Unscharfe Fotos entstehen oft nicht wegen einer schlechten Kamera, sondern wegen des falschen Autofokusmodus. Moderne Kameras bieten heute zahlreiche Fokus-Einstellungen wie AF-S, AF-C, Augen-Autofokus oder Motivtracking. Doch welcher Autofokus eignet sich fĂĽr Landschaften, Portraits, Tiere oder Sportfotografie?

In diesem Beitrag erfahren Sie einfach erklärt, wie Autofokus funktioniert, wann Sie AF-S oder AF-C einsetzen sollten und in welchen Situationen manuelles Fokussieren Vorteile bringt. Mit den passenden Fokusmodus gelingen Ihnen deutlich mehr scharfe Fotos – selbst bei schwierigen Motiven.

Das erwartet Sie in diesem Beitrag:

Wie funktioniert Autofokus?

Unter Fokussieren verstehen wir entweder das manuelle Scharfstellen oder die Verwendung des Autofokus. Moderne Kameras nutzen dafĂĽr unterschiedliche Technologien.

Kompaktkameras und Smartphones arbeiten häufig mit einem Kontrast-Autofokus. Dabei analysiert die Kamera den Bildkontrast direkt auf dem Sensor. Dieser Autofokus arbeitet sehr präzise, ist aber etwas langsamer.

Spiegelreflexkameras und moderne Systemkameras verfügen zusätzlich über den deutlich schnelleren Phasen-Autofokus. Dabei wird das einfallende Licht in zwei Teilbilder aufgeteilt und miteinander verglichen. Stimmen beide Bilder überein, ist korrekt fokussiert.

Moderne spiegellose Kameras kombinieren heute oft beide Systeme und bieten zusätzlich intelligente Funktionen wie:

  • Augen-Autofokus (Eye AF)
  • Gesichtserkennung
  • Tieraugen-Autofokus
  • Motivtracking
  • KI-gestĂĽtzte Motivverfolgung

Gerade bei Portraits, Sport oder Tierfotografie funktionieren diese Systeme mittlerweile erstaunlich zuverlässig.

Bei wenig Licht oder kontrastarmen Motiven kann der Autofokus jedoch „pumpen“. Die Kamera sucht dann den Schärfepunkt und findet ihn nicht sofort.

Littering - Fokussieren bei schwachem Licht
Littering, Nikon D750, Sigma f/2.8 105 mm Makro, 1/350 s, f/4.8, ISO 200

Wann lohnt sich manuelles Fokussieren?

Auch wenn moderne Autofokus-Systeme sehr leistungsfähig sind, gibt es Situationen, in denen manuelles Fokussieren Vorteile bietet.

Nachtfotografie

Bei Dunkelheit findet der Autofokus oft keinen zuverlässigen Schärfepunkt. Hier fokussiere ich meist manuell über die Lupenfunktion im Live-View. Mehr über Fotografieren in der Nacht finden Sie im Artikel über Nachtaufnahmen.

Makrofotografie

Gerade in der Makrofotografie entscheiden oft wenige Millimeter über die perfekte Schärfe. Deshalb arbeite ich hier häufig mit manuellem Fokus.

Landschaftsfotografie

Beim Fokussieren auf die hyperfokale Distanz ist manuelles Scharfstellen oft präziser als der Autofokus.

Langzeitbelichtung mit Graufilter

Starke ND-Filter verhindern oft eine zuverlässige Autofokus-Messung. Deshalb fokussieren Sie zuerst ohne Filter und schalten danach auf manuellen Fokus um.

Sehr geringe Schärfentiefe

Bei grossen Blendenöffnungen wie f/1.4 oder f/1.8 kann eine minimale Fokusverschiebung bereits sichtbar werden. Mit der grössten Blendenöffnung, der Offenblende, isolieren Sie perfekt ein Motiv vor einem unscharfen Hintergrund. Im Artikel “Offenblende” können Sie sich weiter vertiefen.

Mond fotografieren

Die Mondfotografie bringt den Autofokus vieler Kameras an seine Grenzen. Obwohl der Mond hell erscheint, arbeitet der Autofokus oft unzuverlässig, weil der Kontrast am Himmel gering ist und sich kaum klare Strukturen im Fokusfeld befinden.

Deshalb fotografiere ich den Mond meistens mit manuellem Fokus. Weitere Tipps dazu finden Sie im Artikel “Wie fotografiere ich den Mond?“.

AF-S Autofokus bei Gegenlicht richtig einstellen
Herbstblatt im Gegenlicht, Nikon D5600, Sigma Makro f/2.8 105 mm, 157 mm KB, 1/500 s, f/4.8, ISO 100

Die wichtigsten Autofokusmodi erklärt

Je nach Motiv benötigen Sie unterschiedliche Fokusmodi. Eine Landschaft stellt andere Anforderungen als ein rennender Hund oder ein Fussballspiel.

AF-A – Der automatische Autofokus

(Nikon: AF-A / Canon: AI Focus)

Die Kamera entscheidet selbst, ob Einzelautofokus oder kontinuierlicher Autofokus verwendet wird.

Diese Einstellung eignet sich besonders fĂĽr:

  • Reisen
  • Familienfotos
  • spontane SchnappschĂĽsse
  • Alltagssituationen

Vorteile

  • unkompliziert
  • schnell einsatzbereit
  • ideal fĂĽr Einsteiger

Nachteile

  • weniger Kontrolle
  • Kamera entscheidet nicht immer optimal
Kontinuierlicher Autofokus bei Tierfotografie
Neugieriger Schimpanse, Nikon D750, Sigma f/5–6.3 150–600 mm, 460 mm KB, 1/1000 s, f/6, ISO 5000, Einbeinstativ

AF-S – Einzelautofokus für ruhige Motive

(Nikon: AF-S / Canon: One Shot)

Der AF-S Modus eignet sich ideal für unbewegte Motive. Sobald Sie den Auslöser halb drücken, fokussiert die Kamera einmal und speichert die Schärfe.

Dieser Autofokusmodus eignet sich besonders fĂĽr:

  • Landschaftsfotografie
  • Portraitfotografie
  • Architektur
  • Produktfotografie
  • Makrofotografie

Im Kameramenü können Sie meist zwischen Schärfepriorität und Auslösepriorität wählen.

Bei der Schärfepriorität löst die Kamera nur aus, wenn korrekt fokussiert wurde. Bei der Auslösepriorität wird das Foto auch dann aufgenommen, wenn die Schärfe nicht perfekt sitzt.

Persönlicher Praxistipp

Bei Portraits fokussiere ich mit dem Fokuspunkt direkt auf das Auge und schwenke danach die Kamera zum passenden Bildausschnitt.

AF-C – Kontinuierlicher Autofokus für bewegte Motive

(Nikon: AF-C / Canon: AI Servo)

Beim kontinuierlichen Autofokus verfolgt die Kamera das Motiv permanent und passt die Schärfe laufend an.

AF-C eignet sich besonders fĂĽr:

  • Sportfotografie
  • Tierfotografie
  • Actionfotografie
  • Kinder
  • Vögel im Flug
  • bewegte Motive allgemein

In Kombination mit Serienbildaufnahmen erzielen Sie meist deutlich mehr scharfe Bilder.

Hochwertige Kameramodelle verfügen zusätzlich über eine sogenannte prädikative Schärfenachführung. Die Kamera berechnet dabei voraus, wo sich das Motiv im Moment der Aufnahme befinden wird.

Persönlicher Praxistipp

Bei schnellen Motiven nutze ich meist grössere Fokusfelder oder Tracking-AF statt eines einzelnen Fokuspunktes.

Augen-Autofokus und Motivtracking

Moderne Systemkameras bieten heute intelligente Autofokusfunktionen, die besonders in der Portrait- und Tierfotografie hilfreich sind.

Dazu gehören:

  • Eye AF
  • Gesichtserkennung
  • Tieraugen-Autofokus
  • Fahrzeug-Tracking
  • Motivverfolgung

Gerade bei offenen Blenden erleichtert der Augen-Autofokus das präzise Fokussieren enorm.

Kamera mit dem Motiv mitgezogen
Kamera mit dem Motiv mitgezogen, Nikon D7000, Sigma f/2.8–4 17–70 mm, 50 mm KB, 1/30 s, f/13, ISO 100

Kombiniertes Fokussieren (AF + MF)

Eine sehr praktische Funktion ist die Kombination aus Autofokus und manuellem Fokus.

Beim halb gedrückten Auslöser fokussiert die Kamera automatisch. Anschliessend können Sie die Schärfe manuell fein justieren.

Diese Funktion wird je nach Hersteller unterschiedlich bezeichnet, bei Sony beispielsweise als DMF.

Gerade bei Makroaufnahmen oder Portraits ist diese Kombination sehr hilfreich.

Autofokus Kamera einstellen
Manueller Fokus, Fabstifte, Nikon D7000, Nikkor Makro f/3.5 85 mm, 127 mm KB, 2 s, f/19, ISO 100, Stativ

Autofokus-Messfelder richtig wählen

Der Autofokus wird ĂĽber verschiedene Messfelder gesteuert, die sich im Bildfeld befinden.

Je nach Motiv lohnt sich eine unterschiedliche Einstellung.

Einzelfeld-AF

Ideal fĂĽr:

  • Portraits
  • Makrofotografie
  • statische Motive

Hier bestimmen Sie den Fokuspunkt präzise selbst.

Dynamischer AF

Geeignet fĂĽr:

  • bewegte Motive
  • Sport
  • Tiere

Die Kamera unterstützt das gewählte Fokusfeld mit umliegenden Messfeldern.

Zonen-AF

Beim Zonen-AF arbeitet die Kamera mit einer grösseren Fokuszone.

Diese Einstellung eignet sich gut fĂĽr:

  • Action
  • Tiere
  • Kinder
  • unvorhersehbare Bewegungen

Tracking-AF

Hier verfolgt die Kamera das Motiv automatisch ĂĽber das gesamte Bildfeld.

Besonders moderne spiegellose Kameras liefern dabei beeindruckende Resultate.

Autofokus einstellen Kamera
Auf den richtigen Punkt scharfstellen, Nikon D5600, Nikkor f/1.8 50 mm, 75 mm KB, 1/250 s, f/4, ISO 100

Ăśbersicht Autofokus einstellen

Motiv Autofokusmodus
Landschaft AF-S
Sport AF-C
Tiere AF-C
Portrait AF-S + Eye AF
Makrofotografie Manuell
Nachtaufnahmen Manuell
Mond fotografieren Manuell

Typische Autofokus-Fehler vermeiden

Unscharfe Fotos entstehen oft nicht wegen schlechter Technik, sondern wegen ungeeigneter Einstellungen.

Häufige Fehler sind:

  • falscher Autofokusmodus
  • Fokus auf den Hintergrund statt auf das Motiv
  • zu wenig Licht
  • zu grosse Blendenöffnung
  • falsches Fokusfeld
  • Verwacklungen
  • lichtschwache Objektive

Gerade Teleobjektive in Kombination mit Telekonvertern können den Autofokus deutlich verlangsamen oder sogar unmöglich machen.

Weitere Tipps zum Fokussieren

  • Lichtstarke Objektive verbessern die Autofokus-Leistung deutlich, da mehr Licht auf die AF-Sensoren fällt.
  • Bei hochwertigen Objektiven lässt sich oft der Fokusbereich begrenzen. Das ist besonders bei Makroobjektiven praktisch.
  • Wenn Sie nahe Motive fotografieren, begrenzen Sie den Fokusbereich beispielsweise auf „bis 1 m“. Dadurch arbeitet der Autofokus deutlich schneller.
  • Beim manuellen Fokussieren hilft der Schärfeindikator im Sucher oder die Fokus-Peaking-Funktion moderner Kameras.
  • Sehr praktisch zur Fehleranalyse ist zudem das Lightroom-Plugin „ShowFocusPoint“. Damit sehen Sie später, welcher Autofokuspunkt aktiv war.

Meine Empfehlung aus der Praxis

FĂĽr die meisten ruhigen Motive fotografiere ich mit AF-S und einem einzelnen Fokusfeld. Sobald sich Motive bewegen, wechsle ich direkt auf AF-C mit Serienbildfunktion.

Moderne Kameras leisten heute Erstaunliches beim Tracking und Augen-Autofokus. Trotzdem lohnt es sich, die Grundlagen des Fokussierens zu verstehen. Denn die Kamera kann nur dann optimal arbeiten, wenn der passende Autofokusmodus gewählt wurde.

Möchte ich den perfekten Schärfepunkt setzen, fokussiere ich manuell. Im Artikel “manuell scharf stellen” finden Sie passende Tipps dazu.

Makrofotografie Schneckenauge, Nikon 750, Sigma f/2.8 105mm Macro, 1/250 s, f/6.7, ISO400
Makrofotografie Schneckenauge, Nikon 750, Sigma f/2.8 105 mm Makro, 1/250 s, f/6.7, ISO 400

Häufige Fragen zum Autofokus (FAQ)

Was ist besser – AF-S oder AF-C?

AF-S eignet sich fĂĽr ruhige Motive wie Landschaften oder Portraits. AF-C ist ideal fĂĽr bewegte Motive wie Sport oder Tiere.

Wann sollte ich manuell fokussieren?

Bei Nachtaufnahmen, Makrofotografie, Langzeitbelichtungen oder sehr geringer Schärfentiefe lohnt sich manuelles Fokussieren häufig.

Warum werden meine Fotos trotz Autofokus unscharf?

Oft liegt es am falschen Fokusmodus, einem ungeeigneten Fokusfeld oder zu wenig Licht. Mit dem Unschärfe-Finder können sie nach der Fehlerquelle suchen.

Was bedeutet Eye AF?

Eye AF bedeutet Augen-Autofokus. Die Kamera erkennt automatisch Augen und fokussiert präzise darauf.

Welcher Autofokus eignet sich fĂĽr Sportfotografie?

FĂĽr Sportfotografie eignet sich AF-C in Kombination mit Tracking-AF und Serienbildaufnahmen.

Welche Fokusmessfelder sollte ich verwenden?

FĂĽr statische Motive eignet sich meist ein einzelnes Fokusfeld. FĂĽr Action oder Tiere liefern dynamische oder Zonen-Fokusfelder oft bessere Ergebnisse.

Der Autofokus wird ĂĽber verschiedene Messfelder gesteuert
Einzelautofokus als Gestaltungshilfe, Nikon D5600, Sigma Makro f/2.8 105 mm, 157 mm KB, 1/3000 s, f/2.8, ISO 100

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