Workshop

Weitwinklig sehen lernen

Lichtspiel in einer Gasse: Nikon D750, Tamron f/2.8 15-30mm, 15mm KB, 1/350s, f/8, ISO100

Lichtspiel in einer Gasse

Weitwinklig sehen lernen ist der erste Artikel aus der neuen Kategorie „Workshop“. Sie können den Auftrag aus diesen Workshops 1:1 umsetzen und damit Ihr Auge für die bestimmt Aufgabe schulen.

Sie haben mit grosser Wahrscheinlichkeit schon einmal mit einem Weitwinkel-Objektiv fotografiert. Besonders für Landschaften eignen sich diese sehr gut, da Sie viel aufs Bild bringen. Wetten, dass Sie Ihr Weitwinkel heute von einer ganz anderen Seite kennen lernen werden?

Weitwinklig sehen lernen – Workshop 1

Ausrüstung

Sie benötigen ein Weitwinkel-Objektiv, das eine kürzere Brennweite als 35 mm aufweist. Ideal ist ein 15 mm Objektiv für eine Kleinbildformatkamera oder ein 11 mm Objektiv für einen APS-C (Halbformatsensor). Das funktioniert aber auch mit einer 24 mm Brennweite für Vollformat oder 16 mm für Halbformatsensoren. Warum die Brennweite bei Voll- oder Halbformat-Sensoren einen Unterschied macht, können Sie unter Cropfaktor nachlesen.

Ideal ist ein Klappbildschirm. So können Sie spezielle Perspektiven – zum Beispiel von unten nach oben – ohne auf den Boden liegen zu müssen fotografieren. Wenn Sie mit der Optik ganz nahe an ein Motiv herangehen, können Sie so selber etwas mehr Abstand halten.

Wenn Sie keine Weitwinkel-Brennweite besitzen, schauen Sie doch, ob es möglich ist, diese bei jemandem auszuleihen. Sie können dann immer noch ein Objektiv kaufen, wenn Sie von diesem Thema begeistert sein werden. Und ich bin mir sicher, dass Sie das bald sein werden!

Fahrradschatten

Fahrradschatten, Nikon D750, Tamron f/2.8 15-30mm, 15mm KB, 1/750s, f/5.6, ISO100

Aufgabe – Weitwinklig sehen lernen

Packen Sie nur diese eine Brennweite ein oder – falls Sie ein Zoom verwenden – beschränken Sie sich auf nur EINEN Brennweitenbereich. Das fördert den fotografischen Blick, da Sie bei einem gefundenen Motiv nicht einfach auf Ihre Erfahrungsbrennweite umsatteln können.

Fotografieren Sie auf mehreren Fotorundgängen NUR mit der gewählten Weitwinkelbrennweite, auch wenn es sich anfangs etwas „mühsam“ anfühlt. Sie werden feststellen, dass Sie einen ganz anderen Motiv-Blick für diese Brennweite entwickeln werden und damit Ihr eigenes Repertoir ausbauen können. Das braucht aber auch eine Weile, bis Sie sich voll in diese Aufgabe eingelassen haben.

Da sich viele Fotografinnen und Fotografen nicht an sehr weitwinkliche Brennweiten für andere Motivebereiche als Landschaften heranwagen, zaubern Sie Sichtweisen, die andere überraschen. Was nicht alltäglich ist, fängt interessierte Blicke ein.

weitwinklig sehen lernen Workshop

Littering, Nikon D750, Tamron f/2.8 15-30mm, 15mm KB, 1/1500s, f/3.3, ISO50

Herausforderung – Weitwinklig sehen lernen

Die grosse Herausforderung einer sehr kurzen Brennweite ist, dass Sie in der Regel sehr viel auf Ihr Bild bekommen. Sie können nahe an eine Häuserzeile stehen und trotzdem alle Gebäude mit auf Ihr Bild packen. Aber ist es das? Brauchen Sie das?

Viele Weitwinkelbilder wirken eher langweilig, weil einfach zu viel auf dem Bild ist und die Augen der Betrachter keinen Ruhepunkt finden. Ändern Sie das, indem Sie sehr nahe herangehen. Und ich betone „sehr, sehr nahe“. Sie werden feststellen, dass sich Ihnen eine ganz neue Welt offenbart. Sichtweisen, die andere Fotografinnen und Fotografen zum Staunen bringen werden. Und Sie miteingeschlossen. Wetten?

Wenn Sie sehr nahe an ein Motiv, im Beispiel eine Mauerpatina, gehen und die Kamera in verschiedene Richtungen leicht kippen, werden Sie feststellen, dass die Linien sich im Bild stark verändern und mehr oder weniger dynamisch in Erscheinung treten. Experimentieren Sie. Produzieren Sie auch „Ausschuss“. Fehler sind Stufen. Und Stufen bringen Sie zum Erfolg!

Treppe

Treppe: Nikon D750, Tamron f/2.8 15-30mm, 15mm KB, 1/125s, f/5.6, ISO100





Sie werden feststellen, dass Sie sich beim Naheheran-Gehen ganz neuen Herausforderungen stellen müssen: Wie kontrollieren Sie nun die Bildelemente, die sich schon bei leichtem Kippen der Kamera drastisch im Bild verschieben und verändern? Das braucht manchmal eine ganz gehörige Portion Geduld und eine ruhige Hand. Fehlt Ihnen die Geduld – was ich bei einem Fotografen kaum glauben kann – nehmen Sie ein Stativ. So können Sie ganz leichte Korrekturen vornehmen und die Bildwirkung etwas besser kontrollieren. Gewichtiger Nachteil: Sie sind deutlich weniger flexibel und schleppen viel Material durch die Gegend…

Arbeiten Sie mit der Offenblende, um das Hauptmotiv vor einem unruhigen Hintergrund zu isolieren. Das geht mit einer lichtstarken Linse sehr gut – vorausgesetzt wiederum, Sie gehen genung nahe ran. Denn die Schärfentiefe eines Weitwinkelobjektivs ist viel grösser als die einer längeren Tele-Brennweite.

Hausnummer

Hausnummer: Nikon D750, Tamron f/2.8 15-30mm, 15mm KB, 1/1500s, f/4.8, ISO100

Wählen Sie einen etwas grösseren Ausschnitt, als Sie wirklich benötigen, wenn Sie die Objektiv-Korrektur in einem Bildbearbeitungsprogramm anwenden lassen wollen. Dieses korrigiert Verzerrungen / Vignettierungen und wird Ihr Bild leicht beschneiden. Die Vignettierung und die Verzerrung oder Verzeichnung kann aber gerade den Charme eines Bildes ausmachen. Gehen Sie deshalb bei dieser Aufgabe vorsichtig mit der Korrektur um und vergleichen Sie, ob die Bildaussage verbessert oder damit verschlechtert wird. In Lightroom können Sie im Entwickeln-Modus unter dem Bild auf die Y-Schaltfläche klicken und vorher / nachher gut vergleichen.

Sie werden beim Ausprobieren dieses Workshops merken, dass es Motive gibt, für die Sie jetzt gerne eine andere Brennweite verwenden würden.

Fassadenausschnitt

Fassadenausschnitt: Nikon D750, Tamron f/2.8 15-30mm, 15mm KB, 1/180s, f/5.6, ISO100

Resultate eines Vormittags

In den Gassen von Ascona habe ich mir zur Demonstration genau diese Aufgabe auch gestellt. Mit dem Tamron f/2.8 15-30 mm (auf 15 mm eingestellt) und meiner Nikon D750 ging ich auf Tuchfühlung und versuchte, möglichst nahe an die Motive heranzugehen. Am Anfang braucht es etwas Überwindung. Ich bin oft mit einer 50-mm-Festbrennweite unterwegs und kenne den Abstand zum Motiv sehr gut. Mit der 15-mm-Linse muss ich sehr, sehr nahe herangehen. Ich habe das so ausgereizt, dass ich sogar die Naheinstellgrenze von 25 cm unterschritten habe und einige Bilder so für den Papierkorb produzierte.

Wegweiser

Wegweiser, Nikon D750, Tamron f/2.8 15-30mm, 15mm KB, 1/60s, f/6.7, ISO100

Fensterspiegelung

Fensterspiegelung: Nikon D750, Tamron f/2.8 15-30mm, 15mm KB, 1/250s, f/2.8, ISO100

komplementärer Kontrast Stuhl und Tisch

Komplementärkontrast, Nikon D750, Tamron f/2.8 15-30mm, 15mm KB, 1/125s, f/4.8, ISO400

Lichtspiel in einer Gasse

Lichtspiel in einer Gasse: Nikon D750, Tamron f/2.8 15-30mm, 15mm KB, 1/350s, f/8, ISO100

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