Mit diesem Artikel Fotografieren mit dem Smartphone oder Handy zeige ich Ihnen, wie Sie mit den Smartphones und Handys tolle Aufnahmen machen können. Wenn Sie ein paar Einstellungen im Griff haben, überzeugt auch die Qualität der Fotos. Ich bin erstaunt, mit welcher Einfachheit und Qualität mit den heutigen Smartphones fotografiert werden kann. Das muss nicht das neuste Modell sein. Vor allem mit dem tiefsten ISO-Wert von 100 überzeugt die Bildqualität. » Online Fotokurs – kompakt und schnell fotografieren lernen
Vorteile – Fotografieren mit dem Smartphone:
- Das Hochladen in soziale Netzwerke ist sehr einfach.
- Sie haben die Kamera immer mit dabei.
- Smartphone und Handy sind schneller griffbereit als jede andere Kamera.
- Viel leichter und handlicher.
- Einfache und überraschende Effekte mit Zusatz-Apps möglich.
- Ohne zusätzliche Investitionskosten können Sie das Fotografieren ausprobieren.
- Durch den kleinen Bildsensor haben Sie eine sehr grosse Schärfentiefe.
- Bokeh-Effekte mit künstlicher Intelligenz berechnet

Samsung Galaxy S4, 4.2 mm, 31 mm KB, 1/2300s, ISO 50
Nachteile – Fotografieren mit dem Handy:
- Fixe Brennweite, fixe Blende, Schärfentiefe nicht regulierbar.
- Kein Gestalten mit unterschiedlichen Blendenwerten möglich.
- Zoom nur digital (mit Qualitätsverlust).
- Bei schmalen oder kleinen Motiven wird das Scharfstellen schwierig, bzw. unmöglich. Da kommt der Vorteil der manuellen Schärfe Einstellung bei Spiegelreflex– oder Systemkameras zum Tragen.
- Sie können mit dem Smartphone die Schärfe nicht manuell setzen, aber mit Tippen auf das gewünschte Motiv scharfstellen.
- Gehäuse flach, kann nicht gut gehalten werden. Funktionen praktisch nur über das Display erreichbar.
- Bei starkem Licht Live-View-Ansicht schwierig. Tipps zur optimalen Kamerahaltung
- Durch den kleinen Bildsensor ist die Schärfentiefe gross. Das ist gut bei Landschaftsaufnahmen, aber Gift, wenn Sie ein Motiv vor dem Hintergrund isolieren wollen. Allerdings gibt es Modelle, welche dies softwaremässig korrigieren können.
Fotografieren mit dem Smartphone
Das Fotografieren ist mit der Digitalfotografie einfacher geworden. Doch nur weil wir digital fotografieren, werden die Bilder nicht einfach besser. Steigen wir mit den ersten Tipps ein:

Samsung Galaxy S4, 4.2 mm, 31 mm KB, 1/270 s, f/2.2, ISO100, +2.0 EV
Saubere Kameralinse
Die beste Bildqualität nützt nichts, wenn die Linse verschmutzt ist. Vor allem bei Aufnahmen im Gegenlicht werden Flecken schnell im Bild sichtbar.
- Achten Sie darauf, dass beim Fotografieren mit dem Smartphone die Kamera Linse sauber ist. Wenn Sie das Smartphone in einer Tasche transportieren, sammelt sich oft viel Staub an der Linse. Kombiniert mit den Fingerabdrücken führt das zu einem schlechten, oft nebligen Bild.
- Reinigen Sie die Linse mit einem fuselfreien, weichen Tuch. Das bekommen Sie als Kunde kostenlos im Brillenshop.
- Drücken Sie das Tuch nicht zu fest auf die Linsen. Winzige Sandkörner könnten das Glas zerkratzen. Falls sie einen Foto-Pustepinsel haben, vor der Tuchreinigung die Linse abblasen.
Funktionen kennen – Fotografieren mit dem Handy
Das Smartphone haben Sie immer dabei. Schon deshalb empfehle ich Ihnen, sich mit den Funktionalitäten und Möglichkeiten in Ruhe vertraut zu machen. Wer seine Spiegelreflexkamera zuhause liegen hat und als Ersatz das Smartphone zückt, verpasst weniger Motive. Es kann aber durchaus auch Spass machen, nur mit vordefinierten Einstellungen zu fotografieren und das analoge Fotofeeling zu erleben: » Vintage Kamera Old Roll – Fotografieren im Retrostil oder Hipstamatic (iPhone).
Mit dem Android-App Camera FV-5 haben Sie die Symbole auf Ihrem Smartphone wie bei Ihrer Spiegelreflexkamera. Sie können damit Intervallaufnahmen und Belichtungsreihen aufnehmen. Zudem haben Sie die Auswahl zwischen Matrix-Belichtungsmessung, Zentrumsbereich oder Spotmessung. Interesse? Ich zeige Ihnen, was in Camera FV-5 alles drin steckt: Camera FV-5 und Spiegelreflexkamera-Feeling.

Fixe Blende und Brennweite – Fotografieren mit dem Smartphone
Das Gestalten mit der Blendenöffnung – zum Beispiel ein Motiv vor unscharfem Hintergrund isolieren – ist kaum möglich, weil eine fix verbaute Blende von zur Anwendung kommt. Obwohl Sie auf der Smartphone-Kamera eine Zoom-Funktion finden und ein weit entferntes Motiv näher heranholen – eben zoomen – können, haben die Handy-Kameras fix verbaute Brennweiten. Beim Samsung Galaxy S4 beträgt diese 4.2 mm, umgerechnet auf Kleinbildgrösse 31 mm. Das ist eine typische Weitwinkel-Brennweite, welche sich vor allem für Landschafts- und Architekturfotografie eignet. Wollen Sie ein Motiv formatfüllender abbilden, so gehen Sie näher heran. Wenn Sie die Zoom-Funktion benützen, wird der Ausschnitt digital vorgenommen – wie wenn Sie am Computer einen Ausschnitt aus dem Originalbild schneiden. Damit verringert sich die Bildauflösung drastisch.
Bildqualität und Auflösung – Fotografieren mit dem Handy
Die kleinen Sensoren haben den Nachteil, dass ganz viele Pixel sich eine kleine Fläche teilen müssen. Das führt dazu, dass das Bildrauschen sehr schnell zunimmt. Während mit einem Halbformat-Sensor problemlos ISO 3200, mit dem Kleinbildsensor sogar ISO 6400 gewählt werden können, wird beim Samsung Galaxy S4 das Rauschen in der ISO 800-Stufe schon sehr stark. Stellen Sie, wenn möglich, die ISO manuell auf 100.
- Wählen Sie die höchste Auflösung für Ihre Bilder, wenn Sie diese am Computer bearbeiten und optimieren wollen. So haben Sie genügend Reserve. Verkleinern können Sie Fotos immer, vergrössern nur mit Einbusse der Qualität. Die Funktion finden Sie unter Einstellungen – Auflösung.
- Smartphone-Auflösungen sind standardmässig auf den Bildschirm und dessen Seitenverhältnis von 16:9 eingestellt. Das entspricht beim Samsung Galaxy S24 nur 9 Megapixel Auflösung, während ein Seitenverhältnis von 4:3 12.5 MP erreicht. Mit der grössten Auflösung von 4:3 können Sie den Bildausschnitt im Verhältnis 16:9 in der Vertikalen noch anpassen. Sie haben so gegen oben oder unten noch genügend Reserven, um den Ausschnitt optimal zu setzen.
- Sie können mit modernen Smartphones im RAW-Format fotografieren und die Bilder anschliessend in einem RAW-Konverter nach Wunsch bearbeiten.

Bei neueren Smartphones wird das Bildrauschen durch eine Software entfernt, bzw. verringert und ermöglicht Aufnahmen selbst noch bei schlechtem Licht. Im Beispiel oben eine Belichtung von 4 Sekunden bei ISO 640 mit einem Huawei P20 Pro.
Verwackelte Bilder vermeiden – Fotografieren mit dem Smartphone
Halten Sie das Smartphone möglichst mit beiden Händen. Das vermindert die Gefahr für verwackelte Bilder. Wenn die Licht Verhältnisse schlecht sind, können Sie Ihre Ellbogen an Ihrem Oberkörper oder das Smartphone selbst abstützen, z. B. auf einem Autodach. Damit sind auch bei längerer Belichtung scharfe Aufnahmen möglich. Sie können sich aus Karton auch einen Smartphone-Halter basteln, den Sie zusammenstecken können oder Sie verwenden ein kleines Stativ mit Smartphone-Halterung. Um Erschütterungen durch das Auslösen des Fotos zu verhindern, können Sie an ihrem Smartphone die Sprachsteuerung für Fotos einrichten. Wenn Sie dann Klick sagen, löst die Kamera das Foto aus. Damit haben Sie eine perfekte Fernsteuerung oder – bei schlechtem Licht und langen Belichtungen – einen erschütterungsfreien Fern-Auslöser. » Tipps zur Kamerahaltung Eine weitere Variante ist die Serienbildfunktion: Aktivieren Sie diese und machen vom Motiv drei bis fünf Bilder. Am Computer können Sie die schärfste Version auswählen.

Samsung Galaxy S4, 4.2 mm, 31 mm KB, 1/640s, f/2.2, ISO 80, Sepia-Effekt
Auf den Hintergrund achten
Wenn Sie ein Motiv gefunden haben, achten Sie auf den Hintergrund. Ist dieser möglichst neutral? Lenkt etwas vom Hauptmotiv ab? Ein ruhiger Hintergrund lässt Ihr Hauptmotiv besser zur Geltung kommen.
Ändern Sie die Aufnahmeposition, wenn Störendes im Hintergrund sichtbar ist, wie im Beispiel unten. Oft hilft es, in einem anderen Winkel zu fotografieren. In der Funktion “Portrait” rechnet die Software den Hintergrund unscharf. Das gelingt mal besser und mal weniger gut.


Unschärfe im Hintergrund – Fotografieren mit dem Handy
Die winzigen Sensoren der Smartphones erzeugen eine sehr grosse Schärfentiefe. Das bedeutet, dass Objekte im Vorder- wie im Hintergrund scharf abgebildet werden. Durch das Verwenden mehrerer Linsen und dem Einsatz von Software sind Effekte möglich, die sonst nur mit Halbformat- oder Vollformat Sensoren erzeugt werden können. Die “Isolierung” des Steinturms vom Hintergrund ist nur durch diesen “Trick” mit dem Huawei P20 Pro möglich.

Nutzen Sie den Goldenen Schnitt – Motiv aus der Mitte bringen
Der Goldene Schnitt – in der Antike das Mass aller Dinge beschreibt eine für das Auge optimale Einteilung bei der Bildgestaltung, respektive die optimale Position eines Motivs im Bild. Wenn Sie darüber mehr wissen wollen, lesen Sie unter der Goldene Schnitt den ausführlichen Artikel.

Drittel-Hilfslinien
Die Drittel-Regel lehnt sich an den goldenen Schnitt und ist etwas einfacher zu handhaben: Teilen Sie das Bild mit je zwei Linien in drei gleich grosse senk- und waagrechte Streifen. Wichtige Bildmotive legen Sie nun auf die Schnittpunkte der Linien, den Horizont auf die untere oder obere waagrechte Linien. Bei den meisten Kamera-Apps können Sie diese Hilfslinien einblenden lassen. Das erleichtert Ihnen das Positionieren und Ausrichten der Sujets.

Vorder- und Hintergrund miteinbeziehen
Wenn Sie Landschaften abbilden, achten Sie darauf, dass Sie einen Vorder-, Mittel- und Hintergrund haben. Das bringt Tiefe ins Bild und macht Grössenverhältnisse sichtbar.

Weniger ist oft mehr – näher herangehen
Achten Sie beim Fotografieren darauf, dass Sie möglichst nahe an das Motiv herangehen. Wagen Sie Ausschnitte und reduzieren Sie die Bildwirkung auf wesentliche Flächen und Punkte. Abstrakte Bilder regen an, sie genauer zu betrachten. Zu abstrakt darf es aber auch nicht sein.



Lichtstimmungen einfangen – auf das Licht achten
Achten Sie auf eine passende Lichtstimmung. Tagsüber bei Sonnenschein – vor allem im Hochsommer – werden die Bilder eher flach, weil die Schatten sehr klein sind. In den Randstunden des Tages kommt das besonders “warme”, gelbliche Licht zum Tragen. Die Zeit nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang nennt man Goldene Stunde. In dieser Zeit werden die Farben besonders kräftig:


Gutes Licht ist für ein Foto sehr wichtig. Fotografieren Sie auch einmal gegen die Sonne, obwohl von dem immer wieder abgeraten wird. Die entstehenden Lensflares, Blendenflecken, oder Überstrahlungen können einen besonderen Touch geben.

Viele kleine Motive entwickeln sich erst bei Streiflicht, wenn das Licht scharf von der Seite kommt. Unebenheiten werden sichtbar.

Auslöseverzögerung – Fotografieren mit dem Smartphone
Die Smartphone-Kamera weist eine lange Auslöse Verzögerung auf. Während Spiegelreflexkameras im Bruchteil einer Sekunde bereit sind, benötigt die Smartphone-Kamera manchmal mehr als zwei Sekunden. Damit sind Schnappschüsse nur schwer planbar. Es gibt aber einen kleinen Trick, um den richtigen Moment nicht zu verpassen: Tippen Sie mit dem Finger auf die Stelle im Bild, die Sie scharf haben wollen. Bleiben Sie mit dem Finger dort. Wenn Sie die Stelle loslassen, wird das Bild aufgenommen. Ein Trick, um bei schnell wechselnden Situationen trotzdem einen Treffer zu landen: Schalten Sie die Serienbild Funktion ein und wählen Sie nach erfolgten Aufnahmen die aus, welche Ihnen am besten gefällt.

Langzeitaufnahmen mit dem Smartphone
Auch wenn Sie mit einem Smartphone und der integrierten Software überraschend gute Langzeit- oder Nachtaufnahmen machen können, kommen Sie bezüglich Qualität nicht an eine Systemkamera mit grösserem Sensor heran. Trotzdem sollten Sie es einmal versuchen, denn die beste Kamera ist die, welche Sie dabei haben. Folgende beiden Aufnahmen sind mit der Einstellung Langzeitbelichtung entstanden. Dafür sicherte ich bei der Brücke von Thun das Smartphone an einem Brückengeländer gegen Bewegungen. Das Foto von Ascona ist mit einem Smartphone-Stativ entstanden.


Innenaufnahmen mit dem Smartphone
Das Smartphone eignet sich auch sehr gut, um Innenaufnahmen zu machen. Auch hier gilt: Bei spärlichem Licht werden Sie mit einer Systemkamera eine deutlich bessere Qualität erzielen. Aber muss ein Bild immer in der besten Qualität verfügbar sein? Das Motiv ist viel wichtiger als die Qualität.

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Schwarzweiss – Bessere Fotos mit dem Smartphone machen
Versuchen Sie sich auch in Schwarzweiss. Dafür eignen sich Motive mit starken Schatten oder Sujet mit deutlichen Strukturen – zum Beispiel Silhouetten-Aufnahmen.

» Negativ-Effekt mit dem Smartphone
Nahaufnahmen mit dem Smartphone
- Beim Fotografieren mit dem Handy können Sie überraschend nahe an das Motiv heran. Smartphones erlauben oft eine Naheinstellgrenze von 7 bis 8 cm.
- Beachten Sie beim Fotografieren mit dem Smartphone darauf, dass sich das Objektiv auf der linken oder rechten Seite Ihres Gerätes befindet.
- Ich komme mit dem flachen Smartphone gut an das Motiv heran, weil ich es überall hinhalten oder durchschieben kann. Durch den sehr kleinen Sensor erreichen Sie eine grosse Schärfentiefe auch bei Blende f/2.2. Das ist bei Nahaufnahmen ein Vorteil: Der Sensor muss nicht ganz exakt parallel ausgerichtet sein. Mit einem Makroobjektiv führt schon eine Abweichung von wenigen Millimetern zu unscharfen Bildbereichen.


» Motive sehen lernen | » Festbrennweiten | » Bildqualität
HDR-Modus für höheren Kontrastumfang – Fotografieren mit dem Smartphone
Wenn Sie ein Motiv mit sehr hellen und sehr dunklen Stellen fotografieren möchten, lohnt es sich wenn Sie zuvor, den HDR-Modus Ihrer Smartphone-Kamera einstellen. Sie müssen das Smartphone danach mit beiden Händen ruhig halten. Das Bild wird zusammen gerechnet und die Ergebnisse lassen sich sehen. In diesem Foto würde der Kirchturm im Gegenlicht ohne HDR-Modus im Schwarz versinken.

Analoges Kamerafeeling
Wenn Sie das analoge Kamera-Feeling geniessen möchten, empfehle ich Ihnen » Vintage Kamera Old Roll – Fotografieren im Retrostil, für iPhone auch Hipstamatic.

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» Häufige Fehler beim Fotografieren
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