Fotolexikon Fototechnik

Hyperfokale Distanz

Herbstmorgen, Nikon D5300, Tokina f/2.8 11-16mm, 19mm KB, 1/1500s, f/8, ISO100

Nebelstimmung im Gegenlicht - hyperfokale Distanz

Knackig scharfe Landschaftsaufnahmen

Mit dem Begriff hyperfokale Distanz wird die Entfernung zwischen Kamera und Motiv bezeichnet, ab welcher bei einer bestimmten Blende und einer bestimmten Brennweite alles hinter dem fokussierten Punkt annähernd scharf abgebildet wird. Die Schärfentiefe dehnt sich ab der halben hyperfokalen Distanz vor dem fokussierten Motiv bis unendlich aus. Sie ist vor allem in der Landschaftsfotografie von grosser Bedeutung.

Sie haben sicher schon die Erfahrung gemacht, dass bei einer Landschaftsaufnahme zwar der Vordergrund scharf, die Bäume im Hintergrund aber bereits eine störende Unschärfe aufwiesen. Und das, obwohl Sie mit einem Weitwinkelobjektiv und einer kleinen Blende fotografiert haben.

Wahrscheinlich haben Sie auf einen zu nahen Punkt scharf gestellt. Damit ging ein Teil der Schärfentiefe im Hintergrund verloren.

Herbstbaum im Nebel und Gegenlicht

Herbstbaum im Gegenlicht, Nikon D5300, Tokina f72.8 11-16mm, 16mm KB, 1/250s, f/11, ISO100

Die hyperfokale Distanz in der Praxis

Bei Landschaftsaufnahmen ist es Ihr Ziel, Vorder- und Hintergrund möglichst scharf abgebildet zu haben, um Tiefe zu erzeugen. Von einer Tabelle, welche Sie sich ausdrucken können, lesen Sie ab, auf welche Distanz Sie ihr Objektiv bei einem gewissen Blendenwert scharf stellen müssen.

Leider weisen viele moderne Objektive keine Entfernungsangaben auf dem Objektiv mehr auf. Dann müssen Sie mit Vergleichsgrössen (Randsteine, Zaun, Blatt auf dem Boden…) abschätzen.

Als Alternative kommt die Daumensprungregel in Frage: Strecken Sie Ihren rechten Arm aus und halten Sie den Daumen nach oben. Peilen Sie mit einem Auge einen Punkt an. Auge schliessen und das andere öffnen. Die Differenz in der Ferne schätzen und mit etwa 10 multiplizieren. Dann haben Sie die ungefähre Entfernung zum erwähnten Punkt.

Bei einem 35mm-Objektiv und Blende f/8 beträgt die hyperfokale Distanz zum Beispiel 7.7m. Alles ab der halben hyperfokalen Distanz (3.85m) bis unendlich ist akzeptabel scharf abgebildet.

Hyperfokale Distanz Grafik Halbformat

Hyperfokale Distanz, Halbformatsensor, 35mm, f/8









Falsche Fokussierung büsst Schärfentiefe ein

Wenn Sie mit dem gleichen Objektiv und gleicher Blende auf einen zu weit entfernten Punkt scharf stellen – was die automatische Schärfeeinstellung (Autofokus) macht – verlieren Sie einen grossen Teil der Schärfentiefe im Vordergrund. Stellen Sie aber auf einen Punkt scharf, der näher liegt als die hyperfokale Distanz, wird der Hintergrund eine gewisse Unschärfe aufweisen, die störend sein kann. Objektive gehen über den unendlich-Einstellpunkt hinaus, damit der Autofokus nicht anschlägt. So kann es passieren, dass Sie die falsche Schärfeebene erwischen.

Grafik unklare Fokussierung hyperfokale Distanz

schlechte Fokussierdistanz führt zu Schärfeverlust

Brennweite ist entscheidend

In einem Vergleich möchte ich Ihnen hier zeigen, wie sich die hyperfokale Distanz bei unterschiedlichen Brennweiten auswirkt:

Im ersten Beispiel habe ich ein Weitwinkelobjektiv von 18mm und einer Blende von f/8.

hyperfokale Distanz bei 18mm Brennweite

Schärfentiefenbereich bei einer Brennweite von 18mm, f/8

Im zweiten Beispiel nehme ich ein Objektiv der Brennweite 85mm und die gleiche Arbeitsblende f/8.

hyperfokale Distanz bei 85mm Brennweite

Schärfentiefenbereich bei einer Brennweite von 85mm, f/8

Der Vergleich zeigt, warum Weitwinkelobjektive für Landschaftsaufnahmen so beliebt sind. Mit einem 18mm-Objektiv und Blende f/8 schaffen Sie schon einen unglaublichen Bereich von 1m bis unendlich, der akzeptabel scharf abgebildet wird.

Damit Sie sich nicht mit dem Taschenrechner bemühen müssen, habe ich einen Rechner für die hyperfokale Distanz bereit.

Wenn Sie unterschiedliche Brennweiten vergleichen möchten, rufen Sie die Tabellen mit den hyperfokalen Distanzen auf. Dort können Sie in den Spaltenüberschriften sechs verschiedene Brennweiten von 10 bis 300mm eintragen. Zudem lassen sich die angepassten Tabellen dann ausdrucken. So haben Sie die für Ihre Objektive wichtigen Daten immer dabei.

» Tabelle hyperfokale Distanzen Kleinbildformat (Vollformat, KB)

» Tabelle hyperfokale Distanzen Halbformat (Nikon: DX)

» Tabelle hyperfokale Distanzen MFT-Sensoren (Cropfaktor 2.0)

Wenn Sie keine Tabelle oder keinen Rechner dabei haben – oder Sie einfach auf so viel Mathematik verzichten möchten, können Sie auch einfach auf einen Punkt auf der unteren Drittelslinie scharf stellen.

App für Android-Smartphones: STR SchärfenTiefeRechner und andere

Mit Stativ auf der sicheren Seite

Nun ist es für Sie sicher klar, warum viele Landschaftsfotografen und -fotografinnen ihr Stativ dabei haben: Nur so sind Sie bei allen Lichtverhältnissen flexibel und können die gewünschten Blendenwerte für maximale Schärfentiefe ausnutzen. Die daraus entstehenden langen Verschlusszeiten machen eine ruhige Kamerahaltung nötig. Zudem können Sie mit dem Stativ den Bildausschnitt sehr genau auswählen.

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