Kaufberatung

Tipps zum Kauf von Objektiven

Fliessspuren im Bach, Nikon D7000, Nikkor f/.35-5.6 18-105mm, 42mm KB, 1/15s, f/6.3, ISO100, Stativ

Fliessspuren im Bach

Tipps zum Kauf von Objektiven

Ich gebe Ihnen Tipps zum Kauf von Objektiven. Objektive gibt es in sehr unterschiedlichen Preislagen. Je nach Budget werden Sie sich für ein teures oder günstigeres entscheiden. Bevor Sie sich ein Objektiv zulegen, lohnt es sich, Testberichte von unterschiedlichen Objektiven unter die Lupe zu nehmen und dann zu entscheiden, was für Sie wichtig ist.

Wurzel an Bachufer in Bergün
Wurzel an Bachufer in Bergün, Nikon D7000, Nikkor Micro f/3.5 85mm, 127mm KB, 0.7s, f/13, ISO100, Stativ, Spiegelvorauslösung

Wenn Sie noch nicht wissen, welche Brennweite für Ihren Verwendungszweck geeignet ist, lesen Sie zuerst unseren Artikel Welche Objketive kaufen?

Festbrennweite und Abbildungsqualität

Wenn Sie auf Abbildungsqualität setzen, sind Festbrennweiten in der Regel die bessere Lösung. Bei Zoom-Objektiven – also solchen, bei denen Sie den Brennweitenbereich verändern können – muss ein optischer Kompromiss geschlossen werden. Das geht auf die Bildqualität, was sich vor allem beim Schärfeverlust bei Offenblende und allgemein an den Bildrändern feststellen lässt.

Es gibt aber auch hochpreisige Zoom-Objektive, die mit einer durchgängigen Offenblende aufwarten und schon im Offenblendenbereich stattliche Schärfeleistungen ermöglichen. Solche Objektive – vor allem für Kleinbildformat – sind dafür deutlich schwerer und unhandlicher.

Tipps zum Kauf von Objektiven - Vergleich Kit-Objektiv und Festbrennweite bei Offenblende
Kit-Zoom mit 50mm und Offenblende f/5 – rechts 50mm-Festbrennweite Offenblende f/1.8 – Zentrum des Bildes




Umrechnungsfaktor Brennweite

Wenn Sie mit einer Halbformat-Kamera fotografieren (Nikon DX, Canon APS-C), müssen Sie die Brennweite, welche sich auf Kleinbildgrösse bezieht, umrechnen. Die Brennweite bleibt zwar immer gleich, der Bildwinkel ändert sich jedoch bei der Verwendung des kleineren Sensors. Ein 70-200mm Zoom wird zu einem 135-300mm Zoom, ein 11-16mm Weitwinkel-Zoom zu einem 16-24mm-Zoom (Crop-Faktor 1.5, Nikon DX, bei Canon APS-C Faktor 1.6).

Das ist wichtig, wenn Sie ein Objketiv für eine bestimmte Verwendung suchen. Für eine Weitwinkelaufnahme wird ein 24mm-Objektiv zu einem 36mm-er. Das ist mit einer Halbformat-Kamera doch ein nicht zu unterschätzender Bildwinkelverlust.

Crop-Faktor: Gross das Kleinbildformat, klein das Halbformat
Crop-Faktor: Gross das Kleinbildformat, klein das Halbformat

Bei einer Vollformat- (besser Kleinbildformat-) Kamera wie der Nikon D750 sind die Brennweitenwerte korrekt. Da APS-Objektive kleiner gebaut sind, erfassen sie an einer Kleinbildformatkamera auch nur den kleineren Bildfeldkreis. Die Nikon D750 können Sie auf APS-Objektive umschalten und haben dafür nur noch eine Auflösung von 10.3 MP.Vignettierungen und Verzeichnungen

Je nach Objektivgüte und Brennweitenbereich entstehen bei Zooms kleinere oder grössere Vignettierungen (Randabschattungen) und Verzeichnungen. Wenn Sie mit dem RAW-Format fotografieren, können Sie in Lightroom die Objektiv-Korrekturen automatisiert anwenden lassen oder diese – etwas aufwändiger – manuell korrigieren.

Lichtstärke

Die Lichtstärke bestimmt, mit welchem maximalen Blendenwert das Objektiv ausgestattet ist. Bei einer Festbrennweite von 35 bis 50mm ist f/1.8 ein guter Wert. Damit lassen sich Motive sehr gut vor dem unscharfen Hintergrund isolieren und es entsteht meist ein sehr schönes Bokeh (Unschärfekreise im Hintergrund).

Beim Stadard-Zoom, welches zum Beispiel bei der Nikon D5000er und D7000er Klasse als Kit-Objektiv verkauft wurde, hat das Objektiv bei 105mm Brennweite eine Offenblende von f/5.6. Wenn Sie aber ein 105mm Festbrennweiten-Objektiv kaufen, bekommen Sie das mit der Offenblende f/2.8. Sie benötigen zum Fotografieren mit letzterem vier mal weniger Licht!

Je höher die Lichtstärke – also tiefer der Blendenwert – desto grösser wird auch der Durchmesser der Linsen und damit das Gesamtgewicht.

Teurere Zooms weisen eine durchgehende Offenblende auf. Das Sigma f/2.8 70-200mm EX DG APO HSM trumpft mit Blende f/2.8 – von 70 bis 200mm.

Kleiner oder grosser Zoom-Bereich

Sie können Objektive mit kleinem Zoombereich (zum Beispiel das Nikkor AF-S DX NIKKOR 18–55 mm 1:3,5–5,6G VR II) oder aber mit einem grossen wählen, der fast alle Brennweiten-Wünsche abdeckt (Beispiel: AF-S DX NIKKOR 18–300 mm 1:3,5–5,6G ED VR). Je grösser der Brennweitenbereich eines Zooms, desto grösser auch der Kompromiss in der Abbildungsqualität.

Wenn Sie lieber mit möglichst wenig Foto-Gepäck unterwegs sind und nicht auf lichtstarke Objektive und bessere Abbildungsqualität Wert legen, sind Sie mit einem Reisezoom 18-300mm gut bedient.

Wenn Sie gerne auch eine grosse Lichtstärke zum Gestalten von Bildern haben möchten, greifen Sie lieber zu kleineren Brennweitenspannen.

Neue Kamera oder neues Objektiv?

Ein gutes Objektiv kann nur mit einer guten Kamera seine Qualitäten voll ausspielen. In der Regel ist es aber besser, wenn Sie in ein hochpreisiges Objektiv investieren als in eine neu Kamera.

Die Nikon D5300 habe ich mit dem hochpreisigen Sigma f/2.8 70-200mm bestückt. Das Objektiv ist dreimal schwerer als das Nikkor f/3.5-5.6 55-300mm, aber die Lichtstärke und die Abbildungsqualität ist deutlich überlegen.

Um sicher zu sein, was ein neues Objektiv mit dem aktuellen Bildsensor in Bezug auf Abbildungsqualität bringt, konsultieren Sie die Datenbank von DxOMark.

Hochwertige Festbrennweite Tamron f/1.8 35mm
Hochwertige Festbrennweite – tolle Schärfe bei Offenblende, Nikon D5300, Tamron SP 35mm f/1.8 Di VC USD, 52mm KB, 1/90s, f/1.8, ISO125

Bildstabilisator oder nicht?

Wenn Sie zwischen zwei Modellen wählen können, würde ich auf jeden Fall die teurere mit Bildstabilisator wählen. Mit Bildstabilisator können Sie zwei bis drei Verschlusszeitenstufen gewinnen, was bei schlechten Lichtverhältnissen nicht zu vernachlässigen ist.

Das Tamron SP 35mm f/1.8 Di VC USD oder das Weitwinkelzoom Tamron SP 15-30mm f/2.8 Di VC USD (beide für KB-Format gebaut) sind als eine der wenigen derartigen Objektiven mit einem Bildstabilisator ausgerüstet. Ein grosser Gewinn!

Teurere Objektive haben zweistufige Bildstabilisatoren. Mit einem Schiebeschalter können Sie die gewünschte Funktion wählen, oder aber – für Aufnahmen auf dem Stativ – ausschalten.
Autofokus oder nicht?

Es gibt immer noch Objektive ohne Autofokus. Ich würde darauf achten, dass das neue Objektiv Autofokus mitbringt. Mit einem Schalter am Objektiv kann dieses zudem schnell ein- und ausgeschaltet werden. Praktisch, wenn man zwischendurch manuell fokussieren möchte.

Es gibt sehr unterschiedliche Autofokus-System. Ein Ultraschall-Fokus ist sehr schnell und leise.

Bei teureren Objektiven lässt sich der Autofokusbereich einschränken. Das ist vor allem bei Makro-Objektiven, die auch für Portraits beleibt sind, wichtig. Sonst kann es vorkommen, dass der Autofokus durch den ganzen Schärfebereich „fährt“. Eine Einschränkung auf 5-40cm und 40cm bis unendlich macht da Sinn.

Innenliegender oder aussenliegender Autofokus?

Bei billigen Objektiven kann es sein, dass sie einen aussenliegenden Autofokus haben. Wenn Sie am Autofokusring drehen, verlängert oder verkürzt sich das Objektiv. Teurere Objektive weisen einen innenliegenden Autofokus auf. Wenn Sie am Fokusring drehen, bleibt die Länge des Objektivs gleich.


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Vollformat- oder Halbformatobjektive

Da die Objektive für die Halbformatsensoren viel kleiner gebaut werden können, sind sie leichter und auch günstiger als die Kleinbildformat-Objektive.

Wenn Sie sich vorstellen können, dass Sie einmal auf Kleinbild-Bodys umsteigen wollen, dann müssen Sie sich überelgen, ob Sie nicht gleich ein Kleinbildformat-Objektiv für Ihre Halbformatkamera kaufen wollen. So müssen Sie dann beim Umstieg nicht noch ein neues Objektiv kaufen.

Halbformatkameras profitieren von den schwereren Kleinbildformat-Objektiven, da sie nur den mittleren Teil des Objektivs (aufgrund des kleineren Sensors) benötigen, der bei den Objektiven die beste Abbildungsqualität liefert. Aber das Gewicht spielt dann natürlich schon eine grosse Rolle – und der Preis auch.

Zum Vergleich: Das NIKKOR 55-200 mm 1:4-5.6G ED VR II wiegt 300g, das Kleinbildformat-Objektiv Sigma f/2.8 70-200mm EX DG APO HSM dagegen 1430g.

Motive isolieren mit Offenblende
Bronzefigur an Wochenmarkt in Locarno, Nikon D5300, Sigma f/2.8 70-200mm EX DG APO HSM, 195mm KB, 1/500s, f/2.8, ISO400

Filterdurchmesser

Wenn Sie aufschraubbare Grau- und Polarisationsfilter in Ihrer Ausrüstung haben, können Sie beim Kauf eines neuen Objektivs mit gleichem Durchmesser Geld für neue Filter sparen. Oder Sie besorgen sich dann gleich einen Filteradapter für das neue.

Bei innenfokussierten Objektiven dreht sich die Frontlinse nicht. Das ist bei Verwendung von Filtern ein wichtiger Punkt.

Entfernungsskala am Objektiv

Sehr praktisch für das Scharfstellen auf die hyperfokale Distanz sind die Entfernungsskalen auf den Objektiven. Wenn Sie das nicht missen möchten, achten Sie bei der Walh Ihres Objektivs darauf, ob es eine solche Skala mitbringt.

Verarbeitungsqualität

Teurere Objektive weisen einen Anschluss aus Metall auf, der oft noch mit einem Gummiring abgedichtet ist. So kommt weniger Staub und Feuchtigkeit ins Innere Ihrer Kamera.

Probieren Sie das Objektiv im Fachgeschäft aus. Geht der Zoom- und Fokusring leichtgängig, aber nicht zu leicht? Passt das Objektiv zu meiner Kamera und liegt es gut in der Hand?

Streulichtblende und Objetivköcher

Achten Sie darauf, dass die Streulichtlichtblende mit dabei ist. Sonst entstehen zusätzliche Kosten. Praktisch finde ich die Objektivköcher zum Aufbewahren der Objektive. Diese werden nicht für alle Objketive geliefert, sind aber praktisch, wenn man die einzelnen Objektive in einer Tasche mitnehmen möchte.

Sicherung Transport

Bei grossen Zoom-Objektiven finden Sie eine Sperre, mit dem Sie das versehentliche Ausfahrend des Tubus verhindern können.

Sperre Zoom ausfahren
Sperre Zoom ausfahren, Sigma f/5.3-6 150-600mm C

Stativschelle an schweren Objektiven

Bei schweren Objektiven wie dem Sigma f/2.8 70-200mm EX DG APO HSM (ca. 1 kg) bekommen Sie eine Stativschelle mitgeliefert. So kann das schwere Objektiv direkt auf dem Stativ befestigt werden und das Kamera-Objektiv-Gespann ist im Gleichgewicht.

Dichtungsring am Objektiv-Bajonett

Teurere Objektive weisen am Bajonett einen Dichtungsring auf, welcher die Kamera – vor allem der empfindliche Bildsensor – noch besser vor Staub, Schmutz und Wasser schützt.

» Welche Objektive kaufen?

» Eine grosse Übersicht und damit Entscheidungshilfe bietet www.chip.de.

» Tipps für den Kamerakauf – Checkliste

» Beste Abbildungsleistung bei welcher Blende? Testen Sie es aus!





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