Was bedeutet die Brennweite in der Fotografie? Und wie beeinflusst sie den Bildwinkel und die Wirkung eines Fotos?

In diesem Artikel wird verständlich erklärt, was die Brennweite ist, wie sie den Bildausschnitt verändert und welche Rolle der Sensor, bzw. der Crop-Faktor spielt.

Brennweite einfach erklärt: Wirkung, Bildwinkel und Crop-Faktor

Schematische Darstellung der Brennweite und Lichtstrahlen im Objektiv
Schematische Darstellung der Brennweite und Lichtstrahlen im Objektiv

Die Brennweite ist ein technischer Begriff aus der Optik. Sie beschreibt den Abstand zwischen Linse und dem Punkt, an dem parallel einfallende Lichtstrahlen gebĂĽndelt werden.

Eine lange Brennweite (z. B. 200 mm) hat folgende Wirkung:

  • kleiner Bildausschnitt
  • Sie können weiter weg stehen
  • Motiv wirkt näher und grösser

Eine kurze Brennweite (z. B. 24 mm) hat folgende Wirkung:

  • grosser Bildausschnitt
  • Sie mĂĽssen näher ran
  • viel Umgebung kommt aufs Bild

Ich merke mir das immer so: Die Brennweite steuert, wie viel ich von der Welt auf das Bild lasse.

Telezoom-Objektiv 70–200 mm mit Brennweitenangabe und Blende f/2.8
Telezoom-Objektiv 70–200 mm mit Brennweitenangabe und Blende f/2.8

Wo finde ich die Brennweite am Objektiv?

Die Brennweite wird in Millimetern (mm) angegeben und ist auf jedem Objektiv vermerkt.

Beispiel: 70–200 mm f/2.8 Telezoom

  • 70 mm sind eher normal
  • 200 mm ist bereits starker Telebereich

Brennweite und Bildausschnitt

Die Brennweite bestimmt, wie viel von einer Szene auf dem Bild zu sehen ist. Vom gleichen Standort aus ergeben sich je nach Brennweite unterschiedliche Ergebnisse:

  • Weitwinkel zeigt eine grosse Szene
  • Teleobjektiv zeigt ein entferntes Detail

Wichtig:

Sie bewegen sich nicht – nur die Brennweite verändert den Bildausschnitt.

Landschaftsaufnahme mit 24 mm Brennweite und grossem Bildwinkel
Landschaftsaufnahme mit 24 mm Brennweite (Weitwinkel) und grossem Bildwinkel
Teleaufnahme mit 400 mm Brennweite mit engem Bildausschnitt
Teleaufnahme mit 450 mm Brennweite mit engem Bildausschnitt

Was ist der Bildwinkel?

Der Bildwinkel beschreibt, wie viel von einer Szene tatsächlich auf dem Bild landet. Er hängt von zwei Faktoren ab:

  • Brennweite
  • Sensorgrösse
Was ist der Bildwinkel nach Brennweite? symbolische Darstellung
Was ist der Bildwinkel nach Brennweite? Symbolische Darstellung

So beeinflusst die Brennweite den Bildwinkel

  • Kurze Brennweite → grosser Bildwinkel
    (viel drauf, typisch Weitwinkel)
  • Lange Brennweite → kleiner Bildwinkel
    (wenig drauf, typisch Tele)
  • Kleiner Sensor → kleinerer Bildwinkel
    (Crop-Effekt)
  • Mehr Abstand → mehr Bildinhalt
  • Näher ans Motiv → weniger Bildinhalt

Mein Praxisbeispiel: gleiche Position, andere Brennweite

Ich habe einmal alle Bilder vom exakt gleichen Standort aufgenommen:

  • 27 mm → ganze Landschaft
  • 50 mm → natĂĽrlicher Eindruck
  • 100–200 mm → Fokus auf Details
  • 300–400 mm → winziger Ausschnitt (z. B. ein Turm)

Genau hier verstehen Sie die Brennweiten am besten.

27 mm

Mit einer kurzen Brennweite von 27 mm zeigt das Foto auch die Umgebung des Dorfes Bergün. Der Blickwinkel ist so gross, dass ich sogar vorne die Blumenwiese einbeziehen konnte. Die Schärfentiefe geht von der Blumenwiese bis ins scheinbar weit entfernte Dorf.

Landschaftsaufnahme BergĂĽn mit 27 mm Brennweite und grossem Bildwinkel
Landschaftsaufnahme BergĂĽn mit 27 mm Brennweite und grossem Bildwinkel

Diese Brennweite eignet sich hervorragend fĂĽr Landschaft, Architektur oder Motive, die Sie in einer speziellen Perspektive und mit Tiefenwirkung zeigen wollen.

50 mm

Mit 50 mm wird der Bildausschnitt bereits stark reduziert, trotzdem hat es im Vordergrund Platz fĂĽr die Blumenwiese, was dem Bild Tiefe gibt.

Dorfansicht bei 50 mm Brennweite mit natĂĽrlichem Bildwinkel
Dorfansicht von BergĂĽn bei 50 mm Brennweite mit natĂĽrlichem Bildwinkel

Die 50 mm zeigen eine neutrale, natĂĽrliche Sicht, wie wir es mit unseren Augen auch sehen.

100 mm

Mit 100 mm Brennweite können Sie bereits den Dorfkern isolieren. Wenn Sie genau hinschauen, sind im Vordergrund einzelne Wiesenblumen oder Halme unscharf zu sehen. Bei gleichem Bildausschnitt und gleicher Blende wirkt die Schärfentiefe bei längeren Brennweiten geringer.

Detailaufnahme von BergĂĽn bei 100 mm Brennweite mit reduziertem Bildwinkel
Detailaufnahme von BergĂĽn bei 100 mm Brennweite mit reduziertem Bildwinkel

Die kleine Tele-Brennweite gibt bereits die Möglichkeit, etwas näher heranzuholen.

200 mm

Mit 200 mm sind wir bereits sehr nahe im Dorf. Wir können sogar Menschen auf dem Bild erkennen. Vom Dorfkern hat bereits nur noch ein Ausschnitt auf dem Bild Platz. Das Motiv wirkt komprimiert und zeigt keine Tiefenwirkung.

Teleaufnahme von BergĂĽn bei 200 mm Brennweite mit engerem Bildausschnitt
Teleaufnahme von BergĂĽn bei 200 mm Brennweite mit engerem Bildausschnitt

Die 200 mm ist eine klassische Tele-Brennweite, die für viele fotografische Situationen geeignet ist. Sehr beliebt ist ein 70–200 mm Zoom, welches einen grösseren Bereich abdeckt.

300 mm

Mit der starken Tele-Brennweite von 300 mm begrenzen wir nochmals den Ausschnitt des Dorfes. Zahlreiche Häuser sind im Gegensatz zum vorherigen Bild nicht mehr sichtbar.

Starker Teleeffekt bei 300 mm Brennweite mit Fokus auf Details
Starker Teleeffekt bei 300 mm Brennweite mit Fokus auf Details

Mit 300 mm kommen Sie bereits sehr nahe an Ihr Motiv. Deshalb ist es eine optimale Brennweite fĂĽr das Fotografieren im Zoo oder von Tieren in freier Wildbahn.

450 mm

Bei 450 mm Brennweite sind die StĂĽhle vor dem CafĂ© gut sichtbar, ebenso viele Details der Hausfassaden. “La Tour”, der Kirchturm im Dorfzentrum, fĂĽllt mit dem Gebäude die komplette Bildhöhe. Gehen Sie noch einmal zum ersten Bild zurĂĽck und suchen den Turm? Erstaunlich, die Funktion einer langen Brennweite.

Extremes Telefoto bei 450 mm Brennweite mit sehr kleinem Bildwinkel
Extremes Telefoto bei 450 mm Brennweite mit sehr kleinem Bildwinkel

Mit 450 mm Brennweite können Sie den Mond bereits ziemlich gross abbilden. Darunter wirkt er meist nur wie ein kleiner Golfball.

Die Bilder zeigen deutlich: Mit zunehmender Brennweite wird der Bildausschnitt kleiner und Details rücken näher.

Einteilung der Brennweiten

Objektive werden je nach Brennweite in Kategorien eingeteilt:

Ultra-Weitwinkel (11–24 mm)

Sehr grosser Bildwinkel, starke Perspektive

Ultra Weitwinkel Aufnahme 15 mm im Tulpenbeet
Ultra Weitwinkel Aufnahme 15 mm im Tulpenbeet

Weitwinkel (24–35 mm)

Landschaft und Architektur, Streetfotografie

Weitwinkel Aufnahme mit 24 mm Brennweite zur Blauen Stunde in Ascona
Weitwinkel Aufnahme mit 24 mm Brennweite zur Blauen Stunde in Ascona

Normalbrennweite (40–50 mm)

NatĂĽrlicher Bildeindruck, keine Verzerrungen

Normalbrennweite 50 mm Museumslok
Normalbrennweite 50 mm Museumslok

Portrait (85–130 mm)

Angenehme Proportionen

Portrait einer Miss Viehschau 70 mm Brennweite
Portrait einer Miss Viehschau 90 mm Brennweite

Tele (ab ca. 135 mm)

Details, Tiere, Sport

Blätter im Gegenlicht mit Tele 200 mm näher herangeholt
Blätter im Gegenlicht mit Tele 200 mm näher herangeholt

Super-Tele (ab ca. 300 mm)

Sehr weit entfernte Motive, Tiere, Mond fotografieren

Schimpanse mit Super-Tele im Walter Zoo beobachten 460 mm
Schimpanse mit Super-Tele im Walter Zoo beobachten 460 mm

Weitwinkel vs. Teleobjektiv

Weitwinkelobjektiv

  • grosser Bildwinkel
  • viel Umgebung sichtbar
  • verstärkt Perspektive

Typische Einsatzbereiche:

Weitwinkelaufnahme im Wald mit 15 mm Brennweite und grossem Bildwinkel
Weitwinkelaufnahme im Wald mit 15 mm Brennweite und grossem Bildwinkel

Teleobjektiv

Typische Einsatzbereiche:

Schimpanse im Zoo fotografiert mit Teleobjektiv und 360 mm Brennweite
Schimpanse im Zoo fotografiert mit Teleobjektiv und 360 mm Brennweite

NatĂĽrliche Brennweite

Eine Brennweite wirkt dann “natĂĽrlich”, wenn sie ungefähr der Diagonale des Sensors entspricht.

Das bedeutet:

  • Vollformat: ca. 50 mm
  • APS-C: ca. 35 mm
  • Micro Four Thirds: ca. 25 mm

Diese Brennweiten erzeugen einen Bildeindruck, der dem menschlichen Sehen nahekommt.

Streetfotografie mit 35 mm APS-C Sensor gibt natĂĽrlichen Bildeindruck
Streetfotografie mit 35 mm APS-C Sensor gibt natĂĽrlichen Bildeindruck

 Welche Brennweite ist ideal für Anfänger?

Eine Brennweite zwischen 35 mm und 50 mm eignet sich besonders gut für Anfänger, da sie einen natürlichen Bildeindruck liefert und vielseitig einsetzbar ist.

Crop-Faktor einfach erklärt

Bei Kameras mit kleinerem Sensor verändert sich der Bildausschnitt. Dieser Effekt wird als Crop-Faktor bezeichnet.

Beispiel:

  • 50 mm auf Vollformat
  • entsprechen ca. 75 mm auf APS-C

Die Brennweite bleibt gleich, aber der Bildausschnitt verändert sich.

Vergleich Bildausschnitt Kleinbildformat und Halbformat - Crop-Faktor - Brennweite
Vergleich von Bildausschnitt Vollformat und APS-C  Crop-Faktor

Zoomobjektiv oder Festbrennweite?

Zoomobjektiv

  • variable Brennweite (z. B. 24–70 mm)
  • flexibel einsetzbar

Nachteile:

Festbrennweite

Nachteil:

  • weniger flexibel

Abstand, Perspektive und Brennweite

Die Brennweite beeinflusst nicht direkt die Perspektive – entscheidend ist der Abstand zum Motiv.

  • kurze Brennweite → näher am Motiv
  • lange Brennweite → grösserer Abstand

Dadurch verändert sich die Bildwirkung deutlich.

Beispiel Fisheye-Objektiv 10.5 mm

Kirche in Mogno mit Fisheye nahe am Motiv - viel auf dem Bild
Kirche in Mogno mit Fisheye nahe am Motiv – viel auf dem Bild

Fazit

Die Brennweite ist eines der wichtigsten Gestaltungsmittel in der Fotografie.

Sie beeinflusst:

  • den Bildausschnitt
  • den Bildwinkel
  • die Wirkung des Motivs

Wer den Zusammenhang zwischen Brennweite, Sensorgrösse und Abstand versteht, kann Motive gezielt gestalten und fotografisch bewusster arbeiten.

Häufigste Fragen zur Brennweite

Was bedeutet Brennweite einfach erklärt?

Die Brennweite beschreibt, wie stark ein Objektiv ein Motiv vergrössert und wie gross der Bildausschnitt ist. Kurze Brennweiten zeigen viel Umgebung, lange Brennweiten holen entfernte Motive näher heran.

Welche Brennweite ist die beste für Anfänger?

FĂĽr Einsteiger eignet sich eine Brennweite zwischen 35 mm und 50 mm besonders gut, da sie einen natĂĽrlichen Bildeindruck liefert und vielseitig einsetzbar ist.

Was ist der Unterschied zwischen Brennweite und Zoom?

Die Brennweite ist ein fester Wert (z. B. 50 mm). Zoom bedeutet, dass ein Objektiv mehrere Brennweiten abdecken kann, zum Beispiel 70–200 mm.

Beste Brennweite fĂĽr Portraits?

FĂĽr Portraits werden meist Brennweiten zwischen 85 mm und 130 mm verwendet, da sie natĂĽrliche Proportionen erzeugen und das Motiv gut vor dem Hintergrund freistellen.

Was bedeutet Crop-Faktor bei der Brennweite?

Der Crop-Faktor beschreibt, wie sich der Bildausschnitt bei kleineren Sensoren verändert. Eine Brennweite von 50 mm wirkt auf einer APS-C-Kamera wie 75 mm.

Warum wirkt ein Bild mit Teleobjektiv anders als mit Weitwinkel?

Ein Teleobjektiv zeigt einen kleineren Bildausschnitt und komprimiert die Szene optisch. Ein Weitwinkel zeigt mehr Umgebung und verstärkt die räumliche Tiefe.

Beste Brennweite fĂĽr Landschaft?

Für Landschaften werden häufig Weitwinkelobjektive zwischen 15 und 35 mm verwendet, um möglichst viel von der Szene zu zeigen und räumliche Tiefe zu erzeugen.

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