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Langzeitbelichtung am Wasser

Langzeitbelichtung am Wasser, Nikon D7000, Tokina f/2.8 11-16mm, 16mm KB, 1/20s, f/9.5, ISO100, Stativ

Langzeitbelichtung am Wasser

Möchten Sie mit einer Langzeitbelichtung am Wasser den tollen Schleiereffekt von fliessendem Wasser einfangen? Ich zeige Ihnen, mit welcher Technik und welchen Kameraeinstellungen das funktioniert.

Von Langzeitbelichtungen spricht man, wenn Sie eine Verschlusszeit wählen, mit der Sie nicht mehr erschütterungsfrei aus der Hand fotografieren können.

Langzeitbelichtung am Wasser fotografieren

An Fliessgewässern – wie hier an der Ava da Tuors in Bergün/GR – oder am See und Meer können Sie mit Langzeitbelichtungen Fliessspuren von Wasser sichtbar machen und tolle Gestaltungseffekte erzielen. Am einfachsten geht das bei eher schwachen Lichtverhältnissen, da eine lange Verschlusszeit eine sehr kleine Blendenöffnung (hoher Blendenwert) erfordert.

Langzeitbelichtung am Wasser mit Teleobjektiv

Langzeitbelichtung am Wasser, Nikon D7000, Nikkor f/4.5-5.6 55-300mm, 230mm KB, 1/30s, f/16, ISO100, auf Brückengeländer abgestützt

Ausrüstung für Langzeitbelichtungen am Tag

  • Spiegelreflexkameras bieten mit den vielen Einstellungsmöglichkeiten und dem möglichen Zubehör genau das, was Sie brauchen.
  • Mit einer Kompaktkamera sind solche Effekte auch möglich, Sie müssen sich aber bei den Einstellmöglichkeiten (Blendenwerte) mit einer viel kleineren Auswahl begnügen.
  • Um verwacklte Langzeitbelichtungen am Wasser zu vermeiden, ist ein Stativ und ein Draht- oder Fernauslöser für erschütterungsfreies Auslösen fast unumgänglich. Wenn Sie keinen Draht- oder Fernauslöser haben, können Sie sich auch mit dem Selbstauslöser (auf 2 s eingestellt) behelfen.
  • Ist das Licht zu stark, können Sie mit einem Graufilter die durch das Objektiv einfallende Lichtmenge reduzieren. Bei Kompaktkameras können Sie sich mit dem Hinhalten eines Graufilters vor das Objektiv behelfen. Probieren Sie es einfach mal aus.








  • Bei der Wahl des Objektivs oder der Brennweite kommt es auf Ihr Motiv an. Das Bild mit der Wurzel habe ich mit einer 85mm (127mm KB) – Brennweite fotografiert, die Bilder mit den Fliessspuren-Vergleichen mit einem Extrem-Weitwinkel 11-16mm Zoom. Am liebsten arbeite ich mit einer Festbrennweite, weil die Bildqualität meist eine Spur besser ist.
  • Nehmen Sie einen Polarisationsfilter mit. Er kann Spiegelungen des Wassers reduzieren oder eliminieren. Zudem schluckt ein Polarisationsfilter zusätzliches Licht. Beachten Sie das Vergleichsbild unten.
  • Kleines Hand- oder Geschirrtuch zum Abtrocknen der Ausrüstung
  • Linsentuch
Langzeitbelichtung am Wasser - links ohne und rechts mit Polarisationsfilter

Langzeitbelichtung am Wasser – links ohne und rechts mit Polarisationsfilter

Kameraeinstellung für Langzeitbelichtung mit Wasser

  • Die Empfindlichkeit stellen Sie bei guten Lichtverhältnissen auf den tiefsten Wert (meist ISO50 oder ISO100). Damit erreichen Sie die schönsten Farben und die knackigste Schärfe.
  • Experimentieren Sie mit verschiedenen Verschlusszeiten. Bei einem langsam fliessenden Bach oder Fluss wird 1/2 s oder länger nötig sein, bei Wasserfällen reichen vielleicht 1/10 s für einen optimalen Wischeffekt. Je länger der Verschluss offen ist, desto weicher wird die Wasserbewegung auf das Bild gezeichnet.
  • Auch die Brennweite hat einen grossen Einfluss: Mit einem Weitwinkelobjektiv von 24 mm braucht das Wasser zwei Sekunden, um den Bildausschnitt von links nach rechts zu durchlaufen. Nehme ich eine längere Brennweite von 160 mm, ist der Bildausschnitt bei gleichem Aufnahmestandort kleiner, das Wasser ist in einem Bruchteil einer Sekunde durch den Ausschnitt gerauscht.
  • Den richtigen Wert können Sie nur mit ein paar Probeaufnahmen ermitteln. Je länger der Verschluss der Kamera offen ist, desto kleiner muss die Blendenöffnung sein, damit das Bild korrekt belichtet wird. Optimal ist, wenn das Wasser ganz wolkig wird (mehrere Sekunden Belichtung) oder wenn noch ganz leichte Fliesszeichnungen vorhanden sind (Bruchteil einer Sekunde belichten).
  • Bei guten Lichtverhältnissen kann Ihr Objektiv mit dem Blendenwert an Grenzen stossen. Da hilft nur noch ein Neutraldichtefilter, welcher vor das Objektiv geschraubt wird. Er schluckt je nach Dichte eine gewisse Menge an Licht. Sie können so auch am Tag bei perfekten Lichtverhältnissen Wischeffekt erzielen.
  • Stellen Sie auf dem Stativ den Bildstabilisator aus und die Spiegelvorauslösung ein.
  • Bewegungen des Wassers und Reflexionen können die automatische Schärfeneinstellung irritieren. Ich empfehle Ihnen deshalb, die Schärfe auf das wichtige Motiv von Hand (manuell) einzustellen. So sind Sie vor Überraschungen geschützt. Bei Kompaktkameras ist die manuelle Schärfeneinstellung nur bei teureren Modellen möglich. Vielleicht gelingen Ihnen trotzdem gute Bilder.
Langzeitbelichtung am Wasser in der Äuelischlucht mit Kompaktkamera

Verwischeffekt in der Äuelischlucht, Sony DSC-RX1003, Zeiss f/2.8-4 24-70mm, 24mm KB, 1/10s, f/7.1, ISO125, HDR-Bearbeitung in Lightroom

Berechnen der korrekten Verschlusszeit

Damit Sie keinen Taschenrechner mitnehmen müssen, um die korrekte Belichtung bei Verwendung eines Graufilters auszurechnen, können Sie auf digitipps.ch eine Tabelle herunterladen. Sie lesen an Ihrer Kamera die Verschlusszeit ohne Filter ab und suchen in der Belichtungstabelle den korrekten Wert.

Beispiel: 1/125s Verschlusszeit bei Blende f/11, ND4-Filter = 1/30s

Graufilter Verschlusszeitentabelle

Graufilter Verschlusszeitentabelle

» Graufilter Verschlusszeitentabelle downloaden

Unterschiedliche Verschlusszeiten und Effekte

Die folgenden Bilder zeigen deutlich die unterschiedlichen Effekte, welche durch kürzere oder längere Verschlusszeiten entstehen. Probieren Sie aus!

» Mit Wellenbewegungen Fotos gestalten

» Den fotografischen Blick schulen

DigiSpick – das pratkische Handout

Das Handout DigiSpick mit den wichtigsten Tipps und Tricks zum Thema können Sie hier kostenlos downloaden und ausdrucken: » Fliessspuren am Wasser fotografieren






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