Fotopraxis

Schwarzweiss sehen lernen

schwarzweiss sehen lernen - Postplatz Locarno, Sony DSC-RX100iii, Zeiss f/1.8-2.8 24-70 mm, 24 mm KB, 1/160s, f/4, ISO 125

schwarzweiss sehen lernen - Postplatz Locarno

Schwarzweiss sehen lernen – das Auge schulen. Schwarzweiss-Fotos faszinieren auch noch in der Zeit der Farbfotografie. Doch nicht jedes Motiv eignet sich dazu. Ich zeige Ihnen, auch was Sie beim Schwarzweiss-Fotografieren achten sollten.

Schwarzweiss sehen lernen – das Auge schulen

Ihre Augen müssen zuerst Schwarzweiss sehen lernen. Das geht am besten, wenn Sie ein paar tolle Schwarzweissfotos betrachten oder Ihre Bilderdatenbank durchgehen und von einzelnen Aufnahmen die Farbe entfernen. In Adobe Lightroom können Sie ganz einfach von Farbe auf Schwarzweiss umstellen, ohne dass Ihr Original verändert wird. Vergleichen Sie die Wirkung der Bilder. Welche Motive eignen sich auch für Schwarzweiss-Fotografien?

Dieses Bild mit den roten Mohnblüten wirkt als Original mit dem Kontrast zwischen den grünen Blättern, der grünen Wiese und den roten Blütenblättern. In Schwarzweiss kann ich durch „Drehen“ an den Farbfiltern die Mohnblüten so richtig kontrastreich zum Leuchten bringen.







In diesem Beispielbild mit Lego-Bausteinen können Sie die Wirkung der Farben rot, gelb, blau und grün in Schwarzweiss ganz deutlich sehen (zum Vergrössern anklicken):

Bei den folgenden Bilder habe ich in Lightroom die RAW-Datei mit unterschiedlichen „Farbfiltern“ angepasst. Bild 1: Farbe gelb auf -56, Bild 2: Farbe rot auf -65, Bild 3: Farbe grün auf -96. Klicken Sie die Vorschaubilder zum Vergrössern an und vergleichen Sie die Graustufen-Farben mit dem Original-Farbbild.

 

Wenn Sie mit der Zeit etwas Übung haben, werden Sie schon bei einem Farbbild abschätzen können, ob es auch in schwarzweiss wirken könnte.

Schwarzweiss sehen lernen – auf Farben verzichten

Wenn Sie beim Fotografieren auf Farben verzichten, müssen Sie ein neues „Sehen“ lernen. Sie können Farben nicht mehr als Blickfang einsetzen, sondern müssen mit den Helligkeitskontrasten, Formen und Strukturen arbeiten. Motive in gleichmässigen Licht werden da schnell zu einem Einheitsbrei von Grauwerten.

Gewisse Farbakzente in Schwarzweiss verlieren die Wirkung. Als Beispiel hier ein Farbbild, welches ich in Graustufen umgewandelt habe:

Ich habe natürlich bewusst diese Farbkombination genommen, um zu zeigen, wie extrem Farbwerte in Graustufen untergehen können.

Dafür bietet es sich in der Schwarzweiss-Fotografie an, bei Sonnenhöchststand zu fotografieren: Die Schatten sind dann besonders stark, was in der Schwarzweiss-Fotografie sehr gut zur Geltung kommt.

Um das zu üben, können Sie Ihre Kamera auf RAW-Format (allenfalls RAW-Format und JPG) umstellen und im Menü „monochrom“ auswählen. In der Bildvorschau zeigt Ihnen Ihre Kamera dann gleich ein Schwarzweiss-Bild. Wenn Sie fotografieren, haben Sie aber auf Ihrer Speicherkarte ein Farbbild und können mit einem RAW-Konverter die Farbabstimmung am PC machen.

Ein blauer Himmel – bei Verwendung eines Polarisationsfilters tiefblau – wird in Schwarzweiss beinahe schwarz. Architekturbilder bei blauem Himmel wirken mit dem Kontrast von Himmel zu Beton sehr gut:

schwarzweiss sehen lernen - Postplatz Locarno
schwarzweiss sehen lernen – Postplatz Locarno, Sony DSC-RX100iii, Zeiss f/1.8-2.8 24-70 mm, 24 mm KB, 1/160s, f/4, ISO 125

 

Kabelrolle mit Sepia Effekt mit Lightroom
Kabelrolle am Bahnhof, Nikon D750, Nikkor f/1.8 50 mm, 1/30s, f/8, ISO 100 – Teiltonung mit Lightroom

Sehr schön wirken Schwarzweiss-Bilder, wenn Sie diese mit einem Sepia-Effekt aufpeppen. Das Schwarzweiss-Foto wirkt dann nicht klinisch, sondern bekommt in den Tiefen einen Farbton aufgesetzt. Für Lightroom oder Photoshop gibt es eine Anleitung dazu.

Der Winter ist eine geradezu geeignete Jahreszeit für den Einstieg in die Schwarzweiss-Fotografie, weil der Schnee als weisses Element dazukommt und die Kontraste von Natur aus schon stärker sind.

Im Januar an der Piazza in Ascona
Im Januar an der Piazza in Ascona, Nikon D750, Tamron f/1.8 35 mm, 1/350s, f/8, ISO 100

Architekturaufnahmen eignen sich ebenfalls sehr gut. Ideal sind da die Randstunden des Tages, weil das Sonnenlicht lange und harte Schatten wirft.

Starke Kontraste, Texturen und Muster, Linien, Silhouetten (im Gegenlicht fotografieren) eignen sich sehr gut für Schwarzweiss-Bilder.

Schwarzweiss sehen lernen
Holzstrukturen fotografieren: Nikon D5300, Sigma f/2.8-4 17-70 mm, 105 mm KB, 1/500s, f/6.7, ISO 100

Schwarzweiss fotografieren

Wenn Sie mit dem RAW-Format arbeiten, ist Ihre Aufnahme nur das Rohmaterial – das digitale Negativ. Mit diesem gehen Sie statt wie früher in die Dunkelkammer an Ihren PC und bearbeiten Ihr Bild nach Wunsch in einem RAW-Konverter – in der digitalen Dunkelkammer. Danach ziehen Sie von Ihrem digitalen Negativ JPG-Kopien. Das Originalbild wird dabei nie verändert. Infos dazu unter RAW-Format.

Achten Sie beim Fotografieren auf eine höchstmögliche Bildqualität. ISO-Wert möglichst tief, Belichtung möglichst perfekt abstimmen, für eine grosse Schärfentiefe eine Blende im mittleren Bereich (Sweet-Spot: f/8 bis f/11) wählen.

Steg am Manneweier in St Gallen
Steg am Manneweier in St Gallen, Nikon D5300, Sigma f/2.8 70-200 mm, 120 mm KB, 1/125s, f/2.8, ISO 100
Damenschuh im Schaufenster - RAW-Entwicklung Lightroom
Schuh im Schaufenster, Nikon D5300, Nikkor f/1.8 50 mm, 75 mm KB, 1/350s, f/1.8, ISO 100

Aktivieren Sie an Ihrer Kamera die Belichtungswarnung: Sie zeigt an, welche Stellen im Bild zu hell oder zu dunkel sind. Diese Bereiche blinken zum Beispiel rot und blau. Erstellen Sie bei schwierigen Lichtverhältnissen Belichtungsreihen.

Es ist einfacher, aus leicht überstrahlten Lichtern Informationen zu holen als abgesoffene Schatten zu retten. Im Zweifelsfall lieber leicht überbelichten. Helle Bildteile enthalten viel mehr Bildinformationen als dunkle. » Clipping vermeiden

Winterstimmung am Weiher mit Negativ-Effekt- fotografieren im Schnee
Winterstimmung am Weiher, Samsung Galaxy S4, 31 mm KB, 1/125s, ISO 50, Negativ-Effekt mit Camera-App

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