Innenaufnahmen mit Pfiff können Sie selber sehr gut einfangen, wenn Sie die richtigen Kameraeinstellungen verwenden. Ich zeige Ihnen, wie Sie zu scharfen, stimmungsvollen Innenaufnahmen kommen.

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Innenaufnahmen mit Pfiff
Haben Sie nicht auch schon in Räumen mit Blitz fotografiert und waren geschockt, wie klinisch die Aufnahmen gewirkt haben? Ich zeige, wie Sie stilvolle Innenaufnahmen machen können.
Wohnräumen, Fabrikhallen, Kirchen, Museen, Restaurants etc. können tolle Sujets hergeben. Wichtig ist, dass die vorherrschende Licht-Stimmung auch auf dem Foto wiedergegeben werden kann. Das erfordert meist längere Belichtungszeiten und eine stabile Auflagefläche wie ein Stativ für die Kamera.

Blitz ist Gift bei stimmungsvollen Innenaufnahmen
- Wenn Sie die Stimmung in den Räumen effektvoll wiedergeben wollen, müssen Sie den Blitz für einmal zuhause, respektive eingeklappt lassen.
- Viele Kompaktkameras haben eine spezielles Motivprogramm Innenaufnahmen. Diese sorgt dafür, dass das Blitzlicht ausgeschaltet wird. Bei Spiegelreflexkameras können Sie den Blitz manuell ausschalten oder eben gar nicht erst einschalten.
- Das kühle Licht eines Blitzes (Farbtemperatur) würde die warmen Farben von Wohnräumen unweigerlich zerstören. Wenn Sie jedoch auf den Blitz verzichten wollen, müssen Sie dafür längere Belichtungszeiten in Kauf nehmen – und das erfordert meist eine stabile Auflagefläche oder noch besser – ein Stativ.
- Zudem erzeugt Blitzlicht harte Schatten und “flache” Bilder. Blitzgeräte sind in Innenräumen selten erwünscht.

- Je nachdem, welche Lichtverhältnisse im Freien herrschen, hat das mehr oder weniger Einfluss auf den Innenraum. Kommt zum Fenster direkte, hartes Sonnenlicht hinein? Das Licht bei bewölktem Himmel ist da diffuser. Beide Varianten haben je nach Motiv und geplanter Bildaussage ihren Reiz.
- Ideal sind Innenaufnahmen, wenn sich Fenster im Norden befinden. Sie werfen ein besonders weiches Licht in den Raum und erzeugen weiche Schatten, die Details zeigen.
Optimale Ausrüstung für Innenaufnahmen mit Pfiff
- Da die Raumverhältnisse meist eher eng sind, benötigen Sie ein Objektiv, welches einen grossen Bildwinkel erfassen kann. Diese haben eine kurze Brennweite und werden Weitwinkelobjektive genannt.
- An Kompaktkameras und bei Kit-Objektiven für Spiegelreflex- oder Systemkameras haben Sie meist ein Zoom, welches vom Weitwinkelbereich bis leicht in den Telebereich reicht. Beispiel: 24-70 mm.
- Für die Aufnahmen in der kleinen Mario-Botta-Kirche in Mogno TI verwendete ich ein Ultraweitwinkel von 11-16 mm (umgerechnet mit dem Crop-Faktor 16-24 mm KB).
- Um möglichst aus der Hand noch fotografieren zu können, ist ein Bildstabilisator eine grosse Hilfe.
- Weist das Objektiv eine grosse Lichtstärke auf, können Sie auch bei Schwachlicht noch ohne Stativ arbeiten. Grosse Blendenöffnungen haben aber den Nachteil, dass Sie zu wenig Schärfentiefe erreichen und nur ein Teil des Innenraums scharf abgebildet wird.
- Wenn Sie mit der HDR-Technik arbeiten wollen oder allgemein knackig scharfe Innenaufnahmen machen, bleibt Ihnen nur die Arbeit mit dem Stativ.
- Draht- oder Fernauslöser verwenden. Alternativ den Selbstauslöser auf 2s Verzögerung stellen.

Kameraeinstellungen für Innenaufnahmen
Mit Stativ arbeiten:
- Bildstabilisator ausschalten
- Spiegelvorauslösung einstellen
- Zeitautomatik A oder Av einstellen (mit manueller Blendenvorwahl)
für grosse Schärfentiefe Blende auf f/8 bis f/16 stellen - kleinster ISO-Wert für beste Schärfe und Farben
Ohne Stativ, aus der Hand fotografieren:
- Bildstabilisator einschalten
- Je nach Bedarf ISO leicht erhöhen, damit Verschlusszeit genug kurz ist
für grosse Schärfentiefe Blende auf f/8 bis f/16 stellen oder die ISO-Automatik mit einer vordefinierten maximalen Belichtungszeit verwenden. - wenn möglich, Kamera oder Körper abstützen
- mehrere Bilder in der Serienbildfunktion knipsen und das schärfste Bild am PC auswählen
Belichtungsprobleme meistern
Meist weisen Innenräume ein sehr hohes Kontrastverhältnis mit einem hohen Dynamikumfang auf: Ein Teil des Raumes steht im Schatten, durch die Fenster gelangt viel Licht in den Raum.
Die Kunst guter Innenaufnahmen ist es, wichtige dunkle Partien noch genügend auszuleuchten, ohne die hellen Partien zu überzeichnen. Das ist meist ein Spagat, der nur mit gewissen Kompromissen ausgeführt werden kann.
Auf der Aufnahme legte ich bewusst den Wert auf die Inneneinrichtung. Die überzeichneten Fenster stören nicht und haben den Vorteil, dass sie nicht vom bildwichtigen Innenraum ablenken. Müssten die Fenster ebenfalls korrekt belichtet sein, erreichen Sie das über Belichtungsreihen und einem HDR-Bild (High Dynamic Range). Durch das Übereinanderlegen von verschiedenen Aufnahmen können höhere Kontrastumfänge künstlich erreicht werden. Mehr darüber unter HDR-Aufnahmen.
Damit das Bild scharf wurde, arbeitete ich mit dem Bildstabilisator und stützte die Kamera am Türbogen ab.

Optimale Schärfe erreichen
Linker Teil: Aufnahme mit 1/6s und Bildstabilisator, am Türrahmen stabilisiert, rechter Teil: Freihandaufnahme.

Belichtungsreihen oft unumgänglich
Bei solchen Lichtverhältnissen lohnt es sich besonders, eine Belichtungsreihe zu knipsen. Oft haben Kameras diese Funktion bereits programmiert und Sie können mit Druck auf den Auslöser automatisch eine Belichtungsreihe von fünf oder mehr Aufnahmen aufnehmen. Dabei können Sie wählen, in welchen Belichtungsschritten (1.0 bis 2.0 EV Belichtungsstufen höher, rsp. tiefer) die Reihe gemacht wird.
Wenn Sie kein solches Programm haben, können Sie die Belichtungskorrektur (meist mit +/- bezeichnet) einstellen und ein paar unterschiedlich belichtete Bilder aufnehmen.
Tipps ohne Stativ
Die Aufnahmen mit Inneneinrichtungen auf dieser Seite habe ich ohne Stativ aufgenommen. Ich achtete darauf, die Kamera fest an den Türrahmen abzustützen und möglichst ruhig abzudrücken. Zudem machte ich eine Reihe von Aufnahmen, da ich rechnen musste, dass ein Teil wegen der längeren Verschlusszeit verwackelt werden könnte. Die optimal belichtete Aufnahme konnte ich erst am Bildschirm des Computers auswählen.

Innenaufnahmen – Perspektiven verändern
Um pfiffige Innenaufnahmen zu machen, können Sie die Perspektive verändern und eine besondere Wirkung erzielen. Zwei schematische Darstellungen von Innenaufnahmen mit dem Fluchtpunkt in der Mitte und dem Fluchtpunkt rechts von der Mitte.


Versuchen Sie einmal, die Ecke eines Raumes in die Bildmitte zu setzen, als von Ecke-zu-Ecke zu fotografieren. Das gibt ebenfalls einen besonderen Effekt und wirkt dynamischer. Die Einrichtungsgegenstände bringen räumliche Tiefe.


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Das Handout DigiSpick mit den wichtigsten Tipps und Tricks zum Thema können Sie hier kostenlos downloaden und ausdrucken:
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