Am Weihnachtsmarkt fotografieren macht besonders viel Freude: Leuchtende Dekorationen, Kerzen, Weihnachtskugeln und Lichterketten bieten unzählige stimmungsvolle Fotomotive. Gleichzeitig ist das Fotografieren am Weihnachtsmarkt wegen des schwachen Lichts und der vielen Menschen eine Herausforderung.

Ich zeige Ihnen anhand eigener Aufnahmen, welche Kameraeinstellungen sich bewährt haben, welche Objektive sich eignen und wie Sie auch ohne Stativ schöne Weihnachtsmarkt-Fotos aufnehmen. Viele dieser Bilder können Sie später für persönliche Weihnachtskarten verwenden.

Kameraeinstellungen für den Weihnachtsmarkt

Auf Weihnachtsmärkten ist es häufig dunkel. Gerade das warme Licht der Verkaufsstände und Dekorationen macht aber die besondere Atmosphäre aus. Wichtig ist deshalb, die vorhandene Lichtstimmung zu erhalten und gleichzeitig Verwacklungen zu vermeiden.

Ein Stativ ist im Gedränge oft unpraktisch. Deshalb fotografiere ich viele Motive aus der Hand und passe die Kameraeinstellungen an die Lichtverhältnisse an.

Empfohlene Kameraeinstellungen im Überblick

Einstellung Empfehlung als Ausgangspunkt
Aufnahmemodus A/Av (Zeitautomatik) oder M (manuell), je nach Erfahrung
Blende f/1.8 bis f/2.8 bei wenig Licht und für eine geringe Schärfentiefe; f/5.6 bis f/8 für mehr Schärfentiefe
Verschlusszeit Etwa 1/60 bis 1/125 s für ruhige Motive aus der Hand; bei Bewegung möglichst kürzer
ISO ISO-Automatik oder beispielsweise ISO 800 bis 3200, abhängig von Kamera und Licht
Weissabgleich Automatisch oder Tageslicht für eine bewusst warme Lichtstimmung
Bildstabilisator Bei Aufnahmen aus der Hand einschalten, sofern vorhanden
Blitz Möglichst ausschalten, um die vorhandene Lichtstimmung zu bewahren
Dateiformat RAW, um Belichtung und Weissabgleich später flexibel anzupassen

Wichtig: Diese Werte sind Ausgangspunkte. Die passende Verschlusszeit hängt auch von der Brennweite, der Bewegung des Motivs und Ihrer Kamerahaltung ab. Kontrollieren Sie Ihre Aufnahmen und passen Sie die Einstellungen bei Bedarf an.

Ohne Stativ am Weihnachtsmarkt fotografieren

Sie können natürlich ein Stativ mitnehmen. Auf einem gut besuchten Weihnachtsmarkt rate ich davon jedoch ab: Ein Dreibeinstativ benötigt viel Platz und kann andere Besucher behindern. Auch ein Einbeinstativ ist in der Menschenmenge nicht immer praktisch.

Ich erhöhe deshalb bei Bedarf den ISO-Wert oder verwende die ISO-Automatik. Dadurch entsteht zwar möglicherweise mehr Bildrauschen, aber eine scharfe Aufnahme mit etwas Rauschen ist häufig besser als ein verwackeltes Bild. Zudem kann eine leicht körnige Bildwirkung durchaus zur Weihnachtsstimmung passen.

Hilfreich ist ein Objektiv mit Bildstabilisator. Dieser gleicht Kamerabewegungen aus und ermöglicht unter günstigen Bedingungen längere Verschlusszeiten. Mit meinem Sigma f/2.8 70–200 mm kann ich bei 200 mm Brennweite beispielsweise noch mit 1/30 s fotografieren. Das ist allerdings keine allgemein gültige Einstellung und funktioniert vor allem bei unbewegten Motiven.

Wenn genügend Platz vorhanden ist und Sie eine ruhige Szene fotografieren möchten, kann ein Stativ trotzdem sinnvoll sein. Zwei meiner hier gezeigten Aufnahmen entstanden mit Stativ und Spiegelvorauslösung.

Welches Objektiv eignet sich für Weihnachtsmärkte?

Ein einziges ideales Objektiv gibt es nicht. Entscheidend ist, ob Sie ganze Marktstände, Menschen, Dekorationen oder kleine Details fotografieren möchten.

Lichtstarke Festbrennweiten

Festbrennweiten sind häufig besonders lichtstark. Mit einem 50-mm-Objektiv bei f/1.8 gelangt bei gleicher Verschlusszeit ungefähr 2,4-mal so viel Licht auf den Sensor wie bei Blende f/2.8.

Damit können Sie bei wenig Licht eine kürzere Verschlusszeit oder einen niedrigeren ISO-Wert verwenden. Eine grosse Blendenöffnung eignet sich ausserdem hervorragend, um ein Motiv vor einem unscharfen Hintergrund hervorzuheben.

Zoom- und Makroobjektive für Details

Viele meiner Aufnahmen an Weihnachtsmärkten sind mit einem Makroobjektiv entstanden: mit einem Nikkor Micro f/3.5 85 mm oder dem Sigma Makro f/2.8 105 mm.

Damit kann ich kleine Motive aus etwas grösserer Entfernung fotografieren und gezielt mit einer geringen Schärfentiefe arbeiten. Besonders schön sind die malerischen Unschärfekreise im Hintergrund – das sogenannte Bokeh.

Ein Zoomobjektiv ist dagegen praktisch, wenn Sie zwischen Übersichtsaufnahmen und einzelnen Details wechseln möchten, ohne ständig das Objektiv zu tauschen.

Weihnachtsmarkt-Motive entdecken und gestalten

Am Weihnachtsmarkt lohnt es sich, nicht einfach draufloszufotografieren. Bleiben Sie zwischendurch stehen, beobachten Sie die Umgebung und achten Sie bewusst auf interessante Motive, Lichtstimmungen und Hintergründe. Wechseln Sie anschliessend den Standort, um unterschiedliche Perspektiven auszuprobieren.

Details und Perspektiven bewusst auswählen

  • Früh zum Weihnachtsmarkt gehen: Bei weniger Andrang haben Sie mehr Platz und können ungestört fotografieren.
  • Auf Details achten: Laternen, Dekorationen, Kerzen, kleine Feuerstellen, Weihnachtsbäume und Weihnachtskugeln sind dankbare Motive.
  • Den Standort wechseln: Umrunden Sie ein Motiv und suchen Sie nach einer interessanten Perspektive und einem passenden Bildausschnitt.
  • Den Hintergrund kontrollieren: Achten Sie auf störende Gegenstände, grelle Farben oder Personen, die vom Hauptmotiv ablenken.
  • Mit der Schärfentiefe spielen: Mit einer grossen Blendenöffnung, beispielsweise f/2.8, wird die Schärfentiefe gering. Das Hauptmotiv hebt sich vom Hintergrund ab.
  • Auf Blitzlicht verzichten: Direktes Blitzlicht kann die warme Lichtstimmung zerstören und harte Schatten erzeugen.
  • An die Kälte denken: Warme Kleider, Mütze und Handschuhe gehören zur Ausrüstung. Nehmen Sie auch einen Ersatzakku mit, denn bei Kälte kann die Akkuleistung nachlassen.

Besonders bei geschäftigem Marktbetrieb helfen Ihnen auch die Tipps zur Schnappschussfotografie.

Bildrauschen und Bildwirkung

Bei wenig Licht lässt sich ein höherer ISO-Wert nicht immer vermeiden. Moderne Kameras bieten dabei häufig eine gute Bildqualität. Fotografieren Sie nach Möglichkeit im RAW-Format, damit Sie bei der Bearbeitung mehr Spielraum haben.

Störendes Bildrauschen lässt sich beispielsweise mit der KI-Rauschreduzierung in Lightroom verringern.

» Bildrauschen mit KI in Lightroom entfernen

Fotobeispiele vom Weihnachtsmarkt

Die folgenden Aufnahmen zeigen, wie unterschiedlich sich Weihnachtsmarkt-Motive gestalten lassen. Achten Sie besonders auf die verwendeten Blenden, Verschlusszeiten und ISO-Werte.

Leuchtende Dekorationen und Bokeh

Leuchtende Schneeflocken und Weihnachtsbäume sind schöne Motive. Je nach Fokus und Blendenöffnung können die Lichter scharf oder bewusst unscharf erscheinen.

Leuchtende Schneeflocken-Dekoration am Weihnachtsmarkt bei wenig Licht
Leuchtschneeflocke am Weihnachtsmarkt, Nikon D7000, Nikkor f/3.5–5.6 18–105 mm, 120 mm KB, 1/60 s, f/10, ISO 1250
Bewusst unscharf fotografierter Weihnachtsbaum mit stimmungsvollen Bokeh-Lichtern
Weihnachtsbaum mit Bokeh-Effekt, Nikon D5300, Sigma f/2.8–4 17–70 mm, 36 mm KB, 1/30 s, f/3.3, ISO 1600

Kerzen und Weihnachtskugeln fotografieren

Eine brennende Kerze lässt sich mit einer grösseren Blendenöffnung gut vom Hintergrund abheben. Weihnachtskugeln bieten reizvolle Spiegelungen und eignen sich für detailreiche Nahaufnahmen.

Brennende Dekorationskerze am Weihnachtsmarkt mit warmem Kerzenlicht
brennende Dekorationskerze, Nikon D5300, Nikkor Micro f/3.5 85 mm, 127 mm KB, 1/90 s, f/3.8, ISO 800
Weihnachtskugeln am Weihnachtsmarkt als Detailaufnahme mit unscharfem Hintergrund
Weihnachtskugeln, Nikon D5300, Sigma f/2.8 105 mm Makro, 157 mm KB, 0.5 s, f/3.3, ISO 100, Stativ, Spiegelvorauslösung

Weitere Motive und ungewöhnliche Perspektiven

Auch kleine Dekorationen, handwerkliche Details und besondere Bildwirkungen sind lohnende Fotomotive. Die folgenden Beispiele zeigen, wie abwechslungsreich Weihnachtsmärkte fotografisch sein können.

Leuchtende Sternengläser am Weihnachtsmarkt bei einer Langzeitbelichtung
Sternengläser – Fotografieren am Weihnachtsmarkt, Nikon D5300, Sigma Makro f/2.8 105 mm, 157 mm KB, 2 s, f/13, ISO 100, Stativ, Spiegelvorauslösung
Schmiedeeiserne Dekoration am Weihnachtsmarkt als ungewöhnliches Fotomotiv
Schmiedeisen, Nikon D7000, Nikkor f/3.5–5.6 18–105 mm, 157 mm KB, 1/800 s, f/7.1, ISO 4000
Retro-Engel als stimmungsvolles Fotomotiv in der St. Galler Altstadt
Retro Engel in St. Galler Altstadt, RetroCamera-app, The little Orange Box

Weihnachtsmarkt mit dem Smartphone fotografieren

Auch mit einem Smartphone lassen sich stimmungsvolle Weihnachtsmarkt-Fotos aufnehmen. Besonders wichtig ist, dass Sie die vorhandene Beleuchtung nicht durch einen Blitz überdecken.

  • Blitz ausschalten: Nutzen Sie das warme Licht der Marktstände und Dekorationen.
  • Belichtung anpassen: Tippen Sie auf das Hauptmotiv und reduzieren Sie bei Bedarf die Helligkeit, damit Lichterketten und andere helle Bereiche nicht vollständig überstrahlen.
  • Smartphone ruhig halten: Stützen Sie die Hände ab oder lehnen Sie sich an eine feste Unterlage.
  • Nachtmodus ausprobieren: Er eignet sich vor allem für ruhige Motive. Bei bewegten Personen können Unschärfen entstehen.
  • Details fotografieren: Kerzen, Weihnachtskugeln und beleuchtete Dekorationen wirken oft interessanter als unruhige Übersichtsaufnahmen.

Weitere Ideen für Weihnachtsfotos

Wenn Sie gerne stimmungsvolle Lichtaufnahmen machen, finden Sie in meinem Artikel Kerzenlicht fotografieren weitere Tipps zu Blende, Verschlusszeit, Weissabgleich und Bokeh.

Weitere Anregungen und einen praktischen Fotoaufbau finden Sie auf der Übersichtsseite Weihnachtsmotive fotografieren – Ideen und Kameraeinstellungen.

Möchten Sie aus Ihren Aufnahmen persönliche Weihnachtskarten gestalten? Dann lesen Sie auch meinen Beitrag Fotokarten selber drucken.

Häufige Fragen zum Fotografieren am Weihnachtsmarkt

Welche Kameraeinstellungen eignen sich für Weihnachtsmärkte?

Beginnen Sie beispielsweise mit einer grossen Blendenöffnung wie f/2.8, einer Verschlusszeit von 1/125 s und ISO-Automatik. Kontrollieren Sie anschliessend, ob die Aufnahme ausreichend hell und scharf ist. Bei unbewegten Motiven können auch längere Verschlusszeiten möglich sein.

Welches Objektiv ist für Weihnachtsmärkte am besten?

Ein lichtstarkes Objektiv, beispielsweise eine Festbrennweite mit f/1.8, eignet sich besonders gut bei wenig Licht. Ein Zoomobjektiv bietet mehr Flexibilität. Für Details und kleine Dekorationen verwende ich gerne ein Makroobjektiv.

Kann ich einen Weihnachtsmarkt ohne Stativ fotografieren?

Ja. Verwenden Sie bei Bedarf einen höheren ISO-Wert, ein lichtstarkes Objektiv und einen Bildstabilisator. Achten Sie auf eine ausreichend kurze Verschlusszeit, besonders wenn sich Personen im Bild bewegen.

Wie fotografiere ich Lichterketten und Weihnachtsbeleuchtung?

Fotografieren Sie möglichst ohne Blitz und achten Sie darauf, dass helle Lichtquellen nicht vollständig überstrahlen. Für weiche Bokeh-Kreise wählen Sie eine grosse Blendenöffnung und einen passenden Abstand zwischen Hauptmotiv und Hintergrund.

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