Fototechnik

Richtig belichten

Grünflügelara, Nikon 750, Sigma f/5.0-6.3 150-600mm, 600mm KB, 1/800s, f/8, ISO1600, Einbeinstativ

Grünflügelara

Die Kameraautomatik sorgt dafür, dass Sie Ihre Bilder richtig belichten. Das funktioniert in vielen Motivsituationen gut. Sobald Gegenlichtsituationen, sehr helle und sehr dunkle Motive oder hohe Kontraste vorherrschen müssen Sie korrigierend eingreifen.

Richtig belichten – das Belichtungsdreieck

Wenn Sie Ihren Fotoapparat im Automatik-Modus verwenden (Programmautomatik P, Auto, i und andere), ermittelt der Belichtungsmessung die korrekten Einstellungen, und wird das Bild richtig belichten.

Damit eine korrekte Belichtung zustande kommt, benötigen wir drei aufeinander abgestimmte Einstellungen, welche im Belichtungsdreieck zusammengefasst sind:

  • Empfindlichkeit des Bildsensors oder des analogen Fimmaterials (zum Beispiel ISO100)
  • Grösse der Blendenöffnung (zum Beispiel f/8 = Blende 8)
  • Belichtungszeit (zum Beispiel 1/125s)

Richtig belichten – Empfindlichkeit in ISO

Während beim analogen Film der ISO-Wert beim Kauf eines Films festgelegt war, können Sie heute bei jedem einzelnen Bild den ISO-Wert neu festlegen. Der Bildsensor muss bei einer Erhöhung des ISO-Wertes die Signale, die er aufnimmt, elektronisch verstärken, weshalb es bei hohen ISO-Wert zu einem Bildrauschen kommt.

Eine Verdoppelung der Zahl bedeutet eine Verdoppelung der einfallenden Lichtmenge.

Wenn der ISO-Wert von ISO100 auf ISO400 gesetzt wird, so wird die einfallende Lichtmenge im Prinzip zweimal verdoppelt (von ISO100 auf ISO200 auf ISO400).

ISO50 – ISO100 – ISO200 – ISO400 – ISO800 – ISO1600 – ISO3200 – ISO6400 – ISO12’800 usw.

Gebräuchlich sind auch Zwischenwerte in 1/3- oder 1/2-Schritten: ISO400 – ISO560 – ISO800 (bei 1/2 Schritten)

Wirkung auf das Bild: Je höher der ISO-Wert, desto stärker wird das Bildrauschen, lascher die Farben und die Details werden weniger gut abgebildet. Tipp für beste Abbildungsqualität: ISO-Wert möglichst auf den tiefen Werten (ISO100, ISO200) halten.

Gorilla - richtig belichten - Hohe ISO-Empfindlichkeit

Gorilla, Nikon D750, Sigma f/5-6.3 150-600mm, 350mm, 1/750s, f/6.7, ISO6400, Einbeinstativ









Richtig belichten – die Blendenöffnung

Am Objektiv befinden sich unterschiedlich viele Lamellen, welche die Grösse der Lichteinfallsöffnung regulieren. Ist die Öffnung klein (Blende geschlossen), fällt weniger Licht auf den Bildsensor oder Film. Die grösstmögliche Öffnung wird als Offenblende bezeichnet und bestimmt die Lichtstärke eines Objektivs. Ein Objektiv mit einer grossen Öffnung kann auch bei schlechten Lichtverhältnissen noch ohne zusätzlichen Blitz verwendet werden.

Der Blendenwert wird in einem mathematischen Bruch angegeben, weshalb eine kleine Blendenöffnung zu einem grossen Blendenwert führt. Blende F 1/16 = f/16. Das verwirrt Anfänger immer wieder. 1/2 ist grösser als 1/8. Blende f/2 ist grösser (lässt mehr Licht hinein) als f/8.

Wenn Sie die Blende um einen Schritt schliessen (kleiner machen), so fällt nur noch halb so viel Licht auf den Bildsensor. Wenn Sie ansstelle von Blende f/4 die Blende f/8 wählen, fällt nur noch ein Viertel so viel Licht auf den Sensor (f/4 – f/5.6 – f/8 bedeutet zweimal halbiert).

f/1 – f/1.4 – f/2 – f/2.8 – f/4 – f/5.6 – f/8 – f/11 – f/16 – f/22 – f/32

Gebräuchlich sind auch Zwischenwerte in 1/2- oder 1/3-Schritten: f/8 – f/9.5 – f/11  (bei 1/2 Schritten)

Wirkung auf das Bild: Je kleiner die Blendenöffnung, desto grösser wird die Schärfentiefe. Mit grosser Blendenöffnung können Sie selektive Schärfe perfekt einsetzen. Im Sweet-Spot (meist f/8 oder f/11) haben die meisten Objektive die beste Abbildungsleistung. Tipp: Für Landschaftsaufnahmen eine kleine Blende (f/11 oder f/16) wählen, für Portraits eine grosse Blendenöffnung (f/2.8, f/4).

leuchtendes Herbstblatt

leuchtendes Herbstblatt, Nikon D750, Nikkor f/1.8 50mm, 1/350s, f/5.6, ISO100

Richtig belichten – die Verschlusszeit

Mit der Verschlusszeit (auch Belichtungszeit genannt) wird die Zeitspanne bezeichnet, in der Licht auf den Bildsensor oder das analoge Filmmaterial fällt. Je kürzer die Belichtungszeit, desto eher können Sie bewegte Motive noch scharf abbilden. Mit langen Belichtungszeiten können Sie Lichtspuren in der Nacht sichtbar machen.

Die Belichtungszeit wird in Sekunden oder einem Bruchteil davon angegeben: 1/250s oder 3s. Jede Halbierung der Belichtungszeit führt dazu, dass halb so viel Licht auf den Sensor fällt. Wenn Sie die Verschlusszeit von 1/60s auf 1/125s und 1/250s senken, fällt nur noch ein Viertel der Lichtmenge auf das Bildaufnahmematerial.

…1/2s, 1/4s, 1/8s, 1/15s, 1/30s, 1/60s, 1/125s, 1/250s, 1/500s, 1/1000s…

Gebräuchlich sind auch Zwischenwerte in 1/2- oder 1/3-Schritten: 1/125s, 1/180s, 1/250s… (bei 1/2-Schritten)

Wirkung auf das Bild: Wenn Sie mit zulangen Belichtungszeiten fotografieren, kann das Motiv unscharf abgebildet werden. Mit langen Werten erreichen Sie Resultate, welche surealistisch wirken (Fliesswasserspuren).

La Rotonda Locarno - richtig belichten - Langzeitaufnahme

La Rotonda Locarno – Langzeitaufnahme, Nikon D750, Tamron f/2.8 15-30mm, 15mm KB, 30s, f/13, ISO50, Stativ, Spiegelvorauslösung

Richtig belichten – Programmverschiebung

Wenn Sie kreativ fotografieren möchten, müssen Sie Ihren Einfluss auf Blendenwert und die Verschlusszeit nehmen. Ich arbeite zu 90% mit der Zeitautomatik (A, Av) und Blendenvorwahl. Aber Sie können mit der Programmverschiebenung die Kombination von Blende und Verschlusszeit bis zu einem gewissen Masse beeinflussen.

Das Beispielbild, ein Palmblatt im Druchlicht, habe ich mit einer Verschlusszeit von 1/125s, einer Blende fon f/11 und einem ISO-Wert von 800 fotografiert.

Alle vier folgenden Kombinationen geben ebenfalls ein korrekt belichtetes Bild:

Empfindlichkeit Blende Verschlusszeit
ISO800 f/4 1/1000s
ISO800 f/5.6 1/500s
ISO800 f/8 1/250s
ISO800 f/11 1/125s

Wenn ich die Kombination von f/4 und 1/1000s genommen hätte, wären mehr Bildteile nicht mehr scharf abgebildet, weil die Schärfentiefe sinkt, wenn die Blende weiter geöffnet wird.

Palmblatt im Durchlicht - Programmverschiebung

Palmblatt im Durchlicht, Nikon D750, Tamron f/1.8 35mm, 1/125s, f/11, ISO800

Nun hätte ich den ISO-Wert reduzieren können. Bei gleichbleibender Blende hätte ich dabei die Verschlusszeit verlängern müssen. Bei 1/30s wäre die Wahrscheinlichkeit, das Bild zu verwackeln, schon sehr gross.

Empfindlichkeit Blende Verschlusszeit
ISO800 f/11 1/125s
ISO400 f/11 1/60s
ISO200 f/11 1/30s
ISO100 f/11 1/15s

» Das Belichtungsdreieck

» High-Key- und Low-Key-Bilder

» Die richtige Perspektive wählen






Ihre Fotos beurteilen lassen und Verbesserungsvorschläge erhalten?

Möchten Sie den Newsletter bekommen? » Melden Sie sich kostenlos an!




Seitencode: DT243