Mit Wellen gestalten ist ein toller Motivbereich, den Sie auch mit einfachen Kompaktkameras ausprobieren können. In diesem Artikel zeige ich Ihnen, wie das funktioniert.
Mit Wellen gestalten
Am See- oder Meeresufer gibt es immer tolle Motive zum Fotografieren: Strandgut, Steine, Muscheln, Zeichnungen im Sand usw. Ich habe mich schon mehrere Stunden mit Fotoapparat, Stativ und frĂĽher mit den Ektachrom 25 – Diafilmen am Ufer eines Sees aufgehalten. Der schwach empfindliche 25 ASA-Film (gleich ISO 25) erlaubte auch bei Sonnenschein lange Verschlusszeiten und war fĂĽr seine prägnanten Farben bei Fotografen sehr beliebt.
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Mit den Digitalkameras und den Speicherkarten können Sie heutzutage viel experimentierfreudiger fotografieren, weil die einzelnen Bilder nicht ins Geld gehen. FĂĽr 36 Diapositive zahlte ich mit Entwicklung wohl um die 25 bis 30 CHF (23 bis 27 Euro). Mit den Wellen-Experimenten, um die es in diesem Artikel geht, habe ich ĂĽber 400 Einzelbilder geschossen – etwas, was frĂĽher aus finanzieller Hinsicht nicht möglich gewesen wäre.

Die Welle als Gestaltungselement
Als ich versuchte, eine am Ufer liegende Kette interessant ins Bild zu rücken, kam ich auf die Idee, die Wellen, welche in kurzen Abständen ans Ufer rollten, in die Gestaltung einzubeziehen.
Mit einer etwas längeren Verschlusszeit und mittlerer Brennweite können Sie die Bewegung der Welle als Wischeffekt einfangen. Dieser Effekt zeichnet einen Teil des Bildausschnittes weich und gibt dem Motiv Bewegung mit.

Kameraeinstellungen
- Stellen Sie den ISO-Wert möglichst tief. So erhalten Sie knackig scharfe Aufnahmen mit schönen Farben.
- Verwenden Sie wenn möglich das RAW-Format. Sie haben mehr Korrekturreserven beim Entwickeln der RAW-Bilder.
- Die Verschlusszeit mĂĽssen Sie so kurz wählen, dass ein verwacklungsfreies, scharfes Bild des Hauptmotivs möglich wird. Ich hatte leider kein Stativ dabei – schaffte es mit ein bisschen Ausprobieren und einem guten Bildstabilisator trotzdem.
- Wenn Sie ein Stativ dabei haben, können Sie auch mit längeren Verschlusszeiten experimentieren.
- Verwenden Sie auf dem Stativ einen Fernauslöser.
- Stellen Sie auf dem Stativ den Bildstabilisator aus.
- Probieren Sie die beste Verschlusszeit experimentell aus. Je nach Stärke, Schnelligkeit der Welle und verwendetem Bildauschnitt oder Brennweite benötigen Sie eine etwas längere oder kürzere Verschlusszeit.
- Da die ins Bild schwappende Welle die automatische Schärfeneinstellung ablenken könnte, empfehle ich Ihnen, die Schärfe manuell auf das Hauptmotiv (Kettenglieder, Stein / Steine) im Vordergrund zu stellen.
- Stellen Sie die Kamera auf schnelle Serienbildfunktion. So können Sie beim Eintreffen der Welle auslösen und danach die beste Bildaufteilung aussuchen. Der beste Moment beim Eintreffen der Welle ist ein Zufallstreffer!
- Wenn Sie bei guten Lichtverhältnissen längere Verschlusszeiten möglich machen wollen, benötigen Sie unter Umständen einen Graufilter, welcher einen Teil des Lichts schluckt.

Der Verwischeffekt
Die anrauschende Welle wird mit der langen Verschlusszeit von 1/30 s ganz leicht unscharf wiedergegeben. Das Bild erhält in einem Teil unscharfe Wischbewegungen, welche dem Bild eine gewisse Ruhe, aber auch Dynamik bringt. Die scharf abgebildeten Teile und die Steine werden zum Hauptmotiv. Durch die etwas längere Verschlusszeit ergab sich als Kombinationswert eine kleinere Blende, was für genügend Schärfentiefe sorgte.
Effekt sichtbar machen:
Mit den beiden Vergleichsaufnahmen wird die Bedeutung des Wischeffektes deutlich:


Nach dem Fotografieren das Ordnen und Aussortieren
Von einem Motiv knipste ich innerhalb von fĂĽnf Minuten um die 200 Bilder. Die Auswahl der Fotos, die ich jeweils behalte, nehme ich immer am Computerbildschirm vor. Es macht ja keinen Sinn, alle 200 Bilder aufzubewahren und sichern zu mĂĽssen. Zuerst ĂĽberprĂĽfte ich die Aufnahmen anhand des Wellen-Effektes. Wenn dieser fĂĽr mich stimmte, ĂĽberprĂĽfte ich noch, ob die bildwichtigen Teile auch scharf abgebildet waren. So blieben von den 200 Bildern zwölf im “Finale“, wovon fĂĽnf fĂĽr mich sehr gut gelungene Aufnahmen das Bleiberecht auf der Festplatte erhielten.
Sie sehen: Mit Wellen gestalten ist ĂĽberhaupt keine schwierige Aufgabe. Probieren Sie es aus!
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