Lightroom

DNG-Format verwenden

Fachhochschule St. Gallen, Nikon D5300, Tokina f/2.8 11-16mm, 18mm KB, 1/180s, f/16, ISO100

Fachhochschule St. Gallen

Soll ich für meine RAW-Fotos das DNG-Format verwenden? Möchten Sie RAW-Fotos in DNG umwandeln? Lohnt sich der Arbeitsprozess und mit welchen Vor- und Nachteilen müssen Sie rechnen? Ich habe es für Sie ausprobiert:

Fotografieren Sie auch schon im RAW-Format? Wenn nein, müssen Sie sich die Vorteile einmal auf der Zunge zergehen lassen: In unserem Artikel Warum RAW-Format? zeige ich Ihnen, was RAW alles kann.

Die RAW-Dateien (Rohdateien) liegen in unterschiedlichen, kameraeigenen Formaten wie ARW (Sony), NEF (Nikon), (Canon) etc. vor. Diese Dateien enthalten die Informationen jedes einzelnen Pixels und werden erst in einem RAW-Konverter zu einem sichtbaren Bild zusammengerechnet. Adobe Lightroom (aber Kamerakonverter, CameraRAW usw.) ermöglicht es, das Bild in vielerlei Hinsicht zu optimieren – und das verlustfrei und jederzeit umkehrbar.

Die RAW-Dateien meiner Nikon D5300 mit einer Sensorauflösung von 24 MP sind etwa 24 MB gross. Würde ich diese Datei im DNG-Format verwenden (mit verlustreicher Komprimierung), habe ich immer noch die gleichen Vorteile eines RAW-Formates, aber eine bis zu 70% kleinere Dateigrösse. Das macht sich nicht nur auf der Festplatte und den Speicherträgern der Sicherungskopien positiv bemerkbar, auch die Ladezeiten im Entwickeln-Modul von Lightroom sind deutlich geringer.





Zum Vergleich habe ich ein und dasselbe Bild die unterschiedlichen Formate konvertiert und für Sie zusammengestellt:

Dateigrössenvergleiche RAW-, DNG-; JPG-Formate
Dateigrössenvergleiche RAW-, DNG-; JPG-Formate

DNG-Format verwenden und RAW-Fotos umwandlen?

Lange habe ich mich nicht getraut, meine teuren RAW-Originaldateien zu komprimieren, weil ich dachte, dass eine kleinere Datenmenge auch einen Verlust der Qualität zur Folge haben würde. Zahlreiche selbst durchgeführte Vergleiche gaben mir aber die Sicherheit, dass die Unterschiede so gering sind, dass es für mich keinen Grund gibt, die grossen RAW-Dateien zu behalten. Auf kleinere Nachteile gehe ich später noch ein.

Adobe hat mit dem DNG-Format eine lohnenswerte Alternative für Ihre RAW-Dateien entwickelt: Das verlustreiche DNG-Format (ein etwas schlecht gewählter Begriff, wie Sie später sehen werden) bietet Ihnen sämtliche Vorteile einer RAW-Datei, komprimiert aber die grosse RAW-Datei von 24 MB auf 8-10 MB. Und das ohne nennenswerte Qualitätseinbussen. Sie behalten mit der DNG-Datei Ihr digitales Negativ.

RAW-
Original­bild
DNG-
verlust­frei
DNG-
verlust­reich
JPG 100%
Dateigrösse: 21.2 MB 16.1 MB 7.6 MB 5.7 MB
Farbtiefe: 12 bit 12 bit 12 bit 8 bit
Farbwerte pro Kanal: 4096 4096 4096 256
verlustfreie Bearbeitung: Ja Ja Ja Nein




Vergleiche Original-Bilder und DNG-Formate

Mit dem verlustfreien DNG-Format erreichen Sie die genau gleiche Bildqualität wie beim Original-Kameraformat. Ich konnte auch bei 4-facher Vergrösserung keine Unterschiede feststellen.

4fache Vergrösserung (4:1) wäre, als wenn Sie vor einem 4.8m breiten Bildschirm mit 30cm Sichtabstand ein Bild betrachten würden. Sie werden mit mir einig sein, dass dies kaum alltagsrelevant sein wird.

Die beiden Printscreens zeigen im JPG-Format nicht die detailreichen Ansichten eines Rohformates. Trotzdem ist ein Vergleich noch interessant: Klicken Sie eines der beiden Vorschaubilder an und switchen Sie mit der Pfeiltaste hin und her. Rechts ist jeweils das DNG-Format (einmal verlustfrei, einmal verlustreich komprimiert), links das originale Kameraformat.

1:1-Ansicht-Original links - rechts verlustfrei DNG
1:1-Ansicht-Original links – rechts verlustfrei DNG
1:1-Ansicht-Original links - rechts verlustreich DNG
1:1-Ansicht-Original links – rechts verlustreich DNG

Die Unterschiede zwischen den beiden Formaten (verlustfreies und verlustreiches DNG) sind je nach Bild kleiner oder etwas grösser – aber immer noch vernachlässigbar. Beim Bild mit der Fassade eines Hochhauses zeigt sich bei der verlustreichen DNG-Konvertierung eine minim grobere Körnung im Bereich der Betonelemente. Aber auch hier sind es – wenn Sie durch Klick auf die Vorschaubildchen die Grossansicht aktivieren – 1:1-Ausschnitte aus einem Bild von effektiv 1.2 Metern Seitenlänge! Ein Unterschied so klein, dass er keine dreifach so grosse Dateimenge rechtfertigt.

4:1-Ansicht RAW-Datei- verlustfrei DNG-Format verwenden
4:1-Ansicht RAW-Datei- verlustfrei DNG
4:1-Ansicht RAW-Datei links - verlustreich DNG rechts
4:1-Ansicht RAW-Datei links – verlustreich DNG rechts – DNG-Format verwenden

Mit dem verlustreichen DNG-Format bekommen Sie nicht nur kleinere Dateien und benötigen weniger Sicherungsplatz, auch das Tempo beim Arbeiten mit den Bildern macht sich positiv bemerkbar: Eine verlustreich komprimierte DNG-Datei öffnet rund 25% schneller wie die originale NEF-Datei.

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Bei der verlustfreien DNG-Komprimierung wird die Datei ca. 10-15% kleiner, Unterschiede sehen Sie auch in der 4:1-Ansicht gegenüber dem RAW-Format nicht, weil Pixel für Pixel gleich abgespeichert wird.

Fazit:

Ich empfehle Ihnen, für Ihre RAW-Dateien das verlustreiche DNG-Format zu verwenden. Der Platz- und Zeitgewinn bei der Verarbeitung ist derart gross, dass die zum Teil kaum sichtbaren Qualitätseinbussen vernachlässigbar sind. In einem JPG-Bild sind sie erst bei riesiger Vergrösserung nachweisbar.

Vorteile beim DNG-Format verwenden:

  • Rohdaten-Format von Fotos, welches sich für die Archivierung gut eignet (digitales Negativ)
  • Verlustfreie Bearbeitung, Optimierung in der digitalen Dunkelkammer (Beispiel: Adobe Lightroom)
  • Speicherplatz sparen durch deutlich kleinere Dateigrössen (60 bis 80% beim verlustreichen DNG-Format)
  • offen dokumentierte Dateistruktur
  • Weitergabe an andere Personen leichter, weil Änderung am Original in der eingebetteten META-Datei protokolliert ist.
  • META-Dateien sind eingebettet und nicht in separater XMP-Datei vorhanden

Nachteile des DNG-Formates:

  • Sie können die Dateien je nach Auswahl der Speichermöglichkeiten nicht mehr in Ihrem kameraspezifischen Konverter bearbeiten.
  • Für Fotowettbewerbe wird oft das Originalformat verlangt, weil damit die Urheberschaft zweifelsfrei nachweisbar ist.
  • Beim verlustreichen DNG-Komprimierungsformat – welches wirklich Spiecherplatz sparen lässt – können bei der 1:1-Ansicht minime Unterschiede ausgemacht werden, die aber in einem JPG-Bild kaum sichtbar sind. Erst in der 4:1-Ansicht sind Artefakte der Komprimierung sichtbar.
  • Die Vergrösserung von 4:1 ist aber für den normalen Fotografen nicht relevant.
  • Kameraspezifische Daten (Autofokuspunkt, Motivprogramm etc.) werden nicht ins DNG-Format integriert, können aber auch nur im kameraspezifischen Konverter ausgelesen werden.

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» Anleitung DNG-Konvertierung in Lightroom

» Was ist das RAW-Format?





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