DigiSpick Fotopraxis

Langzeitbelichtungen und Nachtaufnahmen

S-Bahn in der Abenddämmerung, Nikon D5300, Sigma f/2.8-4 17-70mm, 39mm KB, 30s, f/6.7, ISO100

S-Bahn in den Abendstunden

Die Faszination der Langzeitbelichtungen und Nachtaufnahmen

Langzeitbelichtungen und Nachtaufnahmen strahlen immer einen besonderen Reiz aus. Mit ein paar wenigen Tipps können Sie mit einer Kompakt- oder besser noch einer Spiegelreflexkamera solche Fotos selber schiessen.

Von Langzeitbelichtung spricht man, wenn Sie eine Verschlusszeit wählen, mit der Sie nicht mehr aus der Hand erschütterungsfrei fotografieren können.

Probieren Sie Langzeitbelichtungen auch einmal während des Tages aus. Mit Graufiltern können Sie trotz guten Lichtverhältnissen lange Belichtungszeiten erreichen. Mehr dazu unter Motivideen.

Im Digitipps Spezial zeige ich Ihnen, welche Kameraeinstellungen, welche Ausrüstung, welches Zubehör nötig ist und was Sie bei der Bildkomposition beachten können.

Telefonkabine in Magadino, Blaue Stunde

Telefonkabine in der blauen Stunde, Nikon D7000, Nikkor f/3.5-5.6 18-105mm, 45mm KB, 3s, f/22, ISO 100, Stativ

Fotoausrüstung für Langzeitbelichtungen und Nachtaufnahmen

  • Sie können mit einer normalen Kompaktkamera Langzeitbelichtungen und Nachtaufnahmen knipsen. Nötig ist dazu eine Verschlusszeit von etwa 30s. Spiegelreflexkameras weisen die Funktion bulb auf, mit der beliebig lange belichtet werden kann.
  • Sehr praktisch sind die Draht- oder Fernauslöser, welche Zeiten individuell einstellen lassen. In der Not hilft auch der Selbstauslöser (auf 2s eingestellt).
  • Nachtfotografien haben einen besonderen Reiz, wenn Sie mit einem Weitwinkelobjektiv fotografieren. Die meisten Nachtaufnahmen sind wohl mit einem solchen geknipst worden. Es gibt aber auch Motive, die eine Normalbrennweite oder ein Teleobjektiv verlangen.
  • Wenn Sie längere Belichtungen machen möchten, aber zu viel Licht vorhanden ist, helfen die Neutraldichte- oder Graufilter (auch ND-Filter genannt) weiter. Diese schlucken unterschiedlich viel Licht und erlauben auch Langzeitbelichtungen bei gutem Wetter (ND3 – Filter = 10 Blendenstufen weniger).
  • Wenn Sie lange Belichtungszeiten vornehmen wollen, fahren Sie am besten mit einem stabilen Stativ. Bei kleinen Kompaktkameras sind Gorillapads praktisch. Lassen Sie an Ihrem Stativ die Mittelsäule immer eingefahren. Die schwere Spiegelreflexkamera kann bedeutend ruhiger gehalten werden. » Tipps Stativ optimal einsetzen
  • Setzen Sie die Gegenlichtblende auf Ihr Objektiv. Streulicht von der Seite ist bei Nacht- oder Langzeitbelichtungen Gift.
  • Grauverlaufsfilter können den hellen Himmel etwas abdunkeln. Darauf können Sie bei der Digitalfotografie verzichten. Zuhause am Computer sind Farb- und Helligkeitsverläufe nach Belieben mit einem Bildbearbeitungsprogramm schnell eingefügt.
  • Nehmen Sie unbedingt einen voll aufgeladenen Akku und einen Ersatz-Akku mit. Lange Belichtungszeiten benötigen viel Strom!
  • Okularabdeckung für Spiegelreflexkameras (Streulichtschutz)
Wasserfall in der Äuelischlucht, Langzeitbelichtungen und Nachtaufnahmen

Wasserfall in der Äuelischlucht, Nikon D750, Tamron f/2.8 15-30mm, 15mm KB, 1/4s, f/13, ISO50, Stativ

Nützliches Zubehör für Langzeitbelichtungen und Nachtaufnahmen

  • Je nach Arbeitsort ist eine Leuchtweste wichtig, damit Sie von anderen Verkehrsteilnehmern gesehen werden. Sicherheit geht vor!
  • Eine Taschenlampe – noch besser eine Stirnlampe – kann sehr praktisch sein, wenn der Standort unbeleuchtet ist.
  • Stoppuhr (oder besser selber programmierbarer Drahtauslöser)
    schwarzes Zeichnungspapier/Karton zum Abdecken
  • Bei Wind beschweren Sie das Stativ. Hängen Sie zum Beispiel den Fotorucksack daran. Mit dem zusätzlichen Gewicht wird das Stativ viel stabiler.

Praxistipps für Langzeit- und Nachtaufnahmen

  • Wählen Sie für Nachtaufnahmen einen Standort, der möglichst wenig Licht aufweist und verwenden Sie immer die Streulichtblende am Objektiv. Damit vermeiden Sie schräg einfallendes Licht, welches zu störenden Reflexionen führen kann.
  • Für perfektes Scharfstellen verzichte ich immer auf die Autofokus-Funktion. Die Kamera hat je nach Lichtverhältnissen Mühe, korrekt zu fokussieren. Eine Zwischenlösung: Fokussieren Sie auf eine beleuchtete Stelle und schalten Sie dann den Autofokus ab. Kontrollieren Sie im Live-View-Modus mit der Lupe (Vergrösserung), ob das Motiv wirklich scharf ist.
  • Lösen Sie die Aufnahme mit Selbst-, Draht- oder Funkauslöser aus. Kontrollieren Sie sofort, ob die Aufnahme scharf ist. Wenn nicht, kontrollieren Sie die Stabilität des Stativs, die korrekte Scharfstellung, die Blende (f/8 bis f/16 meist beste Ergebnisse) und ob Sie den Bildstabilisator ausgeschaltet haben, wenn Sie mit dem Stativ fotografieren.
  • Stellen Sie, wenn möglich, die Matrix-Belichtungsmessung ein. Sie liefert in der Regel die besten Ergebnisse. Trotzdem werden Sie um Belichtungsreihen nicht herumkommen Machen Sie ein paar Testaufnahmen und kontrollieren Sie die Belichtung am Histogramm Ihrer Kamera.
  • Stellen Sie die im Histogramm die Belichtungswarnung ein. Leuchten Teilbereiche des Bildes auf, dann enthalten Sie keine Bildinformationen mehr. Entweder sie sind überstrahlt (ganz weiss, ausgefressen) oder ganz schwarz (abgesoffen). Vermeiden Sie solche Extremsituationen.
  • Wenn Sie einen sehr hohen Kontrastumfang aufnehmen wollen, führt der Weg über HDR-Aufnahmen.
Abendstimmung auf der Piazza Grande in Locarno

Nikon D7000, Tokina f/2.8 11-16mm, 16mm KB, 6s, f/9, ISO100, Stativ, HDR-Verarbeitung

  • Kommen bei Langzeitaufnahmen störende Lichtquellen ins Bild (Auto…), halten Sie einfach einen schwarzen Karton vor die Linse.
  • Achten Sie auf überstrahlende Lichtpunkte im Hintergrund. Diese können die Bildkomposition stören. Ändern Sie wenn nötig den Aufnahmestandort, die Perspektive oder den Bildausschnitt.
  • Verändern Sie den Bildausschnitt und überprüfen Sie am Monitor die Wirkung. Manchmal hilft schon eine andere Position – zum Beispiel sehr tief über dem Boden -, um einen ungewöhnlichen Effekt zu erreichen.
  • Nehmen Sie mehrere Bilder auf, wenn Fahrzeuge Lichtspuren ziehen. Wählen Sie dann in Ruhe zuhause die beste Lichtspur am Computer aus.
  • Möchten Sie punktuelle Lichtquellen als Strahlen abbilden, schliessen Sie die Blende am Objektiv. Achten Sie aber auf die entstehende Beugungsunschärfe bei ganz geschlossener Blende.
  • Wenn Sie im RAW-Format fotografieren, können Sie solche sternförmigen Effekte durch leichtes Ziehen der Regler Klarheit, Lichter, Dynamik und Belichtung nach rechts verstärken.
  • Fotografieren Sie in der Goldenen Stunde. Die warmen Lichttöne und die langen Schatten führen zu mehr Tiefe und zu einer tollen Atmosphäre.
  • Sternenspuren entstehen bei einer Belichtung von 30s bis 1 Minute.

» Kameraeinstellungen für Nacht- und Langzeitaufnahmen

DigiSpick – das pratkische Handout

Das Handout DigiSpick mit den wichtigsten Tipps und Tricks zum Thema können Sie hier kostenlos downloaden und ausdrucken: » Stimmungsvolle Nachtaufnahmen


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