Die entstehende Beugungsunschärfe mindert die Bildqualität!
- Architekturfotos enthalten viele feine Details und zeichnen sich meist durch eine hohe Schärfe aus. Wählen Sie deshalb einen möglichst tiefen ISO-Wert (50 oder 100). Damit erreichen Sie knackig scharfe Bilder mit kräftigen Farben.

- Mit einem Stativ verhindern Sie unscharfe Bilder, wenn Sie mit kleinen Blendeneinstellungen und tiefem ISO-Wert fotografieren. Fotografieren Sie mit langen Verschlusszeiten, schalten Sie die Spiegelvorauslösung zu. Der Spiegel klappt dann kurz vor der Aufnahme hoch und das Bild wird etwas verzögert aufgenommen. Damit reduzieren Sie die Gefahr, dass Ihr Bild durch die kleinen Erschütterungen des aufklappenden Spiegels verwackelt.
- Haben Sie kein Stativ zur Hand, stellen oder legen Sie Ihre Kamera auf eine stabile Ablagefläche: Eine Mauer, ein Autodach, den Boden…
- Fokussieren Sie auf die hyperfokale Distanz, wenn Sie eine möglichst grosse Schärfentiefe wünschen.
- Falls Ihre Kamera das RAW-Format (Rohformat, digitales Negativ) unterstützt, wählen Sie dieses aus. Mit dem RAW-Format erreichen Sie die bestmögliche Bildqualität und können zudem Ihr Bild nachträglich verlustfrei korrigieren, den Weissabgleich einstellen usw. Wenn Sie einmal mit dem RAW-Format gearbeitet haben und die Vorzüge schätzen lernen, werden Sie es nicht mehr missen wollen!

Lichtverhältnisse und Lichteinfall – Architekturfotografie
- Diffuses Licht bei bewölktem Himmel verhindert starke Schlagschatten. Im Gegenzug sind die Farben dafür etwas weniger satt. Architekturbilder bei flauem, bedecktem Himmel eignen sich oft sehr gut für Schwarz-Weiss-Kompositionen.
- Bei direktem Sonnenlicht entstehen starke Schlagschatten, die Sie als Gestaltungselement einsetzen können.
- Die Blaue Stunde bringt tolle Farbkombinationen zwischen natürlichem und künstlichem Licht.
- Fotografieren Sie bei Nacht. Viele Bauwerke werden abends in ein tolles Licht getaucht und verhelfen Ihnen zum besonderen Bild der Architekturfotografie.
- Lichtquellen werden sternförmig, wenn Sie eine kleine Blende (zum Beispiel f/16) wählen. Man nennt dies Blendenstern.
- Wenn Sie mit dem Licht nicht zufrieden sind, gehen Sie ein paar Stunden später vorbei. Das Licht und die Wirkung ändern sich schnell. Ich mache mir jeweils Notizen, zu welcher Tageszeit ich das entsprechende Motiv noch einmal besuchen möchte.

Weitere Tipps zur Architekturfotografie
- Fotografieren Sie hohe Gebäude mit vielen Stockwerken, ist es ideal, wenn Sie einen erhöhten Standpunkt suchen. Das kann auf einem Hügel sein oder ein einem anderen Gebäude.
- Damit das Gebäude nicht zu stark verzerrt wird – ausser, Sie wünschen das – wählen Sie den Aufnahmestandpunkt etwa auf halber Höhe des Gebäudes, das Sie fotografieren wollen.
- Je höher das Gebäude, desto weiter entfernt sollt ihr Standpunkt sein. Ausnahme: Froschperspektiven.
- Überprüfen Sie, ob Linien parallel zum Bildrand verlaufen. Das zuschaltbare Gitternetz im Sucher (bei Nikon: Menü – Individualfunktionen – Gitterlinien) oder in der Live-View kann Ihnen dabei helfen.
- Beim Fotografieren von Innenräumen gehen Sie in die Knie und nehmen die Perspektive eines Kindes ein. Das ergibt in der Regel eine angenehme Raumansicht.
- Müssen die Aufnahmen besonderen Kriterien (keine Verzerrungen) bestehen, ist der Einsatz eines Tilt-Shift-Objektivs nötig. Mit dieser speziellen Linse können Sie die Verzerrung optisch korrigieren.
- Fotografieren Sie Architektur-Motive mit den Menschen, die sich im Umfeld bewegen.
- Fotografieren Sie Architektur in der Dämmerung, zur blauen Stunde oder in der Nacht mit einer ansprechenden Beleuchtung fotografieren, machen Sie unterschiedliche Belichtungen und fügen die Einzelbilder zu einem HDR-Bild mit hohem Dynamikumfang zusammen.
- Experimentieren Sie mit unterschiedlichen Perspektiven, Brennweiten, Standorten, um verschiedene Aufnahmen zu machen. Kombinieren Sie Ihre besten Bilder zu einem Bildtableau.
- Die Vorplätze von Gebäude in die Gestaltung miteinbeziehen. Plätze weisen oft Linien auf, die zum Gebäude laufen und die Augen führen – zum Beispiel Steinplatten, Wege oder Gärten.
- Positionieren Sie das Gebäude im oberen Drittel des Bildes, um seine Mächtigkeit zu betonen.
- Fotografieren Sie Menschen als Kontrast zum Gebäude.

Experimentelle Varianten
Gerade in der Architekturfotografie hat das experimentelle Fotografieren einen guten Platz. Mit der Panografie – einer Art Panorama-Aufnahme, bei der die Bildränder bewusst sichtbar bleiben – entstehen ungewöhnliche Bilder von Motiven, die bereits millionenfach fotografiert wurden.

» Tilt-Shift-Effekt mit Photoshop
Weitere Tipps finden Sie auf Wikipedia oder bei Adobe.
DigiSpick – das praktische Handout
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