Fotopraxis

Landschaften fotografieren

Baumquartett, Sony DSC-RX1003, Zeiss f/1.8-2.8 24-70mm, 24mm KB, 1/500s, f/4, ISO200

Baumquartett mit Wolkenstimmung

Sie möchten Landschaften fotografieren: Was benötigen Sie für eine Ausrüstung? Ich zeige die Möglichkeiten auf und geben Ihnen Gestaltungstipps für die Landschaftsfotografie.

  • Für einen Grossteil der Landschaftsaufnahmen werden Sie mit einem Weitwinkelobjektiv arbeiten. Mit einer Brennweite von 15 bis 20 mm wird die Landschaft gestreckt und die Tiefendimension wirkt viel eindrücklicher.
  • Mit einem Teleobjektiv und langer Brennweite können Sie Teile der Landschaft „verdichten“. Häufiges Sujet: Hügelandschaften mit Nebel.
  • Wenn Sie bei Sonnenschein fotografieren, peppen Sie den Himmel mit einem Polarisationsfilter (oder Polfilter) auf und geben allfälligen Wolkenbildern Tiefe. Das Grün der Landschaft wird durch die Verwendung des Polarisationsfilters intensiver, Reflexionen auf nichtmetallischen Flächen (See, Fenster…) können reduziert werden.
  • Für alle, die auf höchste Qualität aus sind, ist ein Stativ Pflicht. Es ist zwar umständlich, aber Sie erreichen mit kleinen Blendenöffnungen (f/8-f/16) und tiefem ISO-Wert die besten Ergebnisse.
  • Mit einem Stativ können Sie den Bildausschnitt viel genauer bestimmen und den Horizont mit der Wasserwaage geraderichten.
  • Möchten Sie Aufnahmen für Spezialeffekte möglichst lange belichten, ist ein ND3-Graufilter erforderlich. Damit wird fliessendes Wasser oder ziehende Wolken surrealistisch wattig. Mehr dazu unter „Nachtaufnahmen und Langzeitaufnahmen“.
  • Die Streulichtblende am Objektiv ist Pflicht und verhindert oder minimiert Lichtreflexionen durch starke Lichtquellen.
  • Grauverlaufsfilter waren in der analogen Fotografie weit verbreitet. Darauf können Sie verzichten. In Bildbearbeitungsprogrammen können Sie diesen Effekt in unterschiedlichen Variationen auf das geknipste Bild anwenden.
Landschaften fotografieren in Appenzell Landmark

Landmark, Appenzell, Nikon D7000, Nikkor f/3.5-4.5 18-105mm, 27mm KB, 1/125s, f/11, ISO400, Polfilter

Landschaften fotografieren – Bilder komponieren

  • Suchen Sie sich ein Landschaftsmotiv aus und überlegen Sie sich, warum genau dieses Motiv Sie fasziniert.
  • Das Querformat ist ideal, um Weite und Ruhe darzustellen.
  • Wenn Sie mit einem Normal- oder Weitwinkelobjektiv fotografieren, so suchen Sie sich einen interessanten Vordergrund: Ein Zaun, eine Mauer, Steine usw. Das gibt dem Bild eine gewisse Tiefenwirkung.
  • Versuchen Sie Ihr Bild einzurahmen. Fotografieren Sie unter einem Baum (mit von oben ins Bild hängenden Ästen), unter einem Torbogen, unter einer Brücke hindurch. Vergleichen Sie die Bildwirkung mit und ohne Rahmen!
  • Mit Linien können Sie den Blick des Betrachters lenken: Zäune, lange Strassen und Wege, Leitungen, lange Brücken, Linien von Hügeln oder Bergketten, Hecken…
  • Achten Sie auf die Drittel-Regel oder den Goldenen Schnitt. Setzten Sie das wichtigste Motiv auf eine der Drittelslinien.
  • Knipsen Sie nicht gleich los. Verändern Sie die Perspektive und den Aufnahmestandort. Gehen Sie ein paar Schritte nach hinten, nach links, nach rechts, nach vorne. Gibt es einen noch besseren Ausschnitt? Manchmal braucht es Zeit, den Augen auf die Sprünge zu helfen.
  • Polarisationsfilter entfalten die beste Wirkung, wenn Sie im 90-Grad-Winkel zur Sonne fotografieren.
  • Getrauen Sie sich auch einmal, gegen die Sonne zu fotografieren. Wenn Sie eine kleine Blende (z.B. f/16) verwenden, entsteht durch die Lichtbrechung ein sogenannter Blendenstern. Die Sonne wirft dann Lichtstrahlen über das Bild.
  • Stellen Sie manuell scharf. Dann haben Sie die volle Kontrolle über die Schärfentiefe. Ideal ist die hyperfokale Distanz. Dann haben Sie eine fast unendliche Schärfentiefe.
  • Grundlegende und ausführliche Tipps zur Bildgestaltung finden Sie in unserem Artikel den fotografischen Blick schulen.
  • Kuh in der Abendsonne

    Kuh in der Abendsonne, Nikon D5300, Tokina f/2.8 11-16mm, 19mm KB, 1/125s, f/11, ISO100

Praxistipps Landschaften fotografieren

  • Beachten Sie die verändernden Lichtstimmungen bei wechselhaftem Wetter oder in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden (Goldene Stunde). Innerhalb von Minuten kann sich die Stimmung total ändern (Sonnenblumenbild oben – kurz vor Sonnenuntergang). Tolle Bilder gibt es in der Blauen Stunde. Das Wetter gestaltet Landschaften!
  • Für tolle Landschaftsbilder müssen Sie früh aufstehen, damit Sie schon bei Tagesanbruch an Ihrem Wunschort sind und die tollen Lichtstimmungen des Morgens nicht verpassen.
  • Bei sehr hohen Kontrasten (Gegenlichtaufnahme, Schatten / Sonne) lohnen sich mehrere Aufnahmen – am besten mit dem Stativ – in unterschiedlichen Belichtungen (+ 2 EV, normal, – 2 EV). So haben Sie auf einer Aufnahme die Wolkenbilder korrekt belichtet, auf einer anderen die Landschaft, auf der dritten den Vordergrund. Die Bilder lassen sich am Computer mit einem speziellen Programm (zum Beispiel Photomatix PRO) zu einem tollen HDR-Bild kombinieren. HDR: High Dynamic Range – Bild mit hohem Kontrastumfang. Tipps zum Erstellen von HDR-Bildern
  • Falls Sie mit dem Stativ arbeiten: Knipsen Sie zuerst das gewünschte Bild ohne Stativ und begutachten es am Display Ihrer Kamera. Stellen Sie das Stativ erst auf, wenn Sie den perfekten Aufnahmeplatz gefunden haben. Das spart Ihnen Zeit und Arbeit.
  • Bringen Sie beim Landschaften fotografieren nicht alles auf Ihr Bild? Nehmen Sie im Hoch- oder Querformat mehrere Bilder auf, die sich zu 40 bis 50% überlappen und erstellen Sie davon eine Panoramaaufnahme.
Lago Maggiore bei Tenero

Hafen von Tenero, Nikon D7000, Tokina f/2.8 11-16mm, 16mm KB, 1/125s, f/11, ISO100, Polarisationsfilter

» Zum ersten Teil Landschaftsfotografie – Kameraeinstellungen


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