Fototechnik

Fokussieren – Welchen Autofokusmodus wählen? AF-C oder AF-S

gemeine Kuhschelle - Nikon D750, Sigma Makro f/2.8 105 mm, 1/750s, f/6.7, ISO 280

gemeine Kuhschelle - Fotografieren im Frühling

An Ihrer Kamera stehen verschiedene Autofokusmodi zur Verfügung, mit welchen Sie scharf stellen (fokussieren) können. Je nach Motiv lohnt es sich, auf den passenden Autofokusmodus umzuschalten, damit das Fokussieren optimal funktioniert. Besonders in der Schnappschussfotografie ist die Wahl des Autofokusmodus entscheidend. In diesem Beitrag zeige ich Ihnen die Unterschiede. » Tipps für schärfere Fotos

Fokussieren – Welche Methode wählen?

Unter Fokussieren verstehen wir entweder das manuelle Scharfstellen oder die Verwendung des Autofokus. In schwierigen Licht- oder Motivsituationen kann das manuelle Fokussieren Vorteile bieten, zum Beispiel bei:

Kompaktkameras arbeiten meist mit einem Kontrast-Autofokus (Kontrastmessung), Spiegelreflexkameras oder Systemkameras verfügen zusätzlich über den deutlich schnelleren Phasen-Autofokus. Dabei wird das einfallende Licht in zwei Teilbilder aufspalten, die vom AF-Sensor miteinander verglichen werden. Sind beide Bilder deckungsgleich, ist korrekt fokussiert – andernfalls nicht. Bei analogen Kameras erfüllte diese Aufgabe der Schnittbildindikator, bei dem zwei Halbkreise exakt zur Deckung gebracht werden mussten.

Sobald Sie jedoch in den Live-View-Modus wechseln, arbeiten auch Spiegelreflex- und viele Systemkameras mit Kontrastmessung, die deutlich langsamer ist als der Phasen-Autofokus. Deshalb eignet sich Live-View weniger für schnelle Motive, etwa in der Sportfotografie. Ein Vorteil der Kontrastmessung ist jedoch, dass Sie den Schärfepunkt frei im Bild platzieren können. Das ist besonders bei statischen Motiven wie Landschaften oder Makrofotografie praktisch.

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Autofokus-Betriebsarten

Die folgenden Autofokus-Betriebsarten finden Sie in der Regel bei jeder Kamera:

AF-Automatik

(Nikon: AF, Canon: AI Fokus)

Die Kamera entscheidet selbst, ob der Einzelautofokus für unbewegte Motive oder der Nachführ-Autofokus für bewegte Motive verwendet wird. Diese Einstellung eignet sich besonders für Schnappschüsse oder Situationen, in denen Sie sehr schnell reagieren müssen.

AF-S Einzelfokus

(Nikon: AF-S, Canon: OneShot)

Der Einzelfokus ist ideal für unbewegte Motive. Wenn Sie den Auslöser halb drücken, stellt die Kamera scharf und speichert den Fokuspunkt. Beim vollständigen Durchdrücken wird das Foto aufgenommen.

Im Kameramenü können Sie meist zwischen Auslösepriorität oder Schärfepriorität wählen:

  • Bei der Auslösepriorität wird das Foto auch dann aufgenommen, wenn keine korrekte Scharfstellung erreicht wurde.
  • Bei der Schärfepriorität löst die Kamera nur aus, wenn der Fokus korrekt sitzt (oder manuell richtig eingestellt wurde).

Je nach Kameramodell lässt sich die Schärfepriorität auch als sogenannte Schärfefalle nutzen.

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AF-C Kontinuierlicher AF

Beim kontinuierlichen Autofokus, auch Nachführ-Autofokus genannt, wird ein bewegtes Motiv automatisch verfolgt, solange Sie den Auslöser halb gedrückt halten.

Diese Einstellung ist ideal für bewegte Motive wie Sport-, Tier- oder Actionfotografie.

Kamera mit dem Motiv mitgezogen
Kamera mit dem Motiv mitgezogen, Nikon D7000, Sigma f/2.8-4 17-70 mm, 50 mm KB, 1/30s, f/13, ISO 100

Prädikative Schärfenachführung

Hochwertige Kameramodelle verfügen über eine prädikative Schärfenachführung. Diese arbeitet im AF-C Modus oder bei aktiviertem Autofokus. Die Kameraelektronik berechnet dabei voraus, wo sich das Motiv zum Zeitpunkt der Auslösung befinden wird, und stellt entsprechend scharf.

Kombiniertes Fokussieren (AF + MF)

Eine sehr praktische Funktion ist die Kombination aus Autofokus und manuellem Fokus. Beim halb gedrückten Auslöser fokussiert die Kamera automatisch. Sobald der Fokuspunkt gefunden ist, Stellen Sie auf manuellen Fokus um, sodass sie die Schärfe fein justieren können.

Diese Funktion ist beispielsweise bei der Edelkompakten Sony DSC RX100iii vorhanden und wird dort DMF genannt.

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Manuell fokussieren

Bei sehr geringer Schärfentiefe – etwa in der Makro- oder Portraitfotografie – kann es sinnvoll sein, manuell scharf zu stellen. Gerade in der Makrofotografie entscheiden oft wenige Millimeter über die Schärfe.

Makrofotografie Schneckenauge, Nikon 750, Sigma f/2.8 105mm Macro, 1/250s, f/6.7, ISO400
Makrofotografie Schneckenauge, Nikon 750, Sigma f/2.8 105 mm Makro, 1/250s, f/6.7, ISO 400

Auch beim Fokussieren auf die hyperfokale Distanz, Nachtaufnahmen oder Aufnahmen mit starkem Graufilter stellen Sie auf manuellen Fokus um.

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Autofokus Messfelder – Fokussieren

Der Autofokus wird über im Bildfeld verteilte Sensoren gesteuert. Man unterscheidet zwischen Kontrast- und Phasen-Autofokus. Kontrast-AF ist vor allem in Kompaktkameras und Smartphones verbreitet, während Spiegelreflexkameras zusätzlich den schnelleren Phasen-AF nutzen. der deutlich schneller ist.

Man unterscheidet zwischen Linien- und Kreuzsensoren. Kreuzsensoren arbeiten bei wenig Licht und kontrastarmen Motiven deutlich zuverlässiger, da sie sowohl horizontale als auch vertikale Strukturen erkennen. Je nach Kameramodell sind unterschiedlich viele dieser leistungsfähigen Sensoren verbaut.

Die Anzahl der verwendeten Messfelder lässt sich meist in einem gewissen Rahmen einstellen. Beim Nachführ-Autofokus liefern mehrere Messfelder oft bessere Ergebnisse. Befindet sich das Motiv nicht in der Bildmitte, wählen Sie ein Einzelfokusfeld oder eine kleine Fokusfeldgruppe aus.

Littering
Littering, Nikon D750, Sigma f/2.8 105 mm Makro, 1/350s, f/4.8, ISO 200

Weitere Tipps zum Fokussieren

  • Spiegelreflex- und Systemkameras profitieren von lichtstarken Objektiven, da die grössere Offenblende mehr Licht auf die AF-Sensoren lässt. Oft funktioniert der Autofokus noch bis Blende f/8. Lichtschwache Objektive, insbesondere Telebrennweiten in Kombination mit Telekonvertern, können Probleme beim Autofokus verursachen oder diesen ganz ausser Kraft setzen.
  • Bei hochwertigen Objektiven lässt sich der Autofokusbereich begrenzen. Das ist besonders bei Makroobjektiven hilfreich, da diese einen sehr grossen Fokusbereich abdecken.
  • Wenn Sie etwas in der Nähe fokussieren möchten, wählen Sie die Einstellung „bis 1 m“, wenn Sie das Objektiv als normale Festbrennweite benutzen möchten, „1 m bis unendlich“.
  • Beim manuellen Fokussieren können Sie den Schärfeindikator im Sucher nutzen: Leuchtet er auf, ist die Schärfe korrekt eingestellt.
  • Mit dem Lightroom-Plugin ShowFocusPoint können Sie anzeigen lassen, welcher Autofokus-Punkt bei der Aufnahme aktiv war – hilfreich zur Fehleranalyse bei unscharfen Bildern.
  • Befindet sich das Motiv ausserhalb der Bildmitte, können Sie mit einem einzelnen Fokusfeld arbeiten und per Back-Button-Methode scharfstellen.

Dieser Artikel ist Teil des über 740 Seiten starken Digitipps eBook.
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