Fotopraxis

An der Nebelgrenze fotografieren

An der Nebelgrenze fotografieren, Nikon D5300, Nikkor f/3.5-5.6 18-105mm, 50mm KB, 1/125s, f/11, ISO100

An der Nebelgrenze fotografieren

Fotografieren an der Nebelgrenze ist eines meiner Lieblingsmotive während des Winters. Das Wechselspiel zwischen Nebel, der Sonne und dem Raureif fasziniert mich immer wieder von neuem.

An der Nebelgrenze fotografieren

Falls Sie wie ich in einem Gebiet wohnen, in welchem der Nebel oft tagelang dicht über dem Dorf liegt, kennen Sie auch die Faszination, wenn der Nebel sich lichtet und die Sonnenstrahlen sanft durch ihn streichen.

Wollen Sie im Nebel fotografieren, kann ich Ihnen den Artikel Fotografieren im Nebel empfehlen, wenn Sie über der Nebelgrenze sind oder es keinen Nebel hat, die Winterfotografie.

In diesem Artikel möchte ich nur auf die Besonderheiten und den Reiz der Nebelgrenze eingehen.

Raureif an Baum und blauer Himmel

Raureif an Baum, Nikon D5300, Nikkor f/3.5-5.6 18-105mm, 45mm KB, 1/60s, f/8, ISO100, Polarisationsfilter





Wechselspiel zwischen Nebel und Sonnenstrahlen

Um das Spiel zwischen Nebel und Sonne einfangen zu können, müssen Sie sich zunächst an die Nebelgrenze begeben. Informieren Sie sich vorab im Internet über Web-Cams, auf welcher Höhe die Nebelobergrenze aktuell liegt. So erleichtern Sie sich die Planung – oder Sie können schon vorab feststellen, dass Sie – bei Hochnebel – viel zu weit fahren müssten.

Ideal ist eine tiefe Nebelgrenze, da diese die Landschaft mit Bäumen oft in eine märchenhafte Szene verwandelt. Wenn der Nebel langsam sinkt, legt er zuerst den Raureif an Bäume und Gräser und lässt dann etwas später die Sonne auf die Märchenlandschaft scheinen.

Das Wechselspiel zwischen dem Nebel und der Sonne ist faszinierend, aber auch unplanbar. Sie müssen sich einfach vom Moment überraschen lassen und schnell reagieren. Die Lichtsituation ändert sich manchmal innerhalb einer Sekunde. Der Nebel kriecht ins Bild und verdeckt Motive – oder er zieht sich zurück und gibt den Blick darauf frei.

Raureif an Zaunpfahl

Raureif an Zaunpfahl, Nikon D5300, Nikkor f/3.5-5.6 18-105mm, 60mm KB, 1/250s, f/8, ISO100

Ausrüstungstipps Fotografieren an der Nebelgrenze

  • Sie können diese Motive mit irgendeiner Kamera fotografieren. Die Lichtverhältnisse sind sehr gut, sodass Sie auch mit einem Smartphone tolle Bilder aufnehmen können.
  • Damit Sie viel von der Landschaft auf Ihr Bild bekommen, benötigen Sie ein Objektiv mit einer grossem Bildwinkel oder kleinen Brennweite – ein Weitwinkelobjektiv mit 27 bis 35mm Brennweite für Kleindbild-Sensoren, für Halbformat wie APS-C etwa 18 bis 27mm, da der Crop-Faktor das Bild beschneidet.
  • Da Sie oft gegen das Licht fotografieren werden, benötigen Sie unbedingt eine Gegenlichtblende und saubere Objektiv-Linsen.
  • Nehmen Sie einen Ersatz-Akku mit. Die Kälte lässt den Energievorrat schnell schrumpfen.
  • Eine Kamera mit Klappdisplay erleichtert Aufnahmen aus Bodennähe oder speziellen Perspektiven.
  • Mit einem Stativ könnten Sie genauer arbeiten, aber die schnell wechselnden Lichtverhältnisse lassen Ihnen oft zu wenig Zeit, um sich optimal damit einrichten zu können. Macht aber auch nichts, da die Lichtverhältnisse sehr gut sind.
  • Um Bäume mit dem Raureif vor einem tiefblauen Himmel abheben zu können, hilft ein Polarisationsfilter.
  • Meine Ausrüstung: Smartphone, Nikon D5300 mit Tamron f/2.8 11-16mm, Nikkor f/3.5-5.6 18-105mm oder die Nikon D750 mit dem Tamron f/1.8 35mm und dem Tamron f/2.8 15-30mm.
  • Wenn Sie die Spitzen des Raureifes in Szene setzen möchten, ist ein Makroobjektiv die beste Wahl.
Nebel erobert zurück

Nebel erobert zurück, Nikon d5300, Nikkor f/3.5-5.6 18-105mm, 33mm KB, 1/750s, f/8, ISO100


Regelmässig Fototipps in Ihrer Mailbox?

Möchten Sie jeden Monat Anregungen zum Fotografieren bekommen? Bestellen Sie den Newsletter und geniessen Sie die Tipps, um besser fotografieren zu lernen. » Ich möchte vom kostenlosen Newsletter profitieren


Kameraeinstellungen beim Fotografieren an der Nebelgrenze

  • Stellen Sie Ihre Kamera auf Zeitautomatik A oder auf Programmautomatik P. Für Landschafts- und Baumbilder wählen Sie eine Blende im Sweet-Spot von f/8 bis f/11, um eine grösstmögliche Schärfentiefe zu erreichen.
  • Die Sensor-Empfindlichkeit stellen Sie auf ISO100 oder ISO200. In diesem Bereich ist die Sensorleistung am besten. Alternativ können Sie bei der Wahl von Programm- oder Zeitautomatik die ISO-Automatik auf ISO100 bis ISO800 einstellen.
  • Mit dem Smartphone können Sie – falls vorhanden – den Modus HDR auswählen. Der Kontrastumfang des Bildes wird dadurch höher, was bei Gegenlichtaufnahmen von Vorteil ist.
  • Fotografieren Sie im RAW-Format, wenn Ihre Kamera dies ermöglicht. Sie haben viel mehr Optimierungsmöglichkeiten bei Rohformat-Bildern als mit dem JPG-Format. Der Dynamikumfang – Unterschied zwischen der hellsten und dunkelsten Stelle – ist im RAW-Format deutlich höher.
  • Möchten Sie bei Gegenlichtaufnahmen die Sonne mit Strahlen einfangen (Blendenstern), schliessen Sie die Blende auf die zweithöchste oder höchste Stufe (zum Beispiel f/16 oder f/22). Beachten Sie aber, dass je nach Objektiv eine ganz geschlossene Blende zu einer mehr oder weniger starken Schärfeeinbusse führen kann. » Beugungsunschärfe
  • Stellen Sie die Histogramm-Ansicht und die Überbelichtungswarnung an Ihrer Kamera ein. Beide helfen, die korrekte Belichtung einzustellen.
tolle Nebeleffekte

Nebeleffekte, Nikon D7000, Nikkor f/3.5-5.6 18-105mm, 27mm KB, 1/180s, f/6.7, ISO100

Tipps für tolle Fotos an der Nebelgrenze

  • Starten Sie leicht unterhalb der Nebelgrenze. Der Mischbereich von Sonne und Nebel bringt die faszinierenden Licht-Wechselspiele zum Vorschein. Die Sonnenstrahlen werden durch den Nebel sichtbar gemacht. Dieser Effekt tritt vor allem im Wald oder bei Baumgruppen auf, da die Äste einen Teil des Sonnenlichtes abhalten und so den Strahleneffekt auslösen.
  • In den frühen Morgen- und späten Abendstunden bewegt sich die Nebelgrenze stärker. Dadurch entsteht auch mehr Raureif an den Bäumen.
  • Die Nebelgrenze steigt im Verlauf des Vormittags eher an und sinkt gegen Abend meist wieder.
  • Stellen Sie die Grundwerte Ihrer Kamera vorher ein. Die Stimmungen wechseln schnell. Wenn Sie eine optimale Lichtsituation entdecken, sind Sie genügend schnell, um diese einzufangen. Sekunden später kann diese sich schon wieder aus dem Staub gemacht haben.
  • Wenn Sie mit dem Polarisationsfilter arbeiten, stellen Sie sorgfältig den stärksten Effekt ein, indem Sie beim langsamen Drehen des Filters auf das Blau des Himmels achten. Der Effekt ist im 90-Grad-Winkel zur Sonne am stärksten.
  • Kontrollieren Sie die Aufnahmen mit dem Histogramm und der Überbelichtungswarnung. Da Sie so hohe Kontraste im Bild haben werden, müssen Sie gut darauf achten, dass kein Clipping entsteht und Lichter ausfransen.
  • Raureif an den Pflanzen oder an Zäunen sind ebenfalls beliebte Fotomotive. » Fotografieren im Nahbereich

Wechselnde Lichtverhältnisse: Alle drei Bilder sind innerhalb von 30 Sekunden entstanden. Klicken Sie auf ein Vorschaubild und navigieren Sie mit den Pfeiltasten.

Tipps für danach

  • Ihre Ausrüstung wird beim Shooting ausgekühlt. Wenn Sie in einen warmen Raum kommen, wird sich die Ausrüstung durch den Feuchtigkeitsgehalt sehr schnell beschlagen. Das kann der Elektronik schaden. Packen Sie die Ausrüstung erst eine halbe Stunde oder später aus. Sie hat dann in der Fototasche Zeit, sich langsam an die warme Temperatur zu gewöhnen.
  • Alternativ können Sie die Kamera in einen Plastiksack packen und luftdicht abschliessen. Legen Sie allenfalls ein Granulat-Säckchen, welches Feuchtigkeit aufnimmt, mit in den Plastiksack. Packen Sie die Kamera erst aus, wenn sie sich an die Raumtemperatur akklimatisiert hat.
  • Laden Sie Ihre Fotos auf den Computer und misten Sie die Ergebnisse aus. » Tipps zum digitalen Workflow

» Fotografieren im Nebel

» Fotografieren im Schnee

» optimaler Weissabgleich an RAW-Aufnahmen





Seitencode: DT602