Licht ist das wichtigste Gestaltungsmittel in der Fotografie. Es entscheidet über Stimmung, Farben, Schatten und Kontraste. Doch Licht ist nicht konstant – es verändert sich im Laufe des Tages fortlaufend.

In diesem Beitrag zeige ich Ihnen anhand von 13 Fotos desselben Ortes, wie sich das Licht von den frühen Morgenstunden bis tief in die Nacht entwickelt – und was das konkret für Ihr Fotografien bedeutet. Sie lernen die unterschiedlichen Wirkungen des Lichts und die entsprechenden Gestaltungsmöglichkeiten kennen und können Ihre Aufnahmen gezielter planen.

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Blaue Stunde am frühen Morgen

06uhr10 Licht im Tagesverlauf vor Sonnenaufgang
06.10 Uhr – Blaue Stunde vor Sonnenaufgang mit bläulichem Licht

Die Blaue Stunde, die zwischen Nacht und Sonnenaufgang liegt, bringt eine optimale Kombination aus vorhandenem, kühlen Umgebungslicht (available Light) und wärmerem Kunstlicht.

Typisch:

  • blaue Farbtöne (gegebenenfalls kombiniert mit dem warmem Kunstlicht)
  • kaum Schatten
  • ruhige Atmosphäre
  • diffuses, gleichmässiges Licht
  • sehr schnell wechselnde Lichtverhältnisse

Fototipp:

Die Blaue Stunde gibt es ein zweites Mal am Abend nach Sonnenuntergang. Diese Version eignet sich oft besser, da Bauwerke in der Regel erst abends beleuchtet sind.

8 Minuten später – Licht im Tagesverlauf

06uhr18 blaue Stunde vor Sonnenaufgang
06.18 Uhr – die Blaue Stunde am Morgen vor Sonnenaufgang

Nur acht Minuten später nimmt das warme Licht der bald aufgehenden Sonne mehr Raum ein als das kühle, bläuliche Licht. Das Gras im Vordergrund weist noch einen starken Blauton auf, während im oberen Bildbereich die warmen Töne dominieren. Das Licht ist diffus und recht gleichmässig verteilt; klare Schatten sind nicht sichtbar.

Sonnenaufgang – weiches und warmes Licht

06uhr59 Sonnenaufgang Licht im Tagesverlauf
06.59 Uhr – Sonnenaufgang verändert die Lichtstimmung stark

Die Sonne geht auf – die Goldene Stunde am Morgen beginnt. Das Blauanteil wird geringer, der Rot- und Gelbanteil nimmt zu. Das Sonnenlicht ist noch etwas diffus, die Schatten sind lang, die Farben weich.

Typisch:

  • warme Farbtöne (Gold, Orange)
  • ruhige Stimmung
  • geringe Kontraste
  • lange Schatten, gute Tiefenwirkung (Streiflicht)

Fototipp:

Ideales Licht für Landschafts- und Naturfotografie oder allgemein ruhige Szenen. Beziehen Sie die langen Schatten bewusst in die Bildgestaltung ein.

13 Minuten später

07uhr12 warmes Morgenlicht bei Sonnenaufgang
07.12 Uhr Warmes Morgenlicht dominiert

In dieser Phase fotografiere ich die Natur besonders gern. Die tief stehende Sonne sorgt für reizvolle Gegenlichtsituationen und lässt Blütenblätter leuchten. Hier ein Beispiel:

Mohn im warmen Licht der godenen Stunde
Mohn im warmen Licht der godenen Stunde, Nikon D750, Sigma f/2.8 70-200 mm, 200 mm KB, 1/500s, f/11, ISO 320, Stativ

Morgenlicht – klar und frisch

10uhr34 späterer Vormittag Licht im Verlauf des Tages
10.34 Uhr Das Licht am späteren Vormittag mit kleiner werdenden Schatten

Mit steigender Sonne wird das Licht neutraler und klarer, die Schatten werden kürzer. Die Farben wirken natürlicher und kommen gut zur Geltung.

Typisch:

  • klares, neutrales Licht
  • gute Durchzeichnung
  • frische Bildwirkung

Fototipp:

Gutes Licht für Street- oder Architekturfotografie sowie für Zoobesuche. Besonders die frühen Vormittagsstunden schätze ich für Natur- und Landschaftsaufnahmen – mit noch relativ tief stehender Sonne, längeren Schatten und satten Farben. Beachten Sie den Lichteinfall. Hier ein Beispiel:

tief stehende Morgensonne bringen Blüten zum Leuchten
Tief stehende Morgensonne bringt Blüten zum Leuchten, Nikon D750, Sigma f/2.8 105 mm Makro, 1/1000s, f/4, ISO 400

Mittagslicht – hart und kontrastreich

12uhr34 Maximaler Sonnenstand Fotografie
12.34 Uhr Beinahe maximaler Sonnenhöchststand mit kurzen, starken Schlagschatten

Zur Mittagszeit steht die Sonne hoch am Himmel. Das Licht wirkt hart,  erzeugt starke Kontraste und markante Schlagschatten. Die Farben erscheinen oft flau.

Typisch:

  • sehr starke Kontraste
  • hartes Licht
  • harte Schlagschatten direkt unter dem Motiv
  • geringe Tiefenwirkung
  • ausgebleichte Farben

Fototipp:

Die Mittagszeit sich vor allem für grafisch reduzierte Motive (Minimalismus, abstrakte Fotografie) oder für die Schwarzweiss-Fotografie, in der hohe Kontraste gut zur Geltung kommen. Hartes Licht wirkt anders als weiches.

starke Schlagschatten am Mittag
starke Schlagschatten am Mittag, Nikon D750, Sigma f/2.8 105 mm, 1/350s, f/6.7, ISO 800
Motividee Fotografieren in der Mittagszeit
Motividee Fotografieren in der Mittagszeit, Nikon D5300, f/3.5-5.6 18-105 mm, 22 mm KB, 1/125s, f/6.7, ISO 180, schwarzweiss

2 Stunden später mit intensiveren Farben

14uhr26 früherer Nachmittag im Tagesverlauf
14.26 Uhr Am früheren Nachmittag immer noch starke Schatten

Zwei Stunden später wirken die Farben bereits wieder etwas intensiver. Es entstehen jedoch weiterhin sehr kurze Schatten.

Nachmittag – wärmer und weicheres Licht

16uhr33 späterer Nachmittag mehr Schatten
16.33 Uhr Am späteren Nachmittag mit lebendigeren Farben

Im Verlauf des Nachmittags werden die Farben kräftiger, das Licht wärmer und die Schatten länger. Weitere zwei Stunden später nimmt die Farbintensität weiter zu; die längeren Schatten bringen Dynamik ins Bild. Diese Zeit eignet sich nun wieder gut zum Fotografieren.

Typisch:

  • leicht wärmere Farbtöne
  • ausgewogene Lichtverhältnisse
  • weichere Schatten

Fototipp:

Diese Phase eignet sich für viele Motivbereiche – von Portraits über Landschaftsfotografie bis zur Fotografieren im Zoo.

Späterer Nachmittag – kräftigere Farben, tiefer stehende Sonne

18uhr25 späterer Nachmittag Gegenlichtaufnahme
18.25 Uhr Späterer Nachmittag kurz vor der Goldenen Stunde

Die Sonne steht nun deutlich tiefer, die Schatten werden sehr lang. Bald beginnt die Goldene Stunde mit den im Tagesverlauf kräftigsten Farben.

Goldene Stunde – das Lieblingslicht der Fotografen

19uhr34 tief stehendes Licht im Tagesverlauf
19.34 Uhr Tief stehendes Licht und Goldene Stunde

Kurz vor Sonnenuntergang entsteht die berühmte Goldene Stunde mit besonders warmem, goldenem Licht. Es taucht die Landschaft in eine bezaubernde Atmosphäre.

Typisch:

  • intensives, warmes Licht
  • lange Schatten, starke Tiefenwirkung (Streiflicht)
  • angenehme, stimmungsvolle Wirkung

Fototipp:

Ideal für emotionale Bilder – von Portraits über Natur- zur Landschaftsfotografie.

Goldene Stunde bestes Licht im Tagesverlauf
Goldene Stunde: bestes Licht im Tagesverlauf, Huawei P20 Pro, 27 mm KB

Sonnenuntergang – dramatische Farben

20uhr24 letzte Sonnenstrahlen vor Sonnenuntergang
20.24 Uhr Letzte Sonnenstrahlen vor dem Sonnenuntergang

Wenn die Sonne untergeht, entstehen häufig eindrucksvolle Farbverläufe am Horizont – von diesem Standort aus allerdings nur eingeschränkt sichtbar.

Typisch:

  • intensive Rot-, Orange- und Violetttöne
  • dramatische Lichtstimmung
  • hohe visuelle Wirkung

Fototipp:

Belichten Sie auf den hellen Himmel und lassen Sie Motive vor der Sonne als schwarze Silhouetten stehen. So kommt der Farbverlauf besonders gut zur Geltung.

Sonnenuntergang mit farbenfroher Stimmung
Sonnenuntergang mit farbenfroher Stimmung, Nikon D750, Tamron f/2.8 15-30 mm, 15 mm KB, 1/60s, f/16, ISO 100

Blaue Stunde – kühles und gleichmässiges Licht

20uhr47 blaue Stunde am Abend
20.47 Uhr Blaue Stunde am Abend zeigt stark veränderte Lichtstimmung

Die Blaue Stunde zwischen Sonnenuntergang und Nacht bringt eine ideale Kombination aus kühlem Restlicht (available Light) und warmem Kunstlicht.

Typisch:

  • blaue Farbtöne (allenfalls kombiniert mit warmem Kunstlicht)
  • kaum Schatten
  • ruhige Atmosphäre
  • diffuses, gleichmässiges Licht
  • sehr schnell wechselnde Lichtverhältnisse

Fototipp:

Kombinieren Sie das blaue Umgebungslicht mit künstlichen Beleuchtungen von Gebäuden, Häuserzeilen, Kunstwerken. In Mitteleuropa dauert die Blaue Stunde etwa 30 Minuten; die Lichtverhältnisse ändern sehr schnell. Den optimalen Zeitpunkt ist abhängig von Motiv und Beleuchtung . Eine Serie in Abständen von 3-5 Minuten hilft, später die beste Kombination aus Himmel und beleuchteten Objekten auszuwählen.

Blaue Stunde in Ascona
Blaue Stunde in Ascona, Nikon D750, Tamron f/2.8 24-70 mm, 24 mm KB, 30s, f/11, ISO 400, Stativ

Nacht, künstliches Licht übernimmt

21uhr51 Nachtaufnahme Licht im Verlauf des Tages
21.51 Uhr Es ist Nacht mit leichtem Blauanteil am Himmel

Es ist Nacht. Ein Restblau ist am Himmel zu sehen, doch das künstliche Licht von Fenstern, Strassenlaternen und Fahrzeugen dominiert die Szene.

Typisch:

  • starke Kontraste zwischen Licht und Dunkelheit
  • markante Lichtakzente
  • Kunstlicht mit meist wärmerem Farbton

Fototipp:

Nutzen Sie ein Stativ und experimentieren Sie mit unterschiedlich langen Belichtungszeiten für kreative Effekte (Lichtspuren, sternenförmige Lichtquellen, sanfte Wasseroberflächen).

Nachtaufnahme Kirche Magadino TI
Nachtaufnahme Kirche Magadino TI, Nikon D7000, Nikkor f/3.5-5.6 18-105 mm, 27 mm KB, 30s, f/22, ISO 100, Stativ

Bedeckter Himmel – weiches, diffuses Licht

Auch ohne sichtbare Sonnen bietet ein bewölkter Himmel spannende Lichtverhältnisse. Die Wolkendecke wirkt wie ein natürlicher Diffusor und sorgt für besonders gleichmässiges, weiches Licht.

Typisch:

  • sehr weiches, schattenarmes Licht
  • kaum Kontraste
  • gute Ausleuchtung von Details
  • kühle bis neutrale Farbtöne

Fototipp:

Ideal für Portraits, Makro- und Detailaufnahmen, da keine harten Schatten entstehen. Farben wirken etwas gedämpfter – das lässt sich gezielt für ruhige, minimalistische Bildstimmungen nutzen. Auch in einem Tierpark oder Zoo sind die Bedingungen ideal, um Tiere abzulichten.

Licht bei bedecktem Himmel mit Herbstmotiv
Licht bei bedecktem Himmel mit Herbstmotiv, Nikon D750, Tamron f/1.8 35 mm, 1/90s, f/8, ISO 100
Bedeckter Himmel als Softbox für gleichmässiges Licht
Bedeckter Himmel als Softbox für gleichmässiges Licht, Nikon D5600, Nikkor f/2.8 10.5 mm Fisheye , 15 mm KB, 1/60, f/6.7, ISO 100

Fazit: Licht bewusst nutzen

Die 13 Bilder zeigen deutlich: Licht verändert im Tagesverlauf nicht nur die Helligkeit eines Motivs, sondern seine gesamte Wirkung.

Wer versteht, wie sich Licht im Laufe des Tages verhält, kann gezielt bessere Fotos machen – ganz ohne neue Ausrüstung, allein durch besseres Timing.

Häufige Fragen (FAQ)

Wann ist das beste Licht zum Fotografieren?

Die Goldene Stunde gilt für viele Motivbereiche als ideal, weil das Licht warm und weich ist.

Warum ist Mittagslicht oft ungeeignet?

Weil es sehr harte Schatten und starke Kontraste erzeugt, die Details zerstören können. Die Tiefenwirkung leidet durch die kurzen Schatten.

Soll ich über die Mittagszeit überhaupt nicht fotografieren?

Die Schwarzweiss-Fotografie eignet sich wegen der starken Kontraste des Mittagslichtes gut – insbesondere, wenn Sie Schatten bewusst einbeziehen.

Was ist die Blaue Stunde?

Die Zeit kurz vor dem Sonnenaufgang oder kurz nach dem Sonnenuntergang mit kühlem, gleichmässigen Licht.

Was ist die Goldene Stunde?

Die Zeit kurz nach Sonnenaufgang und kurz vor Sonnenuntergang, wenn die Umgebung in warmes, weiches Licht getaucht wird.

Muss ich zu bestimmten Zeiten fotografieren?

Nein – aber wenn Sie Licht gezielt einsetzen, können Sie die Bildwirkung eines Motivs deutlich verbessern.

Wie verändert sich die Lichtstimmung im Verlauf des Jahres?

Im Winter steht die Sonne deutlich tiefer; oft eignet sich sogar die Mittagssonne gut zum Fotografieren. In den Wochen vor und nach dem 20. Juni steht die Sonne extrem hoch, und das “ungünstige Mittagszeitfenster” dehnt sich bis zu drei bis vier Stunden aus. Mit der App “PhotoPills” können Sie den Sonnenstand zu jeder Tages- und Jahreszeit ermitteln.

Hinweise zur Bildserie

Alle Fotos in diesem Beitrag wurden vom selben Standort aufgenommen – zu unterschiedlichen Zeiten innerhalb eines Tages Anfang April (Sommerzeit). So wird der Einfluss von Lichts und Tageszeit besonders deutlich sichtbar.

Seitencode: dt557