Nach rechts belichten – oder “Expose to the Right” ist eine Technik, mit welcher Sie den Dynamikumfang Ihrer digitalen Bildsensoren optimal ausnutzen. Sie belichten die RAW-Aufnahme etwas länger und erreichen ein leicht überbelichtetes Bild. In der Praxis öffnen Sie die Blende um einen Wert oder verlängern die Verschlusszeit. Bei beiden Varianten kann mehr Licht auf den Sensor treffen.
In der Regel werden Fotos eher etwas knapp belichtet, also unterbelichtet. Mit einem RAW-Konverter senken Sie die leichte Überbelichtung wieder ab und erreichen eine deutlich bessere Durchzeichnung der dunkleren Bildteile.
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Nach rechts belichten – Expose to the Right
Sie haben bestimmt auch schon festgestellt, dass viele Bilder, die Sie aufnehmen, leicht unterbelichtet sind und Sie diese mit einer Bildbearbeitungssoftware etwas aufhellen müssen. Das ist in der Regel kein Problem. Möchten Sie jedoch das Maximum an Tonwert-Daten aus Ihrem Sensor kitzeln, belichten Sie in Zukunft nach rechts. Damit ist das Histogramm gemeint. Auf der linken Seite am Rand befindet sich das reine Schwarz, am rechten Rand reines Weiss.

Im Beispielbild oben fehlen viele helle Tonwerte, die besonders viele Informationen liefern. Nach der Aufnahme sind diese “verloren” und können nicht wiederhergestellt werden. Die dunkeln Farben weisen wesentlich weniger Tonwert-Stufen auf als die hellen.
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In folgenden vereinfachten Modell beträgt der Dynamikumfang des Bildsensors 6 Belichtungsstufen, 6 EV. Für die hellsten Bildbereiche (0 EV) stehen 2048 Tonwerte zur Verfügung, für die nächste ( – 1 EV) halbiert sie sich auf 1024. Für die letzte Spalte, die dunkelsten Tonwerte, stehen noch 64 Tonwerte zur Verfügung. In den helleren Bereichen haben Sie viel mehr Tonabstufungen zur Verfügung. Belichten Sie nun so, dass im rechten Teil kaum Tonwerte vorhanden sind (Histogramm links), so verlieren Sie massiv Bildinformationen der RAW-Datei. Belichten Sie dagegen konsequent nach rechts, können Sie die Belichtung des RAW-Bildes am Computer wieder reduzieren, haben jedoch in den dunklen Bildbereichen viel mehr Tonwertinformationen zur Verfügung. » Tonwerte optimieren

Durch diese Belichtungs-Methode erreichen Sie weniger Bildrauschen in dunklen Bereichen und eine gute Durchzeichnung der Schatten.
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Clipping vermeiden
Übertreiben sollten Sie jedoch nicht: Sobald sich die Tonwerte im Histogramm am rechten Rand Rand “türmen”, sind in den entsprechenden Pixeln nur noch reines Weiss vorhanden, aus welchem Sie keine Zeichnung mehr holen können. Das nennt man Clipping. Das ist zum Beispiel bei sehr kontrastreichen Motiven wie einer Gegenlichtaufnahme der Fall. Das Innere der Sonne wird immer überbelichtet sein. Dort erwarten Sie aber auch keine Zeichnung, in den Schatten unter Umständen schon.

Sie können an modernen Kameras eine Überbelichtungswarnung einschalten, die Bildbereiche farbig aufleuchten lässt, welche von Tonwertverlust betroffen sein könnten. Eine leichte Überbelichtungswarnung beim Fotografieren im RAW-Format ist jedoch kein Problem. Das Histogramm mit der Überbelichtungswarnung wird aus den JPG-Daten des Bildes geholt. In der RAW-Datei sind deutlich mehr Informationen vorhanden. Bei einigen Kameras können Sie das Histogramm in der Live-View-Ansicht einschalten.

Kontrastreiche Motive – Belichtungsreihe erstellen
Wenn Sie Gegenlichtaufnahmen oder allgemein kontrastreiche Motive fotografieren und sowohl Zeichnung in den dunklen wie hellen Bildteilen haben möchten, geht das nur über den Weg einer Belichtungsreihe und dem Erstellen eines HDR-Bildes. So können Sie die richtige Belichtung auf alle Motivteile abstimmen.

Weitere Tipps “nach rechts belichten”
- Das Histogramm bringt die zuverlässigste Einschätzung, ob ein Bild korrekt belichtet ist.
- Verlassen Sie sich nicht auf das Bild an Ihrem Kamera-Monitor. Die Helligkeit kann eingestellt werden, das Umgebungslicht kann das Bild stark beeinflussen.
- Ein Displayschutz kann die Helligkeit zusätzlich etwas verringern.
- Wenn Sie in den weissen Bildteilen keine Zeichnung haben möchten, können Sie die Aufnahme so belichten, dass die rechte Seite abgeschnitten wird (Clipping). Das ist zum Beispiel bei bewusst überbelichteten Motiven gewünscht.
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