Fotopraxis

Streetfotografie

Streetfotografie, Sony DSC RX100iii, Zeiss f/1.8-2.8 24-70mm, 56mm KB, 1/320s, f/4, ISO125, SilverEfex

Streetfotografie

Streetfotografie ist ein sehr anspruchsvolles Gebiet der Fotografie. Sie müssen blitzschnell entscheiden, welchen Ausschnitt Sie wählen und Sie bewegen sich, je nach Motiv, rechtlich auf dünnem Eis. Wenn Sie Streetfotografie einmal eine Weile ausprobiert haben, werden Sie es lieben…

Was ist Streetfotografie?

Streetfotografie ist Fotografieren im öffentlichen Raum. Sie dokumentiert das alltägliche Leben, ohne dass Situationen gestellt werden. Zwischen Fotograf und fotografierte Personen gibt es vor der Aufnahme keinerlei Kommunikation. Streetfotografie soll, ja muss spontan sein.

Streetfotografie muss spontan sein

ACDC 73, Nikon D7000, Nikkor f/1.8 35mm, 52mm KB, 1/1500s, f/2.8, ISO100

Kamera für Streetfotografie

  • Sie benötigen eine möglichst unauffällige, eher kleine Kamera. Das hat den Vorteil, dass Sie viel weniger auffallen und sich so länger unbemerkt bewegen können. Mit einer grossen Spiegelreflexkamera fallen Sie auf und werden schnell in die Reporter-Kategorie abgelegt. Die Leute haben Angst, dass ihr Bild morgen in der Zeitung kommt.
  • Ideal ist eine Kompaktkamera oder eine kleine Systemkamera. Die Kamera sollte schnell betriebsbereit sein und eine kurze Auslöseverzögerung aufweisen. Sonst verpassen Sie die Hälfte Ihrer guten Augenblicke. Aus diesem Grund sind Smartphones wengiger geeignet.
  • Ideal ist eine Festbrennweite von 35 oder 50 mm oder ein Zoom in diesem Brennweitenbereich. Eine feste Brennweite hilft, den Blick für den Ausschnitt zu schulen. 35 mm an einer Halbformatkamera und 50 mm an einer Vollformatkamera entsprechen etwa unserem Sehwinkel, was die Komposition des Bildes ohne Kamera am Auge vereinfacht.
  • Sie können aber auch die Spiegelreflexkamera mit einer Festbrennweite von 35 oder 50mm bestücken. Die ist dann auch noch nicht so sperrig wie eine mit einem grossen Kit-Zoom.
  • Die Kamera sollte einen klappbaren Live-View-Bildschirm aufweisen. Nur so können Sie unbemerkt fotografieren und auch mal exotische Perspektiven (Kamera auf den Boden legen) ausprobieren.
  • Mit einer Festbrennweite von 35mm sind Sie – Kleinbildsensor vorausgesetzt – sehr nahe am Motiv – das widerspiegelt sich auch in den Bildern, die Sie damit machen.
Streetfotografie - Gurtenpflicht

Gurtenpflicht, Nikon D7000, Nikkor f/1.8 35mm, 52mm KB, 1/3000s, f/3.3, ISO100

Kameraeinstellungen für Streetfotografie

  • In der Streetfotografie mit den stark ändernden Lichtverhältnissen arbeiten Sie am besten mit der Kamera-Automatik. Wechseln Sie in den manuellen Modus, wenn Sie zum Beispiel mit dem Verwischeffekt arbeiten oder gezielt eine Unschärfe setzen wollen.
  • Viele schwören auf die Programmautomatik P mit Gesichtserkennung. So können Sie sich voll und ganz auf Ihr Motiv konzentrieren, und das ist in der Streetfotografie wichtig.
  • Alternativ wählen Sie die Zeitautmatik A/Av, blenden um zwei Stufen ab und stellen die ISO-Automatik mit einer Mindestverschlusszeit von 1/100s ein. Bei Festbrennweiten und Offenblende wird der Schärfentiefenbereich so klein, dass es in der Streetfotografie schwierig wird, das Hauptmotiv scharf abgebildet zu haben. Zudem erreichen Sie mit dem Sweet-Spot durch zweifaches Abblenden meist die beste Objektivqualität.
Spiegelbild im Bild

Spiegelbild im Bild, Nikon D7000, Nikkor f/1.8 50mm, 75mm KB, 1/100s, f/8, ISO1100

  • Wenn möglich fotografieren Sie im RAW-Format. Sie können dann am Computer Ihre Aufnahmen optimieren und mit den Farb-Daten des RAW-Formates einen tollen Schwarz-Weiss- oder Sepia-Abzug entwickeln. Ideal für Schwarzweiss-Bilder mit Retro-Touch ist Silver Efex Pro.
  • Stellen Sie Ihre Kamera im Kreativ-Modus auf Schwarz-Weiss. Erhöhen Sie dort den Kontrast und die Schärfe. So haben Sie – auch bei Aufnahmen mit dem RAW-Format – immer eine gute Vorschau, um abzuschätzen, wie die Tonwerte wirken.
  • Meist wirken Bilder der Streetfotografie Schwarz-Weiss am besten. In den Städten sind so viele Farben vorhanden, dass diese schnell ablenken können.
  • Es kann aber durchaus Spass machen, mal nach roten, orangen, gelben Motiven Ausschau zu halten und diese zu sammeln.
  • Wenn Sie bewegte Motive aufnehmen wollen, stellen Sie an der Kamera den Serienbildmodus ein. Aus der Serie wählen Sie dann den optimalen Moment aus.
Tunnelblick

Tunnelblick, Nikon D7000, Nikkor f/1.8 50mm, 75mm KB, 1/125s, f/4, ISO100


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Meine bevorzugten Kameraeinstellungen

  • Ich fotografiere Street gerne mit der Nikon D7000 und dem f/1.8 35mm-Objektiv oder mit der Nikon D750 und der f/1.8 50mm-Linse. Da kann ich blitzschnell reagieren. Mit der viel unauffälligeren Sony DSC RX100IV geht das in der Regel nicht so schnell. Dafür ist die Bildqualität dieser Kompatkamera einer Halbformatkamera fast ebenbürtig.
  • Wenn Sie sich völlig von den möglichen Einstellungen der Kamera lösen und auf den richtigen Moment konzentrieren wollen, stellen Sie den Autofokus ein, die ISO-Automatik auf einen Bereich von ISO100 bis 1600, die längst mögliche Verschlusszeit auf 1/50 s (bei einer f/1.8 50mm-Linse) und die Blende in Zeitautomatik A/Av auf f/2.8 oder f/4 (wenn Sie gerne eine kleine Schärfentiefe haben wollen). Nun erhöht die Kamera-Automatik den ISO-Werte erst, wenn bei der eingestellten Blende eine Verschlusszeit länger als 1/50s errechnet würde. So haben Sie für fast alle Lichtverhältnisse die richtige Einstellung.
Besuch am Hauseingang

Besuch am Hauseingang, Nikon D750, Sigma Makro f/2.8 105mm, 1/125s, f/3.3, ISO560

Streetfotografie und Recht

  • Dieses Thema wird im Netz sehr kontrovers diskutiert. Viele ärgern sich, dass die Leute – wenn sie auf der Strasse fotografiert werden – übersensibel reagieren würden. Es war aber noch nie so einfach, ein Bild in Kürze auf der ganzen Welt zu verbreiten – wie das heute mit den sozialen Medien möglich ist. Deshalb finde ich persönlich die Frage um das Recht in Ordnung. Unsere Kinder haben wir auch sensibilisiert, was mit Bildern alles gemacht werden kann. Dass soll Sie aber nicht davon abhalten, tolle Szenen auf der Strasse abzulichten.
  • Das heisst nicht, dass Sie gar niemanden fotografieren sollen. Wichtig ist, dass Sie sich bewusst sind, dass erkennbare Personen das Recht haben, Sie zum Löschen des Bildes aufzufordern. Wenn Sie ein Bild soagr verkaufen wollen, müssen Sie das schriftliche Einverständnis der Person/en haben, wenn diese auf dem Bild klar identifizierbar ist.
  • Natürlich gibt es auch viele tolle gestalterischen Möglichkeiten, Personen abzubilden, die aber nicht erkennbar sind – ohne dass Sie über die Augen ein schwarzes Band legen müssen…
  • Fotografieren Sie gegen das Licht. Silhoutten wirken immer toll, weil Details verschwinden und die Form wichtiger wird.
  • Schneiden Sie Personen an oder nehmen Sie knappe Ausschnitte auf. Das Gesicht muss nicht auf jedem Motiv erkennbar sein, um ein Bild wirken zu lassen.
  • Fotografieren Sie die Personen von hinten – aber haben Sie auch den Mut, die Menschen von vorne zu fotografieren.
  • Machen Sie Aufnahmen mit einer etwas längeren Verschlusszeit. Die Menschen sind dann im Bild gut erkenn-, aber kaum mehr identifizierbar.
Feierabend

Feierabend, Sony DSC RX100iii, Zeiss f/1.8-2.8 24-70mm, 56mm KB, 1/640s, f/4, ISO125





Aufnahmen planen – Streetfotografie

  • Es ist wichtiger, zu beobachten, als auf den Auslöser zu drücken. Sie können auch ohne Kamera Ihren Blick schulen und auf dem Arbeitsweg beobachten, welche Situationen sich für ein Streetfoto eigenen würde. Mit der Zeit bekommen Sie ein Auge dafür.
  • In der Streetfotografie müssen Sie blitzschnell entscheiden können und abdrücken. Man kann hier aber nicht von Schnappschüssen sprechen, da das Motiv ja meist etwas geplant ist: Sie sehen ein tolles Plakat und warten, bis die passende Person daran vorbeiläuft. Oder Sie warten an einer guten Stelle, bis die passende Person den passenden Schatten wirft.
  • Nehmen Sie sich Zeit und bleiben Sie an einem Ort eine Weile stehen. Sehr effizent sind Bushaltestellen, Bahnhöfe, Einkaufspassagen. Da treffen Sie immer auf viele Leute und Sie selber fallen weniger auf.
  • Versuchen Sie herauszufinden, was in der nächsten Zeit passieren könnte, damit Sie für diesen Fall mit Ihrer Kamera bereit sind.
Schattenspiele

Schattenspiele, Nikon D750, Tamron f/1.8 35mm, 1/500s, f/4.8, ISO100

  • Lernen Sie die Umgebung beobachten.
  • Sie sollten mit den Bildgestaltungsmöglichkeiten und deren Wirkung gut vertraut sein. Mehr darüber im Workshop Bildgestaltung.
  • Halten Sie Ihre Kamera auch mal etwas schräg oder diagonal. Experimentieren Sie!
  • Gehen Sie nahe heran. Ausschnitte wirken oft besser als Übersichten. Zu viele Details lenken den Blick vom Hauptmotiv ab. Lernen Sie Ihr Motiv isolieren.
  • Wenn Sie abends fotografieren, achten Sie auf besondere Lichtquellen, welche die Personen beleuchten können: Schaufenster, Strassenlampen, Leuchtreklamen usw.
Fundsache

Fundsache, Nikon D750, Nikkor f/1.8 50mm, 1/125s, f/2.4, ISO50

Weitere Tipps für die Streetfotografie

  • Üben Sie regelmässig. Wenn Sie einmal unterwegs sind – und dann für Monate nicht mehr – wird sich kaum eine Entwicklung oder ein Erfolg einstellen. Das regelmässige Üben verhilft Ihnen zu einem schärferen fotografischen Blick und Sie lernen, die Besonderheiten im gewöhnlichen Stadt-Alltag zu entdecken .
  • Schauen Sie sich Aufnahmen von Streetfotografen an und lassen Sie sich davon inspirieren. Es geht nicht darum, dass Sie diese Bildideen kopieren – was meist auch kaum möglich ist – sondern dass Sie für sich eine „Ideensammlung“ erhalten, auf was Sie achten könnten.
  • Experimentieren Sie mit verschiedenen Formaten: 16:9, 4:3, 3:2, 1:1, 5:2….
  • Für die Streetfotografie benötigen Sie nicht die teuerste und beste Ausrüstung. Ein Fotoapparat mit einem 35- oder 50 mm-Objektiv (die gibt es für knapp 200 Euro neu oder billiger gebraucht) reicht vollkommen.
  • Wichtiger als Schärfe bis in den letzten Randpixel ist das Auge für den Bildausschnitt und den Moment.
Streetfotografie Bahnarbeiter auf der Treppe Photomatix Pro

Streetfotografie Bahnarbeiter auf der Treppe, Nikon D750, Tamron f/1.8 35mm, 1/8s, f/3.3, ISO110, PhotomatixPro

Oder wie der grosse Fotograf Henri Cartier-Bresson treffend meinte:

„Man braucht nur ganz bescheidene Mittel, um das Maximum herauszuholen: Einen Apparat und ein Objektiv. Das Leben packen – und festhalten.“

Nach der Yoga-Stunde

nach der Yoga-Stunde, Sony DSC RX100iii, Zeiss f/1.8-2.8 24-70mm, 70mm KB, 1/20s, f/7.1, ISO125

» Silver Efex Pro 2 – Fotos wie zu Schwarz-Weiss-Film-Zeiten

» Weitwinklig sehen lernen – Workshop

» Skizzenheft mit Fotos





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