Fotopraxis

Gegen das Licht fotografieren

Haselnussblatt im Gegenlicht, Nikon D750, Sigma f/2.8 70-200mm, 110mm KB, 1/3000s, f/2.8, ISO140

gegen das Licht fotografieren

Gegen das Licht fotografieren: In vielen Köpfen hält sich hartnäckig die Regel, immer darauf zu achten, die Sonne im Rücken zu haben. Ein gut gemeinter Rat aus der Zeit der analogen Fotografie mit Belichtungsmessern, die an ihre Grenzen stiessen.

Dabei ist es gegen das Licht fotografieren genau das, was Ihrem Motiv einen besonderen Touch geben kann. Im Beispiel habe ich das gleiche Motiv – ein vom Sturm auf den Boden gewehtes Ästchen mit Eichenblättern – mit der Sonne im Rücken und gegen das Licht fotografiert.
Das Bild mit der Sonne im Rücken habe ich zum besseren Vergleich horizontal gespiegelt. Es wird deutlich, was eine Positionsänderung von wenigen Metern ausmachen kann.

Haben Sie den Mut, gegen das Licht zu fotografieren, auch wenn Sie sich das nicht vorstellen können. Experimentieren Sie einfach. Die digitalen Bilder, die misslungen sind, können Sie sofort wieder löschen. Ein Vorteil der Digitalfotografie.

Tipps – Gegen das Licht fotografieren

  • Um die Motive überhaupt sehen zu können, müssen Sie sich gegen die Sonne wenden. Erst dann beginnen Pflanzen und im Gegenlicht zu leuchten. In den Monaten mit tieferem Sonnenstand ist es bedeutend einfacher, Blumen oder Blätter in Bodennähe im Gegenlicht zu fotografieren. Im Sommer müssen Sie für solche Bilder die frühen Morgen- oder späten Abendstunden nutzen.
  • Bleiben Sie zwischendurch stehen und schauen Sie sich um. Erst wenn Sie in die Natur «eintauchen», finden Sie auch die Perlen.
taunasses Grass - gegen das Licht fotografieren

taunasses Gras, Nikon D750, Sigma Makro f/2.8 105mm, 1/1000s, f/4.8, ISO100

  • Wenn Sie gegen das Licht fotografieren, bringen Sie Motive zum Leuchten, die leicht durchscheinend sind: Vor allem Blüten, Gräser und Blätter. Bei dichteren Pflanzen entstehen an den Konturen Säume von hellem Licht, was auch sehr gut wirkt und etwas Tiefe ins Bild bringen kann.
  • Achten Sie auf den Hintergrund. Fotografieren Sie ein Blatt vor einem dunklen Hintergrund, dann wirkt eine helle Stelle hinter dem Motiv so störend, dass sie vom Hauptmotiv – dem leuchtenden Blatt – ablenkt.
  • Spitzlichter in einer taufrischen Wiese können Ihrem Bild aber mit einem schönen Bokeh den besonderen Touch geben. So nahe sind Ablenkung und Perlen nebeneinander.
  • Sehr praktisch – wenn Sie Herbstblätter oder Blumen gegen das Licht fotografieren wollen – ist ein Hang, welcher Richtung Sonne ansteigt. So müssen Sie zum Fotografieren nicht in Bodennähe und eine relativ hochstehende Sonne streicht im spitzen Winkel über den Hangboden.
  • Wenn Sie ein Blatt gegen den Himmel fotografieren, müssen Sie die Belichtung in der Regel um +1.0 bis +2.0 EV korrigieren. Es ist besser, wenn Sie ein Motiv etwas überbelichten als unterbelichten. Je mehr Licht ein Pixel bekommt, desto mehr Informationen sind darin enthalten. Lesen Sie warum im Artikel Warum im RAW-Format fotografieren.
  • Möchten Sie ein Bild mit hohem Kontrastumfang– ein HDR-Bild – erstellen, machen Sie drei Aufnahmen mit unterschiedlichen Belichtungen: Eine Belichtungsreihe. Sie können an vielen Kameras einstellen, wie Sie die Belichtung haben möchten. Beispiel: Ein Bild +2.0, ein Bild normal, ein Bild -2.0 EV. Das funktioniert aber nur, wenn das Motiv sich nicht bewegt, es also ziemlich windstill ist. Andernfalls entstehen beim Verarbeiten der Belichtungsreihe Geisterbilder, welche nur schwer zu entfernen sind. » HDR-Bilder mit PHotomatix Pro erstellen
Herbstblatt vor tiefblauem Himmel

Herbstblatt vor tiefblauem Himmel, Nikon D750, Sigma f/2.8 70-200mm, 200mm KB, 1/2000s, f/4, ISO100





Ausrüstung – Gegen das Licht fotografieren

Herbstblatt gegen das Licht fotografieren

Herbstblatt im Gegenlicht: Nikon D750, Sigma f/2.8 70-200mm, 200mm KB, 1/2000s, f/4, ISO100

Kameraeinstellungen – Gegen das Licht fotografieren

  • Die Lichtverhältnisse sind etwas anspruchsvoller. Überprüfen Sie, ob der Belichtungsmesser eine passende Belichtung findet. Je nach Hintergrund müssen Sie die Belichtung um +1.0 bis +2.0 korrigieren. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die meisten Motive mit dem automatischen Belichtungsmesser korrekt belichtet werden. Ausnahme: Himmel als Hintergrund erfordert eine Korrektur um +1.0 bis +2.0.
  • Ich fotografiere fast ausschliesslich mit der Zeitautomatik und Blendenvorwahl. So kann ich die Schärfentiefe perfekt beeinflussen.
  • Damit ich das Bild nicht verwackle, habe ich zusätzlich die ISO Automatik eingestellt. Die sorgt dafür, dass der ISO-Wert automatisch erhöht wird, wenn die vorgegebene Verschlusszeit nicht mehr erreicht werden kann. Bei meiner 200 mm – Brennweite wähle ich für Aufnahmen aus der Hand 1/500s als längste Verschlusszeit.
  • Den Bildstabilisator schalte ich ein.
  • Ich fotografiere im RAW-Modus.
Herbstblatt im Gegenlicht

Herbstblatt im Gegenlicht, Nikon D750, Sigma Makro f/2.8 105mm, 1/750s, f/4, ISO100

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