Fotolexikon Fototechnik

Digitalfotografie

Passant in einer Unterführung, Sony DSC RX100iii, Zeiss f/1.8-3.8 24-70mm, 31mm KB, 1/200s, f/4, ISO125

Digitalfotografie - Faszination

Digitalfotografie eröffnet Ihnen unzählige neue Möglichkeiten, die in der analogen Fotografie undenkbar gewesen wären. Trotzdem behält die analoge Fotografie zu recht Ihren Reiz. Wie funktioniert die Digitalfotografie und welche Vorteile bietet sie?

Digitalfotografie – Strom macht das Bild

Während bei der analogen Fotografie Lichtwellen auf einen Bildträger (Negativ, Diapositiv, Fotoplatte….) gelenkt wurden, der nachträglich entwickelt werden musste, sehen Sie mit Hilfe der Digitalfotografie das geknipste Bild innehalb einer Sekunde.

Bildsensor

Bildsensor

Bei der Digitalfotografie werden die Lichtwellen meist von einem Objektiv auf den Bildsensor geleitet, der an gleicher Stelle liegt, wie damals der Negativfilm. Der Sensor besteht aus mehreren Millionen winziger lichtempfindlicher Dioden. Dioden haben die Möglichkeit, die Stärke oder die Menge des Lichtes zu messen. Das reicht aber nur aus, um ein Schwarzweiss-Bild auslesen zu können. Damit das auch in Farbe funktioniert, wird ein sogenannter Bayerfilter über die Dioden gelegt, welcher die drei Farben grün, blau und rot aufweist.

Prinzip des Bayer-Filters

Prinzip des Bayer-Filters

In einem Quadrat von vier Dioden sind zwei grüne und je ein blauer und roter Filter vorhanden. Grün hat deshalb mehr Anteil, weil das menschliche Auge die Grünabstufungen viel feiner wahrnehmen kann. So kann eine Diode den Helligkeitswert von rot, eine den Wert von blau und jeweils zwei den Helligkeitswert von grün erfassen. Damit erreichen wir noch kein Bild, so wie wir es kennen. Es ist nur eine Aneinanderreihung von Werten für drei Farbbereiche. Erst die Software in der Kamera oder der RAW-Entwickler auf dem Computer berechnet aus diesen Werten ein vollständiges Bild.









Anzahl Pixel bestimmt die Auflösung

Die Anzahl der Pixel in einem Digitalbild bestimmt die Auflösung des Bildes und damit auch die Bildqualität. Was aber nicht heisst, dass mehr Pixel in einer Kamera auch bessere Bilder produziert. Je grösser der Platz für eine einzelne Diode, desto besser wird das Bildergebnis – vor allem bei höheren ISO-Werten (Empfindlichkeit). Winzige Sensoren, wie sie in günstigen Kompaktkameras und in Smartphones eingebaut werden, leisten natürlich nie die gleiche Qualität wie eine Halbformat- oder Vollformatkamera. Da nützen doppelt so viele Pixel wenig.

Digitalfotografie in der Dämmerung

Digitalfotografie in der Dämmerung, Sony DSC RX100iii, Zeiss f/1.8-2.8 24-70mm, 24mm KB, 1/20s, f/2.8, ISO3200

Digitalfotografie – JPEG- oder RAW-Dateien

Gehen wir nochmals einen Schritt zurück: Wenn die Daten eines Bildsensor (die Grün-, Rot- und Blauwerte) ausgelesen werden, haben wir noch kein Bild, wie wir es mit den Augen sehen. Diese Rohdaten müssen zuerst ausgewertet und zu Farbwerten umgewandelt werden. Dies geschieht in der Kamera selbst durch eine ausgeklügelte Software. Diese interpretiert die Rohdaten und kann – je nach gewählter Einstellung – die Farben lebendiger gestalten, das Bild etwas schärfen oder den Weissabgleich anpassen. Als Ausgabe sehen Sie schliesslich in der Regel eine JPEG-Bilddatei. Neuere Smartphones, ausgefeiltere Kompaktkameras und fast alle System- und Spiegelreflexkameras bieten die Möglichkeit, diese Rohdaten – RAW-Datei genannt (aus dem Englischen für roh) zu speichern. Sie können mit einem Programm wie Lightroom diese RAW-Dateien am Computer entwickeln und vor der Ausgabe des JPEG-Bildes in die Entwicklung eingreifen – wie das früher mit der analogen Fotografie im Fotolabor der Fall war. Dies eröffnet ungeahnte Möglichkeiten. Sie können zum Beispiel so Ihre RAW-Datei in Schwarzweiss umwandeln, dabei aber die Intensität der einzelnen Grauwerte über Farbfilter steuern.

selektives Schwarzweissfoto Digitalfotografie

selektives Schwarzweissbild, Nikon D5300, Sigma f/2.8 70-200mm, 300mm KB, 1/1000s, f/4, ISO200

Vorteile der Digitalfotografie

  • Sie können das Ergebnis sofort auf dem Bildschirm betrachten
  • Sie können das Bild, wenn es Ihnen nicht passt, gleich nochmals wiederholen
  • Belichtungskorrekturen können Sie in der Live-View begutachten
  • Die Lupenfunktion der Live-View erleichtert das Scharfstellen bei schwierigen Lichtverhältnissen oder bei Nahaufnahmen enorm.
  • Die beweglichen Bildschirme ermöglichen Fotos aus der Froschperspektive, ohne dass Sie sich auf den Boden legen müssen.
  • Sie können das Bild am PC bearbeiten, beschneiden, in Schwarzweiss umwandeln.
  • Die Bildsensoren sind bezüglich der Lichtempfindlichkeit dem analogen Material schon lange überlegen.
  • Sie können in schwierigen Motivsituationen viele Bilder knipsen und die misslungenen wieder löschen, ohne dass dabei Kosten entstehen.
  • In jedem Bild wir eine Exif-Datei eingebettet, welche die Uhrzeit, das Kameramodell, das verwendete Objektiv, die Werte für ISO, Blend und Verschlusszeit, ja sogar die äquivalente Brennweite (Crop-Faktor) und anderes mehr zeigen. So müssen Sie sich diese Werte nicht notieren und können allenfalls Fehler nachvollziehen.
  • Sie benötigen kein riesiges Fotolabor. Ein gutes Programm und einen Computer – und Sie haben die digitale Dunkelkammer in Ihrer Wohnung.
Digitalfotografie Engel mit Schatten an Hausmauer

Engel mit Schatten an Hausmauer, Nikon D5300, Nikkor f/3.5-5.6 18-105mm, 58mm KB, 1/350s, f/13, ISO100

Nachteile der Digitalfotografie

  • Elektronische Daten liegen in einem bestimmten Dateiformat vor. Ob diese Dateien in 20 Jahren noch von einem Programm geöffnet werden können, steht in den Sternen . Adobe hat mit dem dng-Format (digitales Negativ) ein offenes Format entwickelt, welches aber erst von wenigen Kameraherstellern unterstützt wird.
  • Jeder Kamerahersteller verwendet ein eigenes RAW-Format. Wenn Sie eine neue Kamera kaufen, können Sie unter Umständen diese Formate in einem etwas älteren RAW-Entwickler nicht mehr öffnen und müssen sich ein Update zulegen.
  • Viele Kameramodelle haben eine Einschaltverzögerung, die manchmal mehrere Sekunden betragen kann. Damit ist die Zeit vom Einschalten bis zur ersten möglichen Bildaufnahme gemeint. Da wird es für Schnappschüsse schwierig.
  • Weil Digitalfotografie so einfach ist und wenig Kosten verursacht, besteht die Gefahr, dass Sie alle Bilder – egal, wie gut diese sind – aufbehalten und irgendwann die Übersicht über die vielen Fotos verlieren. Wenn Sie die Fotos auf Ihren Computer laden, empfehle ich Ihnen, diese gleich auch zu sortieren und auszumisten. Im Beitrag digitaler Workflow gebe ich Ihnen Tipps dazu.
  • Sie müssen sich gegen Datenverlust sichern und Sicherungskopien anlegen. Papierbilder und Negative konnte man bei einem Diebstahl oder Hausbrand / Wasserschaden verlieren. Ein Computer kann schnell einmal abstürzen, eine Festplatte den Geist aufgeben, ein CD oder DVD nicht mehr lesbar sein. Eine aufwändige Sache. » Datensicherung von Fotos
Goldene Stunde auf dem Lande

Goldene Stunde auf dem Lande, Nikon D5300, Tokina f/2.8 11-16mm, 16mm KB, 1/125s, f/11, ISO100

Digitalfotografie – besser Fotografieren lernen

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» Workshop Bildgestaltung

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