Die Blende gehört zu den wichtigsten Gestaltungsmitteln in der Fotografie. Mit der Wahl der Blendenöffnung steuern Sie nicht nur die Lichtmenge, die auf den Bildsensor trifft, sondern auch die Schärfentiefe Ihrer Bilder.

Die Blende reguliert die Lichtmenge, die durch das Objektiv auf den Bildsensor fällt. Eine grosse Blendenöffnung (kleine Blendenzahl wie f/1.8) erzeugt geringe Schärfentiefe und unscharfen Hintergrund. Eine kleine Blendenöffnung (grosse Blendenzahl wie f/11) sorgt für grosse Schärfentiefe und mehr Bildbereiche in Fokus.

Gerade beim Einstieg in die Fotografie sorgt die Blende oft für Verwirrung: Kleine Zahl = grosse Öffnung, grosse Zahl = kleine Öffnung. Sobald Sie dieses Prinzip verstanden haben, können Sie Ihre Bilder jedoch gezielt gestalten – statt die Kamera alles automatisch entscheiden zu lassen.

Was ist die Blende?

Mit Blende – Englisch Aperture – bezeichnet man die variable Öffnung im Objektiv, welche die Lichtmenge reguliert, die auf den Bildsensor fällt. Die Grösse der Öffnung wird mit der Blendenzahl angegeben, zum Beispiel f/1.8, f/4 oder f/11.

Eine grosse Blendenöffnung lässt viel Licht auf den Sensor und erzeugt geringe Schärfentiefe. Eine kleine Blendenöffnung reduziert die Lichtmenge und sorgt für mehr Schärfentiefe.

Besonders in der Landschaftsfotografie oder Architekturfotografie spielt die Blende eine zentrale Rolle.

Wald im Hudelmoos mit geringer Schärfentiefe durch offene Blende f/1.8
Wald im Gegenlicht, Nikon D750, Tamron f/1.8 35 mm, 1/125 s, f/1.8, ISO 400

Fotografieren im Wald

Die Blende im Belichtungsdreieck

Drei Faktoren bestimmen die Belichtung eines Bildes:

Diese drei Werte bilden zusammen das Belichtungsdreieck. Verändern Sie einen Wert, müssen Sie mindestens einen der anderen anpassen.

Die Blende funktioniert ähnlich wie die Pupille des menschlichen Auges: Bei wenig Licht öffnet sie sich stärker, bei viel Licht schliesst sie sich.

Ich persönlich fotografiere meistens mit der Zeitautomatik A/Av. So kann ich die gewünschte Schärfentiefe direkt über die Blende steuern, während die Kamera automatisch die passende Verschlusszeit berechnet.

Blendenwerte und Blendenzahlen erklärt

Die Blendenöffnung wird mit Zahlenwerten angegeben:

f/1.0 – f/1.4 – f/2 – f/2.8 – f/4 – f/5.6 – f/8 – f/11 – f/16 – f/22

Je kleiner die Zahl, desto grösser die Öffnung und desto mehr Licht gelangt auf den Sensor.

Wichtig: Blende f/2.8 lässt doppelt so viel Licht auf den Sensor wie Blende f/4.

Grafik zu Blendenöffnungen und Blendenzahlen in der Fotografie
Grafik Blendenöffnungen

Die ungewöhnlichen Zahlen entstehen mathematisch durch die Multiplikation mit der Wurzel aus zwei. Dadurch verdoppelt oder halbiert sich die Lichtmenge bei jedem ganzen Blendenwert.

Moderne Kameras erlauben meist Drittel- oder Halb-Blendenstufen.

Schärfentiefe und Blendenöffnung

Die Blende beeinflusst direkt die Schärfentiefe eines Bildes.

  • Grosse Blendenöffnung (kleine Zahl wie f/1.8) → geringe Schärfentiefe
  • Kleine Blendenöffnung (grosse Zahl wie f/11) → grosse Schärfentiefe

Für Portraits eignet sich häufig eine offene Blende, damit sich das Motiv vom Hintergrund abhebt. Für Landschaftsaufnahmen wird dagegen oft mit f/8 bis f/16 gearbeitet.

Nebelstimmung in Mörschwil mit grosser Schärfentiefe bei Blende f/11
Nebelstimmung in Mörschwil, Nikon D5300, Tokina f/2.8 11–16 mm, 16 mm KB, 1/750 s, f/11, ISO 100

Die Schärfentiefe hängt jedoch nicht nur von der Blende ab, sondern auch von:

  • Brennweite
  • Sensorgrösse
  • Abstand zum Motiv
  • Distanz zwischen Vorder- und Hintergrund

Für maximale Schärfentiefe ist die hyperfokale Distanz hilfreich.

Beugungsunschärfe und Sweet Spot

Viele Fotografinnen und Fotografen glauben, dass Bilder mit maximal geschlossener Blende automatisch schärfer werden. Das stimmt nur bedingt.

Je stärker die Blende geschlossen wird, desto mehr macht sich die sogenannte Beugungsunschärfe bemerkbar.

Deshalb liefern viele Objektive ihre beste Schärfeleistung nicht bei Offenblende und auch nicht bei maximal geschlossener Blende, sondern irgendwo dazwischen – im sogenannten Sweet Spot.

Aus meiner Erfahrung liegt dieser Bereich bei vielen Objektiven ungefähr zwischen f/5.6 und f/11.

Testen Sie Ihre Objektive am besten selber mit einer kleinen Bildreihe.

Lichtstärke und Offenblende

Die maximale Blendenöffnung eines Objektivs bezeichnet man als Offenblende.

Ein lichtstarkes Objektiv mit f/1.4 oder f/1.8 ermöglicht:

  • Fotografieren bei wenig Licht
  • kürzere Verschlusszeiten
  • geringe Schärfentiefe
  • starken Hintergrund-Unschärfeeffekt

Lichtstärke an Objektiven erklärt

Bokeh-Effekt und kreative Unschärfe

Mit grossen Blendenöffnungen lassen sich schöne Unschärfen und sogenannte Bokeh-Effekte erzeugen.

Besonders Spitzlichter im Hintergrund verwandeln sich dabei in weiche Lichtkreise.

Bokeh-Effekt mit Spitzlichtern und grosser Blendenöffnung f/4
Gras mit Spitzlichtern, Nikon D5300, Sigma f/2.8 70–200 mm, 300 mm KB, 1/500 s, f/4, ISO 100

Bokeh-Effekt erklärt

Zeitautomatik und Praxis

Wenn Sie die Kontrolle über die Blende übernehmen möchten, eignet sich die Zeitautomatik A/Av ideal.

Sie wählen die Blende manuell und die Kamera bestimmt automatisch die passende Verschlusszeit.

Ich fotografiere fast immer so – besonders bei Landschaften, Naturmotiven und Architektur. Zusätzlich arbeite ich häufig mit ISO-Automatik, damit die Verschlusszeit bei schlechtem Licht nicht zu lang wird.

Petflaschen in einer Gasse mit Blende f/2.8 und geringer Schärfentiefe
Petflaschen in einer Gasse, Nikon D750, Sigma f/2.8 70–200 mm, 200 mm KB, 1/350 s, f/2.8, ISO 280

Workshop Blende – selber ausprobieren

Die Wirkung unterschiedlicher Blendenwerte versteht man am besten in der Praxis.

Geeignete Motive

  • Waldwege
  • Blumenwiesen
  • Portraits
  • Schaufenster

Übung

  • Fotografieren Sie dasselbe Motiv mit unterschiedlichen Blendenwerten.
  • Vergleichen Sie die Schärfentiefe im Hintergrund.
  • Achten Sie darauf, wie sich die Verschlusszeit verändert.
  • Testen Sie zusätzlich unterschiedliche Distanzen zum Motiv.
grosse Blende mit Schaufenstersicht und geringer Schärfentiefe
grosse Blendenöffnung: Schaufenstersicht: Nikon D7000, Nikkor f/1.8 35 mm, 52 mm KB, 1/180 s, f/1.8, ISO 100

Wenn Sie häufiger bewusst mit unterschiedlichen Blenden fotografieren, entwickeln Sie schnell ein Gefühl dafür, welcher Blendenwert zu welcher Bildidee passt.

Häufige Fragen zur Blende

Was bedeutet eine kleine Blendenzahl?

Eine kleine Blendenzahl wie f/1.8 bedeutet eine grosse Blendenöffnung. Dadurch gelangt viel Licht auf den Sensor und die Schärfentiefe wird gering.

Welche Blende eignet sich für Landschaftsfotografie?

Für Landschaftsaufnahmen werden häufig Blendenwerte zwischen f/8 und f/11 verwendet, um möglichst grosse Schärfentiefe zu erreichen.

Welche Blende eignet sich für Portraits?

Portraits werden oft mit offener Blende wie f/1.8 oder f/2.8 fotografiert, damit der Hintergrund unscharf wird.

Was ist die Offenblende?

Die Offenblende ist die grösstmögliche Blendenöffnung eines Objektivs. Sie wird durch die kleinste Blendenzahl dargestellt.

Warum werden Bilder bei sehr kleiner Blende manchmal unscharf?

Durch die sogenannte Beugungsunschärfe kann die Bildschärfe bei stark geschlossener Blende abnehmen.

Welche Kameraeinstellung eignet sich zum Lernen der Blende?

Sehr gut eignet sich die Zeitautomatik A/Av, weil Sie dabei die Blende selber wählen und die Kamera automatisch die passende Verschlusszeit berechnet.

Das könnte Sie ebenfalls interessieren

Seitencode: dt554