Fotopraxis

Wolken verwischen lassen

Mit einer Langzeitbelichtung am Tag können Sie Wolken verwischen lassen, die über den Himmel ziehen. In diesem Artikel zeige ich Ihnen auf, was Sie dafür benötigen und welche Kameraeinstellungen Sie vornehmen sollten.

Wolken verwischen lassen

Eine besondere Art von Landschaftsfotografie erzielen Sie mit einer Langzeitbelichtung, welche statische Motive scharf abbildet, die am Himmel vorüberziehenden Wolken aber verwischt darstellt. Der Kontrast der Wolkenstreifen am blauen Himmel fasziniert.

Damit ein solches Bild überhaupt klappt, benötigen Sie schönes Wetter mit kleinen, vorbeiziehenden Wolken.

Kameraausrüstung – Wolken verwischen lassen

  • Kamera mit der Möglichkeit, Langzeitbelichtungen über 30 s zu machen (bulb-Funktion)
  • Objektiv mit der Möglichkeit, einen Graufilter zu montieren
  • Objektivbrennweite im Weitwinkelbereich (15 bis 35 mm)
  • Streulichtblende passend zum Objektiv
  • ND3-Graufilter (schlickt 10 Belichtungsstufen Licht)
  • Polarisationsfilter, um das Blau des Himmels zu verstärken
  • stabiles Stativ
  • Okular-Abdeckung für Spiegelreflexkameras
  • Draht- oder Fernauslöser, allenfalls Fernauslöser mit Timer
  • Stoppuhr

Kameraeinstellungen – Wolken verwischen lassen

  • Fotografieren Sie wenn möglich im RAW-Format. Sie können damit das Bild am Compter optimal entwickeln und korrigieren.
  • Stellen Sie die Sensor-Empfindlichkeit auf den tiefst möglichen Wert, meist ISO50 oder ISO100.
  • Stellen Sie Ihre Kamera über das Menü oder das Funktionsrad auf M manuell.
  • Stellen Sie die Blende auf einen Wert zwischen f/8 und f/16, um eine grosse Schärfentiefe zu erhalten. Vermeiden Sie aber ganz hohe Werte, weil das auf Kosten der Gesamtschärfe gehen könnte.
  • Aktivieren Sie an einer Spiegelreflexkamera die Spiegelvorauslösung.
  • Deaktivieren Sie an der Kamera oder am Objektiv den Bildstabilisator, da Sie ja mit dem Stativ arbeiten werden.

Vorgehen beim Wolken verwischen lassen

  • Suchen Sie sich ein gutes, statisches Motiv, welches im Kontrast zu den vorbeiziehenden unscharfen Wolken stehen soll. Das kann ein Gebäude, eine Wurzel, ein Baum, eine Bergkette usw. sein.
  • Stellen Sie Ihr Stativ auf. Lassen Sie die Mittelsäule eingefahren und benützen Sie nur die Stativsektionen, die Sie unbedingt benötigen. Je höher das Stativ, desto grösser die Gefahr von Erschütterungen.
  • Wenn Sie nicht alle Stativelemente benötigen, verwenden Sie zuerst die dickeren.
  • Montieren Sie die Kamera auf dem Stativ.
  • Richten Sie den gewünschten Bildausschnitt. Achten Sie dabei auf die Zugrichtung der Wolken.  In dieser Richtung werden auch die Wolkenstreifen abgebildet. Passt das zum statischen Motiv?
  • Fokussieren Sie auf Ihr Motiv und deaktivieren Sie danach den Autofokus.
  • Montieren Sie den Polarisationsfilter und drehen ihn so, bis das Blau des Himmels am dunkelsten erscheint. Der Polfilter entfaltet seine beste Wirkung im 90-Grad-Winkel zur Sonne.
  • Stellen Sie zur gewählten Blende die passende Verschlusszeit ein und machen Sie ein Testbild. Bei schönem Wetter haben Sie etwa 13-14 Lichtwert. Sie können bei ISO100 und Blende f/16 mit einer Verschlusszeit von 1/60 s belichten. Der Polarisationsfilter schluckt nochmals etwa 2 Lichtwerte oder Belichtungsstufen. Vermutlich wird Ihre Belichtung mit 1/15 s korrekt.
  • Verlängern Sie nun die Verschlusszeit um 10 ganze Schritte. Sie können eine Lichtwerttabelle ausdrucken oder ein App wie xxx für die Berechnung benutzen. Im Beispiel gäbe das eine Verschlusszeit von 60 s.
  • Montieren Sie erst jetzt den ND3-Filter, ohne den Polfilter wieder zu drehen.
  • Decken Sie bei einer Spiegelreflexkamera das Okular mit dem Deckel ab, damit kein Streulicht in den Sucher gelangt. Bei einer spiegellosen Kamera ist dies nicht der Fall.
  • Lösen Sie mit dem Draht- oder Fernauslöser ein Bild aus.
  • Ist die Belichtung zu lang, reduzieren Sie die Verschlusszeit um einen oder zeit Schritte von 60 s auf 30 s auf 15 s und öffnen gleichzeitig die Blende von f16 auf f/11 und f/8.
  • Sollte die Belichtungszeit für einen tollen Effekt immer noch zu lang sein, stellen Sie die ISO von 100 auf 200 und verkürzen die Verschlusszeit auf 8 s.

Mögliche Belichtungs-Kombinationen – Belichtungsdreieck

Annahme: Gesamtlicht 14 Lichtwerte minus Polfilter (- 2 LW) = 12 LW minus ND3-Graufilter (- 10 LW) = 2 LW. Kombinationsmöglichkeiten:

  • ISO 100, f/16 und 60 s
  • ISO 100, f/11 und 30 s
  • ISO 100, f/8 und 15 s
  • ISO 200, f/8 und 8 s (ISO-Wert eine Stufe erhöht, Verschlusszeit eine Stufe verkürzt)
  • ISO 400, f/8 und 4 s

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