Fotografieren im Herbst ist eine farbenprächtige Angelegenheit. Bunte Blätter, Nebel, Regen, Spiegelungen und das warme Licht der tief stehenden Sonne bieten unzählige Fotomotive. In diesem Artikel zeige ich Ihnen meine liebsten Herbstmotive und Fotoideen, welche Kameraeinstellungen sich bewährt haben und wie Sie Herbstblätter, Landschaften und besondere Lichtstimmungen wirkungsvoll fotografieren.
Die Farben der Herbstblätter überraschen mich immer wieder. Nicht selten habe ich die wenigen schönen Herbsttage mit ihren farbigen Blättern an den Bäumen verpasst. Nehmen Sie sich an einem solchen Tag Zeit, mit der Farbenpracht zu experimentieren. Kaum kommt der erste Regen und der erste Sturm, sind die Bäume von einem auf den anderen Tag leergefegt.
Inhaltsverzeichnis
- Herbst fotografieren – 10 Motive und Fotoideen
- Herbstblätter fotografieren
- Nebel im Herbst fotografieren
- Fotografieren im Herbst bei Regen
- Herbstlandschaften fotografieren
- Kameraeinstellungen für Herbstfotos
- Welche Ausrüstung für die Herbstfotografie?
- Weitere Fotoideen für den Herbst
- Fazit: Die kurze Zeit der Herbstfarben nutzen

Herbst fotografieren – 10 Motive und Fotoideen
Im Herbst müssen Sie für spannende Fotomotive oft gar nicht weit fahren. Ein Spaziergang durch den Wald, einen Park oder entlang eines Weihers reicht. Besonders interessant finde ich Motive, bei denen das typische Herbstlicht und die Farben zur Bildgestaltung beitragen.
- Farbige Herbstblätter: Einzelne Blätter, ganze Bäume oder ein mit Laub bedeckter Waldboden bieten zahlreiche Möglichkeiten.
- Blätter im Gegenlicht: Das Licht lässt Blattnerven und Farbunterschiede besonders schön hervortreten.
- Nebel: Er vereinfacht Landschaften und kann einzelne Bäume oder andere Motive vom Hintergrund isolieren.
- Regen: Nasse Blätter, Regentropfen und Pfützen bringen andere Farben und Strukturen hervor als Sonnenschein.
- Herbstlandschaften: Das tiefer stehende Licht eignet sich besonders am Morgen und am Abend.
- Tautropfen: Früh am Morgen glänzen Gräser und Blätter und sorgen bei offener Blende für schöne Spitzlichter.
- Spiegelungen: An Weihern und Seen lassen sich Herbstfarben und Baumsilhouetten im Wasser fotografieren.
- Kleine Fundstücke: Eicheln, Kastanien und einzelne Blätter eignen sich für Nahaufnahmen.
- Sonnenblumen: Im Frühherbst finden Sie mancherorts noch Sonnenblumenfelder mit vielen möglichen Perspektiven.
- Ungewöhnliche Perspektiven: Fotografieren Sie Herbstmotive auch einmal aus Bodennähe oder aus einem ungewohnten Blickwinkel.
Herbstblätter fotografieren
Der Herbst ist für Fotografen und Fotografinnen eine dankbare Jahreszeit: Der Sonnenstand ist nicht mehr so hoch wie im Sommer und die Landschaft zeigt sich monoton oder mit den vielen Blättern äusserst farbenfroh. Die Zeit kommt, in welcher der Nebel die Landschaft taucht und sie überblickbar klein macht. Gerade wenn die Lichtbedingungen für Schönwetterfotografen unpassend sind, gelingen Ihnen die schönsten Bilder mit monochromer Farbgebung.
In der Nähe von Bäumen ist der ganze Boden mit einer weichen Matte aus farbigen Blättern bedeckt. Die meist ähnlichen Farbtöne geben dem Bild eine ruhige Stimmung, welche durch die verschiedenen Blattstrukturen ergänzt wird.
Es lohnt sich deshalb, wenn Sie auf einem Sonntagsspaziergang Ihre Kamera oder Ihr Smartphone mitnehmen.

Herbstblätter im Gegenlicht fotografieren
Bei Blattaufnahmen lohnt es sich, den Nahbereich auszuprobieren. Gehen Sie näher an ein einzelnes Blatt heran und achten Sie darauf, dass der Hintergrund nicht vom Hauptmotiv ablenkt.
Tolle Bilder entstehen, wenn Sie die Blätter im Gegenlicht fotografieren. Dann zeigen sich die Blattnerven und feinen Farbschattierungen des Blattes von ihrer besten Seite.


Ungewöhnliche Perspektiven ausprobieren
Verlassen Sie einmal Ihre Komfortzone. Gehen Sie in die Knie. Was sehen Sie? Legen Sie Ihre Kamera auf den Boden und fotografieren so. Bildausschnitt und Perspektiven, welche für uns ungewöhnlich sind, fesseln die Augen des Betrachters.


Nebel im Herbst fotografieren
Es muss nicht immer die Sonne scheinen, um tolle Ergebnisse zu bekommen. Das Fotografieren bei Nebel eröffnet ganz besondere Möglichkeiten. Die reduzierte Sicht vereinfacht Landschaften, während die besondere Lichtstimmung auch ein einzelnes Herbstblatt-Motiv unterstützen kann.
Eine interessante Technik ist das bewusste Überbelichten: Suchen Sie sich einen Ast oder ein Herbstblatt am Rande eines Baumes aus und fotografieren Sie gegen den neutralen, hellen, bedeckten Himmel oder gegen den Nebel. Mit der Belichtungsautomatik würde das Blatt schnell zu dunkel erscheinen. Starten Sie deshalb mit einer positiven Belichtungskorrektur und kontrollieren Sie das Ergebnis auf dem Kameradisplay.
Je nach Helligkeit des Hintergrunds kann eine Belichtungskorrektur von etwa +2.5 bis +3.5 EV nötig sein. Dadurch erhält das Blatt zarte Strukturen, während der helle Hintergrund beinahe verschwindet. Andere Blätter oder Äste ausserhalb der Schärfeebene werden bei grosser Blendenöffnung nur noch als attraktive Farbflecken dargestellt.



Der Nebel kann bei der Bildgestaltung ein Gewinn sein: Ein Baum lässt sich dank der Nebelschwaden perfekt vor einem sonst unruhigen Hintergrund isolieren.



Fotografieren im Herbst bei Regen
Halten Sie sich nicht davon ab, bei Regenwetter auf die Fototour zu gehen. Schönwetter-Motive gibt es zuhauf im Internet. Aber bei Regen trauen sich lange nicht alle aus dem Haus. Deshalb sind Schlechtwetter-Bilder viel seltener zu finden und haben einen gewissen Überraschungseffekt.




Herbstlandschaften fotografieren
Möchten Sie Landschaften fotografieren, wählen Sie bei schönem Wetter die frühen Morgen- und späten Abendstunden, wenn die Sonne noch nicht oder nicht mehr so hoch am Horizont steht. Diese Zeit nennt man wegen des warmen Lichtes “die goldene Stunde“.
Durch den tieferen Sonnenstand fällt das Licht stärker von der Seite ein. Dadurch werden Strukturen betont und längere Schatten verleihen der Landschaft mehr Tiefe. Gerade zusammen mit gelben, orangen und roten Blättern entstehen so besonders intensive Herbststimmungen.




Kameraeinstellungen für Herbstfotos
- Für einen verschwommenen Hintergrund und eine geringe Schärfentiefe wähle ich die Zeitautomatik A. Die Blende stelle ich je nach Gestaltungsidee ein.
- Stellen Sie – wenn das an Ihrer Kamera möglich ist – die ISO-Automatik mit vordefinierter längster Verschlusszeit ein. Bei einem Objektiv mit 200 mm Brennweite wähle ich als längste Verschlusszeit 1/250 s. Reicht das vorhandene Licht nicht aus, erhöht die ISO-Automatik den ISO-Wert schrittweise.
- Für Blätter vor hellem Hintergrund – etwa Nebel oder Wolkenhimmel – starten Sie mit einer Belichtungskorrektur von etwa +2.5 bis +3.5 EV. Alternativ können Sie eine Belichtungsreihe aufnehmen.
- Schalten Sie den Bildstabilisator ein, sofern Sie aus der Hand fotografieren.
- Arbeiten Sie, wenn möglich, mit dem RAW-Format. Die Herbstbilder werden als Rohdaten gespeichert und lassen sich anschliessend mit einem RAW-Konverter wie Camera RAW oder Lightroom entwickeln. Damit haben Sie deutlich mehr Korrekturmöglichkeiten als beim JPG-Format.
Welche Ausrüstung für die Herbstfotografie?
Wenn Sie herbstliche Landschaften fotografieren möchten, reicht ein Smartphone oder eine Kamera mit einer Brennweite von etwa 24 bis 35 mm aus. Möchten Sie einzelne Herbstblätter und kleinere Details fotografieren, ist eine längere Brennweite hilfreich. Die meisten meiner Herbstblätter-Bilder habe ich mit Brennweiten zwischen 100 und 200 mm KB mit dem Sigma f/2.8 70–200 mm-Objektiv aufgenommen.
Für sehr kleine Motive eignet sich ein Makroobjektiv. Ein kleines Stativ kann ebenfalls hilfreich sein: Besonders bei Nahaufnahmen ist der Schärfentiefenbereich klein und bereits eine geringe Bewegung der Kamera kann dazu führen, dass das gewünschte Detail nicht mehr scharf abgebildet wird.
Ein Polarisationsfilter kann bei Herbstaufnahmen ebenfalls sehr nützlich sein. Vor allem auf nassen Blättern reduziert er störende Reflexionen und lässt die Farben kräftiger erscheinen. Auch Spiegelungen auf Wasserflächen können Sie durch Drehen des Filters abschwächen oder gezielt in die Bildgestaltung einbeziehen. Beobachten Sie die Wirkung am besten direkt im Sucher oder auf dem Kameradisplay.

Weitere Fotoideen für den Herbst
Tautropfen fotografieren
Wenn Sie früh aufstehen und der Nebel sich gelichtet hat, glänzen die Tautropfen auf Grashalmen und Blättern wunderschön. Verwenden Sie eine längere Brennweite und eine grosse Blendenöffnung. Dann versinken Vorder- und Hintergrund in einer schönen Unschärfe.
Der Schärfentiefenbereich ist bei Nahaufnahmen oder in der Makrofotografie meist sehr klein. Machen Sie deshalb ruhig mehrere Aufnahmen und wählen Sie später am Computer das schärfste Bild aus.

Spiegelungen und Herbstfarben
Gehen Sie an die Ufer von Teichen und Weihern. Spiegelungen überraschen immer wieder. Farbige Bäume, schwimmende Blätter und ihre Spiegelbilder ergeben dabei Motive, die sich mit wenigen Schritten oder einer Veränderung des Kamerastandpunkts völlig anders gestalten lassen.



Sonnenblumen im Frühherbst fotografieren
Am Anfang des Herbstes finden Sie immer wieder Sonnenblumenfelder. Machen Sie dort einen Halt und erkunden Sie verschiedene Aufnahmepositionen, Perspektiven und Bildausschnitte. Sonnenblumenfelder sind ein wahrer Motiv-Springbrunnen.
Wenn Sie die Sonne mit ins Bild nehmen und die Blende weit schliessen, können durch die Lichtbrechung attraktive Sonnenstrahlen entstehen – ein sogenannter Blendenstern.


Fazit: Die kurze Zeit der Herbstfarben nutzen
Packen Sie es rechtzeitig an: Die intensivsten Herbstfarben sind oft schneller wieder vorbei, als man denkt. Dabei lohnt es sich nicht nur an sonnigen Tagen, die Kamera mitzunehmen. Nebel, Regen, Tau und bedeckter Himmel bieten ebenso spannende Möglichkeiten. Probieren Sie unterschiedliche Perspektiven, Brennweiten und Kameraeinstellungen aus und lassen Sie sich vom Licht und den Motiven überraschen.

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