Möchten Sie den Dynamikumfang Ihrer digitalen Bildsensoren optimal ausnutzen? Mit der Technik “nach rechts belichten” achten Sie darauf, eine RAW-Aufnahme etwas länger zu belichten und ein leicht überbelichtetes Bild zu erhalten. In der Praxis bedeutet das, dass Sie die Blende um einen Wert öffnen oder die Verschlusszeit verlängern. So trifft mehr Licht auf den Sensor.
In 30 Sekunden erklärt – “nach rechts belichten”
- „Nach rechts belichten“ (ETTR – expose to the right) bedeutet, ein Foto bewusst etwas heller zu belichten, sodass das Histogramm möglichst weit nach rechts rückt, ohne dass Lichter ausbrennen.
- Dadurch nutzt man mehr Bildinformationen in den hellen Tonwerten und reduziert später beim Entwickeln Bildrauschen.
In der Regel werden Fotos eher knapp belichtet, also unterbelichtet. Mit einem RAW-Konverter können Sie die Belichtung der Bilder, die Sie nach der ETTR-Methode aufgenommen haben, wieder absenken und erzielen eine deutlich bessere Durchzeichnung der dunkleren Bildteile.
Warum nach rechts belichten – Expose to the Right?
Sie haben sicher schon festgestellt, dass viele Bilder, die Sie aufnehmen, leicht unterbelichtet sind und dass Sie diese mit Bildbearbeitungssoftware aufhellen müssen. Das ist in der Regel kein Problem. Möchten Sie jedoch das Maximum an Tonwertdaten aus Ihrem Sensor herausholen, sollten Sie in Zukunft nach rechts belichten. Mit “nach rechts belichten” oder “expose to the right” (ETTR) sind die Tonwertdaten im Histogramm gemeint. Am linken Rand befindet sich das reine Schwarz, am rechten Rand reines Weiss.

Im Beispielbild oben links fehlen helle Tonwerte, die besonders viele Informationen liefern. Nach der Aufnahme sind diese “verloren” und können nicht wiederhergestellt werden. Die dunkeln Farben weisen wesentlich weniger Tonwertstufen auf als helle.

In diesem stark vereinfachten Modell beträgt der Dynamikumfang des Bildsensors 6 Belichtungsstufen (6 EV). Für die hellsten Bildbereiche (0 EV) stehen 2048 Tonwerte zur Verfügung, für die nächste Stufe ( – 1 EV) halbiert sie sich auf 1024. In den dunkelsten Bereichen sind es nur noch 64 Tonwerte zur Verfügung. In den helleren Bereichen haben Sie also viel mehr Tonabstufungen zur Verfügung. Wenn Sie im rechten Teil des Histogramms kaum Tonwerte haben (Histogramm Vergleich links), verlieren Sie wertvolle Bildinformationen der RAW-Datei. Durch konsequentes “nach rechts belichten” können Sie die Belichtung des RAW-Bildes am Computer reduzieren und haben in den dunklen Bildbereichen viel mehr Tonwertinformationen zur Verfügung. » Tonwerte optimieren
Welches sind die Vorteile von “Expose to the right” ETTR?
- Weniger Bildrauschen in dunklen Bildbereichen
- Erhöhter Dynamikumfang
- Oft kein HDR-Bild nötig
Mit dieser Belichtungstechnik erzielen Sie weniger Bildrauschen in dunklen Bereichen und eine bessere Durchzeichnung der Schatten.
Clipping vermeiden
Allerdings sollten Sie darauf achten, nicht zu übertreiben: Wenn sich die Tonwerte im Histogramm am rechten Rand “türmen”, sind in den entsprechenden Pixeln nur noch reine Weisstöne vorhanden, aus denen Sie keine Zeichnung mehr herausholen können. Das nennt man Clipping. Dies geschieht häufig bei sehr kontrastreichen Motiven wie einer Gegenlichtaufnahme. Das Innere der Sonne wird immer überbelichtet sein. Dort werden Sie keine Zeichnung erwarten, in den Schattenbereichen jedoch schon.

Überbelichtungswarnung einschalten – nach rechts belichten
Sie können an modernen Kameras eine Überbelichtungswarnung aktivieren, die Bildbereiche farbig hervorhebt, die von Tonwertverlust betroffen sein könnten. Eine leichte Überbelichtungswarnung beim Fotografieren im RAW-Format ist jedoch in der Regel kein Problem. Das Histogramm mit der Überbelichtungswarnung wird aus den JPG-Daten des Bildes generiert. In der RAW-Datei sind deutlich mehr Informationen vorhanden. Bei einigen Kameras können Sie das Histogramm in der Live-View-Ansicht aktivieren.

Wann funktioniert “nach rechts belichten” besonders gut?
- Landschaftsfotografie
- Architekturfotografie
- Nachtaufnahmen
- Motive mit viel Schattenbereichen, die Zeichnung aufweisen sollen

Häufige Fehler: Wo müssen Sie vorsichtig sein?
- Eventfotografie / Hochzeiten
- schnell wechselnden Lichtverhältnissen
- Silhouetten-Aufnahmen (dunkle Bereiche sollten rein schwarz sein)
- Situationen, wo Lichter ausbrennen könnten, zum Beispiel helle Bildteile, die noch Struktur aufweisen sollten. Ausgebrannte Flächen sind auch in RAW-Dateien nicht mehr zu korrigieren.
- Streetfotografie

Weitere Tipps “nach rechts belichten”
- Das Histogramm bringt eine Einschätzung, ob ein Bild korrekt belichtet ist. Beachten Sie jedoch, dass es sich beim Histogramm um eine JPG-Datei mit weniger Dynamikumfang handelt. Eine JPG-Datei clippt schneller.
- Das Histogramm zeigt möglicherweise zu früh eine Überbelichtung an. In Wirklichkeit hat die RAW-Datei noch genug Reserven, etwa 0.3 bis 1.0 EV.
- Achten Sie auch auf die Farbkanäle. Zum Beispiel kann der Rotkanal bei Sonnenuntergängen oder der Gelbkanal bei gelben Blüten ebenfalls clippen.
- Verlassen Sie sich nicht auf das Bild am Kameramonitor, um die Belichtung einzuschätzen. Die Helligkeit kann unterschiedlich eingestellt werden und das Umgebungslicht kann das Bild stark beeinflussen.
- Ein Displayschutz kann die Helligkeit zusätzlich etwas verringern.
- Wenn Sie in den weissen Bildteilen keine Zeichnung haben möchten, können Sie die Aufnahme so belichten, dass die rechte Seite abgeschnitten wird (Clipping). Das ist zum Beispiel bei bewusst überbelichteten Motiven gewünscht.

Kontrastreiche Motive – Belichtungsreihe erstellen
Wenn Sie Gegenlichtaufnahmen oder allgemein kontrastreiche Motive fotografieren und sowohl Zeichnung in den dunklen als auch den hellen Bildteilen haben möchten, funktioniert das nur durch eine Belichtungsreihe und die Erstellung eines HDR-Bildes. So können Sie die richtige Belichtung für alle Motivteile abstimmen.

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