Fotolexikon Fototechnik

Brennweite

Spitzlichter mit Bokeh, Nikon D5300, Sigma f/2.8 70-200mm, 300mm KB, 1/500s, f/4, ISO100

Gras mit Spitzlichtern und schönem Bokeh-Effekt

Was bedeutet eigentllich Brennweite? ich erkläre Ihnen diesen wichtigen technischen Begriff und zeigen Ihnen, wie unterschiedliche Brennweiten wirken.

Grafik: Schematische Darstellung der Brennweite

Grafik: Schematische Darstellung der Brennweite

Als Brennweite wird die Strecke bezeichnet, auf der parallele Strahlen – zum Beispiel von einem Baum – hinter der Lifnse zu einem Punkt gebündelt werden. Je grösser die Brennweite eines Objektivs ist, desto weiter entfernt können Sie von einem Sujet stehen, um es formatfüllend auf den Sensor zu bannen. Je kleiner die Brennweite ist, desto näher können Sie an ein Objektiv herangehen.

Objektivbezeichnung: Brennweite 105mm und Offenblende f/2.8

Objektivbezeichnung: Brennweite 170-200mm und Offenblende f/2.8

Brennweite

Die Brennweite ist vorne am Objektivrand oder am Objektivkörper in Millimetern (mm) angegeben.

Beispiel: Sigma f/2.8 70-200mm Telezoom

Brennweitenvergleich

Mit der Brennweite können Sie also den Bildausschnitt von Ihrem aktuellen Aufnahmestandort aus verändern. Nehmen Sie ein Teleobjektiv, wird das entfernte Haus Format füllend abgebildet. Wechseln Sie zu einem Weitwinkelobjektiv mit kleiner Brennweite (27mm), können Sie die ganze Umgebung des Hauses abbilden.

Beachten Sie die unterschiedlichen Bildausschnitte: Das erste Bild mit einem Weitwinkel von 27mm zeigt das Dorf eingebettet in der Landschaft. Das letzte Bild zeigt mit 450mm Brennweite einen ganz kleinen Ausschnitt aus dem Dorf – den Römerturm von Bergün.

Alle Bildausschnitte sind vom gleichen Standpunkt aus aufgenommen worden:

Brennweiten-Kategorien

Je nach Brennweite werden Objektive in gewisse Kategorien eingeteilt:

Bezeichnung Brennweitenbereich Bildwinkel in Grad
Super-Weitwinkel-Objektive 11 bis 24mm 126 bis 84°
Weitwinkel-Objektive 25 bis 35mm 82 bis 63°
Normal-Objektive 40 bis 50mm 57 bis 47°
Porträit-Objektive 85 bis 130mm 29 bis 19°
Tele-Objektive 140 bis 250mm 17 bis 10°
Super-Tele-Objektive 260 bis 600mm und mehr 10 bis 4°

Mit den Händen zoomen:

Machen Sie den Versuch mit Hilfe Ihrer Hände: Bilden Sie mit den beiden Daumen und den Zeigefingern rechte Winkel, sodass Sie durch einen Bilderrahmen hindurchschauen können. Nun verändern Sie die Entfernung des Bilderrahmens. Beachten Sie, wie sich der Ausschnitt verändert: Wenn Sie den Fingerrahmen nahe ans Gesicht nehmen, können Sie beinnahe das ganze Zimmer überblicken. Wenn Sie jedoch die Arme ganz strecken, wird der Bildausschnitt immer kleiner, bis nur noch die Lampe Format füllend abgebildet wird. Sie haben soeben gezoomt – das Bild näher herangeholt, bzw. den Bildausschnitt verkleinert.

Wenn die Brennweite in etwa der Diagonalen des Film- oder Sensorformates entspricht, erhält man den natürlichsten Eindruck einer Szene. Das heisst, dass unser natürliches Sehfeld diesen Ausschnitt gleich sieht oder empfindet. Objektive mit einer Brennweite von etwa 50mm KB entsprechen diesem natürlichen Eindruck. Berücksichtige ich noch den Crop-Faktor bei Halbformat-Sensoren (z.B. Nikon DX oder Canaon), dann entspricht das einen Objektiv mit der Brennweite 35mm (Crop-Faktor Halbformat Nikon 1.5 x 35mm = 50mm, Canon Halbformat 1.6 x 35mm = 56mm).

Weitwinkel- und Teleobjektive

Objektive im Bereich von 11 – 35mm werden Weitwinkelobjektive genannt, solche im Bereich von 70 – 500mm und weiter Teleobjektive.

Objektive, welche die Brennweite verändern können (zum Beispiel 35 – 70mm) nennt man Zooms (Kurzform von Zoomobjektiven) oder Vario-Objektive.

Kompaktkameras ohne auswechselbare Objektive haben heute praktisch immer ein eingebautes Zoom. Spiegelreflexkameras ermöglichen einen Wechsel der Objektive und erweitern damit die Gestaltungselemente und Einsatzmöglichkeiten enorm. Der Nachteil von veränderbaren Objektivbrennweiten (Zooms) ist oft ihr Gewicht und die durch den Bau bedingte geringere Lichtstärke. Festbrennweiten sind den Zoomobjektiven qualitativ immer überlegen, aber wer nimmt schon gerne fünf schwere Objektive mit auf die Pirsch?

Abstand und Perspektive

Wenn Sie ein Sujet Format füllend aufnehmen möchten, hängt der Abstand vom Objekt zum Objektiv von der gewählten Brennweite ab: Mit einem Teleobjektiv können Sie den Abstand vergrössern, mit einem Weitwinkelobjektiv müssen Sie näher an das Motiv herangehen. Damit ändert sich zwangsweise auch die Perspektive.

Wenn Sie aus einer grossen Entfernung die Freiheitsstatue fotografieren oder in der Nähe der monumentalen Figur stehen, so werden die verschiedenen Perspektiven gut sichtbar.

Andere interessante Perspektiven sind die Vogel- oder Froschperspektive. Sie sehen: Perspektiven- und Objektivwahl sind wichtige Gestaltungselemente der Fotografie.

Brennweiten im APS-Format (Halbformat-Kameras)

Wenn Sie mit einer Halbformatkamera (Beispiel Nikon DX) fotografieren, wird durch den kleineren Sensor der Bildausschnitt kleiner als bei einer Vollformatkamera. Damit Sie trotzdem das Gefühl dafür bekommen, mit welcher Brennweite Sie fotografieren, gibt es eine Faustregel für APS-Kameras:

Ein Normalobjektiv hat die Objektivbrennweite von 30-35mm. Alle Brennweiten, die höher sind, gehören zum Tele-Bereich, alle, die kleiner sind zu den Weitwinkelobjektiven.

Ein 100mm-Objektiv bringt Ihnen den Bildausschnitt eines 150-160mm-Objektivs.

Vergleich Bildausschnitt Kleinbildformat und Halbformat

Vergleich Bildausschnitt Kleinbildformat und Halbformat

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