Fototechnik

HDR-Aufnahmen

HDR-Aufnahme Dezemberstimmung Schloss Watt, Nikon d750, Tamron f/2.8 15-30mm, 15mm KB, 1/15s, 1/60s, f/250s, f/13, ISO50, Aufnahme aus der Hand, Photomatix Pro

HDR-Aufnahme Dezemberstimmung Schloss Watt

HDR-Aufnahmen – High Dynamic Range-Aufnahmen – weisen einen höheren Kontrastumfang auf als übliche digitiale Bilder. Ein Bildsensor hat einen beschränkten Dynamikumfang. Deshalb werden Fotos, in denen sehr dunkle und sehr helle Motivteile vorkommen entweder unter- oder überbelichtet. Beispiel: Gegenlichtaufnahmen mit Schattenpartien. Mit mehreren unterschiedlich belichteten Aufnahmen können Sie dieses Problem umgehen – und eine HDR-Aufnahme erstellen.

HDR-Aufnahmen – High Dynamic Range – hoher Kontrastumfang

Im Gegensatz zum menschlichen Auge können das analoge Filmmaterial und die digitalen Sensoren keinen so grossen Dynamikumfang abbilden. Sie kennen das: Ein Bild im Gegenlicht bildet entweder das Sonnenlicht und den Himmel korrekt, das Sujet davor schwarz ab, oder das Sujets ist korrekt belichtet und der Himmel überbelichtet flau. Der Kontrastumfang beschreibt die Bandbreite zwischen den dunkelsten und hellsten Stellen, die noch Zeichnung aufweisen.

Den hohen Kontrastumfang in den Griff bekommen

Bei normalen Aufnahmen spricht man von LDR-Aufnahmen (Low-Dynamic-Range). HDR-Aufnahmen sind erst mit der digitalen Fotografie und der anschliessend folgenden Bildbearbeitung möglich geworden. Durch den erwähnten hohen Kontrastumfang wirken HDR-Aufnahmen oft surrealistisch, weil die Schattenpartien genügend Zeichnung aufweisen und die Lichter trotzdem brillant und nicht überstrahlt wirken.

Hier im Beispiel eine Aufnahme der Taminaschlucht in Bad Ragaz. Die dunklen Stellen haben teilweise kaum mehr Zeichnung, die hellen stellen, rechts der Bildmitte, sind überstrahlt.

Taminaschlucht Bad Ragaz
Taminaschlucht Bad Ragaz, 20s, f/11, ISO100



Um den Kontrastumfang (Dynamikumfang) meistern zu können, erstellte ich fünf unterschiedliche Belichtungen:

Aus diesen „Roh-Bildern“ erstellte ich eine HDR-Aufnahme in Photomatix Pro. Alle Aufnahmen sind im Rohformat (RAW-Format) aufgenommen und in Lightroom ins DNG-Format konvertiert worden. Das Ergebnis:

Taminaschlucht in Bad Ragaz HDR-Aufnahme
Taminaschlucht in Bad Ragaz HDR-Aufnahme, Nikon D750, Tamron f/2.8 15-30mm, 15mm KB, 1.5/3/6/10/20s, f/11, ISO100, Stativ, Spiegelvorauslösung

Für welche Situationen eignen HDR-Aufnahmen?

Bei allen Sujets, die einen grossen Kontrast aufweisen (Schatten & Sonne, Nachtaufnahmen mit starken Lichtquellen, Sujets im Gegenlicht, Fotos in Schluchten, Innenaufnahmen usw) können Sie mit einer HDR-Nachbearbeitung mehr Zeichnung aus Ihren Bildern herausholen.

Wie entstehen HDR-Aufnahmen?

Mehrere unterschiedlich belichtete Aufnahmen werden in einem digitalen Bildbearbeitungsprogramm aufeinandergelegt. Sie können sich die einzelnen Bilder wie Folien vorstellen. Aus jeder Folie werden nun die korrekt belichteten Bereiche ausgewählt und, indem man die Folien wieder aufeinanderlegt, zu einem optimalen Bild zusammengefügt. Sie können dabei zwischen einer automatischen oder manuellen Korrektur auswählen. Letztere wird genauer, ist jedoch sehr zeitaufwändig.

Locarno von Madonna del Sasso aus HDR-Aufnahme
Locarno von Madonna del Sasso aus HDR-Aufnahme, Nikon D750, Sigma f/2.8 70-200mm, 80mmKB, 30s, f/11, ISO100, Stativ, Spiegelvorauslösung, 3 Aufnahmen +/-1.0EV

Tipps für HDR-Aufnahmen

Damit Sie die einzelnen Aufnahmen perfekt zusammenführen können, müssen Sie einige Dinge beachten:

  • Die Aufnahmen müssen vom exakt gleichen Standort, mit exakt dem gleichen Bildausschnitt und der exakt gleichen Brennweite geknipst werden. Deshalb benötigen Sie ein Stativ oder eine stabile Unterlage.
  • In speziellen HDR-Programmen haben Sie manchmal die Möglichkeit, leichte Bildverschiebungen korrigieren zu lassen.
  • Auf dem Stativ schalten Sie den Bildstabilisator immer aus.
  • Den ISO-Wert für alle Aufnahmen gleich einstellen.
  • Wählen Sie Blendenvorwahl und damit immer die gleiche Blende für alle (Teil-)Aufnahmen. Damit haben Sie immer die gleiche Schärfentiefe. Sie können auch auf den manuellen Modus M umstellen und Blendenwert und Verschlusszeit selber einstellen.
  • Fotografieren Sie, falls möglich, im RAW-Modus (Rohdaten-Modus). Sie haben eine grössere Auswahl an Bearbeitungs- und Korrekturmöglichkeiten.
  • Verwenden Sie bei längeren Verschlusszeiten Spiegelvorauslösung und einen Fern- oder Kabelauslöser. So verhindern Sie allfällige Erschütterungen des Kameragehäuses, welche zu Unschärfe führen könnte. Alternativ, dafür etwas umständlicher, können Sie mit dem Selbstauslöser arbeiten.
  • Stellen Sie manuell scharf. So bleibt die Schärfeebene für alle (Teil-)Aufnahmen gleich.
  • Ich arbeite gerne mit dem Live-View-Modus und stelle die Schärfe mit der Lupenansicht auf ein Detail ein.
  • Ermitteln Sie die optimalen Einstellungen für eine Belichtung. Sie können mit der Spotmessung die dunkelste Stelle ausmessen, den Wert notieren. Dann messen Sie die hellste Stelle aus. In dieser Bandbreite müssen die Belichtungen erstellt werden.
  • Machen Sie zuerst ein Testbild.
HDR-Aufnahme in Lightroom - Sonnenblumen im Gegenlicht
HDR-Aufnahme in Lightroom – Sonnenblumen im Gegenlicht, Nikon D5300, Tokina f/2.8 11-16mm, 16mm KB, 1/30s, f/11, ISO400

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  • Korrigieren Sie dann in halben, ganzen oder doppelten Belichtungs-Schritten die Aufnahmen. Beispiel: – 2.0 EV, normal, + 2.0 EV (EV = Exposure Value, Korrekturschritte mit +/- Taste). Je nach Sujets benötigen Sie mehr oder weniger Aufnahmen.
  • Je nach Kamera können Sie eine Belichtungsreihe (BKT) herstellen. Wenn Sie diese mit dem Selbstauslöser starten, werden die drei entsprechenden Aufnahmen aufgenommen.
  • In der am stärksten minus-korrigierten Aufnahme weisen die hellsten Stellen eine gute Zeichnung auf, in der stärksten plus-korrigierten Aufnahme weisen die dunkelsten Stellen optimale Zeichnung auf.
  • Wenn Sie sich mit dem Histogramm auskennen, ist das der bessere Weg: Beim hellsten Bild muss das Histogramm im linken Drittel, im dunkelsten Bild in der rechten Hälfte leer sein.

Das folgende Bild ist beim Schloss Watt in Mörschwil entstanden. Grundlage waren drei Aufnahmen in 2.0-EV-Schritten. So kann der Eindruck wiedergegeben werden, den wir mit unseren Augen haben:

HDR-Aufnahme Schloss Watt Mörschwil
HDR-Aufnahme Schloss Watt Mörschwil, Nikon D750, Tamron f/2.8 15-30mm, 21mm KB, 1/180s, 1/750s, 1/3000s, f/9.5, ISO100

» Mit Photomatix PRO HDR-Fotos und HDR-Bilder herstellen

Alternative bei RAW-Aufnahmen

Wenn Sie mit dem RAW-Format fotografieren, was ich Ihnen nur empfehlen kann, können Sie auch aus einer korrekt belichteten Aufnahme ein „Pseudo“-HDR-Bild herstellen, wenn der Kontrastumfang nicht extrem gross ist. Rohformat-Dateien können Sie mit einem RAW-Konverter verlustfrei um bis zu zwei Belichtungsstufen + und – korrigieren. Stellen Sie dann von Ihrem Bild mit dem RAW-Konverter zwei bis drei Bilder mit Unterbelichtung und zwei bis drei Bilder mit Überbelichtung her. Diese Bilder benutzen Sie für das HDR-Bild.

Im Beispiel habe ich eine RAW-Aufnahme in Lightroom genommen und davon mit CTRL + T zwei virtuelle Kopien erstellt. Eine korrigierte ich um -1.0 EV, eine um +1.0 EV.

Alle drei Bilder exportierte ich in Photomatix Pro und erstellte davon ein Pseudo-HDR-Bild:

Pseudo HDR Foto erstellen - Ascona by Night
Pseudo HDR Foto erstellen – Ascona by Night, Nikon D750, Tamron f/2.8 15-30mm, 15mm KB, 30s, f/13, ISO200, Photomatix Pro aus zwei zusätzlich korrigierten Bildern

» HDR Fotos erstellen – fünf Programme und Plugins im Vergleich

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» Überbelichtungen vermeidenUnterbelichtungen vermeiden

 





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