Bildaufbau

Wie sieht die Kamera ein Motiv

Löwenzahnblüte ganz nah, Nikon D5300, Nikkor Micro f/3.5 85mm, 127mm KB, 1/3s, f/16, ISO100, Stativ, Spiegelvorauslösung

Löwenzahnblüte ganz nah - Makrofotografie

Wie sieht die Kamera ein Motiv? Zum Teil ganz anders als unser Auge. Deshalb ist es wichtig, die Unterschiede zu kennen. Sonst wirken die Bilder flau und langweilig.

Wie sieht die Kamera ein Motiv? Löwenzahn ungewöhnlich nah

Ungwohnt nah: Makroaufnahme, Nikon D5300, Nikkor Micro f/3.5 85mm, 127mm KB, 1/3s, f/22, ISO100, Stativ, Spiegelvorauslösung

Wie sieht die Kamera ein Motiv?

Unterschiede zwischen Kamera und dem menschlichen Auge

Das Auge sieht, aber das Gehirn ist es, welches unsere Bilder verarbeitet.

Wenn Sie dem Betrachter die Welt so zeigen können, wie er sie mit seinen Augen nicht wahrnimmt, dann überraschen Ihre Bilder.

Sie müssen sich bewusst werden, wie unterschiedlich die Augen und die Kamera ein Bild sehen. Mit diesem Bewusstsein gelingen Ihnen gute Aufnahmen.

Fokussierung – scharf stellen

Unsere Augen können nicht gleichzeitig auf einen Nah- und einen Fernpunkt fokussieren. Dadurch blenden wir den Hintergrund aus. Die Kamera kann je nach Situation und Brennweite eine sehr grosse Schärfentiefe abbilden, was in der Landschaftsfotografie von Vorteil ist. Der Nachteil: Alles ist scharf und alles kann ablenken.









Unser Auge kann eine Person in einer Menschenmenge fixieren, die Kamera zeigt alle Personen dieser Menge gleich.

2D und 3D – zweidimensional versus dreidimensional

Unsere Augen sehen dreidimensional, die Kamera nur zweidimensional. Wollen Sie Tiefe ins Bild bringen, müssen Sie bestimmte Gestaltungsmerkmale beachten.

Dinge im Vordergrund oder Linien, die in der Weite zusammenlaufen simulieren Tiefe.

stürzende Linien - Postgebäude in Locarno

Stürzende Linien bringen Tiefenwirkung ins Bild, Sony DSC-RX100iii, Zeiss f/1.8-2.8 24-70mm, 24mm KB, 1/160s, f/4, ISO125

Bildwinkel

Unser Auge hat immer den gleichen Bildwinkel und die gleiche Brennweite. Sie entspricht etwa einer Objektivbrennweite von 43mm im Kleinbildformat (umgerechnet 27mm bei Canon-, 28mm bei Nikon-Halbformatsensoren). An der Kamera können Sie unterschiedliche Objektive mit unterschiedlichen Brennweiten verwenden und so ungewöhnliche und für das Auge überraschende Bildwinkel erzeugen.

Kontrastumfang

Wie sieht die Kamera ein Motiv? Unsere Augen können mit einem sehr hohen Kontrastumfang umgehen, die Digitalkamera nur mit etwa 10 bis 12 Lichtwerten. Man spricht hier vom Dynamikumfang – dem Unterschied zwischen der hellsten und der dunkelsten Stelle in einem Bild. Ist der Kontrastumfang grösser als Ihre Kamera verarbeiten kann, müssen Sie auf den Trick der HDR-Bildverarbeitung zurückgreifen oder als Kompromiss die wichtigsten Bildelemente korrekt belichten.

hoher Kontrastumfang bei Gegenlicht - Baum im Herbstnebel

Hoher Kontrastumfang bei Gegenlicht, Nikon D5300, Tokina f/2.8 11-16mm, 16mm KB, 1/250s, f/8, ISO100, tonemapped mit PhotomatixPro

Verschlusszeit und Blinzeln

Unsere Augen können kein Bild einfrieren. Mit der Kamera können wir ganz schnelle Bewegungen als Einzelbilder festhalten. In der Anfangszeit der Fotografie eine Sensation!

Spiegelreflexkameras können mit sehr kurzen Verschlusszeiten von 1/4000s oder 1/8000s belichten.

Sinneseindrücke – Wie sieht die Kamera das Motiv?

Befinden Sie sich im Wald und fotografieren Herbstblätter, nehmen Sie mit Ihren Sinnen viele Informationen auf: Es duftet angenehm, eine kühle Luft streicht über Ihr Gesicht, sie sind guter Stimmung. Diese Sinneswahrnehmungen können nicht mit dem Bild gespeichert werden. Berührt das Bild jemanden, der nicht dort war, trotzdem? Können Sie diese Sinneseindrücke und Ihre momentane Stimmung ins Bild transformieren? Eine schwierige Aufgabe!

Sehen in der Dunkelheit

Unsere Augen sehen in der Dunkelheit nicht mehr so scharf und nicht mehr farbig. Mit der Digitalkamera können Sie auch nachts mit einem Stativ knackig scharfe Farb-Aufnahmen machen. » Langzeitbelichtungen

Sehen in der Dunkelheit - Zug mit Langzeitbelichtung

Sehen in der Dunkelheit – Langzeitbelichtung, Nikon D5300, Sigma f/2.8-4 17-70mm, 39mm KB, 30s, f/6.7, ISO100, Stativ, Spiegelvorauslösung

Farbkorrekturen und Weissabgleich

Um den Weissabgleich (die herrschende Farbtemperatur) müssen wir uns beim Sehen nicht kümmern. Die Kamera kommt aber je nach Licht an Ihre Grenzen und Sie müssen den Weissabgleich selber einstellen, bzw. – falls sie im RAW-Format fotografieren – mit einem RAW-Konverter korrigieren.

Schwarzweiss- oder Farbbilder

Die Kamera kann in Schwarzweiss oder in Farbe aufnehmen. Unsere Augen sehen in der Regel nur farbig. Lediglich in der Nacht reduzieren auch unsere Augen die Farben, um noch einigermassen gut sehen zu können.

abstrakte Industriefassade mit beleuchtetem Fenster

Industriefassade, Nikon D5300, Sigma f/2.8 70-200mm, 180mm KB, 1/3s, f/4.8, ISO100, Stativ, Spiegelvorauslösung

» Richtig fotografieren

Unsere Themen zur Bildgestaltung:

Bildgestaltung und Bildwirkung / Sehtraining - den fotografischen Blick schulen / Tiefenwirkung erzeugen / Diagonalen und Linien / Wie sieht die Kamera ein Motiv? / Wie entsteht ein gutes Foto? / Workshop Bildgestaltung / Der Fotografische Blick / die richtige Perspektive / Übungen besser fotografieren lernen / Checkliste optimale Bildgestaltung






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