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Verwackelte Bilder vermeiden

Drei Weiern St. Gallen, Nikon D750, Tamron f/1.8 35 mm, 1/125s, f/8, ISO 100

verwackelte Bilder vermeiden

Verwackelte Bilder vermeiden – Sie haben sich viel Zeit genommen, an einen tollen Ort zu reisen und schöne Motive zu finden. Zuhause am Computer stellen Sie fest, dass viele Fotos verwackelt sind und ärgern sich zu Recht. Ich zeige Ihnen, wie Sie verwackelte Fotos vermeiden können. Klick!

Verwackelte Bilder vermeiden

Warum sind meine Bilder unscharf oder verwackelt?

Ein unscharfes oder verwackeltes Bild entsteht, wenn die Kamera während der Aufnahme zu stark bewegt wird oder aber sich das Motiv selber zu schnell bewegt. Dadurch wandern die Lichtstrahlen, welche auf dem Bildsensor eingefangen werden, über die Sensorebene. Aus Lichtpunkten werden Spuren, welche wir als Unschärfe oder Verwischeffekt wahrnehmen.

Wird die Kamera zu wenig ruhig gehalten, spricht man von Verwackelung, bewegt sich hingegen das Bildmotiv zu schnell, nennt man das Bewegungsunschärfe. Letztere wird in der Fotografie häufig als Gestaltungseffekt verwendet, wenn man die Kamera mit dem Sportler mitzieht oder beim Zoomen gleichzeitig den Auslöser drückt und den Zoomring dreht.

» Welche Kamera kaufen?

Verwackelte Bilder vermeiden

Um verwackelte Bilder zu vermeiden, müssen Sie die Verschlusszeit verkürzen oder die Kamera auf eine stabile Ablagefläche – oder noch besser – auf einem Stativ befestigen. Für freihändiges Fotografieren mit Kleinbildformat gibt es eine Faustregel: Die Belichtungszeit soll nicht länger sein als der Kehrwert der Brennweite. Beispiel: Brennweite 300 mm – Kehrwert 1/300 s. Brennweite 50 mm – Kehrwert 1/50 s. Diese Regel führt aber oft nicht wirklich zu scharfen Bildern. Es kommt darauf an, wie ruhig Sie die Kamera halten können. Zudem bewirken kleinere Bildsensoren – zum Beispiel das APS-Halbformat – dass der Bildwinkel verkleinert wird. Damit verlängert sich theoretisch die Brennweite und Sie benötigen für ein scharfes Bild auch eine kürzere Verschlusszeit. Sensoren mit einer extrem hohen Auflösung von z.B. 40 MP zeigen ebenfalls schneller Unschärfen.

Beispiel: 200 mm Brennweite bei Nikon D5300. Der Crop-Faktor beträgt 1.5. 200 mm x 1.5 = 300 mm. Mindestens Verschlusszeit von 1/300 s oder kürzer.

Dank eingebauter Bildstabilisatoren können Sie aber trotzdem noch länger verwacklungsfrei fotografieren. Denken Sie daran, dass der Bildstabilisator erst beim Halb-Drücken des Auslöseknopfes aktiviert wird.

» Spezialfall: Verwackelte Bilder trotz Stativ

verwackeltes Bild - verwackelte Bilder vermeiden
verwackeltes Bild einer Makroaufnahme

» Sonnenuntergang und Sonnenaufgang fotografieren

Lange Brennweiten – Makroaufnahmen

Das Problem verwackelter Bilder ist vor allem bei langen Brennweiten und bei Makroobjektiven gross. Obwohl die Bildstabilisatoren bis zu drei Blendenstufen ausgleichen können, empfehle ich Ihnen, die Verschlusszeit möglichst kurz zu wählen.

Die beiden Pferdeköpfe habe ich mit einem 450 mm-Objektiv und eingeschaltetem Bildstabilisator fotografiert. Die Kamera stützte ich mit dem rechten Arm auf einem Tisch ab. Die Aufnahme links mit 1/125 s sieht auf den ersten Blick scharf aus. Erst mit der 100%-Ansicht entpuppt sich das Bild als verwackelt. Beachten Sie den Bildausschnitt mit der Schnalle (100%-Ansicht).

Das Bild rechts habe ich mit einer höheren ISO, dafür kürzeren Verschlusszeit von 1/500s fotografiert und ist knackig scharf geworden.

Die technischen Daten Ihres Bildes müssen Sie übrigens nicht im Kopf behalten: Alle Daten sind in der Exif-Datei gespeichert. » Exif-Dateien auslesen

Verwackelte Bilder vermeiden – Meine Tipps:

  • Die gängigen Bildstabilisatoren können bis zu drei Blenden- oder Verschlusszeitstufen zusätzlich herausholen.
  • Wenn es möglich ist, stützen Sie die Kamera an einem Türrahmen oder einem Tisch ab.
  • Verwenden Sie in Grenzsituationen ein Stativ. Schalten Sie dann aber den Bildstabilisator unbedingt ab.
  • Lassen Sie die Mittelsäule des Stativs eingefahren. Eine ausgefahrene Mittelsäule verringert die Stabilität enorm.
  • Schwerere Kameras (Spiegelreflexkameras) sind stabiler zu halten als die kleinen, leichten Kompaktmodelle oder Smartphones.
  • Das Halten der Kompaktkameras und Smartphones mit ausgestreckten Armen birgt eine sehr hohe Verwacklungsgefahr. Nehmen sie mindestens die Ellbogen an Ihren Körper.
  • Erhöhen Sie die Empfindlichkeit (ISO-Wert) an Ihrer Kamera. Je nach Qualität des Sensors mehr oder weniger empfehlenswert.
  • Lösen Sie die Kamera in der Hand über den Selbstauslöser (Einstellung: 2 Sekunden Verzögerung) aus. So minimieren Sie die Kamerabewegungen, die beim Drücken des Auslösers unweigerlich entstehen.
  • Halten Sie die Kamera – wenn sie einen Sucher aufweist – vor Ihr Auge. Das stabilisiert die Kamera. Wenn Sie die Kamera mit gestreckten Armen vor sich halten, ist die Gefahr des Verwackelns viel grösser.
  • Bei Spiegelreflexkameras kann es schon allein durch die Auslösung des Spiegels bei längeren Verschlusszeiten zu einer Erschütterung kommen. Verwenden Sie in einem solchen Fall ein stabiles Stativ oder die Spiegel-Vorauslösung.
  • Ich mache praktisch immer vom gleichen Motiv zwei bis drei Aufnahmen. Am Computer kann ich die Bilder vergleichen und behalte die schärfste Aufnahme. Der Qualitätsvergleich geht mit einem Bildbearbeitungsprogramm sehr gut.
Schärfe von Bildern in Photoshop Elements vergleichen
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Digitipps eBook Artikel 2

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