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Spiegelungen fotografieren

Bolle di Magadino in Tenero, Sony DSC-RX100iii, Zeiss f/1.8-2.8 24-70mm, 24mm KB, 1s, f/4.5, ISO125, Stativ, Selbstauslöser

Spiegelungen fotografieren - Bolle di Magadino in Tenero

Spiegelungen fotografieren hat seinen besonderen Reiz. Die Bilder wirken auf unsere Augen immer speziell. Vor allem, wenn nicht gleich sichtbar ist, was gespiegelt ist.

Spiegelungen an nebligem Herbstmorgen

Spiegelungen an nebligem Herbstmorgen, Nikon D5300, Sigma f/2.8-4 17-70mm, 31mm KB, 1/45s, f/11, ISO100

Spiegelungen fotografieren – ein tolles Motivthema

Spiegelungen von Gebäuden oder der Natur in stillen Gewässern gehört fest in das klassische Motivrepertoire eines Fotografen oder einer Fotografin. Spiegelungen überraschen immer wieder: Sie spiegeln die Welt um uns und ziehen das Auge des Betrachters magisch an. Es müssen aber nicht nur Spiegelungen in Gewässern sein: Auch gläserne oder metallene Flächen eignen sich für Spiegelungen sehr gut. Denken Sie nur an die Fenster eines modernen Hochhauskomplexes mit der klassischen Spiegelung eines alten Gebäudes. Die Spiegelung einer Strassenszene auf dem polierten Metall eines Autos, Rückspiegel von Fahrzeugen, Weihnachts- oder Glaskugeln und so weiter.

Spiegelungen im Wasser

  • Da die Luftbewegungen am frühen Morgen oder späten Abend deutlich kleiner sind, eignen sich Randstunden des Tages für Spiegelungen im Wasser ideal. Die Wasseroberfläche ist dann bestenfalls spiegelglatt. Aber auch leicht gekräuseltes Wasser bringt mit langen Belichtungen tolle Spiegeleffekte.
  • Das Licht in den Randstunden wirkt warm – perfekt als Kontrast zum kalten Wasser.
  • Um möglichst viel von der Spiegelung aufs Bild zu bringen, gehen Sie möglichst nahe an die Wasseroberfläche heran.
  • Entgegen der Drittel-Regel macht es bei Spiegelungen Sinn, die Spiegelachse genau in die Mitte zu legen und ein symmetrisches Bild zu komponieren. Es sind dann kaum noch Unterschiede zwischen Wirklichkeit und Spiegelungen zu erkennen.
  • Auf keinen Fall sollten Sie die Spiegelung im Wasser abschneiden. Diese sollte man in der ganzen Pracht erkennen können, das gespiegelte Motiv hingegen können Sie begrenzen – oder manchmal sogar ganz weglassen. Wenn Sie nur die Spiegelung im Wasser zeigen, wird der Betrachter dazu angeregt, das fehlende zu ergänzen.
  • Oder Sie fotografieren nur die Spiegelung und spiegeln dann das Bild in einem Bildbearbeitungsprogramm oder in Lightroom vertikal.
Spiegelung fotografieren - Bäume spiegeln sich im Wasser

Spiegelung von Bäumen im Weiher, vertikal gespiegelt, Nikon D5300, Tamron f/1.8 35mm, 52mm KB, 1/30s, f/9.5, ISO100

  • Ist die Wasseroberfläche zu wenig ruhig, können Sie eine Langzeitaufnahme ins Auge fassen: Montieren Sie Ihre Kamera auf einem Stativ und schrauben Sie vor das Objektiv einen genügend starken Neutraldichte-Filter. Dieser schluckt je nach Dichte unterschiedlich viel Licht und ermöglicht es, mit längeren Verschlusszeiten zu operieren. Mit einem ND10-Filter erreichen Sie bei gutem Licht Belichtungszeiten von 30 Sekunden. Diese helfen, das Wasser zu glätten.
Langzeitbelichtung Wenigerweier

Wenigerweiher St. Gallen, Nikon d5300, Nikkor f/1.8 50mm G, 75mm KB, 30s, f/13, ISO100, Stativ, Spiegelvorauslösung, ND-Filter

  • Einen tollen Effekt können Sie bei Spiegelungen erreichen, wenn Sie nicht reflektierende Elemente in die Bildgestaltung miteinbeziehen: Ein Ast, der von der Seite ins Bild hängt, Steine im Vordergrund usw.
  • Bei kontrastreichen Sujets können Sie mit dem Smartphone und dem OpenCamera-App den Negativ-Modus benützen und überraschende Effekte erzielen.
Negativ-Effekt mit Smartphone - Spiegelungen fotografieren

Samsung Galaxy S4, 31mm KB, 1/60s, f/2.2, ISO50, +2.5 EV, OpenCamera, Negativ-Effekt

Spiegelungen in Pfützen

  • Eine weitere Variante von Wasserspiegelungen sind Pfützen, die Sie bei schlechtem Wetter zur Genüge finden werden: Fotografieren Sie die Spiegelung eines schönen Bauwerkes in der Pfütze und stellen Sie auf das Bauwerk scharf. Das Kopfsteinpflaster oder der Asphalt verschwindet dann je nach Blenden- und Brennweitenwahl in der Unschärfe.
  • Spiegelbilder mal um 180 Grad drehen und beobachten, wie sie wirken.
  • Randstunden eignen sich für Spiegelungen besser, weil das Licht der Sonne in einem tiefen Winkel einfällt. Vor allem der frühe Morgen besticht durch die warmen Farben, die sich dann im kalten Wasser spiegeln und zu einer tollen Komposition formen.

Spiegelungen auf reflektierenden Materialien

  • Fenster ist das klassische Spiegel-Motiv: An einer Fassade moderner Bauten finden Sie viele Fenster, und darin spiegeln sich die Nachbargebäude oder Strassenszenen. Das Gleiche gilt für Schaufensterscheiben.
  • Verändern Sie Ihre Position und wählen Sie den besten Winkel für die Spiegelung. Oft braucht es Zeit, sich mit der Motiv-Idee und den aktuellen Gegebenheiten auseinanderzusetzen. Das Ergebnis wird Sie aber bestimmt zufriedener stellen.
Spiegelung auf Motorhaube

Spiegelung auf Motorhaube, Sony DSC-RX1000iii, Zeis f/1.8-2.8 24-70mm, 50mm KB, 1/320s, f/4, ISO125

Ausrüstungstipps für den Motivbereich Spiegelungen

  • Für Spiegelungen in Gewässern benötigen Sie in der Regel eine kurze Brennweite – ein Weitwinkelobjektiv. Die Weitwinkel-Brennweiten bewegen sich von 16 bis etwa 35 mm. So bringen Sie mehr von der Spiegelung auf Ihr Bild und erreichen eine gute Tiefenwirkung. Wenn Sie mit einem Halbformatsensor arbeiten, müssen Sie den Crop-Faktor miteinbeziehen und Brennweiten von 11 bis 24 mm verwenden.
  • Für knackig scharfe Aufnahmen ist oft ein Stativ nötig. So können Sie eine kleine Blende wählen (f/8, f/11, f/16) und eine grosse Schärfentiefe erreichen.

Kameraeinstellungen – Spiegelungen fotografieren

Wenn Sie die Möglichkeit haben, so fotografieren Sie im RAW-Format. Die gegenüber dem JPEG-Format grössere Farbtiefe (12/14bit statt 8bit) lässt Ihnen beim Optimieren des Fotos am PC einen viel grösseren Spielraum. Zudem sind leichte Belichtungskorrekturen und Anpassungen des Weissabgleichs mit dem RAW-Konverter wie zum Beispiel Lightroom verlustfrei möglich.

Wählen Sie bei Wasserspiegelungen eine mittlere Blende (Sweet-Spot, f/8 bis f/11) für einen grossen Schärfentiefenbereich und beste Objektivschärfe.

Fotografieren Sie wenn immer möglich mit einer tiefen ISO-Einstellung von 100 oder 200. Ihr Fotoapparat bringt bei tiefen ISO-Werten die beste Schärfe- und Farbqualität.

Wenn Sie mit dem Stativ arbeiten, stellen Sie den Bildstabilisator aus und die Spiegelvorauslösung ein. Wählen Sie zum Auslösen den Selbst- oder einen Fernauslöser. So vermeiden sie kleinste Erschütterungen.

Möchten Sie Vorder-, Mittel- und Hintergrund scharf haben wollen, empfehle ich Ihnen das Fokussieren auf die hyperfokale Distanz. Schwieriger Ausdruck, hinter dem sich eine einfache, aber überraschende Optikregel versteckt.

Fotografieren Sie Spiegelungen in Pfützen oder in Rückspiegeln, verwenden Sie eine längere Brennweite und eine grössere Blende (zum Beispiel f/2.8). So lassen Sie die Umgebung in Unschärfe verschwinden und betonen das scharf abgebildete Hauptmotiv.

Rückspiegel im Fokus

Rückspiegel im Fokus, Nikon D5300, Sigma f/2.8 70-200mm, 300mm KB, 1/500s, f/2.8, ISO400

Gestaltungstipps – Spiegelungen fotografieren

  • Vignettierung bewusst einsetzen
  • Sonnenbrillen-Spiegelungen
  • altes Gebäude in den Scheiben eines modernen Baus
  • Abstrakte Bilder mit Spiegelungen in Wasserpfützen, Autospiegeln oder dergleichen.
  • Wirkt die Spiegelung nicht so, wie Sie es erwartet haben? Konvertieren Sie das Bild in Schwarz-Weiss. Wenn die Farben nicht mehr ablenken, kann die Struktur vielleicht überraschen?

» Den fotografischen Blick schulen – Bildgestaltung

DigiSpick – das pratkische Handout

Das Handout DigiSpick mit den wichtigsten Tipps und Tricks zum Thema können Sie hier kostenlos downloaden und ausdrucken: » Spiegelungen fotografieren


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