Fotopraxis

Fotografieren bei schwachem Licht

Lokdetails, Nikon D7000, Nikkor f/3.5-5.6 18-105mm, 45mm KB, 1/30s, f/4.2, ISO6400

Fotografieren bei schlechten Lichtverhältnissen - Lokdetails

Fotografieren bei schwachem Licht geht mit den modernen Digitalkameras, vor allem mit grossen Sensoren – sehr gut. Einige Modelle schaffen heute bereits, die Nacht zum Tag zu machen.

Fotografieren bei schwachem Licht - Altstadt von Locarno

Steinweg in der Altstadt von Locarno, Nikon D5300, Nikkor f/1.8 50mm, 75mm KB, 1/180s, f/8, ISO1600

Fotografieren bei schwachem Licht

Einverstanden! Es tönt schon etwas merkwürdig, dass man gerade Mut zu schwachem Licht haben sollte. Beim Fotografieren ist ja immer die Rede von genügend Licht. Moderne Digitalkameras bieten hochempfindliche Sensoren an, die nicht gleich ab ISO800 in ein unerträgliches Bildrauschen verfallen.

Fortschritt der digitalen Technik

Die Technik hat in den letzten Jahren enorme Schritte gemacht – die Sensoren der Digitalkameras wurden immer besser. Während vor Jahren noch bei vielen Sensoren das Bildrauschen schon bei einer Empfindlichkeitseinstellung von ISO 400 begann, schaffen es hochklassige Modelle auf deutlich höhere Werte. Die interne Software einer Kamera kann verrauschte Bilder bereits nach dem Fotografieren entrauschen. Falls Sie im RAW-Format fotografieren, empfehle ich Ihnen, die Rauschreduzierung in einem Programm wie Lightroom oder CameraRAW manuell auszuführen. Ihr Auge urteilt besser als die Kameraelektronik.

Dieser technische Quantensprung ermöglicht ein ganz neues Motivfeld für Fotografen: Fotografieren bei schwachem Licht – und das nicht etwa mit dem schweren, umständlichen Stativ unter dem Arm – nein, freie aus der Hand.









So ist es mit modernen Digitalkameras, vor allem der Spiegelreflexkamera-Familie, möglich, nach Sonnenuntergang in der Dämmerphase noch Bilder aus der Hand zu schiessen. Bessere Sensoren und den Bildstabilisatoren, welche bis zu vier Belichtungsstufen mehr ermöglichen, kombiniert mit einem lichtstarken Objektiv, sei Dank.

Kameraeinstellungen bei schwachem Licht

  • Wenn Sie im RAW-Format fotografieren können, machen Sie das. Die Roh-Dateien können Sie in einem Programm wie Lightroom zuhause am Computer entwickeln. Sie haben bezüglich Rauschreduzierung und Belichtungskorrektur viel mehr Spielraum. Die RAW-Datei weist eine Farbtiefe von 12 bis 14 Bit auf, eine JPG-Datei nur 8. Das macht sich bei Korrekturen bemerkbar.
  • Stellen Sie die Verschlusszeit nur so kurz, dass Sie knapp noch ein scharfes Bild erreichen können.
  • Den ISO-Wert müssen Sie beim Fotografieren bei schwachem Licht erhöhen. Gehen Sie aber nur so weit hoch, wie nötig. Je höher die ISO-Einstellung, desto schwächer werden die Farben und Details gehen verloren.
  • Belichten Sie die Bilder eher etwas zu stark. Man sagt dem nach rechts belichten. Damit ist die Beurteilung des Histogramms gemeint. Trotzdem darauf achten, dass keine Überbelichtung (Clipping) entsteht.
  • Stellen Sie den Bildstabilisator ein.
  • Wählen Sie die Zeitautomatik mit Blendenvorwahl. Stellen Sie den Blendenwert möglichst tief ein – das entspricht einer grossen Blendenöffnung. So benötigen Sie weniger Licht.
Schlange im Vivarium bei ISO6400 und Kleinbildsensor

Schlange im Vivarium mit Kleinbildsensor fotografiert, Nikon D750, Sigma Macro f/3.5 105mm, 1/125s, f/6.7, ISO6400

Praxistipps:

  • Wenn Sie ein Motiv – zum Beispiel eine Schlange – hinter Glas fotografieren, können Sie die Streulichtblende Ihres Objektivs an die Schweibe drücken. So stabilisieren Sie die Kamera zusätzlich und können mit tieferen ISO-Werten oder kleineren Blendenwerten fotografieren.
  • Wählen Sie die Blende möglichst klein (grosse Öffnung). Wenn Sie die Blende um einen Wert schliessen – von f/8 auf f/5.6 – benötigen Sie halb so viel Licht. Bei zweifachem Abblenden – von f/8 auf f/5.6 auf f/4 viermal weniger!
  • Halten Sie die Verschlusszeit im Auge. Vor allem, wenn sich das Tier oder Motiv etwas bewegt.
  • Je kleiner der Blendenwert, desto geringer die Schärfentiefe. Das Fokussieren geht dann mit der Live-View-Ansicht besonders genau.
  • Stellen Sie Ihre Kamera auf Serienbildfunktion. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Bild von sechs besonders scharf wird, ist relativ gross.
  • Drücken Sie den Auslöser möglichst sanft. Zuerst bis zur Halbstellung – dann startet die Bildstabilisator-Funktion – und dann sanft ganz nach unten.
  • Wenn Sie keine Scheiben haben, stützen Sie sich an einer Mauer, einer Wand ab. Das stabilisiert die Kamera.
  • Allenfalls dürfen Sie mit einem Einbeinstativ fotografieren.
Lokomotivräder als Schwarzweissbild - Mit welcher Bildgrösse fotografieren?

Lokomotivräder, Nikon D7000, Nikkor f/3.5-5.6 18-105mm, 40mm KB, 1/30s, f/4, ISO3200

Der Praxistest: Fotografieren bei schwachem Licht

  • Wenn Sie ein Museum besuchen oder sich in Zoo-Innenräumen befinden, reicht eine ISO-Einstellung von 3200 oft nicht aus, um verwacklungsfreie Aufnahmen mit dem Tele- oder Makroobjektiv zu machen. Blitzlicht zerstört die ganze Lichtstimmung, ein Stativ wollen oder dürfen wir nicht verwenden. Also muss der Sensor ausgereizt werden. Bei Smartphones und günstigeren Kompakt- und Bridgekameras beginnt der Bildsensor schon ab ISO400 stark zu rauschen. Wenn Sie aber mit einem grösseren Sensor fotografieren, dann können Sie gut an die ISO6400, wenn nötig an 12’800 gehen.
  • Vor allem die Kleinbild-Kameras (Vollformatsensoren mit der Längsseite von 35mm) trumpfen hier mit brillianten Bildern auf. Die einzelnen Pixel haben auf dem Sensor viel mehr Platz, es entsteht viel weniger Störrauschen.
  • Haben Sie also den Mut, und packen Sie auch bei einbrechender Dämmerung einmal Ihre Kamera aus. Die Motive stehen in einem perfekt gleichmässigen Licht, welches man nur an verhangenen Regentagen findet. Es gibt viele Motivie, die dadurch enorm gewinnen. Entdecken Sie das schwache Licht als besonderes Motiv!
Neutralkarten Blick einer Brunnenfigur

Blick einer Brunnenfigur, Nikon D5300, Nikkon f/4.5-5.6 55-300mm, 450mm KB, 1/250s, f/5.6, ISO1000

Lichtstarke Festbrennweiten

im Makrobereich fotografieren - kleine Schnecke

kleine Schnecke, Nikon D7000, Nikkor Micro f/3.5 85mm, 127mm KB, 1/640s, f/7.1, ISO6400

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